Leider konnte mich diese Liebesgeschichte nicht überzeugen…

„Für mich gab es nur zwei Sorten Männer. Solche, die nett, liebevoll und zuvorkommend waren und später zu Ehemännern und Familienvätern taugten, und solche, vor denen mich meine Mutter stets gewarnt hatte. […] Männer, die man nur schwer haben konnte, wie eine gute Havanna in den USA oder Bananen im ehemaligen Ostblock.“

HalbzeitküsseLillian liebt ihren Beruf als Reporterin und hat auch kein Problem damit für das Magazin Vip & Style das Privatleben der Promis in London auseinander zu nehmen.
Als ihre Chefin sie jedoch darauf ansetzt das Fußballteam von London City während der Champions League Saison zu begleiten, um prickelnde Details über das Privatleben der Fußballstars herauszufinden, ist sie weniger begeistert von dieser Idee. Sie mag Fußball noch nicht einmal. Und auch die Mannschaft empfängt sie nicht mit offenen Armen, denn ihr Ruf eilt ihr voraus.
Doch dann lernt sie das Team besser kennen und vor allem Jamie O’ Conner offenbart sich als weniger kratzbürstig, als zunächst angenommen.
Und schon bald sieht sich Lillian vor der Wahl zwischen ihrer Karriere und Jamie gestellt…

Halbzeitküsse von Alexandra Görner hat mich als leidenschaftliche fußballliebende Leseratte, die gerne mal zwischendurch zu diesem leichteren Genre greift, sehr neugierig gemacht!
Schon oft habe ich mich gefragt, wann endlich mal ein/e Autor/in auf die Idee kommt, nicht den von vielen amerikanischen Schriftsteller/innen aufgegriffenen Themenbereich Football in ihren Roman einzubinden, sondern den hier in Europa geliebten Fußball.
Das dies durchaus unterhaltsam sein kann, wissen wir spätestens seit dem Film zu Bend it like Beckham. Daher fand ich die Idee von Alexandra Görner durchaus erfrischend!

Doch leider konnte mich dieser Roman von ihr nicht überzeugen. Dies lag jedoch keineswegs an dem Schreibstil der Autorin, der leicht verständlich und gut lesbar war und sich kaum von anderen Romanen in diesem Genre abgrenzt, sondern dies lag vielmehr an der Umsetzung der hier erzählten Liebesgeschichte und der daraus resultierenden Glaubwürdigkeit.

Erzählt wird Halbzeitküsse aus zwei Perspektiven.
Da hätten wir einmal: Jamie O’ Conner. Ein Profifußballer, der seit der neuen Saison für das Team London City spielt. Sein Wechsel von Manchester United liegt noch nicht lange zurück und mit seinem neuen Verein ist er nicht wirklich zufrieden. Auf den ersten Seiten wirkt Jamie genervt, wütend und unzufrieden. Auf den knapp 300 Seiten fehlt es ihm an Leidenschaft für den Sport, den er ausübt. Er wirkt nicht wirklich konzentriert und zu sehr von seiner Außenwelt abgelenkt.

Seit wann spielt er Fußball? Was liebt er an diesem Sport? Wie hat er überhaupt den Weg dorthin bestritten, wo er sich gegenwärtig befindet? Wurde er von einem Talentscout entdeckt? All diese Fragen werden kaum oder gar nicht beantwortet.

Die größte Schwachstelle von diesem Roman ist die fehlende Atmosphäre. Wenn man sich dazu entscheidet eine Liebesgeschichte zu schreiben, die im Profifußball – Milieu spielt, dann will man als Leser auch gerne etwas davon bemerken. Leider war das kaum spürbar.

Das Team von Jamie spielt in der Champions League. Es ist der Traum eines jeden Fußballers hier überhaupt Spielzeit zu bekommen oder gar ein Spiel mit seinem Team zu gewinnen. Eine Niederlage ist bitter und ein Sieg könnte nicht schöner sein. Doch die Umsetzung eines hier errungenen Sieg in der Königsklasse des Fußballs ist gleichzusetzen mit einem gewonnenen Vorbereitungsspiel für die neue Saison…
Der Sport selbst, die Erfahrungen auf dem Spielfeld und die Leidenschaft für dieses Spiel bleiben dem Leser verborgen. Man hätte hier super gut mit den Ängsten oder den Befürchtungen eines Profisportlers arbeiten können. Mit dem Blick auf die Verletzungsgefahr, mit dem Druck in einer Mannschaft, wann man nicht fit genug ist und auf der Ersatzbank platz nehmen muss… All das ist nicht gegeben und dadurch geht hier sehr viel Atmosphäre verloren!

Natürlich könnte man nun argumentieren: ‚Aber hier handelt es sich doch um einen Liebesroman…‘. Klar! Aber was ist ein Liebesroman ohne Atmosphäre, ohne Spannung und ohne Leidenschaft? Und wo kann man mehr Leidenschaft finden, wenn nicht im Fußball?
Und das hätte die hier erzählte Liebesgeschichte sicherlich unterstützen können…

Ich weiß nicht, ob die Autorin sich nicht getraut hat hier in die Tiefe zu gehen oder ob sie sich überhaupt wirklich mit dem Thema Fußball befasst hat. Letztlich hatte ich immer das Gefühl, dass die Autorin sich an den klassischen Klischees bedient hat, die man immer wieder über den Profifußball hört.

Bei der zweiten Erzählerstimme handelt es sich um Lillian Loman. Sie begleitet die Mannschaft von London City auf ihren Auswärtsspielen im Viertel-, Halbfinale und letztlich auch im Finale. Doch von Druck ist hier kaum etwas in der Mannschaft spürbar.
Normalerweise liegen die Ligaspiele und die Spiele in der Champions League sehr dich beieinander. Und auch wenn man das Finale in der Königsliga gespielt hat, dann ist die Saison normalerweise beendet. Doch hier gibt es kaum noch einen Bezug zur Realität. Die Saison läuft einfach weiter…

Lillian wirkt eigentlich recht sympathisch. Sie steht dennoch Mitten im Leben und weiß, was sie will.
Doch ihre Chefin verfolgt einen ganz anderen Plan und stellt Lillian vor die Wahl: entweder sie räumt ihren Schreibtisch oder sie begleitet das Fußballteam von London City während der bereits laufenden Champions League Saison, um an die Geheimnisse der Spieler zu gelangen…

Lillian und Jamie können sich bereits auf den ersten Seiten nicht sonderlich gut leiden und man kann hier wirklich schon von Hass sprechen.
Man sagt ja Hass und Liebe liegen nah beieinander, doch der Wandel von Hass zur Liebe zwischen Jamie und Lillian ging mir dann doch zu schnell und war kaum nachvollziehbar. Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin plötzlich keine Lust mehr dazu hatte, dass die beiden sich streiten und lässt sie daher einfach mal übereinander herfallen…
Ich konnte die Anziehung zwischen den beiden nicht nachvollziehen und die Beziehung zwischen den beiden war mir daher auch zu oberflächlich.

Das Lillian als Journalistin arbeitet, nimmt man ihr auch nicht wirklich ab. Sie stellt kaum Fragen bzw. man ist als Leser auch nie wirklich dabei. Stattdessen wir man immer wieder mit ein oder zwei Sätzen abgespeist, wo erklärt wird, worum es in dem vorangegangenen Gespräch ging.
Wir erfahren an einer Stelle, was sie über einzelne Teammitglieder herausgefunden hat (typische Skandale im Fußball, wie wir sie selbst aus der Klatschpresse kennen). Wie sie jedoch darauf gekommen ist, bleibt dem Leser verborgen. Weibliche Intuition? Irgendwie wird sie ja zu ihrem Job gekommen sein…
Ich hätte es besser gefunden, wenn man als Leser wenigstens ein klein wenig miterlebt und nicht einfach eine Zusammenfassung hingeklatscht bekommt. Hier geht Spannung verloren!

Damit hat es sich die Autorin nicht nur ziemlich leicht gemacht (Problem gelöst! Man ist dann und wann schon in diesem oder jenen Gespräch zu der Lösung gelangt…), sondern sie hat hier ebenfalls wieder Atmosphäre verloren.
Außerdem bekommt man kein Gefühl für die Nebencharaktere in diesem Roman. Sie bleiben einem vollständig fremd.
Bis zur letzen Seite konnte ich kaum jemanden aus Jamies Team voneinander unterscheiden. Sie sind wie dunkle Schatten, die zwischendurch mal genannt werden, weil Fußball schließlich ein Teamsport ist…

Die Handlung verfügt über einige Herausforderungen, die den beiden in den Weg gestellt werden. Diese verleihen der Geschichte teilweise ein wenig Spannung. Doch hier fehlte es mir an Ideen. Vieles ist mir bereits in anderen Romanen in diesem Genre begegnet und ein blödes Missverständnis, welches unnötig in die Länge gezogen wird nervt einfach nach wenigen Seiten nur noch. Gab es keine bessere Idee für eine mögliche Auseinandersetzung zwischen den beiden Protagonisten?

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieser Roman für den Genreerfahrenen Leser kaum etwas überraschendes bereit hält. Es fehlt an diesen kleinen besonderen Ideen, unerwartete und witzige Momente, zwischen den beiden Protagonisten. Damit hätten Jamie und Lillian einem ans Herz wachsen können.
Die Charaktere bleiben (außer vielleicht noch Jamie) ziemlich flach und uninteressant. Nebencharaktere sind nur vorhanden, weil man sie irgendwie braucht.
Und wer sich ein wenig mit Fußball beschäftigt hat, der wird hier einige Fehler bemerken und dem wird hier auch einfach etwas fehlen. Mich hat Halbzeitküsse daher ziemlich enttäuscht, obwohl ich die Idee eigentlich sehr gut fand.

Wer jedoch einfach etwas leichtes und lockeres für zwischendurch sucht, wo die Interaktion lediglich auf die beiden Protagonisten beschränkt ist, der kann sich Halbzeitküsse gerne mal anschauen.

Von mir gibt es 2 Papierblumen.

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(Dieses ebook habe ich auf vorablesen.de gewonnen.)

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