Vom erblühen einer Sonnenblume…

„Und ich vergaß, dass es überhaupt einen Himmel und eine Sonne gab, unter denen man sich hätte küssen können.“ (S.14)

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Ein Junge verliert bei einem tragischen Unfall sein Leben. 400 Tage vergehen…
Auf der Kommode eines Mädchens, liegt eine vertrocknete Sonnenblume. Die Konservierung einer Erinnerung.
Vor ebenso vielen Tagen bekam ein anderer Junge eine zweite Lebenschance.
Es kommt der Tag, wo genau dieser Junge vor der Haustür des Mädchens steht. Mit seiner Hand umklammert er eine strahlend gelbe… Sonnenblume.
Mia, so lautet der Name des Mädchens, sieht ihn an und sie durchströmen hunderte von Gedanken. Ihre Begegnung am Vortag war ein Fehler, dessen ist sie sich bewusst. Sie weiß, dass sie gegen den Willen des Jungen gehandelt hat. Doch nun scheint es zu spät für die Wahrheit…

„Mein Herz wird dich finden“ erzählt von dem zarten Erwachen einer Liebe, die eigentlich nicht sein darf, aber dennoch passiert.

Mia ist 17 Jahre und hat ihre erste große Liebe bei einem tragischen Unfall verloren. Als sie nach 400 Tagen Noah begegnet spüren beide, dass sie sich mögen. Doch Mia weiß auch, dass Noah ihr niemals begegnen wollte.
Ihre Entscheidung, ihn dennoch zu treffen, könnte fatale Konsequenzen nach sie ziehen.

Noah will nicht wissen, wer vor 400 Tagen ums Leben gekommen ist. Ihm erscheint es nicht richtig, dass er weiterleben darf, weil jemand anderes gestorben ist.

Doch nach ihrer gemeinsamen Begegnung hellt sich die Welt langsam auf. Insbesondere Mia lernt wieder zu atmen. Als wäre ihr Leben wieder lebenswert.

Aber Mia verschweigt die Wahrheit und das könnte alles zerstören.

Aufgebaut ist dieser Jugendroman durch sehr kurze und kompakte Kapitel, wodurch er sich wahnsinnig schnell lesen lässt. ‚Zu schnell‘, wird so mancher Leser hier wohlmöglich denken.

Bereits die ersten Seiten vermitteln wahnsinnig viel Gefühl und Emotionen. Ich habe es geliebt, wie man bereits ab dem ersten Satz mit der Geschichte verschmilzt.
Daher ist es wohl auch kaum verwunderlich, dass mir der Erzählstil sehr gut gefallen hat. Für einen Jugendroman ist er natürlich sehr leicht verständlich, gleichzeitig zeichnet er sich durch eine sehr bildhafte und eindringliche Sprache aus.

Jedem der insgesamt 34 Kapitel geht ein Zitat voraus. Diese Zitate haben dem Roman etwas besonderes verliehen. Nicht nur, das man nach jedem Kapitel gespannt ist, welches Zitat als nächstes folgt, sondern diese gestatten dem Leser auch das zuvor gelesene nochmals zu durchdenken.
Dies ist der Fall, denn Jessi Kirby lässt jedes Kapitel wunderbar ausklingen, so dass man gerne nochmals über die geschriebenen Worte nachdenkt. Das hat mir besonders gut gefallen!

Die Geschichte selbst ist für ein Jugendbuch angenehm aufgebaut und keine allzu schwere Kost, trotz der eingearbeiteten Thematik!
Einerseits geht es um Organspende und andererseits um Trauerbewältigung.
Was die Organspende betrifft, geht dieser Roman (leider) wenig in die Tiefe. Stattdessen geht es der Autorin mehr darum, Mia und ihren Weg zurück ins Leben zu vermitteln. Begleitet wird sie dabei von tiefen Schuldgefühlen gegenüber Noah.
Für einen Jugendroman fand ich diesen Bestandteil jedoch okay und auch durchaus nachvollziehbar.

„Fast unmerklich, aber doch stetig werden die Felsen abgetragen – so wie einen auch die Trauer mit der Zeit abschleift, bis man praktisch verschwindet.“ (S. 119)

Die Autorin hat es meiner Meinung nach sehr gut verstanden, die Handlung nicht zu beschweren. Auch die Trauer wird gut ausgedrückt. Der Leser fühlt mit, doch ist keineswegs bedrückt.
Man begleitet Mia zurück ins Leben und spürt dabei manchmal selbst die Sonnenstrahlen auf der Haut oder vernimmt das Meeresrauschen…

Mia ist sehr sympathisch. Man kann sich gut in ihre Situation einfühlen und ihre Emotionen übertragen sich manchmal auf einen selbst. Insbesondere, als sie das erste Mal vor Noah steht, fühlt man ihre Nervosität und will mit ihr zusammen die Flucht ergreifen. Man fiebert auf den Seiten mit ihr mit, möchte sehen wie sie reagiert und sieht gleichzeitig ihre Fehler. Ihre Beweggründe sind dabei nachvollziehbar, auch wenn man weiß, dass sie in so mancher Situation besser hätte anders handeln sollen.
Sie begreift ihre Fehler jedoch auch, sieht ihre Selbstsucht und versucht Noah zu verstehen, was ich für die Gestaltung ihres Charakters sehr gelungen fand.

Auch die Entwicklung zwischen Noah und Mia lässt die Seiten nur so vorüberziehen und man genießt die gemeinsamen Momente mit den beiden.
Der Roman lebt von den Charakteren. Ob Noah, Mia oder jedes einzelne Familienmitglied.
Ich mochte die Liebenswürdigkeit, als auch die damit verbundene Atmosphäre, die auch durch den bildhaften Schreibstil hervorgerufen wird.
Darüber hinaus fand ich die Dialoge sehr gelungen und Lebensnah. Einzelne Reaktionen auf gefallene Worte, wirkten auf mich sehr echt.

Wenn man sich dazu entschließt diesen Jugendroman zu lesen, sollte man keinen großen Spannungsbogen erwarten, stattdessen erwarten einen viele einzelne Momente, die den Leser aber dennoch zu verführen wissen. Man ist gerne Teil von diesen Momentaufnahmen, in denen Mia zurück ins Leben findet.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mir die Zusammensetzung von Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit sehr gut gefallen hat.
Mir hat „Mein Herz wird dich finden“ wirklich sehr gut gefallen, auch wenn ich mir einen etwas anderen Abschluss gewünscht hätte, der mir noch ein klein wenig mehr erzählt… aber das muss jeder selbst herausfinden 🙂

Von mir gibt es 4 Papierblumen.

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