Selection – Ein rasantes Finale, mit wenig Spannung

„Ich hatte bemerkt, dass es gewachsen war, dieses Gefühl, das sich nun schon seit geraumer Zeit unter der Oberfläche versteckt hatte. Ich hatte ihn gesehen, diesen Menschen, der nie gesehen werden wollte, und mein unberechenbares, törichtes, nutzloses Herz flüsterte immer wieder seinen Namen. >>Du verräterisches Ding<<, murmelte ich. >>Was hast du getan?<<“ (S. 201)

IMG_2664.jpgWie wird Prinzessin Eadlyn sich entscheiden?
35 junge Männer kamen aus dem ganzen Königreich Ileá angereist, um die Hand von Prinzessin Eadlyn für sich zu gewinnen.
Als das Casting begann, war Eadlyn wild entschlossen, sich nicht zu verlieben und keinen der Bewerber an sich heranzulassen. Doch nun haben es dennoch ein paar der Bewerber geschafft, sich einen Platz in Eadlyns Welt zu erobern. Henri, der liebenswürdige Koch aus Swendway und sein Übersetzer Erik. Kile, Eadlyns Lieblingsfeind aus Sandkastenzeiten. Und dann wären da noch Hale, der talentierte Schneider. Ean, der für sie einen anderen Ausweg bereithält und last but not least Fox, der sie mehr als nur bewundert.
Und Eadlyn muss sich eingestehen, dass etwas Unvorhergesehenes passiert ist: Ihr Herz hört nicht mehr auf ihren Verstand!

Da ich „Selection – Die Kronprinzessin“ erst kürzlich gelesen habe, hatte ich kaum ein Problem damit in die Handlung hineinzufinden, da es hier einen nahtlosen Übergang gibt. Doch seid vorgewarnt! Obwohl der erste (bzw. vierte) Band vor wenigen Wochen beendet wurde, hatte ich dennoch ein paar Probleme bei der Namenszuordnung einiger Kandidaten. ‚Wer war nochmal Hale? Ach… stimmt! Der mit den schicken Schuhen.‘ Also blättert lieber nochmals im vorherigen Teil, um euch wieder mit den Kandidaten vertraut zu machen.

Der Schreibstil hingegen ist gewohnt locker, leicht und unkompliziert, wie wir ihn bereits von Kiera Cass kennen und auch lieben gelernt haben. Bei ihrer Art zu Erzählen fühlt man sich bereits auf der ersten Seite wohl, als wäre man zu Hause angekommen und kann sich völlig von der Geschichte umhüllen lassen.

„Nichts machte einem die Gegenwart eines Menschen mehr bewusst als sein Verschwinden.“ (S. 9)

Wir erinnern uns an die emotionalen letzten Kapitel von „Selection – Die Kronprinzessin“.
America, Eadlyns Mutter liegt nach ihrem Herzinfarkt im künstlichen Koma. Ahren hat es nach Frankreich gezogen, wo er seine große Liebe Prinzessin Camille de Sauveterre geheiratet hat. Kein Wunder also, dass Eadlyn sich so fühlt, als sei ihre sonst so wohl geordnete Welt plötzlich aus den Fugen geraten.
Umso wichtiger ist es nun nach außen hin stark zu wirken. Das Volk wird keine zerbrechliche Kronprinzessin respektieren. Eadlyn setzt daher alles daran die Kontrolle über ihre Gefühle nicht zu verlieren.
Anders als im ersten Teil konnte ich mich hier mit ihrem Charakter besser anfreunden. Man lernt sie zu verstehen und findet auch einen leichteren Zugang zu ihr. Obwohl Eadlyn nach außen stark wirken will, reagiert sie menschlich. Sie hat gelernt offen für die Menschen um sich herum zu sein. Eadlyn wirkt im Umgang mit anderen nicht mehr so unterkühlt oder unnahbar, sondern lernt aus der Kritik an ihr, etwas positives zu ziehen.

Eadlyns Vater (Maxon) weicht seiner Frau nicht von der Seite. Für Eadlyn bedeutet das, dass sie ins kalte Wasser geworfen wird und beweisen muss, dass sie alleine ein Land regieren kann. Keine leichte Aufgabe…
Immer öfter muss sie sich fragen: ‚Wem kann ich überhaupt vertrauen und wer versucht mich zu sabotieren?‘
Doch dies ist natürlich nicht die einzige Herausforderung für die Kronprinzessin, schließlich befindet sie sich noch immer inmitten eines Castings, um einen geeigneten Mann für sich zu finden.

Und genau hier liegt meiner Meinung nach, der Schwachpunkt des Buches. Kiera Cass verliert ihren roten Faden. Das Casting und seine Kandidaten geraten fast vollständig in den Hintergrund. Stattdessen liegt der Blick auf Eadlyn und ihrer aktuellen (Gefühls-) Lage und ob sie es schafft ganz alleine ein Land zu regieren. Kann sie das Volk auf ihre Seite ziehen? Oder ist vielleicht sogar die Monarchie in Gefahr?
Die Konsequenz, die hieraus entsteht ist die kaum spürbare Romantik. Es entstehen kaum emotionale Situationen zwischen Eadlyn und den Kandidaten, die ihre Gefühle für denjenigen, an den sie am Ende ihr Herz verliert, für den Leser spürbar oder nachvollziehbar machen. Natürlich möchte ich hier keinen Namen nennen, um einen Spoiler zu vermeiden, aber ich glaube es ist für jeden klar, dass Eadlyn sich letztlich für einen Kandidaten entscheidet und das es auch ein Happy End gibt.
Dieses Ende fand ich auch schön (obwohl ich mich ja für jemand anderes entschieden hätte), doch dieses wird wiederum so rasend schnell eingeleitet und erzählt, dass man Kiera Cass fast schon dabei beobachten kann, wie sie ihre „Das perfekte Happy End“ – Liste abhakt. Kein Charakter darf vergessen werden…

Zu Anfang lässt sie sich so viel Zeit und am Ende zieht sie das Tempo dermaßen an, dass man kaum noch Luft holen kann. Die ersten Kapitel plätschern teilweise dahin, beinhalten kaum spannende Momente, sondern Situationen, die sich wie unnötiges „Füllmaterial“ anfühlen. Ausschweifend wird von einer Blumenübergabe oder dem genauen Vorgang bei einem Fotoshooting berichtet, wo man sich fragt: ‚Musste ich jetzt unbedingt wissen, für welche Blume sich nun dieser oder jener Kandidat entschieden hat?‘
Dabei fehlt es an humorvollen, knisternden und mit Spannung aufgeladenen Momenten, die mich regelrecht mitfiebern lassen! Wo bleibt die Anziehung, die Schwärmerei?

Die Kandidaten bleiben blass, während Eadlyn in ihrem Charakter wächst, doch was die Liebe angeht agiert sie noch immer Gefühlskalt und viel zu kalkuliert.
Und da man auch wesentlich früh bemerkt, an wen Eadlyn ihr Herz verliert, kann man sich denken, wie das Ende des Buches aussieht und damit geht erneut Spannung verloren.

Zusammenfassend betrachtet kann ich dem Buch daher nur drei Papierblumen geben.
Wer den ersten Teil von Eadlyns Geschichte gelesen hat, sollte es sich nicht nehmen lassen auch zu erfahren wie ihre Geschichte ausgeht. Die Reihe bekommt ihren verdienten Abschluss, der auch wirklich gelungen ist (insbesondere der kurze Epilog ist toll!), doch ich hatte mir einfach mehr erhofft. Vielleicht waren aber auch einfach meine Erwartungen zu hoch! 🙂
NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

NurEinBuchBlüteMiniNurEinBuchBlüteMiniNurEinBuchBlüteMini

Bonny

(Vielen Dank an FISCHER Sauerländer & lovelybooks.de, dass ich die Möglichkeit hatte „Selection – Die Krone“ noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin (25.August 2016) zu lesen!)

Advertisements

3 Gedanken zu “Selection – Ein rasantes Finale, mit wenig Spannung

    • nureinbuch schreibt:

      Hallo Vanessa!

      Ich würde dir die Selection Reihe auf jeden Fall ans Herz legen, wenn du dich von den Themen: Casting, Monarchie und Liebe angesprochen fühlst! Dann solltest du auf jeden Fall zum ersten Band der Reihe greifen:

      – „Selection“
      – sowie „Selection – Die Elite“ & „Selection – Der Erwählte“

      Sollte dich die Thematik interessieren, dann wird die Reihe dir sicherlich zusagen!
      Allerdings war die Reihe ursprünglich als Trilogie gedacht und die Autorin hat diese dann später noch ausgeweitet. Die ersten drei Bücher, die die Geschichte von America und Maxon erzählen, waren meiner Meinung nach wirklich gelungen. Das Thema des Castings ist aufgegangen und auch die Differenz zwischen der Herkunft der Protagonisten und die daraus entstehenden Konflikte haben viel Zündstoff für eine spannende Handlung geboten, wodurch ich die drei Bücher wirklich verschlungen habe…

      Der vierte und fünfte Band erzählen aber eine andere Geschichte, die von Eadlyn. Diese waren eine Art Sahnehäubchen, nur leider ohne den Sahnegeschmack. Man kann die beiden Bücher noch lesen, doch man verpasst nicht wirklich etwas, wenn man sie nicht liest. ^^

      Ich hoffe ich konnte dir damit helfen
      und wünsche dir einen schönen Start in die Woche!

      Liebe Grüße
      Bonny

      Gefällt mir

      • Vanessa Leskien schreibt:

        Hallo Bonny (schöner Name übrigens),

        danke für deine schnelle und ausführliche Antwort!
        Ich habe „Das Juwel“ von Amy Ewing nur so verschlungen und habe gehört, dass Selection so ähnlich sein soll. Demnach denke ich, dass mir das echt richtig gut gefallen wird.

        Danke nochmal und dir ebenfalls einen schönen Start in die Woche,

        Vanessa

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s