Tolle Idee, aber zu seicht …

All die schönen DingeDie 16-jährige Tammie schleppt eine sehr große Last mit sich herum, denn sie leidet seit ihrer Kindheit an einem Hirnaneurysma. Seither muss das junge Mädchen alles vermeiden, was sie aufregen und ihr Blut in Wallung bringen könnte, damit das Aneurysma nicht platzt.

„Wenn er platzt und das Blut mein Gehirn überschwemmt, ist das wie bei einem Tsunami, der sich über eng bebaute Straßen ergießt und alles mit sich reißt. Und ich sterbe dann oder ende als Fallobst im Rollstuhl.“ (S.17)

Der Tod spielt eine enorme Rolle in Tammies Leben und so ist es auch kaum verwunderlich, dass sich auch ihre Lieblingsbeschäftigung um dieses Thema dreht: Sie besucht den Friedhof und sucht dort nach dem perfekten Spruch für ihren eigenen Grabstein. Ihre letzte Ruhestätte will Tammie nämlich auf keinen Fall dem Zufall überlassen! Doch ausgerechnet auf dem Friedhof begegnet sie Fynn, der Liebe ihres Lebens. Er zeigt ihr die schönen und lebenswerten Momente des Lebens und gibt ihr Kraft und Mut.

 Dieses Buch weckte in mir sehr große Erwartungen, die leider nicht ganz erfüllt werden konnten. Zwar ist der Schreibstil von Ruth Olshan sehr leicht und angenehm zu lesen, dennoch konnten die Sprache und die Geschichte mich nicht ganz berühren. Meiner Meinung nach birgt die Handlung sehr viel, leider nicht ganz ausgeschöpftes Potential und könnte den Leser sicherlich noch mehr berühren. Mir fehlte es an Tiefgang und auch ein bisschen an Dramatik.

Tammie geht sehr pragmatisch mit ihrer Krankheit um und es mangelt ihr auch nicht an Ironie. Insgesamt werden die Personen, mit Ausnahme von Fynns Tante, sehr sympathisch dargestellt, doch leider wirken sie manchmal schon fast übermenschlich. Zwar gibt es in Tammies Familie einige, kleinere Streitereien mit ihrem Bruder, doch auch die Beziehung zwischen den Geschwistern bleibt mir zu oberflächlich.

„Sie werden leben, wenn ich nicht mehr da bin. Sie werden sich streiten und lieben, werden eine normale Familie sein, auch wenn sie einmal den Tisch für vier Personen gedeckt haben.“ (S.55)

Die Episode mit Jens empfand ich ehrlich gesagt als äußerst störend und ziemlich zusammenhanglos. Ich verstand nicht, wo er auf einmal herkam und wieso ihm plötzlich diese Rolle zu Teil wurde. Diese ganze Szene fand ich einfach nur übertrieben und sehr unglaubwürdig.

Am besten gefiel mir Pat, da sie durch ihre forsche, direkte Art viel Schwung in die Handlung brachte. Auch durchlebte ich in ihren Gesprächen mit Tammie die emotionalsten Momente.

„Ich will keine langweilige Grabrede für dich schreiben. Ich will schreiben, dass du wie eine Löwin um dein Leben gekämpft hast, und dass ich dir dabei helfen durfte.“ (S.38)

Tammies Beziehung zu Fynn berührte mich leider nicht in dem gleichen Maße, ohne dass ich mein Gefühl genau erklären könnte. Vielleicht liegt es daran, dass Fynn mir zu glatt, zu perfekt wirkte und dies stört mich eigentlich immer. Fynn zieht Tammie wieder auf die positive Seite des Lebens, doch irgendwie fehlte mir die Auseinandersetzung mit der Krankheit. Diese wird zwar angesprochen, aber sehr oberflächlich abgefertigt.

Dennoch ist dieses Buch ein gelungenes Debüt der Autorin und sicherlich, trotz des ernsten Themas, auch jüngeren Lesern zu empfehlen. Es ist ein sehr positives, lebensbejahendes Buch und eine eher seichte Lektüre.

„Wenn man nicht drüber hinwegkommt, muss man drunter durch.“ (1. Seite)

Ich vergebe 3 Papierblumen. NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

 

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2 Gedanken zu “Tolle Idee, aber zu seicht …

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