Schweigen ist …

Die Regeln des SchweigensHurra hurra, die Schule brennt! Diesen Spruch haben die meisten Schüler (und vielleicht auch Lehrer) wohl schon zum Besten gegeben, doch nun wird er zur Realität. Phils Schule brennt ab und somit müssen er und seine Mitschüler für das restliche Schuljahr eine andere Schule besuchen. Zusammen mit Mona und ein paar anderen Mitschülern landet er in einer fremden Umgebung und eine spannende Zeit beginnt. Denn Mona lädt Phil zu einem geheimen Klub ein, der die Geheimnisse anderer Leute aufdecken und aufbewahren will. Phil muss sich nun klar werden, ob er zu diesem mysteriösen Klub gehören will oder nicht. Zu allem Überfluss rückt ihm die Polizei auf die Pelle und er verliebt sich in Mona.

Tino Schrödls Schreibstil ist locker und angenehm zu lesen. Die Charaktere bleiben mir jedoch zu flach und so empfand ich das gesamte Buch als eher oberflächlich. Zwar taucht man tief in Phils Gedankenwelt ein, dennoch fehlt es mir an Verknüpfungen zum restlichen Geschehen und somit an Tiefgang. Die Beziehung zu seinem Vater ist zerrüttet, wird aber nur angedeutet. Auch der Tod seiner Oma scheint eher spurlos an ihm vorbei zu gehen und bleibt schwammig.

Die Handlung war teilweise recht spannend, doch auch in diesem Punkt bleibt noch Luft nach oben. Über die anderen Klubmitglieder erfährt man fast nichts, was angesichts ihrer tragenden Rolle im Buch doch sehr schade ist. Zwar erfährt Phil so manches über ihre familiären Probleme, doch dies wird nicht ausgebaut. Die einseitige Erzählperspektive verhindert, dass man als Leser tiefere Einblicke in die Gedankenwelt der anderen Mitglieder erhält.

Diese Oberflächlichkeit zieht sich leider durch das ganze Buch und beschränkt sich nicht nur auf die Darstellung der Charaktere. Denn die Geheimnisse, die eigentlich eine zentrale Rolle spielen sollten, tragen nicht viel zum Handlungsverlauf bei und geben dem Klub keine Legitimation.

Dabei ist die Idee hinter Tino Schrödls Buch so simpel wie genial. Eine Gruppe Jugendlicher versucht alles Mögliche über ihre Mitmenschen zu erfahren und dies in einem Buch festzuhalten. Je pikanter das Geheimnis, desto besser.

„Nichts ist für die menschliche Natur verlockender als nicht gelöste Geheimnisse. Nichts macht eine Sache interessanter als ein sie umgebendes Mysterium.“ (S.25)

Der Macht, die sie sich hiermit verschaffen, sind sie sich nur teilweise bewusst. Sie reden zwar oft von Verantwortung und wollen wirklich niemandem etwas Böses, doch schon bald beginnen sie darüber zu streiten, was sie nun mit ihrem Wissen anfangen sollen.

„Geheimnisse können helfen, beruhigen, bewahren, retten und verletzen.“ (S.75)

Während Matt ihre Einblicke nutzen will, um den Betroffenen zu helfen, wollen die restlichen Klubmitglieder sich nicht in die Angelegenheiten anderer Leute einmischen. Ein Streit entbrennt und Matt trifft die falschen Entscheidungen, da er sich auf den ersten Schein, ein gefährliches Halbwissen verlässt. Sie haben einfach nicht bedacht, wie sie mit den brisanten Informationen umgehen sollen und sind nun heillos überfordert. Dies gipfelt in einem tragischen Autounfall und einem Selbstmordversuch! Die Konflikte innerhalb der Gruppe sind anschaulich beschrieben und zeugen von Misstrauen, Angst und falsch verstandener Loyalität.

„Bislang hatte ich die Arbeit des Klubs als ein Spiel betrachtet, als Abenteuer, einfach nur aufregend. Nun glaube ich, dass es mehr sein könnte. Dass es vielleicht sogar falsch ist, was wir tun.“ (S.211)

Insgesamt ist das Buch in Ordnung, das volle Potential der Idee wurde jedoch nicht genutzt.

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Christine

 

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2 Gedanken zu “Schweigen ist …

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