In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft …

kein-weg-zu-weitAzmera lebt einigermaßen glücklich mit ihrer Familie in Eritrea, bis ihr Vater eines Tages inhaftiert und gefoltert wird. Denn er wurde zu einem Gegner des Regimes erklärt und von nun an ändert sich das Leben der Familie von Grund auf! Als ihr Vater aus der Haft entlassen wird, muss er Hals über Kopf aus dem Land flüchten und erhält schließlich Asyl in Schweden. Doch Azmeras Familie bleibt weiterhin im Visier des Militärs und so entschließt die Siebzehnjährige sich schließlich zu einem sehr gewagten Schritt: Sie will die Flucht nach Europa wagen, um dort mit ihrem Vater leben zu können. Ganz alleine tritt das junge Mädchen also nun diese gefährliche Reise an …

Brigitte Blobel befasst sich in ihrem Jugendbuch „Kein Weg zu weit“ mit einem sehr aktuellen Thema und erzählt die Geschichte ausschließlich aus Sicht der jungen Azmera. Dieses Buch hat mich sehr bewegt und zeigt, welche Gefahren manche Menschen auf sich nehmen müssen, nur um in Frieden zu leben. Korrupte politische Systeme, Armut und willkürliche Gewalt gegen Oppositionelle und Kritiker sind die wohl häufigsten Ursachen, die Menschen zwingen, ihre geliebte Heimat zu verlassen.

„Ich habe gehört, die Gefängnisse sind alle voll“, sagt ein anderer. „Sie heben jetzt in der Wüste einfach Gruben aus und legen sie da rein.“

„Lebendig?“ fragt Assoud. Er wendet den Blick nicht von der Straße ab, aber Azmera sieht aus den Augenwinkeln, dass er sehr blass geworden ist.

„Ja, am Anfang schon, aber das dauert nicht lang.“ (S.20)

Diese an sich schon gefährliche Reise ist für Azmera umso brenzliger, da sie als Frau alleine reist. Denn die Stellung der Frau ist in Eritrea und in dessen Nachbarländern nicht besonders hoch angesehen und so muss sie sich auch an dieser Front durchsetzen.

„Die Männer denken, dass sie etwas Besseres sind und dass wir Frauen nur existieren, um ihnen zu dienen.“ (S.36)

Doch Azmera hat Glück im Unglück, denn immer wieder begegnet sie Menschen, die ihr helfen und sie beschützen so gut es geht. In Libyen gewährt eine muslimische Familie Azmera Unterschlupf und hilft ihr nach längerer Krankheit wieder auf die Beine. Die Gastfreundschaft und die Offenheit dieser Familie hat mich sehr beeindruckt und zeigt, dass die politischen und religiösen Probleme meistens nicht die gesamte Gesellschaft betreffen, sondern von Randgruppen aufgebauscht werden.

„Deine Sachen habe ich gewaschen und gebügelt“, sagt Fatima. „Keine Sorge, alles ist noch da. Du musst keine Angst haben. Bei uns bist du sicher. Wir sind Muslime. Wir tun nichts Böses.“ (S.56)

„Fatima ist voller Güte und so großzügig, obwohl sie selbst nicht viel hat. Sie sagt, der Koran verlange, dass man Bedürftigen hilft und die Kranken pflegt.“ (S. 60)

Die verschiedenen Schlepper sind mehr oder weniger menschlich dargestellt, mal abgesehen von jenem, der die Überfahrt über das Mittelmeer organisieren sollte. Dennoch gibt es so manche gefährlichen Momente auf der Reise, die unter anderem auf das Konto irgendwelcher Touareg, Rebellen oder Militärs gehen. Unterwegs muss Azmera aus organisatorischen Gründen eine neue Identität annehmen und wird zur Schwester eines anderen Flüchtlings. Dieser soll sie beschützen und ihr helfen, nach Europa zu kommen. Diese neue Identität trägt dazu bei, dass Azmera immer mehr das Gefühl hat, sich zu verlieren.

„Aber sie ist ja nicht mehr Azmera. Ihre eigene Geschichte gibt es nicht mehr.“ (S. 200)

 Immer wieder kommen Azmera Zweifel an ihrem Unterfangen, doch für ihre Familie möchte sie stark sein. Auf ihrer Reise begegnet sie sehr vielen, verschiedenen Menschen die alle nur ein Ziel haben: Raus aus ihrer Heimat in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die meisten von ihnen wollen nach Europa…

Der alte Mann, der ihr gegenübersitzt, lacht auf. „Alle wollen nach Europa. Glaubst du Europa will dich auch?“ (S.73)

„Europa scheißt auf euch. Weißt du das nicht? Europa macht seine Grenzen dicht, sie lassen keine Flüchtlinge mehr durch. Wenn sie euch erwischen, schicken sie euch sofort wieder zurück.“ (S.100)

„In Europa braucht ihr auch keine Angst mehr vor den Polizisten zu haben. Alle werden euch helfen, niemand wird für seine Hilfe ein Bakschisch von euch erwarten. Sogar die Fischer werfen lieber ihren Fang über Bord, als euch ertrinken zu lassen. Ich habe es mit eigenen Augen im Fernsehen gesehen.“ (S. 206)

Wie groß muss die Ernüchterung jener Menschen sein, wenn sie nach dieser so riskanten Flucht in Europa ankommen und merken, dass sie leider noch lange nicht überall mit offenen Armen empfangen werden? Dass man sie als Problem empfindet, das man irgendwie lösen muss? Dass man sie wieder nicht als gleichwertige Menschen ansieht, sondern ihnen schon vor ihrer Einreise einen Stempel aufdrückt?

Dieses Buch ist ein Plädoyer für Offenheit, Toleranz und Menschlichkeit. Niemand hat Einfluss darauf, wo er geboren wird, die Herkunft macht keinen Menschen zu etwas Besserem oder etwas „Schlechterem“. Leider gibt es verstärkt Kräfte, die sehr gefährliche Parolen in die Welt setzen und die Menschen in Europa gegen die Flüchtlinge aufhetzen wollen. Unglücklicherweise sind sie dabei zum Teil erfolgreich …

 Ich vergebe 5 Papierblumen. NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

 

 

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