Ein Kampf gegen die Wut der eigenen Gedanken …

Die KrankheitensammlerinFiona ist eine junge, mit Komplexen beladene Frau die ihr Leben nicht so richtig in den Griff kriegt. Sie hat zwar einen Job, fühlt sich aber sehr einsam und leidet unter ihrem schwachen Selbstwertgefühl.

„Versager wie ich sind also prädestiniert dazu, Versager zu bleiben. Einsamkeit ist Einsamkeit ist Einsamkeit“ (60%)

An Sylvester beschließt sie, ihr Leben umzukrempeln und sich neu zu erfinden. Sie will alles und zwar sofort… Daher setzt sie sich enorm unter Druck und ist nicht mehr in der Lage, auf die Warnsignale ihres Körpers zu hören. Sie droht die Kontrolle zu verlieren …

Kia Kahawa erzählt die Geschichte der jungen Frau in einem sehr lockeren, flüssigen Schreibstil und besticht mit einem teilweise beißenden Humor.

Fiona leidet unter ihrem Aussehen und hat Minderwertigkeitskomplexe. Für eine sehr lange Zeit sind ihre einzigen Ansprechpartner ihr bester Freund Paul und ihre Chatbekanntschaft Thilo. Ihr Privatleben ist also nicht wirklich erfüllend und treibt sie in die Verzweiflung und in eine Depression. Immer wieder streitet und diskutiert sie mit sich selber, sie bildet sich ein, dass ihr Smartphone sie verhöhnt, weil es sich langweilt und ihre Motivationsstimme bremst sie aus und erniedrigt sie. Fiona hat psychische Probleme, die aus ihren Komplexen heraus entstehen. Als wäre sie damit noch nicht genug gestraft, leidet sie außerdem noch an einer Schilddrüsenunterfunktion und muss täglich Medikamente einnehmen, um dem müden Organ auf die Sprünge zu helfen.

Doch an Sylvester soll sich alles ändern. Fiona will ihr Leben umkrempeln und wirft alle alte Gewohnheiten über Bord. Ihre Depression schlägt in eine ausgewachsene Manie um, doch die junge Frau schlägt alle Warnungen in den Wind. Sie achtet nicht auf sich sondern überfordert Körper und Geist. Ihre Handlungen bleiben zwar zu jeder Zeit logisch und nachvollziehbar, doch sie übertreibt maßlos. Sie ist dermaßen euphorisiert, dass sie gar nicht merkt, wie sie sich verändert und zugrunde richtet. Sie sieht nur ihr Ziel vor Augen: Eine neue Fiona soll entstehen – und zwar sofort! Die Tabletten und die Manie bestimmen schließlich ihr Denken und verändern ihre Persönlichkeit. Es ist immer wieder erschreckend, welche Macht bloße, ungesunde Gedanken über einen Menschen besitzen. Irgendwann sitzt man in der Falle und kann dem inneren, ganz persönlichen Teufelskreis nicht mehr entfliehen. Dabei geht Fionas Wandlung ja ansatzweise in die richtige Richtung, doch sie kennt keine Grenzen und schießt weit über das Ziel hinaus.

„Ich erlaube mir, mein Gegenüber hässlich zu finden. Das ist doch bestimmt schon ein guter Fortschritt meiner neuen Lebensweise und der Tabletten, die ich einnehme: Hasse nicht dich selbst, sondern andere, dich nichts dafür können!“ (82 %)

 Doch eigentlich sieht sie ziemlich klar, was um sie herum vorgeht.

„Das ist doch alles nicht echt, so viel in unserer Welt ist oberflächlich und aufgesetzt…“ (81%)

Sie prangert die Missstände in unserer Gesellschaft an und ist sich deren bewusst, dennoch tut sie alles dafür, sich dem weiblichen Idealbild der Gesellschaft anzupassen. Sie nimmt ihre Umgebung und ihre Mitmenschen sehr genau wahr und ist sehr aufmerksam, doch sie zieht leider oft die falschen Schlüsse. Sie ist überzeugt, dass jeder sie kritisieren möchte oder sich über sie lustig macht. Diese Einstellung hemmt sie natürlich und hat so einen negativen Einfluss auf ihre sozialen Kontakte.

Ich finde es erschreckend, dass niemand in ihrer Umgebung auf ihre Situation aufmerksam wird und ihr hilft. Die Ärzte versuchen es auch nur halbherzig, denn irgendwie muss sie ja an die Pillen herangekommen sein. Oder erhält man diese Pillen in der Hunderter-Vorratspackung? Auch ihr angeblich bester Freund meldet sich einfach gar nicht mehr, anstatt seine Freundin direkt auf deren Probleme anzusprechen. Er lässt sie im Stich und weist sie ausgerechnet in dieser schwierigen Phase von sich…

Alles in allem ein gelungener Roman, der sich angenehm liest und dessen Protagonistin mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Ironie gerade noch die Kurve kriegt.

Ich vergebe 4 Papierblumen. NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

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