Fesselnd, düster, verstörend …

Der KellerMunas Existenz ist das wohl größte Geheimnis der Familie Songoli. Denn die 14-jährige Muna ist deren Sklavin, wird ausgebeutet, benutzt und misshandelt. Die Nächte muss sie in einem dunklen, fensterlosen Keller verbringen und überlebt nur dank ihres starken Willens. Doch als eines Tages der jüngste Sohn der Familie verschwindet, beginnt für Muna ein neues Leben als angeblich rechtmäßige Tochter der Familie. Niemand ahnt, wie intelligent und gerissen das junge Mädchen sich daran macht, die Kontrolle über ihre einstigen Peiniger zu übernehmen. Denn diese haben Muna unterschätzt, ein Fehler, den sie nun bitter bereuen werden!

 

Minette Walters hat einen sehr direkten, schonungslosen Schreibstil und schreckt nicht vor der Schilderung von Brutalität und Grausamkeit zurück. Die Autorin hält sich nicht lange mit Beschreibungen der Nebensächlichkeiten auf, sondern treibt die Handlung in einem rasanten Tempo voran. Das erklärt dann auch die sehr geringe Seitenzahl. Dem zartbesaiteten Leser sollte von diesem Thriller eher abgeraten werden, da es doch recht gewalttätig zur Sache geht.

Die neutrale Gefühlslosigkeit mit der Muna ihre Widersacher ausschaltet grenzt an Wahnsinn, dennoch faszinierte ihre Wandlung mich. Denn angesichts der Qualen die das Mädchen unter der Familie erdulden musste, kann es einen kaum wundern, dass Muna zu ihren eigenen Mittel greift um sich aus diesem Albtraum zu befreien. Geschickt nutzt sie ihre neu gewonnene Macht um die Familienmitglieder gegeneinander auszuspielen und profitiert schamlos davon, dass alle Welt sie unterschätzt und für dumm hält. Dabei analysiert Muna ihre Umgebung und ihre Schänder ganz genau und kann ihre Reaktionen besser einschätzen und voraussagen als sie selbst!

Dämonen spielen in diesem Buch eine zentrale Rolle, teils weil sie der „Prinzessin“ einen Vorwand geben Muna zu quälen, teils weil Muna sich einbildet, der Teufel würde ihr helfen. So stellt Muna sich nach jedem Mord vor, wie der Teufel mit ihr lacht und sie anfeuert. Erst zum Schluss erfährt man durch einen Einwurf des Familienvaters Ebuka, dass dieses Lachen keineswegs nur in Munas Kopf stattfindet, sondern dass sie selbst es ist, die derart lacht. Dies ist Muna jedoch nicht bewusst, denn in ihrer Verzweiflung während der Gefangenschaft hat sie sich derart in diese Vorstellung hineingesteigert, dass sie sich nun nicht mehr so ohne Weiteres davon lösen kann.

Familienvater Ebuka hat mit den bösen Geistern nichts am Hut und hält seiner Frau in einem Streit den Spiegel vor:

„Die Dämonen sind in deinem Kopf, da, wo sie schon immer waren. Du hältst an ihnen fest, weil sie dir einen Vorwand für deine Grausamkeiten geben“ (Seite 94)

Dennoch vergreift auch er sich an Muna und erst als er durch seine Behinderung auf sie angewiesen ist, beginnt er sie zu schätzen und zu achten. Dadurch begibt er sich in eine emotionale Abhängigkeit Muna gegenüber, die dies gar nicht verstehen kann und sogleich ausnutzt. Denn die jahrelange Folter der Familie hat in Muna alle Gefühle absterben lassen, sodass sie zu einer echten zwischenmenschlichen Beziehung nicht mehr fähig ist. Sie nimmt sich was sie braucht und manipuliert die Menschen solange, bis sie bekommt was sie will. Ihre berechnende Art verleitet sie dann auch dazu, Menschen gegenüber keinerlei Empathie zu empfinden.

„Es war seltsam. Sie hatten Muna zu Spiegelbildern ihrer selbst geformt, und doch gefiel ihnen nicht, was ihnen da entgegenblickte.“ (Seite 98)

Ihr Rachefeldzug ist menschlich nachvollziehbar und man hat als Leser das Gefühl, dass jedem Familienmitglied irgendwie seine gerechte Strafe zugeführt wird. Doch durch die schnelle und problemlose „Beseitigung“ der unliebsamen Verwandtschaft durch ein so junges Mädchen büßt der Roman auch einiges an Glaubwürdigkeit ein. Denn dass gleich drei Familienmitglieder spurlos verschwinden und der Vater durch einen mysteriösen Unfall im Rollstuhl sitzt, müsste die Polizei doch in jedem Fall viel stärker auf den Plan rufen. Immerhin gibt es überhaupt keine Anhaltspunkte zum Aufenthaltsort der Mutter und den beiden Söhnen und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Polizei in einem solchen Fall überhaupt keine Ermittlungen aufnimmt…

 Insgesamt ein fesselnder Thriller, der nicht immer glaubwürdig und manchmal ziemlich brutal ist.

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Christine

 

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2 Gedanken zu “Fesselnd, düster, verstörend …

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