New York, 2118

„Die raumhohen Fenster wirkten wie Vierecke aus samtener Dunkelheit, obwohl in der Ferne bereits langsam die Sonne aufging und die Skyline in ein ockerfarbenes, blassrosa leuchtendes und sanft schimmerndes Gold tauchte.“ (S. 7)IMG_3316.jpg

Wo einst der Central Park den Bewohnern von Manhattan einen grünen Rückzugsort bot, steht in der Zukunft der höchste Wolkenkratzer der Welt. Hier leben die Reichen oben und die Armen unten, während sich ein beinahe endloser Schatten über die einst angesagtesten Stadtteile von New York legt. Doch auch im inneren des Towers legt sich eine gewisse Dunkelheit aus Intrigen, Lügen und Geheimnissen über die Menschen…

Im Mittelpunkt der Handlung stehen fünf junge Menschen.

Avery. Ihr liegt im wahrsten Sinne des Wortes die Welt zu Füßen, denn sie wohnt im obersten Stockwerk des Towers. Ihr Leben könnte nicht perfekter sein, doch ihre Gefühle für ihren Stiefbruder drohen alles ins Wanken zu bringen.

Denn ihre beste Freundin Leda hat ebenfalls Gefühle für Averys Bruder (Atlas). Zwei beste Freundinnen, die in den gleichen Jungen verliebt sind bieten genügend Zündstoff für einen Roman, doch es kommt ebenfalls noch hinzu, dass Leda kein unbeschriebenes Blatt ist. Sie ist ehrgeizig, manipulativ und impulsiv. Für ihre Ziele nimmt sie alles in Kauf, selbst wenn sich dabei ihre beste Freundin in den Weg stellt.

Eris hingegen hat ganz andere Sorgen. Als ein Familiengeheimnis das Tageslicht erreicht, muss sie ein neues Leben in den untersten Stockwerken des Towers beginnen. Doch es ist gar nicht so leicht diese neue Situation vor ihren alten Freunden geheim zu halten. Erst recht nicht, als sich eine neue Freundin in ihre Leben schleicht und Eris sich selbst immer besser kennenlernt.

In den unteren Stockwerken leben aber auch noch zwei weitere spannende Charaktere.

Watt. Ein Nerd könnte man meinen, wenn man den genialen Hacker in ihm entdeckt. Doch er nutzt seinen Zugang zu verschlüsselten Informationen und versteckt sich keineswegs in einer dunklen Kammer. Als er in die Welt der Schönen und Reichen gezogen wird, muss er jedoch den Verlust seines Herzens in Kauf nehmen.

Und auch Rylin gerät in den Sog der Schönen und Reichen. Sie jobbt als Dienstmädchen auf den schillernden Partys der oberen Schicht. Doch als sie ihren Arbeitgeber (Cord) immer besser kennenlernt, holt ihre Vergangenheit – ihr Leben – sie ein und droht alles zu zerbrechen.

Und um was geht es jetzt genau?

Nun, in „Beautiful Liars“ geht es um genau diese oben aufgeführten Personen und ihr Leben im Tower. Das Besondere hierbei ist das unaufhaltsame Netz aus persönlichen Sorgen und Problemen, welches hier gestrickt wird und in Geheimnisse münden und zu Lügen verleiten, die die Charaktere bis zur letzten Seite verfolgen und zu Entscheidungen zwingen, die zu einem Ereignis in der Zukunft führen, welches ihr aller Leben verändern und vielleicht sogar zerstören wird.

Begleitet wird die spannende Handlung durch eine gelungene, eindringliche und bildhafte Sprache, die bei mir gleich zu Beginn eine sogartige Wirkung entfacht hat. Die Übersetzung fand ich gelungen, auch wenn ich die Originalausgabe nicht zum Vergleich herangezogen habe.

Zu Beginn konnte mich das Buch fesseln, auch wenn man direkt ins kalte Wasser – bestehend aus sehr vielen Informationen und Namen – geworfen wird. Ein fast schon melancholischer Prolog lässt schlimmes erahnen, bevor man in die Haupthandlung eintaucht.
Man beobachtet die Handlung aus der (Er-/Sie- Erzähler) Sicht der fünf oben erwähnten Personen. Die Kapitel sind relativ kurz gehalten und knüpfen aneinander an. Die Handlung wird nicht wiederholt, auch wenn zum Beispiel Leda und Avery aufeinandertreffen. Stattdessen erfährt man von ihren Eindrücken, persönlichen Meinungen zu den Personen, die Wirkung ihres Auftretens und kann dadurch auch die Reaktionen der Charaktere anders betrachten. Schließlich weiß man mehr als die Charaktere und kann die verschiedenen Absichten anders nachvollziehen.

Es war sehr spannend die Verknüpfung zwischen den Personen zu entdecken, denn dies ist eine der großen Besonderheiten in dem Buch. Alles und jeder ist irgendwie miteinander verbunden und das wirkt keineswegs erzwungen, sondern die Autorin hat hier ein realistisches Gewebe entstehen lassen.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat war der wirklich gelungene Ausbau der technisierten Welt. Der Central Park ist vollkommen verschwunden und im Tower selbst wird zwar von Apartments gesprochen, doch diese lassen sich nur im oberen Teil des Wolkenkratzers finden. Gleichzeitig gibt es große Straßen in dem Gebäude selbst, mit Parkanlagen etc.
Zu Anfang fand ich es noch schwer ein Gefühl für die Größe des Towers zu bekommen, doch es ist wirklich ein gelungener Schauplatz für die Handlung. Zu Anfang hatte ich sogar kurz das Gefühl die Autorin verliert sich in der imposanten Beschreibung der Umgebung, aber sie schafft es dann doch noch einen Umschwung zu erwirken.

Mikroantennen (Kopfhörer), Augmented-Reality Spiele in einer ARena, Drogen, die passend auf einen zugeschnitten werden, wenn man das passende Kleingeld besitzt oder auch Erfindungen unsere Gegenwart, wie z.B. der 3D- Drucker werden modifiziert. Die Autorin hat sich wirklich Gedanken gemacht, wozu man sie in der Zukunft benötigen könnte und dementsprechend eingesetzt. Ich fand es total faszinierend und raffiniert durchdacht. Außerdem hat sie Themen, wie Freizeit, Sport, Gesundheit und den Umgang der Menschen in der Gesellschaft miteinander (Kommunikation) an die Zukunft angepasst und man merkt einfach, wie viel Herzblut da verarbeitet wurde.

Auf mehr als fünfhundert Seiten wird hier eine wirklich interessante Zukunft gestaltet, die die Bühne für eine Handvoll junger Menschen eröffnet, deren Leben und Lügen miteinander verwoben sind. Sie selbst sind sich dessen gar nicht bewusst, während der Leser sie beobachtetet und über die Seiten hinweg nur erahnen kann, was am Ende passiert.
Die Autorin zeigt hier einen Freundeskreis, der wohl oberflächlicher nicht sein könnte und quasi zum scheitern verurteilt ist. Der Leser bekommt ein gelungenes Gewebe aufgezeigt, doch desto mehr Charaktere auftauchen, desto weniger Personen wünscht man sich für die Handlung, da es bei den Freundschaften zueinander an Tiefe fehlt. Es gibt zwar einen Zusammenhang, doch dieser ist labil dargestellt und die Charaktere agieren wenig miteinander. Stattdessen sind die einzelnen Charaktere Helden ihrer eigenen kleinen Welt und erst am Ende wird aus allem ein großes Ganzes. Schade, wie ich finde, denn dadurch erschien mir die Handlung manchmal zu steril und kalt. Dennoch erschien mir das Buch sehr gelungen konstruiert und die bildhafte Sprache hat mir einen gelungen Blick auf die Zukunft ermöglicht!

Ich freue mich nun auf den zweiten Teil (Erscheinungstermin: 01.07.2018), denn „Beautiful Liars – Verbotene Gefühle“ ist der Beginn einer Trilogie.

Von mir gibt es vier Papierblumen.NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Bonny
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Ein Muss für Potter-Fans?

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Zum Inhalt:

19 Jahre sind vergangen … Harry Potter ist inzwischen mit Ginny Weasley verheiratet, Vater von drei Kindern und Angestellter des Zaubereiministeriums. Das mag sich anhören, als sei Ruhe in sein Leben gekehrt, aber dieser Eindruck täuscht.

Während Harrys Narbe wieder zu schmerzen beginnt und seine Vergangenheit ihn einzuholen droht, hat sein Sohn Albus mit der Last zu kämpfen, ein Potter zu sein.

Als die dunklen Schatten der Vergangenheit Harry, seine Familie und seine Freunde dann wirklich einzuholen scheinen, wird deutlich, dass das Böse oft an ganz anderen Orten lauert, als man es vermutet hat.

Meine Meinung:

Ich bin mit sehr gemischten Gefühlen an die Lektüre dieses Buches herangegangen: Vorfreude auf ein Wiedersehen mit den Figuren aus den ersten Harry Potter – Bänden, Neugierde wegen des Schreibstils und Skepsis aufgrund der sehr geteilten Reaktionen, …

Anfangs tat ich mich ein bisschen schwer weil es nun doch schon einige Jahre her ist, seit ich den siebten Band gelesen habe. Der Schreibstil in Form eines Skripts war anfangs doch sehr ungewohnt und ich hatte zudem das Gefühl, dass die Wechsel zwischen den einzelnen Szenen nicht genügend aufeinander abgestimmt waren. Dieses Gefühl legte sich jedoch im Laufe der Lektüre.

Inhaltlich konnte die Geschichte mich überzeugen. Die Handlung ist glaubwürdig und spannend, auch wenn dieser achte Band mit Sicherheit nicht in allen Hinsichten an die Vorgängerbände anknüpfen kann. Dies erklärt sich aber mit Sicherheit schon teilweise durch die Tatsache, dass das Buch als Theaterskript verfasst wurde und auch dadurch, dass die Beschreibungen weitaus weniger detailliert sind.

Die einzelnen Charaktere aus dem Buch haben sich in den vergangenen Jahren natürlich weiterentwickelt. Manche davon vielleicht in eine Richtung, die man so nicht unbedingt erwartet hätte, aber ich fand es eigentlich ganz spannend, diese Entwicklungen zu beobachten und teilweise überrascht zu werden.

Für ein kleines „Plus“ an Magie sorgte bei mir jedoch die Tatsache, dass ich mich beim Lesen sehr oft gefragt habe, wie das alles auf der Bühne umgesetzt wurde und ich werde mir das wohl auch, wenn sich die Gelegenheit irgendwann bieten sollte, selbst ansehen.

Fazit:

Dieser achte Band reiht sich nicht nahtlos in die Reihe der bisherigen sieben Bände ein. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man dieses Buch zur Hand nimmt. Wer sich dann darauf einlässt, wird jedoch gut unterhalten und darf sich auf ein Wiedersehen mit Altbekannten freuen.

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Véro

Umwoben von der Vergangenheit

Zu lieben bedeutet zu fürchten. Du ängstigst dich, bist starr vor Sorgen, dass denen, die du liebst, etwas zustoßen könnte. Denk nur an die Möglichkeiten. Zieht sich dein Herz mit jedem Schlag zusammen? Das, mein Freund, ist Liebe. Sie macht uns alle zu Sklaven, denn es gibt keine Liebe ohne Furcht. – Private Ansichten über die Liebschaften dreier Könige von Baronin Sammarco“ (S.295)

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Vor einigen Jahren brach eine schreckliche Krankheit aus. Viele der Kinder, die die Krankheit überlebten, sind für ihr Leben gezeichnet und werden von der Gesellschaft verstoßen.
Auch das schwarze Haar von Adelina Amouteru, der Tochter eines reichen Kaufmanns, verfärbt sich in der Nacht plötzlich silbern. Und so ist auch sie gezeichnet.
Aber das Blutfieber hat ihr nicht nur eine strahlende Zukunft genommen, sondern auch übernatürliche Kräfte verliehen. Und Adelina ist nicht die Einzige.
Die Gemeinschaft der Dolche wird vom König gejagt und gefürchtet, denn mit ihren unerklärlichen Fähigkeiten sind sie imstande, ihn vom Thron zu stürzen. Doch dazu benötigen sie Adelinas Hilfe…

Mit Spannung habe ich auf die neue Reihe von Marie Lu („Legend“-Trilogie) gewartet und wurde nicht enttäuscht. Wenn man in „Young Elites – Die Gemeinschaft der Dolche“ etwas findet, dann ist das auf jeden Fall Spannung, verbunden mit einem ereignisreichen Handlungsverlauf, der einen in den richtigen Momenten fesselt, schockiert, aber auch gleichzeitig verärgert, da man durchaus in einigen Lesemomenten die Entscheidungen der Protagonistin kritisieren möchte.

Insbesondere die ersten hundert Seiten konnten mich begeistern. In einem mitreißendem Handlungsaufbau erfahren wir einiges von Adelina Amouteru, der Protagonistin dieses (Fantasie-) Jugendromans. Aber der Leser erhält nicht nur Informationen über ihre persönliche Vergangenheit, sondern ebenso einen Zugang zu der hier von Marie Lu neu konstruierten Welt.
Zusammen mit Adelina befindet man sich in den Seelanden, im Südosten von Kenettra. Visuell unterstützt wird dies durch eine im Buch enthaltende geografische Karte, die ich für die Verortung der Handlung durchaus hilfreich empfand.

Adelina Amouteru ist eine ungeschliffene Protagonistin, die sowohl äußerlich, als auch innerlich „gezeichnet“ ist. Sie und ihre Schwester erkrankten einst am Blutfieber, welches nur Kinder überlebten. Während ihre Schwester unbeschadet genesen konnte, verfärbte sich Adelinas Haar über Nacht. Ein Zeichen, welches für jeden sichtbar ist und durch welches sie von der Gesellschaft abwertend behandelt wird.
Ihre Schwester ist ihr der wohl wichtigste Mensch, doch ebenso ist Adelina von Neid und Eifersucht befallen, wenn sie diese im Umgang mit ihrem Vater betrachtet. Während sie auf Händen getragen wird, schlägt Adelina der tägliche Hass ihres Vaters entgegen.
Für das Verständnis von ihrem Charakter ist dieser Blick auf die Ereignisse der Vergangenheit gelungen und keineswegs langatmig, sondern Marie Lu hat diese Rückblicke interessant in den Handlungsverlauf eingeflochten.

Ebenso spannend gestaltet sich die Entdeckung der Strukturen in der Gemeinschaft der Dolche. Wie bereits erwähnt sind einige der Kinder, die das Blutfieber überlebten gezeichnet und werden als „Malfettos“ bezeichnet. Einige von ihnen besitzen darüber hinaus aber auch übernatürliche Fähigkeiten und haben sich zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen, die ein bestimmtes Ziel verfolgt.

„Die Dolche hatten nach dem Blutfieber weitaus tiefere Narben davongetragen als ich – furchterregende Kräfte, die nicht von dieser Welt waren. […] Es hieß, dass sie aus dem Nichts Feuer heraufbeschwören konnten. Den Wind beherrschen. Wilde Tiere zähmen. Unsichtbar werden. Mit einem einzigen Blick töten.“ (S. 16)

Allen voran Enzo und Raffaele. Beide ebenso interessante Charaktere, mit unterschiedlichen Geschichten, die ebenfalls genügend Zündstoff für den Handlungsverlauf liefern. Einige Kapitel sind sowohl aus Adelinas, als auch aus Enzos und Raffaeles Sicht geschrieben. Es taucht aber auch noch ein vierter Charakter auf: Teren Santoro. Er ist der Anführer der Inquisition des Königs, die aktiv gegen die Dolche vorgeht.
Diese verschiedenen Perspektiven ergänzen sich gegenseitig und liefern einen guten Rundblick auf die Handlung. Ebenso gerät der Leser hierdurch in eine verzwickte Lage. Man kann sich nicht sicher sein: Wer verfolgt hier gute Absichten und wer agiert böse? Wem kann Adelina vertrauen? Die Grenzen verschwimmen und Marie Lu spielt hier gelungen mit diesem Muster.

Der Schreibstil der Autorin hat mir erneut gut gefallen. Zu Anfang war er mir persönlich noch etwas verschnörkelt…

„Der Duft der Blumen erfüllt meine Gedanken mit seiner schweren Süße.“ (S.54)

doch derartige Stellen verlieren sich über die Seiten hinweg und erdrücken keinesfalls den Lesegenuss.

Ebenfalls beschreibt sie zu Beginn der Handlung die Welt in der sich Adelina bewegt wirklich gut. Aber diesen Punkt verliert Marie Lu irgendwann aus den Augen.
Die Handlung, um Adelina und die Dolche, steht dominant im Vordergrund (was natürlich nicht unbedingt schlecht ist), so dass die hier entworfene Welt nur noch als ein Schatten wahrgenommen wird. Dennoch hat mir die Atmosphäre und die Schauplätze – welche an ein Italien zur Zeit der Renaissance erinnern – gut gefallen. Aber die Autorin verschenkt hier ebenso Potenzial.

Eine besonders wichtige Rolle spielt in diesem Buch die Gefühlswelt der Protagonistin. Wie sieht es in ihrem Verstand aus? Um Adelina und ihre Handlungen nachzuvollziehen hat Marie Lu sich daher an einer personalen Ich-Erzählerstimme bedient.

„Mein Stolz beginnt sich zu regen, verdrängt meine Trauer, verschmilzt mit meiner Wut, meinem Hass und meiner Angst, meiner Leidenschaft und meiner Neugier. Die flüsternden Stimmen, die knapp außerhalb meiner Reichweite lauern, schlängeln sich an die Oberfläche und recken ihre langen, knochigen Finger gierig nach der Freiheit […].“ (S. 390)

Der Leser taucht hierdurch tief in ihre emotionale Welt ein und versucht dadurch ihre Handlungen nachzuvollziehen. Was nicht immer gelingt…
Zwischendurch flackern ebenso Beschreibungen von ihrem Vater auf und dieser Punkt hat mich persönlich irgendwann gestört. Zwar ist das einweben der Ereignisse aus der Vergangenheit durchaus gelungen, doch ein aus dem nichts aufflackernder Vater in ihrer Gedankenwelt hat mich zunehmend irritiert und an meiner Konzentration genagt. Irgendwann wurde es mir zu viel und ich war genervt von dieser Überlagerung.

Wer ist Freund? Wer ist der Feind? Welchen Charakteren kann man trauen?
Mit diesen Fragen spielt Marie Lu gekonnt und ebenso entdeckt man in der Protagonistin bösartige Züge und misstraut auch ihr. Einige ihrer Entscheidungen lassen sich diskutieren und wühlen den Leser durchaus auch auf. Dies trägt aber auch zu einem spannenden Handlungsverlauf bei, der gerade zu Beginn eine Hochphase erlebt, sich dann jedoch ein wenig verläuft. Die Handlung kommt dennoch nicht entgültig zum Stillstand, sondern auf den letzen Seiten wird man erneut gepackt und dabei kräftig durchgeschüttelt.
Doch weil ich mich mit einigen Punkten in dem Buch nicht anfreunden konnte und einige Schwachstellen entdeckt habe, bekommt „Young Elites – Die Gemeinschaft der Dolche“ von mir 3,5 Papierblumen.  NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Bonny

„Vergieße nie eine einzige Träne!“

420_16277_145536_xxl„Es ist so geheimnisvoll, das Land der Tränen.“
– Antoine de Saint-Exupéry (aus: Der kleine Prinz)

‚Du wirst nie wieder weinen!‘
Dieses Versprechen musste Eureka einst ihrer Mutter geben, als sie noch ein kleines Mädchen war. Nun ist sie 17 Jahre und ihre Mutter traurigerweise  bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Dennoch hält sie sich weiterhin an das Versprechen, dabei weiß sie gar nicht, warum sie keine Tränen vergießen darf.
Ein altes Medaillon, ein geheimnisvolles Buch und ein Brief. Nur diese drei Dinge sind ihr geblieben. Keine Antworten.
Die erhält sie erst, als die dem ebenso attraktiven, wie rätselhaften Ander begegnet, der mehr über Eurekas Leben zu wissen scheint, als sie selbst. Doch woher kommt er? Was hat es mit dem Versprechen auf sich, das sie ihrer Mutter vor langer Zeit geben musste? Und warum taucht die Sage um Atlantis immer wieder in ihrem Leben auf?
Eureka muss endlich mehr über ihr eigenes Erbe herausfinden und zwar bald, denn sonst könnte es für alle zu spät sein…

Eureka hat ihre Mutter verloren. Diese war für sie eine wichtige Vertraute, als auch eine Freundin. Daher ist es auch kein Wunder, dass es ihrer Seele danach nicht gerade gut geht. Sie steckt in einer tiefen Depression und sieht keinen Reiz mehr in den Dingen, die ihr einmal wichtig erschienen oder Freude bereiteten. Ihre größte Leidenschaft gehörte dem Laufen. Sie war sogar Kapitänin der Schulmannschaft. Doch das hat alles keinen Wert mehr. Es folgt ein Selbstmordversuch.
Danach muss sie zu wöchentlichen Sitzungen bei einer Therapeutin, doch dort spricht sie kaum ein Wort. Sie ist betäubt. Ihrer Zukunft kann sie nicht positiv entgegentreten oder gar an ihr eigenes Glück denken, wie andere Jugendliche in ihrem Alter. Glückliche Momente wird es in ihren Augen nie mehr geben.

Was bringt dich heute hierher?
Der Anruf meiner Stiefmutter. Sie hat diesen Termin gemacht.

Wie geht es dir heute?

Einerseits ist es ein durchaus interessantes Thema, welches hier angesprochen wird. Andererseits löst es sich im Verlauf der Handlung auf. Am Ende ist kaum noch etwas davon vorhanden.
Die bedrückte Stimmung der Protagonistin überträgt sich jedoch gerade zu Beginn auf den Leser. Es handelt sich damit also nicht um eine leichte und lockere Lektüre für zwischendurch.

Ein Lichtblick in dieser schwermütigen Stimmung ist Eurekas beste Freundin Cat. Sie entlockt dem Leser in einigen Momenten ein Schmunzeln. Doch auch dieser Humor verliert sich im Verlauf des Romans.

„Ich versuche jeden Tag, dich zu verkuppeln. Welchen Sinn haben Kalender ohne Dates?“ (S. 84)

Sie ist Eureka eine gute Freundin und gemeinsam versuchen sie ein geheimnisvolles Buch zu entschlüsseln. Phasenweise erfolgen hier kurze Einschübe aus jenem Buch, mit dem Titel „Das Buch der Liebe“. Dies sorgt zwar für Abwechslung, allerdings konnte mich diese Geschichte kaum überzeugen.
Eureka jedoch muss sich die Frage stellen, wie diese alte Geschichte mit ihr in Verbindung steht. Der Leser kommt jedoch schnell hinter dieses Geheimnis…

Außerdem gibt es noch eine Art Dreiecksbeziehung, zwischen Eureka ihrem besten Freund Brooks und dem plötzlich aufgetauchten Ander. Leider sind beide Charaktere zu flach und man kann kaum eine Beziehung zu den beiden aufbauen. Hier kratzt das Buch nur an der Oberfläche und man bleibt selbst neutral.

Mir persönlich hat das Buch leider nicht gefallen. Vielleicht war es die Thematik, vielleicht aber auch der ausschweifende Erzählstil. Die Handlung konnte mich einfach nicht packen. Der gesamte Roman erschien mir zu eintönig und viel zu langatmig.

Immer wieder erfolgen Rückblicke zu Situationen aus der Vergangenheit. Kindheitserinnerungen. Was sie damals fühlte, dachte oder was ihr passierte. Hierbei werden die kleinsten Details erwähnt. Leider wird man dabei jedoch aus der eigentlichen Handlung immer wieder herausgerissen, was ziemlich ermüdend ist. Gerade zu Beginn scheint die Geschichte dadurch kaum Vorwärts zu kommen.

Dies war mein erster Roman von Lauren Kate und leider wird es auch erst einmal so bleiben. Der Schreibstil der Autorin ist auf der einen Seite ermüdend und auf der anderen Seite sehr dicht und malerisch, wodurch man sich die Situationen in der sich Eureka gerade befindet zwar sehr gut vorstellen kann, aber für einen Jugendroman ist er einfach zu erdrückend.

Hinzu kommt der Wortschatz, der für die Zielgruppe auch eher unüblich ist und man sollte sich daher nicht wundern, wenn Worte wie: monetär, Orichalcumkrone, Patiotreppe oder Gaze einfach so im Text auftauchen.

Dauernd hatte ich das Gefühl, die eigentliche Hauptgeschichte entgleitet mir, durch die vielen Einschübe, die aber für die eigentliche Handlung kaum eine Rolle spielen.
Vielleicht wollte Lauren Kate damit eine tiefere Bindung zu den Figuren ermöglichen, was jedoch bei mir nicht funktioniert hat. Sogar die Beziehung zu Eureka blieb kalt.

Spannend war für mich nur der Prolog. Das Ende nicht überraschend. Ich bin viel zu schnell hinter das „Geheimnis“ gekommen. Des Weiteren würde ich empfehlen den Prolog nicht von Beginn an zu lesen.  Vielleicht bleibt dadurch gerade zu Beginn der Handlung ein wenig Spannung erhalten 😉NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Bonny

Brennt die Schuld

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 Brennt die Schuld von Heidrun Wagner

„Es war nur ein Schatten, aber in meinem Kopf wurde er zu einer Ahnung“ (S.5)

Das Cover zu „Brennt die Schuld“ gefällt mir sehr gut, besonders schön finde ich die Idee, dass man die Cover aneinanderreihen kann und sie zu einem (Gesamt-) Bild werden. Es macht neugierig und bei genauer Betrachtung bekommt der Leser einen Eindruck, was ihn in diesem Buch erwartet. Die Zeichnungen – sowohl auf dem Cover, als auch auf den einzelnen Seiten – gefallen mir sehr gut. Sie sind wirklich schön gemacht, passen zu jeder Seite und lassen das Buch lebendig wirken.

„Manche Dinge brauchen ihre Zeit. ich wünschte, ich könnte dich überzeugen!“ (S.78)

Der Schreibstil ist ebenso leicht und flüssig zu lesen, wie bereits der erste Teil „Wenn du vergisst“. Die Länge der Kapitel waren für mich genau passend, sie waren weder zu kurz noch zu lang. Einige wichtige bzw. bedeutsame Stellen sind im Buch kursiv geschrieben, so kann man sich auch noch später sehr gut an diese erinnern. Außerdem gibt es immer wieder kleine Textstellen, die als Kurznachricht bzw. SMS auftauchen und es dem Leser noch einfacher machen ein Teil dieses Buches zu werden.

„Die Leidenschaften über deren Ursprung wir uns selbst täuschen, beherrschen uns gerade am heftigsten.“ (S. 204)

Die Charaktere im zweiten Band gefallen mir sehr gut. Wirklich alle sind mir durchweg sympathisch. Einige mehr, andere dafür weniger. Doch auch in diesem Band ist nicht jeder so wie er scheint und der ein oder andere trägt noch ein Geheimnis mit sich. Einige der Protagonisten erinnern mich an Personen aus meinem Leben, wodurch einige Protagonisten im wahrsten Sinne des Wortes bessere Karten bei mir hatten.

„Wir dürfen uns niemals verlieren“ (S.6)

Zoe erinnert sich immer mehr an ihre Vergangenheit und kämpft mit ihrem Gefühl der Schuld, weil sie nicht glauben kann zu so einer Tat fähig zu sein. Im Verlauf des Buches lernt Zoe ihre alten Freunde „wieder“ kennen und erfährt mehr über ihr Leben vor dem Unfall. Zoe fängt an zu recherchieren und weiß bald schon nicht mehr was wahr ist und was nicht.

„Manchmal merkt man erst, wenn es einem gut geht, wer wirklich hinter einem steht“ (S.87)

Elias ist mir bereits seit dem ersten Band einer der liebsten Protagonisten. Elias kümmert sich rührend um Zoe scheint nur das Beste zu wollen, doch er hat ein Geheimnis welches die Beziehung zu Zoe auf eine harte Probe stellt.

Niklas ist mit ebenfalls sympathisch. Er ist Zoes bester Freund und in jeder Situation für sie da. Er versucht immer wieder durch kleine Floskeln Zoe vor Elias zu warnen, sagt jedoch nie was er wirklich meint.

Franzi ist die Arbeitskollegin von Zoe im Café. Sie gefällt mir wirklich sehr gut, sie ist eine neutrale Person, die Zoe zu jeder Zeit zur Seite steht. Ihre Art und ihr Humor gefällt mir sehr gut und gibt dem Buch noch eine schöne Note.

Kati die beste Freundin von Maya und Zoe aus ihrer Zeit vor dem Umzug. Kati ist wirklich ein Energiebündel und hilft Zoe gerade in der schweren Zeit mit dem Verlust ihrer Schwester klar zu kommen.

„Und ich verspreche dir, wir haben irgendwann wieder jede Menge Zeit, dann werden wir uns wiedersehen.“ (S.46)

Meine Meinung:
Der zweite Band konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite überzeugen. Im Laufe der Geschichte kommen immer mehr Geheimnisse und Wahrheiten ans Licht, wodurch ein Spannungsbogen entsteht. Dadurch kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Durch die neuen Erkenntnisse, wird es für den Leser immer schwieriger herauszufinden was wirklich wahr ist und wer nicht der ist der er vorgibt zu sein.  Und wessen Geheimnis das dünne Band der Beziehungen zum zerreißen bringt.

Das Ende von „Brennt die Schuld“ ist ein offenes, welches mich am Anfang etwas wahnsinnig gemacht hat und die Vorfreude auf den dritten Teil nur noch verstärkt hat.
Alles in allem eine sehr gute Fortsetzung von „Wenn du vergisst“ die definitiv Lust auf „In deinem Herzen“ macht.NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Mitch

👣 Auf den Spuren von Artful Dodger…

„Vielleicht hatte Walt Whitman Recht:
Wir sind widersprüchlich und umfangreich und enthalten Massen.
Wie können wir je wissen, wer wir wirklich sind?“ (S.184)

IMG_2975.jpgSeinem Online-Schwarm im echten Leben zu begegnen kann böse Überraschungen mit sich bringen. Was, wenn er ein Idiot ist? Oder ein Langweiler? Und dann gibt es da noch reichlich andere Möglichkeiten, wie wir wissen…
Bailey erzählt Alex aus dem Film-Forum deswegen erst mal nicht, dass sie in genau den kalifornischen Küstenort zieht, in dem er lebt. Sie erzählt ihm auch nicht von ihrem furchtbaren Ferienjob in der Touristenfalle von Museum, bei dem sie sich jeden Tag halb totschwitzt. Und erst recht erzählt sie im nichts von Porter. Surfwunder und Aufschneider zugleich.
Und während Bailey langsam in ihrem neuen Leben ankommt, dabei immer wieder Porter über den Weg läuft – der sich scheinbar darauf spezialisiert hat, sie immer wieder aus der Reserve zu locken – fasst sie den Entschluss Alex zu finden. Ganz nach ihrem Vorbild Artful Dodger, dem Meisterdieb aus Oliver Twist und ihrem persönlichen Leitsatz:

„Sorgt immer dafür, dass ihr die anderen als Erstes seht.“ (S. 9)

Sobald man die ersten Seiten von Annähernd Alex liest ist man zugleich inmitten der Handlung. Dies liegt an dem angenehmen und leichten Schreibstil der Autorin, der für einen Jugendroman absolut gelungen ist und darüber hinaus auch über eine Protagonistin verfügt, die mit einer gesunden Prise Humor ausgestattet ist.

Doch kommen wir zunächst zum Aufbau dieses Jugendbuches, der sich überaus interessant gestaltet.
Neben der eigentlichen Handlung (auf die ich natürlich gleich noch ausführlich eingehe), gibt es eingeschobene archivierte Chat-Verläufe von Bailey (als „Mink“), sowie ihrem Chat-Freund „Alex“ mit dem sie sich in einem Film-Forum über alte Filmklassiker austauscht.
Diese Verläufe sind kurz gehalten und überaus unterhaltsam zu lesen, da sie sich in die Handlung einfügen und je nachdem welche Veränderungen in Baileys Alltag auftreten – im Ton, in der Ehrlichkeit und in der Häufigkeit variieren.

Als Sahnehäubchen gibt es darüber hinaus zu jedem neu aufflammenden Kapitel ein Filmzitat. Diese Zitate sind bunt gemischt und entstammen aus älteren, als auch neueren Filmen, wie u.a. „Der unsichtbare Dritte“, „Der weiße Hai“ oder „Pitch Perfect“.
Hier hat man aber überwiegend zu bekannten Filmen gegriffen, weil gerade jüngere Leser nicht auf Anhieb wissen, wer Grace Kelly, Katherine Hepburn oder Cary Grant sind. Diese Schauspieler und deren Filme sind sicherlich für den ein oder anderen jungen Leser fremd.

Bailey hingegen kennt sie (fast) alle. Sie ist eine sympathische, aufgeweckte Protagonistin, deren Gedankengänge unterhaltsam zu verfolgen sind. Sie zieht zu ihrem Vater nach Kalifornien. Ihre Eltern leben getrennt. Doch anders als vielleicht bei anderen Jugendbüchern legt sie kein trotziges Verhalten an den Tag, sondern sie macht das Beste aus der Situation und freut sich für ihren Vater, der in Coronado Cove eine neue Heimat gefunden hat. Der liebevolle Umgang zwischen ihr und ihrem Vater und der daraus resultierenden lockere Schlagabtausch ist unterhaltsam zu verfolgen.
Ihr Vater war es auch, der ihr dabei geholfen hat einen Ferienjob im örtlichen Museum zu ergattern. Der Weg für einen Neuanfang ist somit geebnet…
An ihrem neuen Arbeitsplatz lernt sie Porter kennen, der es versteht sie mit seinen selbst entworfenen Vorurteilen aus der Reserve zu locken. Zu Beginn erscheint er dem Leser ein wenig unsympathisch, vielleicht sogar anstrengend, doch im Verlauf der Handlung lernt man in kennen und lieben. Lieblingsmomente zwischen den beiden sind absolut vorprogrammiert!

„Er ist eine Steckdose und ich bin ein dummes Kleinkind, das ständig darum herumschleicht und versucht, den Finger hineinzustecken.“ (S. 114)

Aber dieser Roman handelt nicht nur von einem Neuanfang in einer neuen Heimat oder den aufkeimenden Gefühlen zwischen ihr und Porter. Nein, es geht auch um die Verarbeitung einer weniger schönen Vergangenheit, um das Pflegen neuer Freundschaften und die Suche nach „Alex“, dem Chat-Freund.
Es bereitet pure Lesefreude Bailey in ihrem neuen Alltag zu begleiten, wie sie im Museum arbeitet und bei der Suche nach „Alex“ ihren neuen Wohnort entdeckt und dabei auch in das ein oder andere Fettnäpfchen tritt. 😉
Mir hat es Spaß bereitet Bailey dabei zu beobachten, wie sie plötzlich Dinge hinterfragt, die sie und ihren Umgang mit anderen Menschen, sowie ihre zurückhaltende Art betreffen und die aufgrund ihrer Vergangenheit eingetreten sind. Dieser Umschwung bei Bailey, dieses Kennenlernen von sich selbst, ist hier gelungen und nachvollziehbar aufbereitet. Und die leichten nachklingenden Töne am Ende einzelner Kapitel bringen vielleicht auch den ein oder anderen jugendlichen Leser zum grübeln.

Ich gebe diesem Jugendroman daher sehr gerne 4,5 Papierblumen. Natürlich ist die Geschichte leicht vorhersehbar und der Ausgang wohlmöglich auch absehbar, aber Annähernd Alex verfügt dabei über Humor, Gefühl und Ehrlichkeit, sowie zugleich realistisch eingefangene Momente, die mich durch ihren liebevollen und malerischen Schreibstil sehr gut unterhalten haben und mich das schlechte Wetter vergessen haben lassen. Es ist ein sommerlicher Roman, der sich im Winter lesen lässt, wenn man diesem entkommen möchte und im Sommer genießen lässt, wenn man am Strand oder auf Balkonien liegt. Von mir gibt es daher eine klare Leseempfehlung!

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Bonny

Adventskalender – Türchen 22

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„Zu lieben macht mir Angst, es sind so viele Fragen damit verbunden. Ich fürchte, mein Leben wird nie ganz zu seinem passen. Ich fürchte, dass ich ihn nie richtig kennen werde. Dass er mich nie richtig kennen wird. Dass wir zwar unsere Geschichten voneinander hören, aber nie die ganze Wahrheit.“ (S. 192)

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„Auf den ersten Blick – Jede Große Liebe hat ihre Geschichte“ heißt dieses schöne Buch, welches sich durch seine wunderschöne Aufmachung in mein Herz geschlichen hat. Sollte euch diese Kurzgeschichten Sammlung in der Buchhandlung begegnen, dann schaut es euch an und verliebt euch ebenso „auf den ersten Blick“.
Es beinhaltet insgesamt zwölf Kurzgeschichten, von ganz unterschiedlichen Autoren, die allerdings alle im Genre des Jugendbuches zu finden sind.
Jede Geschichte ist anders, besticht durch ihren individuellen Schreibstil. Der Herausgeberin (Stephanie Perkins) ist mit diesem Buch eine bunte Mischung an realistischen, fantastischen, nachdenklichen, verspielten, lustigen und überraschenden Geschichten gelungen.

Mitternächte von Rainbow Rowell
Rainbow Rowell, die Autorin von u.a. „Eleanor & Park“ ist mit eine der bekanntesten Autorinnen in diesem Buch. In „Mitternächte“ geht es um Mag, die jedes Jahr auf neue ihrem besten Freund dabei zuschauen muss, wie er zu Silvester eine andere küsst.
Das besondere an dieser Geschichte ist, dass man als Leser immer nur einen Blick auf die jeweilige Silvesternacht bekommt. Ein Jahr ist vorbei, viel ist passiert und die Charaktere haben sich ebenso weiterentwickelt. Man nimmt diese Veränderung wahr und hier hat Rainbow Rowell mich neugierig gemacht und mich mit ihrer Kurzgeschichte verzaubert und gut unterhalten.

Die Dame und der Fuchs von Kelly Link
In dieser Geschichte von Kelly Link fällt Schnee und mit einer Prise Fantasie wird dadurch eine fantasievolle Weihnachtsgeschichte.
Miranda verbringt Weihnachten bei den Honeywells, eine Familie mit tiefen Wurzeln… Und während man sie als „armes kleines Lämmchen“ tituliert, trifft sie draußen im Garten auf einen Fremden. Was hat es mit dem Fuchs auf seinem Herrenrock auf sich?
Mich hat diese Geschichte zwischenzeitlich irritiert, womöglich weil mir das Genre doch ein wenig fremd ist… 😉

Engel im Schnee von Matt de la Peña
„Engel im Schnee“ zählt zu einer meiner liebsten Geschichten in diesem Buch. Ich konnte mich schnell in den Protagonisten einfühlen und die Geschichte selbst war romantisch, unterhaltsam und so einfach gestrickt, dass mir alles stimmig erschien.
Shy ist Student (mit einem Stipendium) und liebt seine Familie über alles. Leider lässt es ihm die finanzielle Situation nicht zu, dass er über die Weihnachtstage bei seiner Familie sein kann. Darüber hinaus passt er auf die Katze und das Apartment seines Chefs auf, um sich etwas Geld zu verdienen. Da sitzt er nun im zugeschneiten New York, mit leerem Kühlschrank und einer Katze die ihm Gesellschaft leistet… bis plötzlich Haley vor seiner Tür steht.

Willst du mich finden, dann folge dem Polarstern von Jenny Han
Jenny Han („To All the Boys I’ve Loved Before“) entführt uns mit ihrer Geschichte an den Nordpol. Im Dorf des Weihnachtsmannes sind die Elfen nicht nur mit dem verpacken von Geschenken für die Kinder in der ganzen Welt beschäftigt, sondern die Teenie-Elfen feiern einen Schnee-Ball. Darunter ein vom Weihnachtsmann „adoptiertes“ Menschenmädchen, welches sich unter den Elfen irgendwie fremd fühlt und darüber hinaus auch noch verliebt ist…

Es ist ein Weihnachtswunder, Charlie Brown von Stephanie Perkins
Marigold mag Weihnachtsbäume. Oder sagen wir: Sie mag insbesondere diesen Jungen, der am Weihnachtsbaum-Verkaufsstand arbeitet und ihr – ehe sie sich versieht – einen Baum aufdrückt. Aber wohin damit? Das Leben von ihr und ihrer Mutter wurde von dem einen auf den anderen Tag aus den Fugen gerissen. Nun herrscht ein wildes durcheinander und North bringt plötzlich Ordnung hinein.
Auch diese Geschichte zählt zu meinen Favoriten in diesem Buch. Nicht nur durch die sympathischen Charaktere, nein… auch der Schreibstil, die Idee und die Atmosphäre haben mich absolut überzeugt.

Aushilfs-Santa von David Levithan
Bei dieser Geschichte hat mich insbesondere der sprachliche Stil in seinen Bann gezogen. Die Gedankengänge des Protagonisten sind toll eingefangen und das der Autor sich hier an einer Liebesgeschichte zwischen einem homosexuellen Pärchen versucht, finde ich wirklich mal abwechslungsreich und trifft ebenso unseren heutigen Zeitgeist.
Als Connor den Protagonisten in dieser Geschichte darum bittet, im Santa-Kostüm zu erscheinen, damit dessen sechsjährige Schwester der Glaube an den Weihnachtsmann erhalten bleibt, kann er nicht anders als ihm den Gefallen zu tun…

Der Krampus-Lauf von Holly Black
Diese Geschichte hat mir am wenigsten gefallen. Hier war so viel Fantasie enthalten, dass ich mir persönlich die Geschichte zu fantastisch wurde. Wer aber das Fantasie Genre mag, der wird diese Geschichte sicherlich mögen. 🙂
Ehe man sich versieht ist man plötzlich Gastgeberin einer „absolut krassen Silvesterparty“, um die beste Freundin dabei zu unterstützen sich an einem Idioten zu rächen. Der Abend mündet in eine beinahe Katastrophe, wären da nicht noch ganz fremde Gäste…

Was hast du verdammt noch mal getan, Sophie Roth? von Gayle Forman
Sophie Roth hat sich für eine ländlich gelegene Universität entschieden. Eine tolle Idee, wie sie zuvor dachte, doch irgendwie hört sie immer wieder „Du kommst so was von aus der Großstadt“ und fühlt sich alles andere als wohl.
Doch dann trifft sie am Weihnachtsabend auf Russell und plötzlich muss sie sich hinterfragen: Liegt es nicht doch an ihrer Einstellung, wie sie die Umgebung wahrnimmt? Eine Geschichte von Vorurteilen, die sich nicht bestätigen und damit einen Blick auf die Realität gewähren.

Biereimer und das Jesuskind von Myra Mcentire
Vaughan Hatcher ist quasi der „Michel aus Lönneberger“. Sein letzter Streich hätte beinahe dazu geführt, dass die Kirche abbrennt. Am Ende war es zum Glück „nur“ der Schuppen, aber das führt dazu, dass er beim Aufbau des Krippenspiels helfen muss. Und obwohl er nur versucht seine Sozialstunden abzuarbeiten, läuft plötzlich alles schief und nur Vaughan ist derjenige, der den Abend noch retten kann.
Eine vorhersehbare Geschichte, die aber dennoch einige Wenungen bereithält. 😉

Willkommen in Christmas, Kalifornien von Kiersten White
Christmas ist der Ort, an dem einfach das ganze Jahr Weihnachten gegenwärtig ist. Mit ein Grund für Maria endlich die Stadt zu verlassen. Egal wohin. Sie geht noch zur Schule und arbeitet danach in einem örtlichen Diner („Christmas Café“). Ben hingegen ist der neue Koch und gerade erst angekommen. Mit seinem Essen weckt er in den Menschen Erinnerungen an fast verlorene Zeiten.

„Ich glaube, wenn du herausfindest, mit welchem Essen du dich an glückliche Zeiten oder eine glücklichere Verson deiner selbst erinnern kannst, bringt dich das weiter. Es hilft dir, wieder zu dem zu werden, der du in deinen glücklichen Zeiten warst. Es kann alles verändern. […]“ (S. 326)

Eine süße Geschichte, mit einer tollen Message und liebevollen Charakteren. Vielleicht war das Ende zu perfekt gestrickt, aber für die Jahreszeit dennoch vollkommen richtig.

Der Stern von Bethlehem von Ally Carter
Zwei Mädchen begegnen sich am Flughafen. Die eine mit einem Ticket nach New York, aber mit der Sehnsucht einfach zu verschwinden, egal wohin. Die andere mit dem Wunsch nach New York zu fliegen und einem Ticket nach irgendwo. Was liegt da näher als ein Tausch? So kommt es, dass Liddy sich plötzlich auf dem Land und inmitten einer herzlichen Familie wiederfindet, ihr Herz verschenkt, aber ein Lügengerüst um sich aufbaut, welches schon bald nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, denn Liddy wird gesucht… Eine tolle Idee! Spannend und mit einem schönen weihnachtlichen Charakter.

Das Mädchen, das den Träumer weckte von Laini Taylor
Diese Geschichte spielt in ihrer eigenen Welt. Auf der Insel der Federn ist es der Brauch, dass die Männer an den vierundzwanzig Tage des Advents ihren Angebeteten Geschenke überbringen. Als Neve an einem Morgen eine Bibel auf ihrer Veranda entdeckt überkommt sie die Angst, denn das kann nur eines bedeuten und ehe sie sich versieht hat das Mädchen den Träumer erweckt…

In diesem Buch findet man wirklich die unterschiedlichsten Geschichten. Man weiß nicht, welche Erzählung als nächstes auf einen wartet und ich persönlich finde es gerade zur Weihnachtszeit schön, wenn man in einer solchen Vielfalt an Geschichten abtauchen kann. Natürlich kann man nicht jede der Erzählungen toll finden, aber sie sind dennoch alle unterhaltsam und ebenso erfrischend individuell erzählt.
Ich habe mich aber dennoch für 3,5 Papierblumen entschieden, weil mir immer wieder Fehler ins Auge gesprungen sind. Dadurch hatte ich einfach das Gefühl, dass man das Buch so schnell wie möglich in den Druck geben wollte, damit es noch vor Weihnachten in den Buchhandlungen erscheint.NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

 

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Bonny

Der heutige Hinweis passt zu Mitchs Wunsch:

Den gesuchten Superhelden erkennt man an dem großen „S“ auf  der Brust.

Wenn ihr glaubt unsere Wünsche zu kennen, dann schickt eure Lösung an:
nureinbuch@t-online.de

Hier gibt es Infos zum Gewinnspiel

Cecelia Ahern – Flawed

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Flawed von Cecelia Ahern

Zum Cover:
Das Cover gefällt mir sehr gut. Es passt super zur Geschichte und sieht dabei auch noch super schön aus. In Kombination mit Band 2 wird das Bücherregal definitiv neu erleuchten.

Schreibstil: Der Schreibstil gefällt mir, im Gegensatz zu anderen Ahern Büchern, wirklich gut es lässt sich locker und leicht lesen und zieht den Leser in seinen Bann.

Meine Meinung:

„Es war der perfekte Moment meines Lebens. Und auch der letzte perfekte Moment meines Lebens“

Mit diesen Worten beginnt das neue Leben von Celestine North.
Celestine North ist 17 Jahre alt, beliebt bei ihren Freunden und gut in der Schule. Sie hat einen wunderschönen Freund, liebt das logische Denken und lebt in einer perfekten Welt. Bis ein logischer Fehler sie zur Fehlerhaften macht und damit das ganze System einzustürzen droht.

Cecelia Ahern hat mit Flawed ein neues Buch geschaffen, welches den Leser unweigerlich dazu bringt über sich und seine Gesellschaft nachzudenken. In diesem Buch werden die Parteien, die Gilde, die für Gerechtigkeit steht, die Fehlerhaften, die der Gesellschaft schaden und die vermeintlich Perfekten der Gesellschaft, die nach dem System der Gilde leben sehr detailliert dargestellt. Das System der Gilde wird sehr übertrieben – aber auf keinen Fall unrealistisch – dargestellt. So dass es dem Leser am Anfang leicht fällt sich in der Welt der Perfekten zurecht zu finden und nachzuvollziehen.
Als die Hauptprotagonistin in einer äußerst realistischen und logisch nachvollziehbaren Situationen einen Fehler begeht und somit von der Gesellschaft ausgestoßen wird, beginnt eine neue Ära. Denn während Celestine versucht mit ihrer neuen Situation und der Demütigung der Gilde zurecht zu kommen. Sehen die Fehlerhaften in Celestine eine Anführerin, die die Gilde zu Fall bringen kann.

Der Charakter von Celestine macht im Laufe der Geschichte eine sehr positive Entwicklung durch, die für den Leser sowohl authentisch als auch nachvollziehbar ist. Der Leser fühlt sich durch die Gedanken von Celestine mit ihr verbunden und kann ihre Gefühle miterleben.

Die Protagonisten in diesem Buch sind für mich sehr gut ausgearbeitet somit gibt es eine gute Mischung zwischen offensichtlichen und geheimnisvollen Charakteren, die im Laufe der Geschichte nur Stück für Stück zum Vorschein kommen.
Die Geschichte um Celestine North und die Fehlerhaften der Gesellschaft, gefällt mir ausgesprochen gut. Cecelia Ahern schreibt eine Dystopie die den Leser zum nachdenken anregt und die Welt in einem anderen Licht darstellt, die in unserer heutigen Gesellschaft durchaus auch möglich ist.NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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 Mitch

 

Mörder im Gepäck!

schnick-schnack-totKiki, das vermeintlich beliebteste Mädchen der Schule wird während der Klassenfahrt an die Nordsee tot aufgefunden. Schnell steht fest, dass ein Mörder hier sein Unwesen treibt! Leider sitzen die Schüler und die Lehrer nun auf der Insel fest und müssen warten, bis das Wetter sich beruhigt hat um wieder nach Amsterdam zurückkehren zu können … Doch auch der Mörder befindet sich unter ihnen und ist bereit, über Leichen zu gehen um seine Identität zu schützen! Wird es weitere Opfer geben?

Mel Wallis de Vries hat mit diesem Buch einen durchaus spannenden Krimi für Jugendliche geschrieben, auch wenn er für mich als Erwachsene etwas zu seicht war. Ihr Schreibstil ist angenehm zu lesen und sprachlich an die Zielgruppe angepasst. Auch der Aufbau des Buches ist sehr gut für junge Leser geeignet, da er eine starke Struktur vorgibt und somit die Handlung fest verankert. Nur die Wahl des Titels kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, da ich den Bezug zum Inhalt nicht erkennen kann.

Die Insel Vlieland wird sehr anschaulich beschrieben, so dass man das Gefühl hat, sich mitten auf der Insel zu befinden. Auch die einzelnen Charaktere sind schön herausgearbeitet und man lernt vereinzelte Schüler recht gut kennen.

Die Handlung wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt und schon bald wird klar, dass eigentlich ziemlich viele Personen als verdächtig eingestuft werden müssen. Denn Kiki war im Endeffekt eher gefürchtet als beliebt und hat sehr viele Leute mit ihrer Art und Weise vor den Kopf gestoßen. So finden sich sehr viele Tatmotive und der ermittelnde Polizist droht auf den Holzweg zu geraten. Diese wechselnden Erzählperspektiven haben den Nebeneffekt, dass man sich leider nicht wirklich mit einer Person identifizieren kann, es gibt keinen richtigen Protagonisten, sondern eher mehrere, gleichgestellte Nebenfiguren die die Handlung gemeinschaftlich vorantreiben.

Bis zum Schluss wusste ich nicht, wer der Täter sein könnte, denn es gab einfach zu viele Möglichkeiten. Dies hält natürlich die Spannung hoch und lässt dem Leser die Möglichkeit, mitzufiebern. Dennoch ist die Auflösung logisch und in sich abgeschlossen.

Insgesamt ist dies ein toller Einsteiger-Krimi für Jugendliche, die dieses Genre einmal ausprobieren wollen. Das Buch ist spannend und angenehm geschrieben, bleibt aber inhaltlich jugendgerecht.

Ich vergebe 3 Papierblumen. NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE
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Christine

 

Nichts bedeutet irgendetwas…

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Zum Inhalt:

„Nichts bedeutet irgendetwas. Das weiß ich schon lange. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun. Das habe ich gerade herausgefunden.“ (S.7)

Mit diesen Worten verlässt der Siebtklässler Pierre Anthon den Unterricht und lässt seine schockierten Mitschüler in der Klasse zurück.

Fortan sitzt er morgens vor seinem Elternhaus im Pflaumenbaum, wirft mit Pflaumen auf seine Mitschüler und provoziert diese mit seinen Aussagen.

Seine Mitschüler glauben nicht, dass nichts von Bedeutung sein soll und beschließen, Pierre Anthon vom Gegenteil zu überzeugen, indem sie in einem stillgelegten Sägewerk Dinge sammeln, die von Bedeutung sind. Anfangs sammeln sie diese Dinge bei Menschen aus ihrer Umgebung, doch schon bald wird ihnen klar, dass ihr „Berg aus Bedeutung“ nur wirklich eine Bedeutung hat, wenn sie Dinge einsammeln, die für sie selbst von großer Wichtigkeit sind.

Was mit einer Sammlung von Dungeons & Dragons – Büchern, einem Fußball und Papageien – Ohrringen beginnt, artet nach und nach aus. Die Opfer werden immer größer, die  Angst, die Gewalt und der Hass zwischen den Mitschülern werden geschürt und es kommt zur Eskalation…

Meine Meinung:

Selten lässt ein Buch mich so wenig los wie dieses… Janne Tellers Roman wird in einem Atemzug mit dem Jugendroman „Die Welle“ von Morton Rhue genannt und es steht diesem meiner Ansicht nach in nichts nach.

Der Autorin gelingt es, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln. Der Leser selbst spürt die Vewirrtheit der Mitschüler von Pierre Anthon. Dazu tragen die gewählte Perspektive und die Schreibweise mit Sicherheit bei: Janne Teller lässt Agnes, eine Mitschülerin, die Geschehnisse aus ihrer Sicht schildern. Und obwohl Agnes eigentlich eine jener Schülerinnen ist, deren „Opfer“ vergleichsweise klein ist, spürt man wie sehr sie darunter leidet, ihre heißgeliebten grünen Sandalen weggeben zu müssen und wie sehr sie darauf hin sicherstellen will, dass auch die Nächste in der Reihe – ihre Klassenkameradin Gerda – etwas hergeben muss, dass für sie von großer Bedeutung ist.

Die Opfer werden nach und nach immer grausamer: es werden nicht mehr nur „Dinge“ auf dem Berg aus Bedeutung abgelegt sondern auch Lebewesen, es werden Grenzen überschritten und es fließt Blut. Und dennoch bricht keiner der Schüler aus diesem Teufelskreis an irrsinnigen Forderungen aus und niemand wird verpetzt. Der Gruppenzwang wird so groß, dass dieses Ausbrechen immer schwieriger und schließlich fast unmöglich wird.

Janne Teller regt den Leser zum Nachdenken an. Immer wieder stellt man sich die Fragen, wie weit man selbst gehen würde, was für einen selbst wirklich von Bedeutung ist und wie ein anfangs harmloses Vorhaben so aus dem Ruder laufen kann.

Auch die verwendeten sprachlichen Mittel verdeutlichen die Eskalation der Situation: Immer wieder tauchen Steigerungen auf, die die zunehmende Angst und den zunehmenden Hass verdeutlichen.

Etwas. Viel. Bedeutung! (S.38)
Schlechter Moslem! Kein Moslem! Niemand! (S.69)Große Bedeutung? Größere Bedeutung? Größte Bedeutung? (S.75)
An der Zeit! Höchste Zeit! Im letzten Moment! (S.93)

Ich hatte selten derart das Bedürfnis, mich mit Rezensionen, Berichten, Interviews zu einem Buch auseinander zu setzen, als dies nach dieser Lektüre der Fall war.

Janne Teller Roman polarisiert… allerdings bin ich der Meinung, dass man dieses preisgekrönte Buch unbedingt gelesen haben sollte und sich auf Diskussionen dazu einlassen sollte.

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Véro

In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft …

kein-weg-zu-weitAzmera lebt einigermaßen glücklich mit ihrer Familie in Eritrea, bis ihr Vater eines Tages inhaftiert und gefoltert wird. Denn er wurde zu einem Gegner des Regimes erklärt und von nun an ändert sich das Leben der Familie von Grund auf! Als ihr Vater aus der Haft entlassen wird, muss er Hals über Kopf aus dem Land flüchten und erhält schließlich Asyl in Schweden. Doch Azmeras Familie bleibt weiterhin im Visier des Militärs und so entschließt die Siebzehnjährige sich schließlich zu einem sehr gewagten Schritt: Sie will die Flucht nach Europa wagen, um dort mit ihrem Vater leben zu können. Ganz alleine tritt das junge Mädchen also nun diese gefährliche Reise an …

Brigitte Blobel befasst sich in ihrem Jugendbuch „Kein Weg zu weit“ mit einem sehr aktuellen Thema und erzählt die Geschichte ausschließlich aus Sicht der jungen Azmera. Dieses Buch hat mich sehr bewegt und zeigt, welche Gefahren manche Menschen auf sich nehmen müssen, nur um in Frieden zu leben. Korrupte politische Systeme, Armut und willkürliche Gewalt gegen Oppositionelle und Kritiker sind die wohl häufigsten Ursachen, die Menschen zwingen, ihre geliebte Heimat zu verlassen.

„Ich habe gehört, die Gefängnisse sind alle voll“, sagt ein anderer. „Sie heben jetzt in der Wüste einfach Gruben aus und legen sie da rein.“

„Lebendig?“ fragt Assoud. Er wendet den Blick nicht von der Straße ab, aber Azmera sieht aus den Augenwinkeln, dass er sehr blass geworden ist.

„Ja, am Anfang schon, aber das dauert nicht lang.“ (S.20)

Diese an sich schon gefährliche Reise ist für Azmera umso brenzliger, da sie als Frau alleine reist. Denn die Stellung der Frau ist in Eritrea und in dessen Nachbarländern nicht besonders hoch angesehen und so muss sie sich auch an dieser Front durchsetzen.

„Die Männer denken, dass sie etwas Besseres sind und dass wir Frauen nur existieren, um ihnen zu dienen.“ (S.36)

Doch Azmera hat Glück im Unglück, denn immer wieder begegnet sie Menschen, die ihr helfen und sie beschützen so gut es geht. In Libyen gewährt eine muslimische Familie Azmera Unterschlupf und hilft ihr nach längerer Krankheit wieder auf die Beine. Die Gastfreundschaft und die Offenheit dieser Familie hat mich sehr beeindruckt und zeigt, dass die politischen und religiösen Probleme meistens nicht die gesamte Gesellschaft betreffen, sondern von Randgruppen aufgebauscht werden.

„Deine Sachen habe ich gewaschen und gebügelt“, sagt Fatima. „Keine Sorge, alles ist noch da. Du musst keine Angst haben. Bei uns bist du sicher. Wir sind Muslime. Wir tun nichts Böses.“ (S.56)

„Fatima ist voller Güte und so großzügig, obwohl sie selbst nicht viel hat. Sie sagt, der Koran verlange, dass man Bedürftigen hilft und die Kranken pflegt.“ (S. 60)

Die verschiedenen Schlepper sind mehr oder weniger menschlich dargestellt, mal abgesehen von jenem, der die Überfahrt über das Mittelmeer organisieren sollte. Dennoch gibt es so manche gefährlichen Momente auf der Reise, die unter anderem auf das Konto irgendwelcher Touareg, Rebellen oder Militärs gehen. Unterwegs muss Azmera aus organisatorischen Gründen eine neue Identität annehmen und wird zur Schwester eines anderen Flüchtlings. Dieser soll sie beschützen und ihr helfen, nach Europa zu kommen. Diese neue Identität trägt dazu bei, dass Azmera immer mehr das Gefühl hat, sich zu verlieren.

„Aber sie ist ja nicht mehr Azmera. Ihre eigene Geschichte gibt es nicht mehr.“ (S. 200)

 Immer wieder kommen Azmera Zweifel an ihrem Unterfangen, doch für ihre Familie möchte sie stark sein. Auf ihrer Reise begegnet sie sehr vielen, verschiedenen Menschen die alle nur ein Ziel haben: Raus aus ihrer Heimat in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die meisten von ihnen wollen nach Europa…

Der alte Mann, der ihr gegenübersitzt, lacht auf. „Alle wollen nach Europa. Glaubst du Europa will dich auch?“ (S.73)

„Europa scheißt auf euch. Weißt du das nicht? Europa macht seine Grenzen dicht, sie lassen keine Flüchtlinge mehr durch. Wenn sie euch erwischen, schicken sie euch sofort wieder zurück.“ (S.100)

„In Europa braucht ihr auch keine Angst mehr vor den Polizisten zu haben. Alle werden euch helfen, niemand wird für seine Hilfe ein Bakschisch von euch erwarten. Sogar die Fischer werfen lieber ihren Fang über Bord, als euch ertrinken zu lassen. Ich habe es mit eigenen Augen im Fernsehen gesehen.“ (S. 206)

Wie groß muss die Ernüchterung jener Menschen sein, wenn sie nach dieser so riskanten Flucht in Europa ankommen und merken, dass sie leider noch lange nicht überall mit offenen Armen empfangen werden? Dass man sie als Problem empfindet, das man irgendwie lösen muss? Dass man sie wieder nicht als gleichwertige Menschen ansieht, sondern ihnen schon vor ihrer Einreise einen Stempel aufdrückt?

Dieses Buch ist ein Plädoyer für Offenheit, Toleranz und Menschlichkeit. Niemand hat Einfluss darauf, wo er geboren wird, die Herkunft macht keinen Menschen zu etwas Besserem oder etwas „Schlechterem“. Leider gibt es verstärkt Kräfte, die sehr gefährliche Parolen in die Welt setzen und die Menschen in Europa gegen die Flüchtlinge aufhetzen wollen. Unglücklicherweise sind sie dabei zum Teil erfolgreich …

 Ich vergebe 5 Papierblumen. NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

 

 

Wie man unsterblich wird …

wie-man-unsterblich-wirdFünf Tatsachen über mich:

  1. Ich heiße Sam.
  2. Ich bin elf Jahre alt.
  3. Ich sammle Geschichten und interessante Tatsachen.
  4. Ich habe Leukämie.
  5. Wenn du das hier liest, bin ich wahrscheinlich tot. (S.11)

Sam weiß, dass er bald sterben wird. Denn der Elfjährige leidet unter Leukämie und für ihn besteht keine Hoffnung mehr. Gemeinsam mit seinem besten Freund und Leidensgenossen Felix versucht er, trotz seines schrecklichen Schicksals eine gewisse Form des Alltags zu wahren und dem Leben so viele positive Momente wie möglich abzuluchsen. Sams Zeit auf Erden ist stark begrenzt, doch er versucht, sie so gut wie möglich zu nutzen.

„Ein ganzes Jahr oder auch länger können Menschen damit leben. Bei mir sind es schon vier Monate. Ein Jahr ist eine lange Zeit. In einem Jahr kann wer weiß was passieren.“ (S.64)

Gemeinsam erhalten die beiden Jungs Hausunterricht und sie stellen so manchen Unfug an. Zudem hat Sam begonnen, an einem Buch über sein Leben zu schreiben, unter anderem in Form von Listen. Denn trotz seiner Krankheit, will der tapfere Junge sein Leben genießen …

Sally Nicholls hat mich mit ihrer Erzählung tief berührt. Ich mag es mir gar nicht vorstellen, dass derart junge Kinder sich so intensiv mit dem Thema Sterben auseinandersetzen müssen. Das todtraurige Buch hinterlässt wohl bei jedem Leser tiefe Spuren und dennoch vermittelt es eine sehr intensive Lebensfreude und viel Energie. Dies wird noch dadurch unterstützt, dass Sam seine Leser direkt anspricht. Daher fühlt man sich ihm sehr verbunden und wird noch enger in das Geschehen mit eingebunden.

Der Umgang in der Familie ist liebvoll, doch jeder leidet unter Sams Krankheit, nicht nur der Patient selbst.

„Ich hasse es“, sagte ich. Ganz hoch und dünn kamen die Worte heraus und die Schluchzer schüttelten mich. „Ich hasse es, ich hasse es.“
Mum nickte. Ihr Gesicht glänzte von den Tränen. „Ich auch“, sagte sie. „Ach, mein Herz, ich auch.“ (S.119)

„Du musst tun, was ich will“, sagte ich wütend. „Alle müsst ihr das. Weil ich nämlich sterbe, und dann tut es euch leid.“ Mum saß völlig still und presste die Lippen zusammen. Einen Augenblick lang rührte sich keiner von uns. Dann wandte sie sich ab und rannte aus dem Zimmer. „(S.125)

Natürlich weiß Sam, wie unfair solche Aussagen sind. Doch er trifft damit voll ins Schwarze und es ist verständlich, dass ein Kind in seiner Lage auch einmal die Nerven verliert. Dass dies für die ganze Familie eine sehr schwierige Situation ist, steht außer Frage, und nicht jeder kann damit umgehen. Sams Vater versucht sich vollkommen abzuschotten und ist sehr still, dennoch tut er alles um seinem todgeweihten Sohn seine letzten Wünsche zu erfüllen.

Sam ist ein sehr sensibler Junge und macht sich Gedanken darüber, welche Spuren er bei seinen engsten Freunden hinterlässt. Er will nicht, dass sie nach seinem Tod leiden, sondern möchte, dass sie sich mit viel Freude an ihn erinnern. Daher plant er auch eine Überraschung …

„Ich wollte Geschenke für sie haben, die sie immer an mich erinnern würden. Ich meine, Granny hat viele Fotos von mir, das weiß ich, aber Annie und Mrs. Willis haben ja keine.“ (S.186)

„Ich finde eine Beerdigung sollte lustig sein. Keiner soll schwarz tragen. Ihr sollt lustige Geschichten von mir erzählen, keine traurigen.“ (S.196)

„Ihr dürft traurig sein, aber nicht zu traurig. Wenn ihr immer traurig seid, wenn ihr an mich denkt, wie könnt ihr euch dann an mich erinnern?“ (S.196)

Ich glaube, diese Worte sprechen für sich.NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

Ich vergebe 5 Papierblumen.

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Christine

Übrigens:

Unter der Regie des Spaniers Gustavo Ron wurde „Wie man unsterblich wird“ verfilmt. Die Rolle des kranken Sam spielt der britische Nachwuchsschauspieler Robbie Kay. Die offizielle Premiere des Filmes, der auf Deutsch unter dem Titel „Ways to live Forever – Die Seele stirbt nie“ läuft,  fand 2010 auf dem Filmfestival in Cannes statt.

Unerwartet dramatisch!

cacheLeyla und Max sind ein Vorzeigepaar … eigentlich! Denn Leyla fühlt sich vernachlässigt und distanziert sich zusehends von Max. Diese Entwicklung wird vor allem durch RED beschleunigt, der Abenteuer und Nervenkitzel in Leylas Leben bringt. Denn RED liebt die aufregendsten Caches und führt Leyla und Max in diese Welt ein. Dabei flirtet er sehr offensiv mit Leyla, die schon bald zwischen den Stühlen steht … Wie wird sie sich entscheiden?

Cache gehört eigentlich so gar nicht zu dem Genre Buch, das ich gerne lese. Da mir das Buch aber empfohlen wurde, habe ich es dennoch gelesen und ich bin sehr positiv überrascht. Denn Marlene Röder treibt die Handlung in einer gekonnten, leichten Sprache voran und driftet auch nicht zu sehr in das Schnulzige ab. Ihre teils metaphorische Sprache passte ausgezeichnet zu der Handlung und so ist ihr ein spannender Jugendroman gelungen.

Das Thema Geocaching wird sehr anschaulich beschrieben und auch für Laien erklärt, sodass man sich sehr leicht mit den verschiedenen Begriffen zurechtfindet. Wieder einmal habe ich beschlossen, dass ich unbedingt so ein GPS-Gerät brauche um auch Caches bestreiten zu können. Denn eine Schnitzeljagd für Erwachsene würde mir sicherlich einen Riesenspaß bereiten!

Die Personen sind sehr ambivalent gezeichnet und nicht immer sympathisch. Vor allem Leyla erschien mir sehr naiv, da sie sich von Anfang an von RED hat einlullen lassen. Sie fühlte sich vom Abenteuer, von dem Neuen angezogen und vernachlässigte dafür das Gewohnte. Auch Max, der ein bisschen steif ist und seine Gefühle so schlecht ausdrücken kann, handelt nicht immer sympathisch, doch stets nachvollziehbar. Obwohl die beiden sicherlich niemanden bewusst verletzen wollen, stehen sie am Ende beide als Verlierer da und tun mir ehrlich leid.

Etwas anders stehe ich zu RED. Ich fand ihn von Anfang an sehr überdreht und unbeständig, keines Falls also eine Person, der man Vertrauen schenkt. Natürlich ist er mysteriös und verspricht ein Abenteuer nach dem nächsten, doch seine Geheimnistuerei war mir sofort suspekt. Er war mir also schon zu Beginn unsympathisch und dies änderte sich nicht. Ich will hier aber nicht zu viel verraten, daher halte ich mich bei RED lieber zurück…

Die Handlung an sich war gut durchdacht und wird abwechselnd aus Leylas und aus Max‘ Perspektive erzählt. Zeitsprünge treiben das Geschehen voran, liefern Erklärungen und erhöhen die Spannung. Dennoch war ich auf den Schluss nicht vorbereitet und daher hat das Ende mich wirklich aus den Socken gehauen. Das hätte ich so nicht erwartet und ich bin immer noch fassungslos und erstaunt zugleich.

Cache ist ein spannendes Jugendbuch rund um die Themen Liebe und Herzschmerz, aufgrund des Schlusses allerdings auch ziemlich dramatisch.

Ich vergebe 4 Papierblumen! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

Leise Töne, immense Wirkung

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Der neunjährige Bruno lebt mit seiner Familie in Berlin. Doch eines Tages wird Brunos Vater, wichtiger Vertrauter des Führers, nach Ausschwitz versetzt und seine Familie muss mit ihm dorthin ziehen. Für Bruno bricht eine Welt zusammen, muss er doch nun seine Freunde und das wunderbare Haus zurücklassen. In Ausschwitz angekommen verstärkt sich Brunos Enttäuschung nur noch und er möchte am liebsten zurück nach Berlin. Denn in seiner neuen Heimat ist alles trostlos und der leidenschaftliche Hobbyforscher langweilt sich zu Tode, bis er schließlich den Jungen am Zaun entdeckt …

John Boynes Erzählung geht einem wirklich an die Nieren und lässt keinen Leser kalt. Dabei bleibt der Erzählungsstil oft sehr vage und kindlich, da die Handlung ausschließlich aus Brunos Sicht erzählt wird. Dennoch ist dieses Buch meiner Ansicht nach, nicht nur für jugendliche Leser geeignet, sondern zieht auch Erwachsene in ihren Bann.

Es fiel mir sehr leicht den jungen, sehr naiven Bruno zu mögen. Er ist ein sorgloses, unbeschwertes Kind das gerne forscht und mit seinen Freunden spielt. Die schrecklichen Geschehnisse während des Zweiten Weltkrieges rauschen beinahe unbemerkt an ihm vorbei, obwohl sein Vater ein ranghoher Nazi ist und vor seinen Augen das KZ Auschwitz leitet. Brunos kindliche Naivität wird durch das Verhalten seiner Eltern und seiner Umgebung geschürt, da niemand mit dem Jungen über das Vorgehen in Auschwitz spricht. Er glaubt an seinen Vater und bewundert dessen prächtige Uniform, da er überzeugt davon ist, dass sein Vater Gutes tut.

„Heil Hitler“, sagte er, was, wie er annahm, eine andere Möglichkeit war zu sagen: Na dann, auf Wiedersehen und einen schönen Nachmittag.“ (S.71)

Unbewusst spürt Bruno sehr wohl, dass hier irgendetwas nicht stimmt, denn immer wieder drängt er auf die Heimkehr nach Berlin. Er will an diesem trostlosen Ort nicht bleiben, denn er findet keinen Spielkameraden und er vermisst das lockere, schöne Leben in seiner alten Heimat. Er erinnert sich gerne an seine Omo väterlicherseits, die sich offen gegen die Ansichten ihres eigenen Sohnes stellt. Sie lässt sich nicht von der schönen, prachtvollen Uniform blenden, sondern sieht die Grausamkeiten, für die diese steht.

„Ich weiß nicht –  habe ich an dem Punkt vielleicht einen Fehler bei dir gemacht, Ralf?“, fragte sie. „Ich frage mich, ob dich die vielen Auftritte, zu denen ich dich als Junge gedrängt habe, so weit gebracht haben. Dass du dich anziehst wie eine Marionette.“ (S.115)

Nur einmal spricht Bruno mit seinem Vater über die Häftlinge des KZ, doch er kann mit dessen Antworten nichts anfangen und versteht sie nicht.

„Die Leute, die ich von meinem Fenster aus sehe. Die in den Baracken, in der Ferne. Sie sind alle gleich angezogen.“

„Ach, die“, sagte Vater. Er nickte und lächelte leicht. „Das … na ja, das sind eigentlich gar keine Menschen, Bruno.“ (S.69)

Natürlich kann ein neunjähriger, noch dazu recht naiver Junge mit einer solchen Aussage nichts anfangen und die Strenge seines Vaters verbietet auch die Nachfrage. Dies weckt einerseits nicht nur Brunos Neugier, sondern verhindert auch, dass er sich von der Nazi-Mentalität seines Vaters anstecken lässt. Er wundert sich über die ganze Situation, begegnet aber jedem mit Respekt und einer kindlichen Neugier.

Auf einem seiner Streifzüge begegnet Bruno schließlich Schmuel, der auf der anderen Seite des Zaunes lebt. Schnell freunden die beiden Jungen sich an, auch wenn ihr Schicksal kaum weniger Gemeinsamkeiten aufzeigen könnte. Denn Schmuel ist Häftling des Konzentrationslagers und muss dort um sein Leben kämpfen. Die beiden Jungen verstehen sich blendend und sehen sich täglich am Zaun, wenn das Wetter es ihnen ermöglicht. Außerdem bringt Bruno Schmuel Essen mit, da sein Freund sehr hungrig und dünn ist.

Dennoch bröckelt Brunos Naivität auch während den Gesprächen mit Schmuel nicht. Während Schmuel immer wieder auf die Grausamkeiten seines Lebens hindeutet, verweist Bruno auf Streitigkeiten mit seiner Schwester, als ob dies ein passender Vergleich wäre. Brunos Leichtgläubigkeit und Unwissenheit rührte mich fast zu Tränen, obwohl ich mir eigentlich nicht vorstellen konnte, dass die Geschehnisse um ihn herum derart spurlos an ihm vorbeigehen konnten.

Oft habe ich mich gefragt, ob Brunos Tod als Strafe für die Handlungen des Vaters gedacht war. Die Maschinerie des Todes, die der Vater entwickelt hat, wird schließlich seinem eigenen Sohn zur Falle und somit tötet er sein eigen Fleisch und Blut. Dennoch kann ich mit dem Vater kein Mitleid verspüren, genauso wenig, wie er es für die vielen Insassen des KZ empfand. Bruno und Schmuel fielen, wie so viele andere, einer grausamen und kranken Mentalität zum Opfer und ihr sinnloser Tod bezeugt die Abgründe der menschlichen Seele.

Dieses Buch entfaltet, trotz einer beinahe ruhigen, stillen Atmosphäre, eine enorme Wirkung. Absolute Leseempfehlung!

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Christine

 

Glück und Glas, wie leicht das bricht!

glaskinderNach dem Tod ihres Vaters zieht Billie mit ihrer Mutter in deren Heimatdorf. Alles in Billie sträubt sich gegen diesen Umzug, da sie ihre Freundinnen nicht verlassen will. Das alte, heruntergekommen Haus, das ab sofort ihr Zuhause werden soll, treibt ihre Laune zusätzlich in den Keller. Billie findet das Haus gruselig und fürchtet sich davor. Und sie scheint Recht zu behalten, denn schon nach kurzer Zeit gehen seltsame Dinge in diesem Haus vor. Wohnen Billie und ihre Mutter in einem Geisterhaus? Gemeinsam mit ihren Freunden Aladdin und Simona geht Billie dem Spuk auf den Grund …

Nachdem ich Kristina Ohlssons Erwachsenenbücher verschlungen habe, war ich sehr gespannt auf diesen Jugendthriller. Gleich vorweg kann ich sagen, dass dieses Buch alle meine Erwartungen erfüllt hat und sich meiner Meinung nach ausgezeichnet für Kinder im Alter von 10 – 12 Jahren eignet. Die Sprache ist fesselnd, aber dem Alter angepasst und zieht die Kinder bestimmt in ihren Bann. Die Geschichte schwankt zwischen Spannung und Gruselfaktor und spricht die jungen Leser sicherlich an. Natürlich darf man hier nicht den Tiefgang eines Thrillers für Erwachsene erwarten, da die Kinder dies nicht verstehen würden.

Die Protagonistin Billie macht es den Kindern einfach, sich mit ihr zu identifizieren und ist sehr sympathisch. Auch die Jungs werden von der abenteuerlustigen Billie durchaus angetan sein und dieses Buch mögen. Ihre Überlegungen und Taten sind sehr leicht nachvollziehbar und helfen den jungen Lesern, sich in das Buch einzufinden. Auch die Freunde Aladdin und Simona werden sympathisch und freundlich dargestellt und treiben das Geschehen voran. Natürlich fehlt es den Figuren aus Erwachsenensicht an Charaktertiefe, aber das Buch und die Protagonisten sollen für die Kinder erreichbar bleiben.

Die Handlung an sich hat mich überzeugt. Obwohl die drei Freunde eigentlich nicht an Geister glauben, kommen ihnen aufgrund des Geschehenen doch Zweifel. Die Suche nach der Vergangenheit des Hauses ist spannend und fesselt den Leser. Denn dieses Haus hat keine alltägliche Geschichte und die einzelnen Schicksale sind sehr ergreifend. Vor allem die Erkenntnisse rund um die Glaskinder haben nicht nur Billie und Co. berührt, sondern auch mich.

Natürlich weiß man als erwachsener Leser eher, was oder wer hinter diesem Spuk steckt, doch ich glaube nicht, dass Kindern diese Lösung auch ins Auge gesprungen wäre. Dank ihrer Fantasie lassen sie sich viel eher auf die Gespenster-Lösung ein, die wir Erwachsenen nicht mehr so leicht schlucken und die auch gar nicht zu Kristina Ohlsson passen würde.

Insgesamt ein toller Thriller für Kinder, der sich leicht und flüssig liest und die jungen Leser sicherlich in seinen Bann zieht. Dieses Buch bietet Gruselpotenzial und einigen Gesprächsstoff.

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Christine