Jane Austen & Football? Wer hätte das gedacht…

„Wenn man etwas liebt, kann man schließlich nicht andauernd glücklich sein, oder? Deshalb liebt man es doch gerade. Weil man alle möglichen Gefühle dabei hat, nicht nur Glücksgefühle. Es kann wehtun, es kann dich saumäßig wütend machen, aber … es bringt dich dazu, überhaupt etwas zu fühlen.“ (S. 255)

Einer Sache ist sich Devon Tennyson auf jeden Fall sicher: würde jemand auf die glorreiche Idee kommen, ihr Leben auf Papier zu verewigen, so dürfte dies nur im Stil ihrer Lieblingsschriftstellerin Jane Austen erfolgen.
Ihre Zukunft hingegen schwebt, wie eine bedrohliche Gewitterwolke, über ihrem Kopf. Eigentlich würde sie nichts an ihrem Leben ändern wollen. Sie ist zufrieden damit, heimlich in ihren besten Freund verliebt zu sein und den üblichen außerschulischen Aktivitäten erfolgreich aus dem Weg zu gehen. Aber das Leben lässt sich nun mal nicht so leicht auf Standby stellen. Insbesondere dann nicht, wenn es nach Antworten verlangt.
Die Anwesenheit ihres Cousins Foster, scheint plötzlich alles ins Rollen zu bringen, wovor Devon sich bisher immer gedrückt hat. Und dann taucht der überhebliche und (leider) sehr attraktive Ezra immer wieder in ihrer Nähe auf. Devon muss feststellen, dass auch im 21. Jahrhundert einem Stolz und Vorurteil im Weg stehen können und erste Eindrücke manchmal täuschen…

Bei Jane & Miss Tennyson handelt es sich um den Debütroman der amerikanischen Autorin und Vloggerin Emma Mills. Ich bin jedoch nicht durch ihren (momentan weniger aktiven) YouTube – Kanal elmify auf diesen Jugendroman aufmerksam geworden, sondern durch das florale Cover.
Sowohl die Gestaltung, als auch der Titel von Jane & Miss Tennyson lassen eine romantisch verspielte Geschichte erahnen, doch ich kann beruhigen: sie ist keineswegs überzuckert. Stattdessen erwartet den Leser eine gelungene und glaubwürdige Geschichte, die einen bereits auf den ersten Seiten überzeugt.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die siebzehnjährige Protagonistin Devon Tennyson. Wie bereits der Klappentext verrät, befindet sie sich an einem wichtigen Punkt in ihrem Leben und sieht sich plötzlich mit der Frage, nach ihrer persönlichen Zukunft, konfrontiert. Wo sieht sie sich in den nächsten Jahren? Sieht sie sich an einem College oder direkt in der Arbeitswelt? Wo liegen ihre Stärken und was hat sie eigentlich für Interessen? Devon hat darauf noch keine Antworten.
Die Zweifel einer jungen Erwachsenen wurden hier durchaus greifbar umgesetzt und die Erkenntnisse, die Devon auf den mehr als vierhundert Seiten gewinnt, sind für gleichaltrige Leser sicherlich auch ein guter Anstoß für sich selbst.

Bereits auf den ersten Seiten mochte ich die erfrischende Art der Protagonistin. Devon ist ein gewöhnliches Mädchen. Sie steht nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, wird aber dennoch von allen anderen Schülern akzeptiert. Sie zwängt sich nicht in eine Rolle, nur damit sie beliebt ist, sonder ist einfach sie selbst, was sympathisch ist.
Man ist gerne Teil ihrer Gedankenwelt, denn sie hat einen tollen Humor und bringt den Leser so manches Mal mit ihrem sarkastischen und ironischen Ton zum Lachen.

„Ein netter Spitzname war der erste Meilenstein auf der Kotzautobahn, die direkt nach Beziehungsstadt führte“ (S. 222)

Jane & Miss Tennyson besitzt zwar stolze 477 Seiten, aber davor sollte man nicht zurückschrecken, denn der Königskinder – Verlag hat sich bei seinen Hardcover Büchern für ein kleines Format entschieden, mit einer sehr guten Haptik. Die Schriftgröße ist darüber hinaus groß. Ich selbst hätte mir sogar am Ende noch einige weitere Seiten gewünscht.
Der Schreibstil der Autorin ist leicht verständlich und angenehm zu lesen. Leider waren mir persönlich einige Wortspiele zu ungenau, was mich auf den ersten Seiten ein wenig gestört hat. Doch dies löst sich im Verlauf des Buches auf und auch zu Beginn wahrgenommene Wortwiederholungen sind kaum noch bemerkbar.

Die Besonderheit dieses Jugendromans sind wohl seine Charaktere. Emma Mills beweist wirklich ein feinfühliges Fingerspitzengefühl bei der Formung ihrer Protagonistin, als auch den einzelnen Nebencharakteren, die einem wirklich ans Herz wachsen. Diese haben dem Roman meiner Meinung nach Lebendigkeit verliehen und für Abwechslung im Erzählfluss gesorgt.
Ich möchte nun auch gar nicht zu stark auf diese Figuren eingehen, denn diese sollte jeder selbst kennenlernen.

Es gibt zwei große Themen, die in Jane & Miss Tennyson eine vorrangige Rolle spielen. Das ist zum einen Football und zum anderen Jane Austen.
Zentral im Mittelpunkt steht hier vor allem: Football. Das hat mich zuerst überrascht, denn seien wir mal ehrlich, wer hätte das von einem Cover, welches mit Rosen übersät ist, erwartet?
Doch auch diesen Punkt fand ich durchaus interessant, denn schließlich gehört diese Sportart zur amerikanischen Kultur, wie ein Deckel zu seinem Topf. Es war durchaus spannend zu sehen, wie sehr dieser Sport in der amerikanischen Gesellschaft verankert ist und obwohl ich kaum eine Ahnung von dieser Sportart habe (und schon gar nicht von den komplizierten Regeln), hat die Autorin es dennoch geschafft, dass ich alles sehr gut nachvollziehen konnte.

Kommen wir nun zu Jane. Ich glaube jeder, der einen Roman oder eine daraus resultierende Verfilmung von Jane Austen gelesen oder gesehen hat, wird diese Autorin mögen. Insbesondere dann, wenn dieser jemand ein wenig romantisch veranlagt ist.
Emma Mills hat ihre Leidenschaft für Jane Austen in ihren Roman einfließen lassen und das ist ihr durchaus gelungen. Sie verflechtet die erzählte Gegenwart, mit der fiktiven Jane Austen Welt und erziehlt damit einen amüsanten Vergleich in Devons Gedankenwelt. So gibt es etwa eine Szene, wo sie ihre Ankunft auf einer Party mit einem Ballbesuch in einem Jane Austen Roman vergleicht.
Das ist erfrischend und belustigend zugleich.
Wer Jane Austen kennt, wird sicherlich die ein oder andere Anspielung entdecken und wer sie nicht kennt, wird sicherlich irgendwann einmal zu einem ihrer Romane greifen.

Fazit: Man nehme einen Teelöffel Football, eine Prise von Jane Austen und würzt das ganze mit einem Hauch von Zukunftsangst et voilà man hat einen gelungenen und unterhaltsamen Jugendroman!

Mir hat Jane & Miss Tennyson wirklich einige schöne Lesestunden beschert. Es ist eine lockere, humorvolle aber auch an einigen Stellen ernste Geschichte, die hier erzählt wird.
Gerne hätte ich dem Buch auch 5 Sterne gegeben, aber das Ende hat bei mir leider nicht alle Fragen ausreichend beantworten können. Aber dennoch ist die Geschichte in sich stimmig und lässt einen mit einem zufriedenen Lächeln zurück.

Daher kann ich diesen Jugendroman jedem empfehlen, der eine sympathische Protagonistin dabei begleiten möchte, wie sie sich selbst besser verstehen lernt und dabei erkennt, dass manchmal mehr hinter der Fassage eines Menschen steckt, als wie es auf den ersten Blick erscheinen mag.
Und wer selbst gerade im gleichen Alter wie Devon ist und dem sich die gleichen Fragen stellen, der kann einen kleinen Schubs in Richtung eigener Zukunft sicherlich gebrauchen😊

Von mir gibt es 4 Papierblumen.

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Neugierig geworden? Hier geht es zu 5 Fragen an Emma Mills ein Interview, welches im Zuge der Leserunde auf lovelybooks.de entstanden ist!

Bonny NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE
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