Die Macht der Worte

TodschreiberIn Kiel findet eine beängstigende Serie Selbstmorde statt, die die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich zieht. Denn die „Opfer“ erhielten kurz vor ihrem Freitod mysteriöse Briefe, die Hauptkommissarin Lena Baumann vor ein Rätsel stellen. Haben diese auf den ersten Blick harmlosen Briefe etwas mit den Todesfällen zu tun? Denn in solch einem Fall würde man juristisch nicht mehr von einem Suizid sprechen, sondern von „Tötung in unmittelbarer Täterschaft“! Doch kann man einen Menschen nur mit der Macht der Worte in den Tod treiben? Dieser Frage muss sich die Mordkommission stellen und beginnt eine sehr schwierige Ermittlung.

Maren Graf hat einen lockeren, flüssigen Schreibstil, der den Leser neugierig macht und die Geschichte vorantreibt. Der Spannungsbogen ist gut durchdacht, allerdings ziehen sich die Erklärungen zum Thema Hypnose manchmal etwas in die Länge. Da die Hypnose durch einen Brief jedoch ein sehr komplexes und schwieriges Thema ist, waren diese Erklärungen nötig, damit ich mir diese „Tatwaffe“ überhaupt vorstellen konnte.

Die Idee hinter dem Buch finde ich sehr reizvoll und außergewöhnlich. Maren Graf begeht mit ihrer Handlung neue Wege und begibt sich auf ungewöhnliche Art und Weise auf psychologisches Terrain. Ich weiß nicht, ob diese Art der Hypnose real oder ein fiktives Mittel ist und ich will mir gar nicht vorstellen, welche Macht ein solcher Schreiber ausüben könnte. Überhaupt bin ich mit dem Thema Hypnose nicht vertraut, weiß aber, dass wohl nicht jeder Mensch fähig ist, in eine solche Trance abzugleiten. Ich habe meine Probleme zu akzeptieren, dass ein Mensch nur durch einen Brief zum Selbstmord verleitet wird. Kann man so „leicht“ einem völlig Fremden seinen Willen aufzwingen? Oder anders gefragt: Geht man selbst so leichtfertig mit seinem Leben um, dass das Lesen eines einzigen Briefes derart tiefe Wunden aufreißen kann und man den Freitod wählt? Ich wage dies zu bezweifeln und gehe davon aus, dass die Möglichkeiten dieser Art der Hypnose hier überspitzt dargestellt wurden. Dies störte mich während der Lektüre aber überhaupt nicht und tut der Glaubwürdigkeit des Buches auch keinen Abbruch, solange man sich darauf einlassen kann. Ich fand die Idee einfach spannend.

Die Analyse des Briefes hatte teils philosophische Züge, da über den Unterschied zwischen „Erde“ und „Welt“, „Leid“ und „leiden“ diskutiert wurde. In diesen Momenten empfand ich die Sprache der Autorin als sehr nuanciert und bedacht. Leider fehlte mir an anderen Stellen etwas Tiefgang und Atmosphäre. Die Protagonisten werden allesamt sehr menschlich dargestellt und wirken durchaus sympathisch. Auch die Gegensätze zwischen der eher emotionalen Lena und dem rationalen Mark werden schön herausgearbeitet, ohne als wirklicher Konfliktpunkt zu erschienen.

Das Debüt der Autorin Maren Graf ist also durchaus gelungen. Bedingt durch das ungewöhnliche Thema gab es viele Erklärungen und leider auch einige Längen. Doch die Idee ist neu, unverbraucht und überraschend!

Ich vergebe 4 Papierblumen! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine
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2 Gedanken zu “Die Macht der Worte

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