Ein beeindruckender Kampf gegen einen unsichtbaren Gegner

krebsmeisterschaft-fur-anfangerMax ist 15, als er durch Zufall einen Knubbel am Schlüsselbein entdeckt. Sofort sucht er seinen Hausarzt auf und schon bald folgt das Entsetzen: Max hat Krebs!

„Ich sagte nichts und ich fragte nichts, und die neunzigprozentige Chance auf eine Heilung beeindruckte mich auch nicht. Dass man so ausradiert werden kann, als normaler Fünfzehnjähriger, dass man mit einer einzigen Diagnose mitten in einen Albtraum versetzt werden kann: Ich hatte es nicht gewusst. Aber ich sah, wie mir genau das passierte.“ (S.23)

Nun muss der Jugendliche mit einem Schlag erwachsen werden und seinen wohl schlimmsten Kampf durchstehen …

Der Schreibstil des Autorenduos ist sehr jugendlich, direkt und offen. Die Sprache ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Interessant fand ich auch den Verzicht auf Einteilungen in Kapitel, dafür hat Max quasi zu sich selbst gesprochen und immer wieder Einwürfe und zusätzliche Erklärungen geliefert, die über die eigentliche Erzählung hinausgehen.

Max zeigt sich sehr kämpferisch im Umgang mit dem Krebs. Während der gesamten Therapie dachte er nicht einmal an den Tod, dieser war für ihn einfach keine Option. Die Schilderung der Krankheit ist sehr authentisch und zeigt, welchen Mut und welche Kraft Max aufbringt. Er kämpft den Kampf seines Lebens und vergleicht den Krebs mit einem Fußballspiel, das er unbedingt gewinnen muss.

„Wenn ich nur ins Spiel komme, dachte ich. Wenn ich nur eine Chance bekomme, zu kämpfen! Wann geht es los mit den ersten Medikamenten?“ (S.27)

Auch die Reaktionen und die Verzweiflung der Familie und der Freunde sind sehr glaubhaft dargestellt. Die gesamte Familie rückt enger beisammen, sie werden durch dieses schwere Schicksal zusammengeschweißt. Doch Max lässt sich von der verzweifelten Stimmung nicht anstecken, sondern bleibt kämpferisch.

„Selbst wenn ich es an euch weitergeben könnte, ich würde es nicht tun. Das hier ist mein Kampf, na los!“ (S.28)

„Das hier ist vielleicht mein bisher kränkstes Spiel, aber ihr wisst ja, ich bin ein unglaublich schlechter Verlierer. Das heißt, ich sterbe auf gar keinen Fall.“ (S.29)

Seine beiden kleinen Brüder helfen ihm zudem mit ihrer kindlichen Sicht, mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben. Sie können die gesamte Tragweite der Erkrankung natürlich nicht erfassen und halten durch ihre Art und Wiese wenigstens ein kleines Stückchen Normalität in Max‘ Leben aufrecht.

Dennoch macht Max auch schwere Zeiten durch und natürlich verliert er manchmal die Fassung, aber wer könnte ihm das verübeln? Besonders die Nächte bereiten ihm Probleme, da er nun alleine ist und in seinen, nicht immer sehr optimistischen, Gedanken versinkt. Eigentlich weiß er, dass seine Überlebenschance sehr hoch ist, denn neunzig Prozent aller Kinder überwinden den Lymphdrüsenkrebs – zehn Prozent hingegen schaffen es leider nicht.

„Abends, in meinem erschöpften Kopf, wuchs diese Unglücksmarge, wenn ich nicht aufpasste, auf elf, zwölf, vierzig, siebenundsiebzig Prozent an. Abends fiel ich, wenn ich nicht aufpasste, von meinem Startblock herunter.“ (S. 31)

„Die Nacht und der Tod, sie ähneln sich.“ (S.50)

Als er wieder die Schule besucht, wird er sich zum ersten Mal so richtig bewusst, dass sein unbeschwertes, normales Teenagerleben vorbei ist. Denn aufgrund seiner Krankheit sticht er aus der Masse heraus und daran muss er sich erst einmal gewöhnen. Er kann nicht mehr zwischen all den Schülern untertauchen, jeder kennt ihn und starrt ihn an. Zum ersten Mal schämt Max sich für seine Krankheit.

„Es war, als wäre ich selbst schuld daran, als hätte ich den Krebs bekommen, weil ich eine wichtige Klassenarbeit in den Sand gesetzt, mir keine Mühe gegeben, meine Hausaufgaben in den Wassergraben fallen gelassen hätte.“ (S.42)

„Ich war ein seltenes Zootier.“ (S.42)

Trotz der Schmerzen und der Übelkeit merkt Max, wie sehr seine Krankheit auch den Rest der Familie belastet. Nicht nur er macht eine schwierige Zeit durch, auch seine Familie und sein engsten Freunde leiden mit und kämpfen an seiner Seite. Krebs hat man nie alleine, er betrifft die ganze Familie.

„Mein Krebs hat auch ihr Leben auseinandergenommen und danach wieder schief zusammenmontiert. Ich habe sie einen nach dem anderen angesteckt. Dieses Bobby-Syndrom gibt es also wirklich.“ (S.85)

Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern zum Thema Krebs und Krankheit, endet dieses Buch nicht mit dem Sieg über die Krankheit oder dem Tod des Protagonisten. Max triumphiert über den Krebs und weist ihn in seine Schranken, doch damit ist es noch lange nicht vorbei. Denn Max verfällt in Angstzustände, die Angst vor dem Tod sucht ihn erst nach der Krankheit heim. Er fühlt sich schlapp und bildet sich ein, dass hinter jeder kleinen, harmlosen Erkrankung wieder der Krebs steckt. Er verfällt in regelrechte Depressionen, hat aber gleichzeitig das Gefühl, dass er seiner Familie und seinen Freunden damit zur Last fällt. Diese sind einfach nur froh, die Krankheit überwunden zu haben und wollen mit diesem Kapitel abschließen. Sie können sich verständlicherweise nicht in Max‘ Gefühlwelt hineinversetzen, der ja zum Teil auch selber weiß, wie irrational er sich benimmt. Doch die Angst hat ihn fest im Griff und er kann sich aus dieser Umklammerung nicht mehr lösen. Erst als er mit der Krankenhauspsychologin darüber redet und sich ihr ganz öffnet, stellt er fest, dass er nicht alleine mit seiner Angst dasteht und dass sie ihm helfen kann.

Diese psychischen Nachwirkungen einer Krebserkrankung waren mir bis dato überhaupt nicht bewusst und haben mich entsetzt. Denn nach überwundener Krankheit sollten die Jugendlichen ihr Leben genießen dürfen, ohne dass der Krebs weiterhin in ihrem Kopf herumspukt und ihr Denken beherrscht.

Das Buch basiert auf einer wahren Begebenheit, denn einer der Autoren, Roy Looman, erkrankte als Fünfzehnjähriger an Lymphdrüsenkrebs. Ich habe größten Respekt vor Roy Looman und ziehe den Hut vor seinem kämpferischen Umgang mit einer Krankheit, die schon so manchen Erwachsenen in die Verzweiflung trieb. Es ist seine Geschichte und sein Schicksal, das einen in diesem Buch berührt und dies gibt dem Buch eine ganz besondere Tiefe.

Dieses Buch drückt nicht auf die Tränendrüse sondern zeigt eine ganz neue Facette der Krankheit auf, die lange nach der letzten Chemotherapie beginnt. Es regt zum Nachdenken an, zeigt den Überlebenskampf eines jungen Menschen während, aber auch nach der Erkrankung und versprüht dennoch eine gehörige Portion Optimismus und Hoffnung. Absolute Leseempfehlung!

Ich vergebe 5 Papierblumen. NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine
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