Bekannte Märchen, neu erzählt

Die Märchen von Rotkäppchen und den sieben Geißlein kennt wohl fast jeder. Die beiden Märchenadapationen, die ich euch heute vorstellen möchte, kennen hingegen viele (noch) nicht …

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Beide Bilderbücher von Sebastian Meschenmoser haben eines gemeinsam: Der Ausgang der jeweiligen Geschichte hat mit der Originalversion nicht mehr viel zu tun. Während die altbekannten Versionen der GebrüderGrimm in der Person des Wolfs einen „Bösewicht“ als zentrale Figur haben, verwendet der Autor hier den Humor als Hauptzutat und ringt dem (Vor-)Leser mehr als einmal ein Schmunzeln oder lautes Lachen ab.

All jene „Märchenkritiker“, die ihren Kindern nur ungern die Geschichten von Rotkäppchen, Schneewittchen oder Rapunzel vorlesen, weil sie befürchten, der Wolf oder die Hexe könnte die kleinen Zuhörer verängstigen, können diese beiden Bilderbücher bedenkenlos einsetzen. Niemand wird vergiftet, getötet, gefressen … oder kommt sonstwie zu Schaden.

Als Märchenliebhaberin plädiere ich allerdings nicht dafür, diese Märchenadaptationen als Ersatz für die Originale einzusetzen, sonderm sie vielmehr als „Ergänzung“ zu betrachten, die vielleicht auch dazu anregen können, der Fantasie ihren freien Lauf zu lassen und andere Märchen umzuwandeln oder noch andere Versionen zu erfinden.

Da die beiden Werke von Sebastian Meschenmoser meiner Ansicht nach doch recht unterschiedlich sind, möchte ich hier einen kurzen Eindruck vermitteln:

  • Rotkäppchen hat keine Lust

Frühmorgens erwacht der Wolf mit knurrendem Magen in seiner Höhle. Er fühlt sich einsam und bitter. Und weil schon seine Großmutter immer gesagt hat: „Wenn du dich einmal bitter fühlst, friss ein süßes Kind. Das hilft immer!“, macht er sich kurzerhand auf den Weg in den Wald.

Lange muss er nicht warten, bis ihm das Rotkäppchen über den Weg läuft. Allerdings ist dessen Laune alles andere als gut: Das Mädchen soll zu seiner Großmutter, weil diese Geburtstag hat. Dabei würde es seinen Sonntag viel lieber anders verbringen, als der Großmutter ihre lustlos ausgewählten Geschenke zu bringen und sich langweilige Fotoalben ansehen zu müssen.

Der Wolf wittert seine Chance: Um einen Geburtstag zu feiern, braucht man einen Kuchen! Und Wein! Und einen Blumenstrauß! Und während der Wolf in den Vorbereitungen für den Besuch bei der Großmutter richtig aufblüht, wird Rotkäppchens Laune immer schlechter.

Auch der eigentliche Besuch bei der Großmutter verläuft ganz anders, als man es als Leser vermuten würde… Aber das soll jeder selbst entdecken! 😉

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  • Die verflixten sieben Geißlein

Auch in diesem Buch ist die Handlung zu Beginn an das Original angelehnt, weicht jedoch dann stark ab.

Der Plan des Wolfes ist es, sich als Ziegenmutter zu verkleiden, von den Geißlein ins Haus gelassen zu werden und dann eines nach dem anderen aufzufressen. Allerdings hat er die Rechnung ohne die Geißlein und deren Unordnung gemacht: Kaum hat der Wolf das Haus betreten, stolpert er über einen herumliegenden Ball, fällt hin und findet sich inmitten eines riesigen Chaos wieder.

Sebastian Meschenmoser zeigt uns diese gewaltige Unordnung auf einer Doppelseite (ohne Text), die jedes Wimmelbuch in den Schatten stellt. Überall liegen Dinge herum, sind Möbel umgefallen und stapelt sich Dreck. Und irgendwo in diesem ganzen Chaos verstecken sich die sieben Geißlein.

Schnell ist dem Wolf klar: hier muss für Ordnung gesorgt werden. Also macht er sich ans Aufräumen, denn wenn alles an seinem Platz liegt, gibt es keine Verstecke mehr für die Zicklein. Doch kaum ist das Wohnzimmer aufgeräumt, laufen die verflixten sieben Geißlein davon und verstecken sich … 

… in der Küche! Auch hier herrscht das Chaos. Überall liegen Essenreste rum und das schmutzige Geschirr stapelt sich. Es hilft alles nichts: auch hier muss aufgeräumt werden. Doch auch im ersten Stock gibt es noch Zimmer, die so manches Versteck bieten.

Als der Wolf dann endlich überall aufgeräumt hat und die Geißlein kein geeignetes Versteck mehr finden, geht die Tür auf, und die Ziegenmütter kommtmit ihren Einkäufen nach Hause, mit den Schweinen aus der Nachbarschaft im Schlepptau.

Welches Schicksal dem Wolf nun blüht, werde ich an dieser Stelle allerdings nicht verraten. 

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Erwähnenswert sind auch die Illustrationen in den beiden Büchern. Ich war anfangs echt skeptisch, da Aquarellzeichnung nur selten nach meinem Geschmack sind, allerdings machen diese in beiden Fällen das Buch zu einem Gesamtkunstwerk. Besonders die doppelseitigen Illustrationen im Buch der sieben Geißlein sind eine wahre Freude, da es hier unglaublich viel zu entdecken gibt und es einen Heidenspaß bereitet, die Zicklein in dem ganzen Durcheinander zu finden.

Es lohnt sich auch in beiden Büchern den Vorsatz etwas genauer zu betrachten… Auf diesen Seiten wird bereits zur eigenen Geschichte hingeleitet. Dies geschieht jedoch auf eine Art und Weise, die den Leser dazu veranlaßt, Vermutungen anzustellen, was wohl im Laufe der Handlung passieren könnte.

Beide Bücher sind für mich die Entdeckung meines Lesejahres in der Kategorie Bilderbuch und ich hoffe inständig, dass es weitere Märchenadaptationen von Sebastian Menschenmoser geben wird!

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Véro
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