Watson & Holmes in Amerika

„Wenn Holmes ein Labyrinth gewesen wäre, hätte ich mich darin bestimmt hoffnungslos verlaufen und mich für meinen miesen Orientierungssinn verflucht, aber ich glaube, dass ich mich darin trotzdem besser zurechtfand als jeder andere.“ (S. 116)

WatsonundHolmesDas Leben kann einem so manches Mal eine Falle stellen. Entweder man merkt es dann noch früh genug und kann dieser entgehen, oder aber man läuft genau in diese Fall hinein.
Jamie Watson jedenfalls ist genau hineingetappt, ohne es zu bemerken.
Dafür musste er sein geliebtes London verlassen, weil er einen Platz an einem Elite – Internat an der Ostküste der USA erhalten hat.
Dort trifft er zum ersten Mal auf die berüchtigte Charlotte Holmes, Nachfarin des legendären Sherlock Holmes, die allerorten für ihr detektivisches Genie bekannt ist. Jamie ist sich sicher, dass sie der einzige Mensch sein würde, mit dem er sich an dieser ‚elitären Haftanstalt‘ anfreunden könnte. Allerdings besitzt Charlotte einen mehr als nur komplizierten Charakter und ist nicht wirklich an einer Freundschaft interessiert.
Doch dann geschieht ein Mord… Und Jamie und Charlotte sind die Hauptverdächtigen.
Was bleibt den beiden also anderes übrig, als die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen und gemeinsam nach dem Täter zu suchen?

Sherlock und Dr. Watson. Leider muss ich gestehen, dass mein gesamtes Wissen über diese beiden Personen sich lediglich auf zwei Filme gründet. Bei dem ersten dieser zwei Filme handelt es sich um eine sehr alte Verfilmung von „Der Hund von Baskerville“, an die ich mich nur noch Bruchstückhaft erinnern kann und der eher aktuellen Verfilmung „Sherlock Holmes“ aus dem Jahre 2009 mit Robert Downey Jr. und Jude Law in den Hauptrollen. Insbesondere hier erschien mir Sherlock ein wenig verrückt, aber dennoch genial, was die Kunst der Deduktion betrifft.

Doch diese eher bescheidenen Vorkenntnisse meinerseits haben mir bei meinem Verständnis von diesem Jugendbuch keine Steine in den Weg gelegt. Ganz im Gegenteil, „Holmes & Ich“ hat mich sehr neugierig gemacht, was die Kriminalromane von Sir Arthur Conan Doyle betrifft, aus dessen Feder die Abenteuer von Sherlock und seinem treuen Freund Dr. Watson stammen. Ohne die Erfindung seiner beiden Spürnasen gäbe es somit auch diesen Roman nicht…

Vielleicht hat sich Brittany Cavallaro auch aus diesem Grund dazu entschieden ein Zitat von ebendiesem, ihrem eigenen Jugendroman voranzustellen:

„Ich hatte keinen Ahnung, dass solche Individuen auch außerhalb von Erzählungen existieren.“ (Sir Arthur Conan Doyle aus: „Eine Studie in Scharlachrot“)

Mit dem Blick auf den Inhalt des Buches, ist es genau dieser Sachverhalt, den die Autorin hier verfolgt. Sie erweckt die Nachfahren von Dr. Watson und Sherlock auf dem Papier zu neuem Leben und versetzt sie aus dem verregneten und nebligen London, an die wolkenlose Ostküste der USA (Connecticut) in ein Internat mit dem Namen Sherringford.
Hier begegnen sich Jamie Watson und Charlotte Holmes zum ersten Mal, obwohl seit all den Jahren eine Verbindung zwischen ihren beiden Familien besteht. Schließlich waren Dr. Watson und Sherlock einst ein unschlagbares Team, verbunden durch eine tiefe Freundschaft.

Dabei lässt sich die Geschichte selbst sehr angenehm und leicht lesen. Und wie bereits bei den Romanen von Sir Arthur Conan Doyle, fungiert auch hier Watson als erzählerisches Ich.

Jamie Watson ist ein äußerst sympathischer Protagonist. Bereits auf den ersten Seiten lernt man seinen britischen Humor kennen. Trocken und zugleich Liebenswert. Er gehört zu einem der aufstrebenden Rugby – Nachwuchstalenten und soll das Internatsteam verstärken. Ohne dieses Stipendium wäre das Elite – Internat für ihn undenkbar.
Allerdings hält er lieber einen Füllfederhalter in seiner Hand, als einen Rugbyball. Seine Leidenschaft gehört nämlich der Schriftstellerei.
Er besitzt einen aufgeweckten Charakter, ist verträumt, gleichzeitig jedoch auch aufmerksam und hat ein Gespür für die kleinsten Details in seiner Umgebung. Er ist keineswegs auf den Mund gefallen, doch wenn es um Charlotte Holmes geht ist er schüchtern.

Charlotte hingegen ist unnahbar, sieht sich selbst allen anderen überlegen, nimmt kein Blatt vor den Mund und hat bereits im zarten Alter von zehn Jahren ihren ersten Fall gelöst. Dies liegt jedoch auch daran, dass sie schon früh daraufhin unterrichtet wurde später im Dienste von Scotland Yard zu stehen, wie bereits alle anderen in ihrer Familie.
Sie ist überheblich, (was sie jedoch (überraschenderweise) keineswegs unsympathisch wirken lässt), verschlossen und steckt voller Geheimnisse.

Mir hat gefallen, wie unterschiedlich die beiden sind. Aber dennoch lernen sie, dass man am Ende gemeinsam mehr erreichen kann, als wenn man sich alleine durch seine Probleme schlägt.
Was man hier jedoch an einigen Stellen hinterfragen könnte, ist das Alter der beiden. Beide wirken sehr reif für ihre sechzehn Jahre. Doch dies könnte man sich auch mit der strengen Erziehung und dem Elternhaus von Charlotte erklären.
Unglaubwürdig erschein mir jedoch die angedeutete Drogensucht von Charlotte Holmes. Aber dies muss jeder selbst herausfinden, warum und wieso…

Herzstück des Jugendromans bildet natürlich der Kriminalfall. Die Suche nach dem Täter und dem Motiv streut sich durch den gesamten Roman und hält ihn am Leben.
Ich habe die Geschichte bis zum Schluss verschlungen, was auch an dieser sehr jugendlichen und frischen Story selbst, sowie an ihren Charakteren liegt.
Der Fall selbst ist spannend zu verfolgen und ich muss zugeben, bis zur Auflösung hatte ich kaum eine Ahnung, wie die Lösung am Ende aussehen könnte. Am Ende war ich überrascht, als auch zufrieden!

Zum Fall selbst möchte ich nicht viel sagen, nur das es hierbei Andeutungen zu einem alten Kriminalfall von Sherlock Holmes gibt. Vorkenntnisse werden jedoch nicht erwartet! In die Handlung fließen immer mal wieder kleinere Hintergrundinformationen ein. Es überlastet die Handlung jedoch nicht, sondern im Gegenteil wird perfekt dosiert und gut verarbeitet.
Man stellt sich die Frage: Wer will Jamie und Charlotte hier mit der Vergangenheit ihrer Vorfahren konfrontieren und warum? Beide werden selbst zu Verdächtigen und müssen ihre Unschuld beweisen.

Die Idee der Autorin hat mich sofort angesprochen und wurde wirklich gut umgesetzt.
Ich habe nun auch herausgefunden, dass es noch zwei weitere Teile geben wird (geplant: Trilogie) und freue mich bereits auf den zweiten Teil.
„Holmes & Ich. Die Morde von Sherringford“ ist jedoch in sich abgeschlossen, man möchte jedoch am Ende sehr gerne weiterlesen und damit sind weitere Bücher natürlich sehr willkommen!
Der Roman ist unterhaltsam und spannend geschrieben und genau in den richtigen Momenten überzeugt er mit einem wirklich tollen Humor.
Die Charaktere wurden meiner Meinung nach gut getroffen. Der von mir bereits bei einem der erwähnten Filme leichte Wahnsinn ist auch hier leicht spürbar, was mir sehr gut gefallen hat.
Lediglich einige Kleinigkeiten fand ich nicht wirklich glaubwürdig und auch das Alter könnte man an einigen Stellen in Frage stellen, aber darüber hinaus handelt es sich um ein sehr gelungenen Jugendroman für spannende Lesestunden!

Von mir gibt es 5 Papierblumen.

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Bonny NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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