Wirklichkeit oder Wahn?

Die ZelleSam ist elf Jahre alt als er mit seiner Familie nach Berlin zieht. Eines Tages beobachtet er wie sein Vater in den alten Luftschutzbunker hinabsteigt und folgt ihm. Doch diesen Entschluss sollte Sammy noch bitter bereuen… Denn im alten Bunker entdeckt er ein junges Mädchen, das dort gefangen gehalten wird. Wer quält das Mädchen nur so? Sammy ist überzeugt, dass sein Vater hinter diesem Verbrechen steckt. Doch kurze Zeit später ist das Mädchen verschwunden und für Sammy bricht eine Welt zusammen!

Jonas Winner schafft es mit seinem flüssigen Schreibstil den Spannungsbogen konstant nach oben zu treiben. Das Buch ist sehr angenehm zu lesen und die Sprache des Autors ist sehr detailliert. Man findet schnell in das Geschehen und wird ebenso rasch in den Bann der Handlung gezogen. Daher fällt es einem auch leicht, über einige Längen zu Beginn hinwegzuschauen.

Die Geschichte wird nur aus Sammys Perspektive erzählt, was durchaus Sinn macht, da er als Erwachsener auf dieses Geschehnis in seiner Kindheit zurückblickt. Des Weiteren macht diese einseitige Erzählperspektive es auch dem Leser schwer, zu verstehen was damals wirklich passierte. Denn schnell wurde mir klar, dass mit Sam etwas nicht stimmte. Er beharrte zwar darauf, das Mädchen gesehen zu haben und steigerte sich immer mehr in seine Vorstellung, doch letztlich kann niemand wissen, ob dies tatsächlich stimmte. Denn Sammy hat offensichtlich Schwierigkeiten das Reale von dem Eingebildeten abzugrenzen. Ob er nun wirklich eine gespaltene Persönlichkeit hat, wie die Ärztin es vermutet, wird nicht weiter erläutert. Doch die Pillen scheine ja keine große Wirkung auf seine Theorie zu haben.

Sammy wird sehr ausgiebig beschrieben und auch seine Gedanken – und Gefühlswelt wird dem Leser offen dargelegt. Dennoch weiß man sehr lange nicht, inwiefern der Junge nun die Wirklichkeit berichtet oder in seine Vorstellungen abgleitet. Man darf ja nicht vergessen, dass auch die Sichtweise des vermeintlichen Täters aus Sammys Erzählung hervorgeht. Es ist also Sammy, der sich diese Gräueltaten ausdenkt, ob sie in dieser Art und Weise stattgefunden haben, weiß man nicht! Diese Verwirrung machte den gesamten Reiz des Buches aus und der Autor hat dies sehr geschickt gehandhabt. Denn immer wenn ich zu irgendeiner Schlussfolgerung gekommen war, wurde diese kurze Zeit später wieder über den Haufen geworfen.

Die Stimmung in der Familie wird sehr beklemmend dargestellt. Alles wirkt düster und bedrückend, man hat auch nicht den Eindruck, dass die verschiedenen Familienmitglieder sich besonders nahe stehen. Zwischendurch hatte ich sogar auch immer wieder Linus unter Verdacht, dem Mädchen etwas angetan zu haben. Denn sein Charakter bleibt nebulös und wirkt irgendwie bedrohlich. In seinem Umgang mit Hannah zeigt er schlussendlich sein wahres Gesicht und dieses ist nicht unbedingt schön.

Insgesamt hat dieses Buch mir gut gefallen und es war auch sehr spannend. Allerdings muss ich zartbesaiteten Lesern von diesem Buch abraten, da es stellenweise doch sehr blutig zuging.

Ich vergebe 4 Papierblumen!NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

 

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2 Gedanken zu “Wirklichkeit oder Wahn?

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