Ein Familie droht ausgelöscht zu werden

Ein guter Tag zum LebenJoe O’Brien hat alles, was man zu einem glücklichen Leben braucht: eine tolle, gesunde Familie, einen Beruf der ihm Spaß macht, ein gemütliches Heim und viele Freunde. Doch auf einmal benimmt Joe sich immer seltsamer. Er vergisst Dinge, schreibt chaotische Polizeiberichte und bewegt sich seltsam, fast schon unkontrolliert. Auf Drängen seiner Frau, begibt Joe sich zum Arzt und erhält dort die erschütternde, völlig unerwartete Diagnose: Huntington.

„Huntington war nicht einmal ein Teil seines Wortschatzes und schon gar nicht eine Möglichkeit. Jetzt ist es seine Wirklichkeit.“ (S.124)

Nur langsam begreift Joe die Ausmaße dieser Diagnose, denn nicht nur seine eigene Lebenszeit wird drastisch reduziert, auch seine Kinder sind in Gefahr. Denn Chorea-Huntington ist eine vererbbare Krankheit, die Gefahr sie zu erben steht bei 50%. Hat Joe diese Last auf seine Kinder übertragen? Die Familie muss nun lernen, diese neue, grausame Realität zu akzeptieren und damit zu leben.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr klar und direkt. Die Protagonisten wirken sehr authentisch und ich litt zu jeder Zeit mit ihnen. Das Buch regt zum Nachdenken an und die düsteren Zukunftsperspektiven der Kinder gingen mir wirklich an die Nieren. Ich fand es auch toll, dass die Krankheit zu Beginn eines neuen Abschnitts des Buches erklärt wird, losgelöst vom Geschehen. Das trägt zu einer objektiveren, nüchterneren Einschätzung der Krankheit bei und hilft dem Leser, sich intensiver mit Chorea-Huntington auseinander zu setzen.

Auch die Entwicklung der Krankheit fand ich sehr geschickt eingefädelt. Bereits zu Beginn merkt der Leser, dass Joe die ersten Symptome entwickelt. Allerdings ist dies für die Familie noch nicht erkennbar, sondern sie tut es als Schusseligkeit oder Übermüdung ab. Erst 7 Jahre nach dem ersten Anfall schickt Rosie ihren Mann zum Arzt und so wird diese todbringende Krankheit bei Joe entdeckt. Ich fand es sehr bewegend, wie Joe im Nachhinein über seine Mutter nachdenkt und sie um Verzeihung bittet. Sein ganzes Leben lang dachte er, dass sie sich durch ihren Alkoholkonsum um den Verstand gebracht hat. Jetzt erst erkennt er, dass auch sie eine Huntington-Patientin war.

Verständlicherweise wirft diese Diagnose die ganze Familie aus der Bahn. Besonders die Kinder quälen sich mit der Frage, ob sie einen Gentest machen sollen und somit Klarheit über ihren Gesundheitszustand zu erhalten. Diese schreckliche Erfahrung bringt die Geschwister, vor allem Meg und Katie, wieder näher zusammen. Im Verlauf des Buches erhält der Leser Einblick in Katies Gedanken, die sehr schonungslose Perspektiven ihrer eigenen Zukunft aufzeigt.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Menschen, im Laufe seines Lebens von einem Blitz getroffen zu werden, liegt bei eins zu 126 000, die Wahrscheinlichkeit zu ertrinken bei eins zu tausend. Bei einem Autounfall zu sterben, eins zu hundert. An Krebs zu sterben, eins zu sieben. Aber ihre Wahrscheinlichkeit, an Huntington zu sterben, eins zu zwei.“ (S.165)

Interessant fand ich auch den Bezug zur Religion. Zu Beginn des Buches macht Joe sich gerne mal über Rosie lustig, da sie streng religiös ist und überall Engel und kirchliche Figuren stehen hat. Doch im weiteren Verlauf seiner Krankheit klammert Joe sich immer mehr an die Hoffnung, dass doch jemand über ihn wacht. Er beginnt sogar wieder zur Kirche zu gehen. Zur gleichen Zeit kommen Rosie immer mehr Zweifel an ihrem Glauben. Denn wie kann Gott es zulassen, dass eine gute, gläubige Familie derart zu leiden hat? Die Religion spielt also schon eine Rolle in der Handlung, nimmt aber keinen übertriebenen Stellenwert ein und wird somit nicht zum Störfaktor. 

Nur das Ende des Romans fand ich etwas unglücklich. Das ganze Buch dreht sich um den Umgang mit der Krankheit und auch Katies Ängste und Ansichten spielen eine sehr zentrale Rolle. Es hätte mich also gefreut zu erfahren, ob sie von der Krankheit betroffen ist oder nicht. Ich bin tendenziell kein großer Fan eines offenen Schlusses, wenn das Buch nicht fortgesetzt wird. Daher hat dieses abrupte Ende mir nicht gefallen.

Insgesamt hat „Ein guter Tag zum Leben“ mir gut gefallen und daher vergebe ich 4 Papierblumen. NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine
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