Packender, teils poetischer Jugendroman

So wüst und schön sah ich noch keinen TagDuncan beginnt sein letztes Schuljahr an der Irving School und gehört somit zu den Seniorschülern. Dank einer alten Schultradition bekommt Duncan nun nicht nur das Zimmer eines ehemaligen Seniorschülers zugeteilt, sondern findet auf seinem Zimmer auch noch einen „Schatz“, den sein Vorgänger ihm hinterlassen hat. Natürlich sind alle Schüler gespannt und hoffen auf ein tolles Zimmer und einen aufregenden Schatz. Doch zuerst ist die Ernüchterung bei Duncan riesig: Er bekommt nicht nur das winzige Zimmer des Albinos Tim, auch sein Schatz wirkt auf den ersten Blick langweilig. Doch langsam wird Duncan klar, dass Tim auf diesen CDs sein wohlgehütetes Geheimnis preisgibt und den wohl schwärzesten Tag der Schule beleuchtet. Denn im letzten Schuljahr gab es einen Vorfall, der die gesamte Schülerschaft, allen voran Duncan, zutiefst erschüttert hat …

Das Cover und vor allem der Titel sind mir in der Buchhandlung sofort ins Auge gefallen. Ich empfand beides als sehr vielversprechend und wurde nicht enttäuscht! Der Schreibstil der Autorin ist einnehmend und sehr angenehm zu lesen. Es gelingt Elizabeth LaBan einen gut aufgebauten, stetig ansteigenden Spannungsbogen zu schaffen. Der Roman zieht den Leser so immer tiefer in seinen Bann und man kann das Buch kaum aus den Händen legen.

Die Charaktere sind sehr anschaulich beschrieben und man lernt den ganzen Menschen kennen, mit seinen Schwächen und Stärken. Die beiden Hauptfiguren Duncan und Tim sind beide supersympathisch und haben mehr Gemeinsamkeiten, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Denn beide sind eher unsicher, haben Probleme sich voll und ganz auf andere Menschen einzulassen und machen sich viele Gedanken.

Zudem leidet Tim an Albinismus und fühlt sich dadurch stark benachteiligt, wenn es um die sozialen Kontakte geht. „Was hast du denn gedacht, als du mich zum ersten Mal gesehen hast? (…) Bist du sofort zurück in dein Zimmer gerannt, um nachzuschlagen, was ich wohl habe und ob es ansteckend ist? Zumindest stelle ich mir vor, dass die meisten Menschen so reagieren.“ (S.18) In Tims Augen wird er durch seine Krankheit definiert. Er traut seinen Mitschülern nicht zu, den Menschen hinter der Krankheit zu sehen und beraubt sie somit unbewusst der Möglichkeit, näher an ihn heranzukommen. Nur Vanessa gelingt es, diesen Schutzpanzer etwas aufzuweichen und sie zeigt Tim, dass er sich eigentlich nur selbst im Weg steht. „Wenn ich nicht so monoman wäre, so besessen von dem Gedanken, ein Albino zu sein – vielleicht liefen die Dinge dann anders.“ (S.229)

Vanessa war mir allerdings nicht immer sympathisch. Ich empfand sie manchmal als oberflächlich und vielleicht auch ein bisschen egoistisch. Denn obwohl sie sich zu Tim hingezogen fühlt, will sie sich nicht mit ihm zeigen. Dass es ihr dabei nur um ihren Freund Patrick geht, kaufe ich ihr irgendwie nicht ab. Sie wirkt auf mich nun mal nicht wie ein Mädchen, das Angst hat seine Meinung zu äußern. Ich glaube eher, dass sie den Weg des geringsten Widerstandes wählt und daher einem Konflikt mit Patrick aus dem Weg gehen will. Natürlich kann ich nicht leugnen, dass Patrick ein unangenehmer Zeitgenosse ist und sicherlich leicht in Rage gerät. Dennoch denke ich, dass er der Beziehung nicht lange hinterher trauern würde, sondern schnell eine neue Freundin hätte.

Die Schulgemeinschaft finde ich toll und das Leben im Internat wird sehr abwechslungsreich und liebevoll dargestellt. Mr Simon ist einfach nur genial und ich glaube, so einen Lehrer würde sich jeder wünschen. Von ihm stammt auch mein Lieblingszitat des Buches: „Und nun geht und verbreitet Schönheit und Licht“.

Das Buch endet mit einer vollständig abgeschlossenen Handlung und dennoch bleibt der Fantasie viel Spielraum erhalten. Denn obwohl man Tims Geschichte nun kennt, gibt es doch noch viele offene Fragen. Wie geht es Tim und Vanessa ein Jahr nach der Tragödie? Werden die beiden je wieder ein Wort miteinander wechseln? Wird Duncan seine Schuldgefühle überwinden?

Ein gelungener Jugendroman der ein ernstes Thema anspricht aber dank eines lockeren Schreibstils auch für die jüngeren Leser interessant ist!

Ich vergebe 5 Papierblumen! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

NurEinBuchBlüteMiniNurEinBuchBlüteMiniNurEinBuchBlüteMiniNurEinBuchBlüteMiniNurEinBuchBlüteMini

Christine

 

Advertisements

2 Gedanken zu “Packender, teils poetischer Jugendroman

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s