Ein Kampf gegen die Wut der eigenen Gedanken …

Die KrankheitensammlerinFiona ist eine junge, mit Komplexen beladene Frau die ihr Leben nicht so richtig in den Griff kriegt. Sie hat zwar einen Job, fühlt sich aber sehr einsam und leidet unter ihrem schwachen Selbstwertgefühl.

„Versager wie ich sind also prädestiniert dazu, Versager zu bleiben. Einsamkeit ist Einsamkeit ist Einsamkeit“ (60%)

An Sylvester beschließt sie, ihr Leben umzukrempeln und sich neu zu erfinden. Sie will alles und zwar sofort… Daher setzt sie sich enorm unter Druck und ist nicht mehr in der Lage, auf die Warnsignale ihres Körpers zu hören. Sie droht die Kontrolle zu verlieren …

Kia Kahawa erzählt die Geschichte der jungen Frau in einem sehr lockeren, flüssigen Schreibstil und besticht mit einem teilweise beißenden Humor.

Fiona leidet unter ihrem Aussehen und hat Minderwertigkeitskomplexe. Für eine sehr lange Zeit sind ihre einzigen Ansprechpartner ihr bester Freund Paul und ihre Chatbekanntschaft Thilo. Ihr Privatleben ist also nicht wirklich erfüllend und treibt sie in die Verzweiflung und in eine Depression. Immer wieder streitet und diskutiert sie mit sich selber, sie bildet sich ein, dass ihr Smartphone sie verhöhnt, weil es sich langweilt und ihre Motivationsstimme bremst sie aus und erniedrigt sie. Fiona hat psychische Probleme, die aus ihren Komplexen heraus entstehen. Als wäre sie damit noch nicht genug gestraft, leidet sie außerdem noch an einer Schilddrüsenunterfunktion und muss täglich Medikamente einnehmen, um dem müden Organ auf die Sprünge zu helfen.

Doch an Sylvester soll sich alles ändern. Fiona will ihr Leben umkrempeln und wirft alle alte Gewohnheiten über Bord. Ihre Depression schlägt in eine ausgewachsene Manie um, doch die junge Frau schlägt alle Warnungen in den Wind. Sie achtet nicht auf sich sondern überfordert Körper und Geist. Ihre Handlungen bleiben zwar zu jeder Zeit logisch und nachvollziehbar, doch sie übertreibt maßlos. Sie ist dermaßen euphorisiert, dass sie gar nicht merkt, wie sie sich verändert und zugrunde richtet. Sie sieht nur ihr Ziel vor Augen: Eine neue Fiona soll entstehen – und zwar sofort! Die Tabletten und die Manie bestimmen schließlich ihr Denken und verändern ihre Persönlichkeit. Es ist immer wieder erschreckend, welche Macht bloße, ungesunde Gedanken über einen Menschen besitzen. Irgendwann sitzt man in der Falle und kann dem inneren, ganz persönlichen Teufelskreis nicht mehr entfliehen. Dabei geht Fionas Wandlung ja ansatzweise in die richtige Richtung, doch sie kennt keine Grenzen und schießt weit über das Ziel hinaus.

„Ich erlaube mir, mein Gegenüber hässlich zu finden. Das ist doch bestimmt schon ein guter Fortschritt meiner neuen Lebensweise und der Tabletten, die ich einnehme: Hasse nicht dich selbst, sondern andere, dich nichts dafür können!“ (82 %)

 Doch eigentlich sieht sie ziemlich klar, was um sie herum vorgeht.

„Das ist doch alles nicht echt, so viel in unserer Welt ist oberflächlich und aufgesetzt…“ (81%)

Sie prangert die Missstände in unserer Gesellschaft an und ist sich deren bewusst, dennoch tut sie alles dafür, sich dem weiblichen Idealbild der Gesellschaft anzupassen. Sie nimmt ihre Umgebung und ihre Mitmenschen sehr genau wahr und ist sehr aufmerksam, doch sie zieht leider oft die falschen Schlüsse. Sie ist überzeugt, dass jeder sie kritisieren möchte oder sich über sie lustig macht. Diese Einstellung hemmt sie natürlich und hat so einen negativen Einfluss auf ihre sozialen Kontakte.

Ich finde es erschreckend, dass niemand in ihrer Umgebung auf ihre Situation aufmerksam wird und ihr hilft. Die Ärzte versuchen es auch nur halbherzig, denn irgendwie muss sie ja an die Pillen herangekommen sein. Oder erhält man diese Pillen in der Hunderter-Vorratspackung? Auch ihr angeblich bester Freund meldet sich einfach gar nicht mehr, anstatt seine Freundin direkt auf deren Probleme anzusprechen. Er lässt sie im Stich und weist sie ausgerechnet in dieser schwierigen Phase von sich…

Alles in allem ein gelungener Roman, der sich angenehm liest und dessen Protagonistin mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Ironie gerade noch die Kurve kriegt.

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Christine

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Das traurige Leben eines verkannten Genies

Der Sündenfall von WilmslowWilmslow (England) 1954: Der Mathematiker Alan Turing begeht Selbstmord, indem er einen mit Zyanid vergifteten Apfel isst. Für die Polizei ist dieser Fall schnell geklärt, vor allem da Turing aufgrund seiner Homosexualität zu einer „chemischen Kastration“ verurteilt wurde. Nur der junge Polizeiassistent Corell macht sich die Mühe hinter die Fassade zu blicken und beginnt, sich für die Person Alan Turing zu interessieren. Doch seine Nachforschungen werden nicht von jedem mit Wohlwollen gesehen und rasch werden ihm Steine in den Weg gelegt. Denn Alan Turing hat im Zweiten Weltkrieg Unglaubliches für die Alliierten geleistet, doch dies würde die britische Regierung am liebsten für immer geheim halten …

Bevor ich dieses Buch in Händen hielt waren mir weder Alan Turing noch Bletchley Park ein Begriff. Zwar wusste ich, dass die deutsche Wehrmacht ihre Botschaften mithilfe der Enigma-Maschine verschlüsselte, doch ich hatte keine Ahnung von dem Aufwand, den die britische Regierung betrieb um diese Codes zu knacken.

 Erst nach und nach wird mir jetzt klar, welche Leistung die Mathematiker rund um Alan Turing hier vollbracht haben und dieser ganze Entstehungsprozess ist äußerst interessant. Man spürt, dass David Lagercrantz sich zu hundert Prozent in dieses komplexe Thema eingearbeitet hat und er versucht, es dem Leser so verständlich wie möglich zu gestalten. Vor allem im Mittelteil war eine sehr philosophische Debatte über den Ursprung der reinen Mathematik und die Probleme, vor die das Lügnerparadox sie stellte. Diese Diskussion fand ich zwar interessant, aber auch sehr komplex und ich musste mich wirklich konzentrieren um den Inhalt richtig erfassen zu können. Dennoch vermittelte sie einen guten Einblick von Alan Turings Verständnis von Mathematik und seiner Idee, eine mechanische Intelligenz zu erschaffen. Denn Turing ist der Vorreiter des Computers und noch heute wird sein Turing-Test benutzt um Maschinen auf künstliche Intelligenz zu testen.

Der Umgang mit Homosexuellen in der Nachkriegszeit machte mich fassungslos, wütend und traurig zugleich. Alan Turing war zweifellos ein mathematisches Genie, doch er wurde wegen seiner Homosexualität verurteilt und verunglimpft. Nach seiner Verurteilung hatte er nun die „Wahl“ zwischen Gefängnis und einer sogenannten chemischen Kastration. Er entschied sich für Letzteres und musste jahrelang Östrogen zu sich nehmen. Dies veränderte natürlich seinen Körper und als er schließlich Selbstmord beging, hieß es von Seiten des Untersuchungsrichters „dass ein solches impulsgesteuertes Handeln typisch sei für das Verhalten eines Mannes dieser Art!“ (S.455)

Warum Turing Selbstmord beging ist nicht bekannt. Die chemische Kastration kann zu Depressionen führen, was mich auch nicht weiter wundern würde. Allerdings stand Turing zur Zeit seines Selbstmordes unter dem Verdacht des Hochverrats, da er als Homosexueller natürlich moralisch verdorben sei und somit auch leicht zum sowjetischen Spion werden könnte. Dieser unsinnige Verdacht und vor allem dessen hirnrissige Begründung machen mich noch jetzt wütend. Immerhin ist dies erst 60 Jahre her!

Doch zu dieser Zeit wurde Homosexualität als Krankheit, gar als Perversion angesehen, die die ganze Gesellschaft bedrohen würde. Die homophobe Atmosphäre ist sehr menschenverachtend und an manchen Stellen sehr extrem. Alan Turing ist an einer verstockten, intoleranten und rückständigen Gesellschaft gescheitert. Glücklicherweise haben die Zeiten sich geändert haben und unsere Gesellschaft ist heute offener und toleranter.

Der Polizeiassistent Corell war mir zu Beginn nicht sympathisch, was größtenteils an seiner homophoben Einstellung lag. Nur langsam vollzieht sich in ihm ein Wandel und er wird etwas toleranter. Diese Entwicklung hat er vor allem seiner Tante Vicky zu verdanken. Dennoch bleibt Corell ohne jedes Selbstvertrauen und er hat Angst, vor seinem eigenen Mut. Denn er hat das Talent, Zusammenhänge rasch zu begreifen und ist vermutlich selber überdurchschnittlich intelligent, doch seine jahrelang gehätschelten Komplexe lassen sich nur schwer über Bord werfen. Erst nachdem er die Wahrheit kennt wird er mutiger uns selbstsicherer.

Dieses Buch ist eine Mischung aus Biographie und Aufarbeitungsroman und hat mich sehr berührt. Einen Krimi sucht man hier vergebens, doch das Buch fesselt den Leser auch ohne kriminalistischen Elemente. Denn der historische Hintergrund hat ein enormes Gewicht und Alan Turings trauriges Leben lässt einen sicherlich nicht kalt.

In seiner Rede anlässlich der offiziellen Entschuldigung der britischen Regierung trifft Gordon Brown, fünfundfünfzig Jahre nach Alan Turings Tod den Nagel auf den Kopf:

„Im Namen der britischen Regierung und all derer, die dank Alans Arbeit in Freiheit leben, bin ich stolz, sagen zu können: Es tut uns leid, du hattest so viel Besseres verdient!“ (S.460)

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Christine

Flach und wenig Spannung!

Was wir getan haben1982, Kenia: Nick, Luke und Katie spielen gemeinsam mit den ungefähr gleichaltrigen Schwestern Cora und Amy am Fluss. Die Kinder toben ausgelassen im Wasser herum bis plötzlich ein schreckliches Unglück passiert das ihr Leben für immer verändert.

2013, Dublin: Katie und Luke leben wieder in Irland und führen dort ein mehr oder weniger zufriedenes Leben. Bis Luke eines Tages spurlos verschwindet und wenige Tage später tot aufgefunden wird. Er hat Selbstmord begangen! Erschüttert reist Katie zurück nach Afrika, wo sie sich gemeinsam mit Nick ihrer Vergangenheit stellen muss…

Das Autorenduo Karen Perry hat einen durchaus angenehmen und sehr einfachen Schreibstil, allerdings fehlte es dem Buch meiner Meinung nach an Spannung. Zwar hat der Verlag das Buch als Roman und nicht als Thriller gekennzeichnet, doch aufgrund des Klappentextes und des Covers hätte ich doch in diesem Punkt mehr erwartet. Die Autoren beschreiben die Protagonisten und deren Gefühlswelt sehr ausschweifend und dies tut der Spannung leider Abbruch. Für meinen Geschmack gab es auch zu viele Wiederholungen und Rückblenden, die nicht immer etwas mit dem unmittelbaren Geschehen zu tun hatten und so die Handlung unnötig verlangsamten. Glücklicherweise merkt man weder dem Schreibstil noch der Handlung an, dass gleich zwei Autoren an diesem Werk gearbeitet haben. Dies scheint zu zeigen, dass dieses Team gut harmoniert und sich schön ergänzt.

Katie und Nick erzählen gemeinsam ihre Geschichte und sehr schnell merkt der Leser, dass die beiden inzwischen erwachsenen Menschen sehr unter ihrer Vergangenheit leiden. Nie konnten sie dieses grausame Unglück, dessen Zeuge sie als Kinder wurden, vergessen. Nick hat es erfolgreich verdrängt, doch besonders Katie leidet unter diesem Ereignis. Zu allem Übel erhält sie auch noch Drohbriefe und Fotos, die auf den Vorfall anspielen sollen. Wer kennt ihr wohl gehütetes Geheimnis und bedroht sie? Das Buch lebt von diesem Geheimnis, denn meine Gedanken kreisten fast ausschließlich darum und trieben mich immer weiter im Buch voran. Allerdings fand ich die Handlung dann doch ziemlich vorhersehbar, denn dass ein Kind zu Tode kam, dachte ich mir bereits bei der Erwähnung des Flusses. Auch Lauren und Father Murphy hatte ich ziemlich schnell unter Verdacht und wurde leider nicht mehr überrascht.

Insgesamt war dieses Buch mittelmäßig und hat mich leider nicht vom Hocker gehauen. Dank der simplen Sprache hat es sich gut gelesen, doch die Handlung war recht flach und bot keinerlei Überraschungen. Alles in allem ein Buch das man lesen kann, aber nicht unbedingt gelesen haben muss!

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Christine

Brutal, aber auch tiefgründig

Die Umarmung des TodesVier Frauen arbeiten in der Nachtschicht in einer Lunchfabrik und lernen sich dort kennen und schätzen. Doch als Yayoi eines Tages erfährt, dass ihr Mann ihre gesamten Ersparnisse im Kasino verbraten hat, bringt sie ihn im Affekt um. Ihre drei Freundinnen helfen ihr mehr oder weniger freiwillig und zerstückeln den leblosen Körper um ihn so zu beseitigen. Doch die Leiche wird entdeckt und entfesselt so eine ungeheure Gewaltspirale, die ein sehr blutiges Ende findet.

Natsuo Kirino hat einen sehr eindrucksvollen Schreibstil. Ihr ausgezeichnetes sprachliches Niveau verschmilzt mit einem perfekt gezeichneten Spannungsbogen und zieht den Leser in seinen Bann. Die Charakterdarstellung der Protagonisten ist perfekt herausgearbeitet und die vielen, nicht zu langatmigen Beschreibungen, lassen einen tief in die japanische Welt eintauchen. Kirino legt den Finger in die Wunde und prangert nicht nur die Missstände in der japanischen Gesellschaft an, die so viele Leute in bitterer Armut alleine lässt, sondern zeigt, dass auch scheinbar normale Menschen zu den grausamsten Verbrechen fähig sind. Der psychologische Aspekt dieses Buches ist faszinierend und man spürt regelrecht, wie die Frauen immer mehr unter Druck geraten und sich schließlich komplett von ihrem früheren Leben abwenden. Kirino hat den Mut, diese menschlichen Abgründe zu schildern und schreckt auch nicht vor makabrer Brutalität zurück. Ich muss gestehen, dass ich Satakes Beschreibungen seines ersten Mordes teilweise nur überflogen habe, da dies mir dann doch zu blutrünstig war. Doch dies tut der Spannung keinen Abbruch und ist eher mein persönliches Gefühl, da ich mir solche Grausamkeiten nie allzu bildlich vorstellen möchte.

Die Protagonisten führen allesamt ein Leben, das sehr trostlos und unbefriedigend ist. Die Frauen haben große finanzielle Sorgen und auch das Familienleben bietet kaum Anlass zur Hoffnung. Sie jagen unverwirklichten Träumen hinterher oder sind einfach nur frustriert über ihr Leben, das so ganz anders verlief als erhofft. Während der ganzen Lektüre war ich mir nicht sicher, ob ich die Protagonistinnen, allen voran Masako und Yayoi verstehen, sympathisch finden oder aber verachten soll. Beide haben eine schreckliche Tat begannen, doch es gelang mir nicht, ihnen den Stempel des Bösewichts aufzudrücken. Die einzige Figur, deren Handeln ich nicht nachvollziehen konnte und die mir überaus unsympathisch war, war Kuniko.

Die verschiedenen Erzählperspektiven, die vor allem gegen Ende des Romans auftreten, verleihen dem Buch eine zusätzliche Spannung und lassen einen während der Schlussszene richtig mitfiebern. Dieser brutale Kampf um Leben und Tod wird aus Sicht der beiden Beteiligten geschildert und so kann man ihre verworrene Gefühlslage besser entwirren. So ganz nachvollziehen konnte ich Masakos Reaktion allerdings nicht, aber in Romanen ist ja Gott sei Dank alles möglich! J

Da dies mein erster asiatischer Roman war, hatte ich zunächst Bedenken ob ich mich bei den vielen asiatischen Namen zurecht finden würde. Glücklicherweise war das überhaupt kein Problem und ich vergaß den japanischen Hintergrund ziemlich oft während der Lektüre. So habe ich mir beispielsweise die Protagonisten allesamt mit europäischen Gesichtszügen vorgestellt und musste mich bei jeder Personenbeschreibung daran erinnern, dass dies nicht den Tatsachen entsprechen kann. Die aufgegriffenen Themen sind so brisant und klug gewählt, dass sie in jedem Land aktuell sind. Trostlosigkeit und Perspektivlosigkeit gepaart mit Armut und geringen Aufstiegsmöglichkeiten betreffen bei Weitem nicht nur die japanische Gesellschaft, sondern finden sich leider überall auf der Welt wieder. Die Frauen in diesem Roman haben ihren Ausweg gefunden, wenn auch auf ungewöhnliche und illegale Art und Weise. Aber werden Menschen in solch ausweglosen Situationen nicht geradezu in die Illegalität gedrängt? Dieser Roman ließ mich sehr nachdenklich zurück und ich fragte mich immer wieder, wie ich mich in einer solchen Situation verhalten hätte …

Dieses Buch hat es definitiv in sich und lässt den Leser nicht mehr los. Allerdings darf man keine schwachen Nerven haben, sonst kann man die Tiefgründigkeit dieses Buches nicht erkennen.

Ich vergebe 4 Papierblumen!

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Christine

Leider wird dieses Buch aktuell nicht mehr gedruckt. Meine Version ist aus dem Goldmann-Verlag, die Rechte hat anschließend aber wohl R M Buch und Medien übernommen. Es ist mir daher unmöglich, den Link zum Verlagshaus einzusetzen, da dieser Roman dort nicht mehr aufgelistet wird.

 

 

Eine ganze Palette an Emotionen …

Morgen kommt ein neuer HimmelAls Bretts Mutter stirbt, bricht für die junge Frau eine Welt zusammen, denn sie hat ihre wichtigste Vertrauensperson verloren. Auf der Testamentsvorlesung folgt dann sogleich der zweite Schock: Brett erhält, im Gegensatz zu ihren Brüdern, kein millionenschweres Erbe, sondern wird aus dem Familienunternehmen entlassen. Warum tut ihre Mutter ihr das bloß an? Bretts Mutter wusste, dass ihre Tochter kein glückliches Leben führt, sondern immer den Weg des geringsten Widerstandes gewählt hat. Bevor Brett ihr Erbe erhält, muss sie 10 Dinge ihrer To Do- Liste erledigen, die sie vor 20 Jahren geschrieben hat. Nach jedem erreichten Ziel überreicht der Notar ihrer Mutter ihr einen neuen Brief, sodass Brett die Beweggründe ihrer Mutter besser nachvollziehen kann. Nach und nach krempelt Brett notgedrungen ihr ganzes Leben um, bis sie schließlich feststellt, dass ihre Mutter mit ihrer Vermutung vollkommen richtig lag. Mit jedem erreichten Ziel fühlt Brett sich leichter, beschwingter und gewinnt zunehmend an Selbstvertrauen.

Lori Nelson Spielman verfügt über einen einnehmenden, packenden Schreibstil der den Leser sofort in seinen Bann zieht. Die einzelnen Kapitel sind recht kurz und lesen sich sehr leicht. Die Idee hinter dem Buch ist genial und perfekt umgesetzt. Die Atmosphäre dieses Buches regt einen zum Nachdenken an, lässt einen aber auch manchmal innerlich weinen oder jubeln. Die Briefe berührten mich sehr und die sympathische Protagonistin erlebt ein Wechselbad der Gefühle – genau wie der Leser!

Die Beziehung zwischen den Geschwistern wird sehr anschaulich beschrieben und ist sehr tiefgründig. Man merkt deutlich, wie unterschiedlich sie mit der Situation umgehen und ihr ältester Bruder übt zudem auch noch Druck auf Brett aus. Obwohl dies ihn mir nicht unbedingt sympathischer machte, so spornte er Brett doch zusätzlich an, ihr Leben trotz dieses harten Erbes auf die Reihe zu kriegen. Auch die Liebesbeziehung zwischen Brett und Andrew kommt auf den Prüfstand und hält dieser Belastung nicht stand. Da Andrew als richtiger Kotzbrocken dargestellt wurde, war dies allerdings auch nicht weiter schlimm sondern machte den Weg frei für neue Erfahrungen.

Besonders beeindruckt haben mich die Schilderungen über ihren Beruf als Hauslehrerin. Obwohl ich selber Lehrerin bin, habe ich noch nie davon gehört und weiß auch gar nicht, ob es dieses Modell auch hier bei uns gibt. Die Eindrücke, die Brett in diesem Kontext erlebt, sind sehr tiefgründig und erschütternd. Sie tragen viel zu Bretts persönlicher Weiterentwicklung bei und lassen sie nicht nur reifen, sondern verhelfen ihr auch zu mehr Abstand von dem Materialismus unserer Zeit. Der Kontakt mit den armen, von der Gesellschaft ausgeschlossenen Kindern vermittelt ihr eine klareren Blick ihrer eigenen, privilegierten Situation gegenüber.

Ich habe dieses Buch in einem Ruck durchgelesen, weil ich unbedingt wissen wollte, ob sie diese zum Teil wahnwitzigen Ziele erreichen wird.

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Christine

Ein Familie droht ausgelöscht zu werden

Ein guter Tag zum LebenJoe O’Brien hat alles, was man zu einem glücklichen Leben braucht: eine tolle, gesunde Familie, einen Beruf der ihm Spaß macht, ein gemütliches Heim und viele Freunde. Doch auf einmal benimmt Joe sich immer seltsamer. Er vergisst Dinge, schreibt chaotische Polizeiberichte und bewegt sich seltsam, fast schon unkontrolliert. Auf Drängen seiner Frau, begibt Joe sich zum Arzt und erhält dort die erschütternde, völlig unerwartete Diagnose: Huntington.

„Huntington war nicht einmal ein Teil seines Wortschatzes und schon gar nicht eine Möglichkeit. Jetzt ist es seine Wirklichkeit.“ (S.124)

Nur langsam begreift Joe die Ausmaße dieser Diagnose, denn nicht nur seine eigene Lebenszeit wird drastisch reduziert, auch seine Kinder sind in Gefahr. Denn Chorea-Huntington ist eine vererbbare Krankheit, die Gefahr sie zu erben steht bei 50%. Hat Joe diese Last auf seine Kinder übertragen? Die Familie muss nun lernen, diese neue, grausame Realität zu akzeptieren und damit zu leben.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr klar und direkt. Die Protagonisten wirken sehr authentisch und ich litt zu jeder Zeit mit ihnen. Das Buch regt zum Nachdenken an und die düsteren Zukunftsperspektiven der Kinder gingen mir wirklich an die Nieren. Ich fand es auch toll, dass die Krankheit zu Beginn eines neuen Abschnitts des Buches erklärt wird, losgelöst vom Geschehen. Das trägt zu einer objektiveren, nüchterneren Einschätzung der Krankheit bei und hilft dem Leser, sich intensiver mit Chorea-Huntington auseinander zu setzen.

Auch die Entwicklung der Krankheit fand ich sehr geschickt eingefädelt. Bereits zu Beginn merkt der Leser, dass Joe die ersten Symptome entwickelt. Allerdings ist dies für die Familie noch nicht erkennbar, sondern sie tut es als Schusseligkeit oder Übermüdung ab. Erst 7 Jahre nach dem ersten Anfall schickt Rosie ihren Mann zum Arzt und so wird diese todbringende Krankheit bei Joe entdeckt. Ich fand es sehr bewegend, wie Joe im Nachhinein über seine Mutter nachdenkt und sie um Verzeihung bittet. Sein ganzes Leben lang dachte er, dass sie sich durch ihren Alkoholkonsum um den Verstand gebracht hat. Jetzt erst erkennt er, dass auch sie eine Huntington-Patientin war.

Verständlicherweise wirft diese Diagnose die ganze Familie aus der Bahn. Besonders die Kinder quälen sich mit der Frage, ob sie einen Gentest machen sollen und somit Klarheit über ihren Gesundheitszustand zu erhalten. Diese schreckliche Erfahrung bringt die Geschwister, vor allem Meg und Katie, wieder näher zusammen. Im Verlauf des Buches erhält der Leser Einblick in Katies Gedanken, die sehr schonungslose Perspektiven ihrer eigenen Zukunft aufzeigt.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Menschen, im Laufe seines Lebens von einem Blitz getroffen zu werden, liegt bei eins zu 126 000, die Wahrscheinlichkeit zu ertrinken bei eins zu tausend. Bei einem Autounfall zu sterben, eins zu hundert. An Krebs zu sterben, eins zu sieben. Aber ihre Wahrscheinlichkeit, an Huntington zu sterben, eins zu zwei.“ (S.165)

Interessant fand ich auch den Bezug zur Religion. Zu Beginn des Buches macht Joe sich gerne mal über Rosie lustig, da sie streng religiös ist und überall Engel und kirchliche Figuren stehen hat. Doch im weiteren Verlauf seiner Krankheit klammert Joe sich immer mehr an die Hoffnung, dass doch jemand über ihn wacht. Er beginnt sogar wieder zur Kirche zu gehen. Zur gleichen Zeit kommen Rosie immer mehr Zweifel an ihrem Glauben. Denn wie kann Gott es zulassen, dass eine gute, gläubige Familie derart zu leiden hat? Die Religion spielt also schon eine Rolle in der Handlung, nimmt aber keinen übertriebenen Stellenwert ein und wird somit nicht zum Störfaktor. 

Nur das Ende des Romans fand ich etwas unglücklich. Das ganze Buch dreht sich um den Umgang mit der Krankheit und auch Katies Ängste und Ansichten spielen eine sehr zentrale Rolle. Es hätte mich also gefreut zu erfahren, ob sie von der Krankheit betroffen ist oder nicht. Ich bin tendenziell kein großer Fan eines offenen Schlusses, wenn das Buch nicht fortgesetzt wird. Daher hat dieses abrupte Ende mir nicht gefallen.

Insgesamt hat „Ein guter Tag zum Leben“ mir gut gefallen und daher vergebe ich 4 Papierblumen. NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine