„Mein bester letzter Sommer“ von Anne Freytag

Mein bester letzter Sommer

Tessa ist 17 Jahre jung und wird ihren 18. Geburtstag nicht mehr erleben. Sie leidet nämlich an einem Herzfehler und zu allem Übel fehlt ihr auch noch eine Lungenschlagader. Tessa igelt sich zuhause ein und verflucht sich und die Welt. Die Beziehung zu ihrer Mutter steht auf der Kippe und auch in ihrer Schwester hat sie scheinbar keine Verbündete. Ihr Vater arbeitet ständig und nimmt sich kaum Zeit für die Familie.


Während dieser trostlosen Zeit taucht Oskar in Tessas Leben auf und stellt deren Welt sogleich auf den Kopf. Er sieht Tessa mit seinen Augen, sieht den wunderbaren Menschen hinter der Krankheit und hat den Mut, sich dieser Liebe ohne Happy End zu stellen. Er schenkt ihr einen letzten, unvergesslichen Sommer und zeigt ihr, was das wahre Glück im Leben ist

Dieses emotionale Buch ging mir echt unter die Haut. Die Streitereien in der Familie sind so realistisch beschrieben, dass man wirklich das Gefühl hat, mittendrin zu sein. Die ganze Familie leidet unter Tessas Krankheit, aber niemand weiß damit umzugehen. Der Druck, der auf allen lastet, bringt jeden an seine Grenzen und manchmal droht die Situation zu eskalieren. Mittendrin eine 17-Jährige, die all ihren verlorenen Möglichkeiten hinterhertrauert und einsieht, dass sie ihr Leben nie gelebt, sondern nur geplant hat.

„Es ist schon seltsam. Ich wollte immer alles. Also für mein erwachsenes Ich. Jetzt wäre ich schon mit etwas mehr Zeit zufrieden. Das Leben wird nicht definiert von denen Momenten, in denen du atmest, sondern von denen, die dir den Atem rauben.“ (S.24)

Diesen Frust lässt sie vor allem an ihrer Mutter aus, die seit Tessas Geburt von deren Krankheit wusste, sie aber verschwieg. Nur langsam wird Tessa klar, dass ihr langsames Sterben nicht nur für sie schwierig ist, sondern auch für ihre Familie, die sie auf diesem letzten, qualvollen Weg begleitet.

In diesen traurigen Alltag bricht Oskar mit aller Wucht ein. Tessa ist sofort Hals über Kopf in den gutaussehenden Jungen verliebt, lässt ihn aber nur zögerlich an sich heran. Ihr Herz will mit Oskar zusammen sein, ihm ganz nahe sein. Doch ihr Verstand wirft ihr vor selbstsüchtig zu sein und Oskars Leben mit in den Abgrund zu reißen.

„Der Verstand hat keine Chance, wenn das Herz einmal entschieden hat, was es will.“ (S.168)

Tessa entscheidet sich für die Liebe und ist erstaunt, dass Oskar nicht wegläuft, sondern sie so liebt, wie sie ist. Ihre Schüchternheit und ihre Ängste bremsen sie immer wieder aus, dennoch genießt sie das Abenteuer der Italienreise in vollen Zügen. Oskars Unbeschwertheit färbt zumindest teilweise auf Tessa ab und lässt sie ihre Krankheit manchmal vergessen. Tessa erlebt die glücklichsten Tage ihres Lebens und söhnt sich mit ihrer Familie und ihrer besten Freundin aus.

Doch je mehr Tessa sich fallen lässt und ihren Frieden mit dem Schicksal schließt, umso tiefer wird Oskars Verzweiflung. Er ist noch nicht bereit, Tessa gehen zu lassen. Er weiß nicht, wie er es ertragen soll, nach seiner kleinen Schwester noch einen weiteren Menschen zu verlieren, den er über alles liebt. Langsam bröckelt seine starke Fassade, die er sich aufzwingt. Er will stark sein für Tessa, dabei leidet er selbst unter unsichtbaren Wunden, die niemals zu heilen scheinen.

„Wenn ich könnte, würde ich sie vor allem beschützen. Ich würde sie verteidigen. Sie glücklich machen. Aber alles, was ich tun kann, ist, ihr beim Sterben zuzusehen.“ (S.340)

Der größte Teil des Buches beschreibt Tessas Sicht der Dinge, erst gegen Ende, als Tessa zu schwach wird, wechselt die Erzählperspektive zwischen Oskar und Tessa ab. Dies macht die ohnehin schon packende Lektüre abwechslungsreich und lässt den Leser an Oskars Gefühlswelt teilhaben. Vor allem zum Schluss ist dies natürlich nur logisch, da Tessa ihren langen Kampf gegen die Krankheit verliert.

Der Schreibstil ist schonungslos ehrlich und sehr offen, immer wieder war ich den Tränen nahe und fühlte zu jeder Zeit mit Teskar. Ich habe mit Tessa geweint, gelacht und gelitten. Die ganze Bandbreite der Emotionen wird in diesem Roman bedient und das macht dieses Buch so wunderbar. Bei aller Traurigkeit und der ständigen Gefahr des Todes ist dieses Buch aber vor allem eine Hommage an das Leben und die Liebe. Wenn Tessas Geschichte mich etwas lehrt, dann den Moment in vollen Zügen zu genießen und das Leben einfach zu leben!

„Wir alle haben zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn wir realisieren, dass wir nur eines haben“ (S.265)

Ich vergebe 5 Blumen!

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Christine NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

 

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2 Gedanken zu “„Mein bester letzter Sommer“ von Anne Freytag

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