New York, 2118

„Die raumhohen Fenster wirkten wie Vierecke aus samtener Dunkelheit, obwohl in der Ferne bereits langsam die Sonne aufging und die Skyline in ein ockerfarbenes, blassrosa leuchtendes und sanft schimmerndes Gold tauchte.“ (S. 7)IMG_3316.jpg

Wo einst der Central Park den Bewohnern von Manhattan einen grünen Rückzugsort bot, steht in der Zukunft der höchste Wolkenkratzer der Welt. Hier leben die Reichen oben und die Armen unten, während sich ein beinahe endloser Schatten über die einst angesagtesten Stadtteile von New York legt. Doch auch im inneren des Towers legt sich eine gewisse Dunkelheit aus Intrigen, Lügen und Geheimnissen über die Menschen…

Im Mittelpunkt der Handlung stehen fünf junge Menschen.

Avery. Ihr liegt im wahrsten Sinne des Wortes die Welt zu Füßen, denn sie wohnt im obersten Stockwerk des Towers. Ihr Leben könnte nicht perfekter sein, doch ihre Gefühle für ihren Stiefbruder drohen alles ins Wanken zu bringen.

Denn ihre beste Freundin Leda hat ebenfalls Gefühle für Averys Bruder (Atlas). Zwei beste Freundinnen, die in den gleichen Jungen verliebt sind bieten genügend Zündstoff für einen Roman, doch es kommt ebenfalls noch hinzu, dass Leda kein unbeschriebenes Blatt ist. Sie ist ehrgeizig, manipulativ und impulsiv. Für ihre Ziele nimmt sie alles in Kauf, selbst wenn sich dabei ihre beste Freundin in den Weg stellt.

Eris hingegen hat ganz andere Sorgen. Als ein Familiengeheimnis das Tageslicht erreicht, muss sie ein neues Leben in den untersten Stockwerken des Towers beginnen. Doch es ist gar nicht so leicht diese neue Situation vor ihren alten Freunden geheim zu halten. Erst recht nicht, als sich eine neue Freundin in ihre Leben schleicht und Eris sich selbst immer besser kennenlernt.

In den unteren Stockwerken leben aber auch noch zwei weitere spannende Charaktere.

Watt. Ein Nerd könnte man meinen, wenn man den genialen Hacker in ihm entdeckt. Doch er nutzt seinen Zugang zu verschlüsselten Informationen und versteckt sich keineswegs in einer dunklen Kammer. Als er in die Welt der Schönen und Reichen gezogen wird, muss er jedoch den Verlust seines Herzens in Kauf nehmen.

Und auch Rylin gerät in den Sog der Schönen und Reichen. Sie jobbt als Dienstmädchen auf den schillernden Partys der oberen Schicht. Doch als sie ihren Arbeitgeber (Cord) immer besser kennenlernt, holt ihre Vergangenheit – ihr Leben – sie ein und droht alles zu zerbrechen.

Und um was geht es jetzt genau?

Nun, in „Beautiful Liars“ geht es um genau diese oben aufgeführten Personen und ihr Leben im Tower. Das Besondere hierbei ist das unaufhaltsame Netz aus persönlichen Sorgen und Problemen, welches hier gestrickt wird und in Geheimnisse münden und zu Lügen verleiten, die die Charaktere bis zur letzten Seite verfolgen und zu Entscheidungen zwingen, die zu einem Ereignis in der Zukunft führen, welches ihr aller Leben verändern und vielleicht sogar zerstören wird.

Begleitet wird die spannende Handlung durch eine gelungene, eindringliche und bildhafte Sprache, die bei mir gleich zu Beginn eine sogartige Wirkung entfacht hat. Die Übersetzung fand ich gelungen, auch wenn ich die Originalausgabe nicht zum Vergleich herangezogen habe.

Zu Beginn konnte mich das Buch fesseln, auch wenn man direkt ins kalte Wasser – bestehend aus sehr vielen Informationen und Namen – geworfen wird. Ein fast schon melancholischer Prolog lässt schlimmes erahnen, bevor man in die Haupthandlung eintaucht.
Man beobachtet die Handlung aus der (Er-/Sie- Erzähler) Sicht der fünf oben erwähnten Personen. Die Kapitel sind relativ kurz gehalten und knüpfen aneinander an. Die Handlung wird nicht wiederholt, auch wenn zum Beispiel Leda und Avery aufeinandertreffen. Stattdessen erfährt man von ihren Eindrücken, persönlichen Meinungen zu den Personen, die Wirkung ihres Auftretens und kann dadurch auch die Reaktionen der Charaktere anders betrachten. Schließlich weiß man mehr als die Charaktere und kann die verschiedenen Absichten anders nachvollziehen.

Es war sehr spannend die Verknüpfung zwischen den Personen zu entdecken, denn dies ist eine der großen Besonderheiten in dem Buch. Alles und jeder ist irgendwie miteinander verbunden und das wirkt keineswegs erzwungen, sondern die Autorin hat hier ein realistisches Gewebe entstehen lassen.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat war der wirklich gelungene Ausbau der technisierten Welt. Der Central Park ist vollkommen verschwunden und im Tower selbst wird zwar von Apartments gesprochen, doch diese lassen sich nur im oberen Teil des Wolkenkratzers finden. Gleichzeitig gibt es große Straßen in dem Gebäude selbst, mit Parkanlagen etc.
Zu Anfang fand ich es noch schwer ein Gefühl für die Größe des Towers zu bekommen, doch es ist wirklich ein gelungener Schauplatz für die Handlung. Zu Anfang hatte ich sogar kurz das Gefühl die Autorin verliert sich in der imposanten Beschreibung der Umgebung, aber sie schafft es dann doch noch einen Umschwung zu erwirken.

Mikroantennen (Kopfhörer), Augmented-Reality Spiele in einer ARena, Drogen, die passend auf einen zugeschnitten werden, wenn man das passende Kleingeld besitzt oder auch Erfindungen unsere Gegenwart, wie z.B. der 3D- Drucker werden modifiziert. Die Autorin hat sich wirklich Gedanken gemacht, wozu man sie in der Zukunft benötigen könnte und dementsprechend eingesetzt. Ich fand es total faszinierend und raffiniert durchdacht. Außerdem hat sie Themen, wie Freizeit, Sport, Gesundheit und den Umgang der Menschen in der Gesellschaft miteinander (Kommunikation) an die Zukunft angepasst und man merkt einfach, wie viel Herzblut da verarbeitet wurde.

Auf mehr als fünfhundert Seiten wird hier eine wirklich interessante Zukunft gestaltet, die die Bühne für eine Handvoll junger Menschen eröffnet, deren Leben und Lügen miteinander verwoben sind. Sie selbst sind sich dessen gar nicht bewusst, während der Leser sie beobachtetet und über die Seiten hinweg nur erahnen kann, was am Ende passiert.
Die Autorin zeigt hier einen Freundeskreis, der wohl oberflächlicher nicht sein könnte und quasi zum scheitern verurteilt ist. Der Leser bekommt ein gelungenes Gewebe aufgezeigt, doch desto mehr Charaktere auftauchen, desto weniger Personen wünscht man sich für die Handlung, da es bei den Freundschaften zueinander an Tiefe fehlt. Es gibt zwar einen Zusammenhang, doch dieser ist labil dargestellt und die Charaktere agieren wenig miteinander. Stattdessen sind die einzelnen Charaktere Helden ihrer eigenen kleinen Welt und erst am Ende wird aus allem ein großes Ganzes. Schade, wie ich finde, denn dadurch erschien mir die Handlung manchmal zu steril und kalt. Dennoch erschien mir das Buch sehr gelungen konstruiert und die bildhafte Sprache hat mir einen gelungen Blick auf die Zukunft ermöglicht!

Ich freue mich nun auf den zweiten Teil (Erscheinungstermin: 01.07.2018), denn „Beautiful Liars – Verbotene Gefühle“ ist der Beginn einer Trilogie.

Von mir gibt es vier Papierblumen.NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Bonny
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