Herrlich skurriler Krimispaß

Maurer

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Zum Inhalt:

Im idyllischen Kurort tagt der G7-Gipfel. Dementsprechend angespannt ist die Sicherheitslage und es wimmelt nicht nur von Securityleuten, auch die Demonstranten haben ihre Zelte aufgschlagen.

Und als wäre dies alles nicht schon genug, bekommt Kommissar Jennerwein es nun auch noch mit einem sehr persönlichen Fall zu tun. Irgendetwas kommt ihm bei der durchgeplanten Beerdigung seines Freundes Hansi komisch vor. Was ist hier wirklich passiert? Wer hat wen erschossen? Und was soll hier vertuscht werden?

Meine Meinung:

Wer die Alpenkrimis von Jörg Maurer kennt, der weiß dass er keinen herkömmlichen Krimi mit 08/15-Ermittlungen erwarten darf. Vielmehr wird der eigentlich Kriminalfall in den Werken des Autors teilweise komplett zur Nebensache und man erfreut sich als Leser an den skurrilen und manchmal fast absurden Einlagen.

Es tauchen viele altbekannte Gesichter auf und der Leser darf sich auf ein Wiedersehen mit den Spalanzanis, Karl Swoboda, den Graseggers, … freuen. Jörg Maurer gelingt es auch in diesem 9. Band wieder, unzählige, scheinbar unabhängige Erzählstränge miteinander zu verknüpfen, und obwohl man sich bei der Lektüre zwischendurch immer wieder fragt „Wie will er es schaffen, das jetzt sinnvoll in das Geschehen einzubinden?“, gelingt dieser Brückenbau (fast) immer.

Zu Beginn mag es etwas schwierig sein, sich einen Überblick zu verschaffen, da die eingeführten Personen sehr zahlreich sind und manches erst zu einem späteren Zeitpunkt im Buch erklärt wird. Jörg Maurer bedient sich diesmal einer – von ihm – ungewohnten Form. Er hat seinen Krimi in drei Teile unterteilt und arbeitet mit Rückblenden. Auch die kurzen, prägnanten Kapitelüberschriften kannte man bisher in dieser Art nicht von ihm.

Immer wieder streut er zudem vermeintliche Zitate ein, die zwar ganz echt wirken, es aber absolut nicht sind. So wird aus der Bibel zitiert und das Jägerjargon bemüht, man erhält einen Einblick in die Fußreflexzonen und auch die Geschichte des Türenknallens wird dem Leser näher gebracht.

Wer den Autoren, das Genre und sich selbst nicht zu ernst nimmt, der wird an diesem Krimi einen Heidenspaß haben.

Véro

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Wenn erwachsene Männer plötzlich leuchtende, rosarote Elefanten sehen…

Elefant

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Zum Inhalt:

Der Obdachlose Schoch entdeckt in seiner Höhle einen kleinen rosaroten Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Anfangs glaubt er noch, dass diese Wahrnehmung nur seiner Fantasie und dem Alkoholgenuss entspringt, doch schnell stellt sich heraus, dass es dieses kleine, besondere Wesen wirklich gibt.

Während Schoch beschließt, sich um den kleinen Elefanten zu kümmern, sucht nicht nur dessen „Schöpfer“, der Genforscher Roux, mit allen Mitteln nach seiner Sensation. Auch der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der bei der Geburt des kleinen Elefanten dabei war, setzt alles daran, um das kleine Tier rechtzeitig zu finden und vor den Wissenschaftlern zu schützen.

Meine Meinung:

Martin Suters aktuelles Werk hat mir sehr gut gefallen. Der Autor schafft nicht nur sehr unterschiedliche Figuren in seinem Roman, sondern legt auch ganz verschiedene Schauplätze an, die zum Ort der Handlung werden. Durch das gesamte Buch zieht sich nicht nur ein ständiger Perspektivenwechsel; auch der Zeitraum der Handlung erstreckt sich über etwas mehr als fünf Jahre.

Als Leser erlebt man sowohl die Forschungsarbeiten im Genlabor mit, wie auch die Geburt des Elefanten im Zirkus. Dann wiederum folgt man Schoch bei seinen täglichen Streifzügen durch die Obdachlosenszene in Zürich.

Die Zeitensprünge und der ständige Wechsel der Erzählperspektive sorgen für zusätzliche Spannung. Mir hat besonders der Kontrast zwischen dem Obdachlosen Schoch und dem Genforscher Roux gut gefallen. Wohl sind beide Personen recht einseitig beschrieben, doch Suter stellt den beiden Protagonisten jeweils einen Tierarzt an die Seite (Reber, Valerie), welche meiner Ansicht nach dieses Schema Gut/Böse etwas aufheben und verwischen.

Der Autor schneidet in seinem Roman mehrere Themen an, die den Leser zum Nachdenken  anregen sollen. Da sind natürlich in erster Linie die Forschungsexperimente des Wissenschaftlers Roux, die die Frage aufwerfen, welche Möglichkeiten die Gentechnik mittlerweile bietet und inwiefern diese Möglichkeiten genutzt werden sollten oder vielleicht auch unterbunden werden müssten.

Auch Schochs Obdachlosigkeit und der spätere Alkoholentzug (der hier im Buch wohl etwas zu einfach vonstattengeht) sind Themen, die sicherlich Anregung für Diskussionen bieten.

Besonders die Thematik der Genforschung scheint sehr gut recherchiert und wird im Roman sehr detailliert beschrieben. Auch dies verdient meiner Ansicht nach Erwähnung.

Der Autor selbst hält sich mit einer Wertung eher zurück, auch wenn der Ausgang der Handlung wohl vermuten lässt, wie er selbst zu diesen Themen steht.

Für mich war dieser Roman ein wahres Lesevergnügen und ich kann ihn demzufolge nur wärmstens empfehlen.

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Véro

Eiskalt!

I- 18 Gradn Helsingborg rast ein Auto über die Brücke in das Hafenbecken. Der Fahrer des Autos hat keine Chance, aus dem Wasser zu entkommen. Sofort schaltet das Team um Fabian Risk sich ein und untersucht, wie es zu diesem Unfall kommen konnte. Doch spätestens als der Gerichtsmediziner seine Untersuchungsergebnisse präsentiert, wird allen klar, dass hier etwas nicht stimmen kann! Denn der Tote war ungefähr zwei Monate lang tiefgefroren … Wie konnte ein Toter Auto fahren? Die Ermittlungsgruppe steht vor einem Rätsel und schon bald wird ihnen klar, dass sie es dieses Mal mit einem schier übermächtigen Gegner zu tun haben!

Dies war mein erstes Buch von Stefan Ahnhem und somit habe ich auch die Serie um Fabian Risk nicht in chronologischer Reihenfolge begonnen. Dies empfand ich nicht als störend, da es fast keine Verweise auf frühere Fälle gab und somit die Spannung nicht getrübt wurde. Überhaupt versteht der Autor es, Cliffhanger gekonnt einzusetzen und das Buch durchweg fesselnd zu gestalten. Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm zu lesen. Der Spannungsbogen ist sehr gut aufgebaut und bringt den Leser dazu, immer tiefer in das Buch einzudringen.

Die Charaktere sind sehr interessant gezeichnet und haben reichlich Ecken und Kanten, was mir immer sehr gut gefällt. In dieser Hinsicht ist „Minus 18 Grad“ ein typischer Schweden-Krimi, denn die handelnden Personen sind keinesfalls idealisiert, sondern schleppen jeweils ihr Päckchen Ballast, Schuldgefühle und Versagensängste mit sich herum.

Die Handlung an sich ist gekonnt aufgebaut und die beiden parallel geführten Ermittlungsstränge treiben das Geschehen immer weiter voran. Beide Themen, Identitätsdiebstahl und «Happy Slapping» sind sehr interessant ausgeführt und besonders «Happy Slapping» machte mich fassungslos und wütend! Leider hege ich keinen Zweifel daran, dass es so etwas tatsächlich gibt und diese Vorstellung ist einfach nur grässlich.

Allerdings fragte ich mich gleich zu Beginn, warum dieser zweite Erzählstrang in das Buch mit eingebaut wurde. Ziemlich schnell wurde mir dann klar, dass dessen einzige Daseinsberechtigung darin besteht, dass es hierbei um das Privatleben des Ermittlers geht. Daher war ich nicht sonderlich überrascht, wie dieser Teil der Handlung sich entwickelt hat und ich gehe davon aus, dass Dunja alle Täter zur Rechenschaft ziehen möchte. Dieser Teil des Buches ist also noch nicht abgeschlossen, sondern wird wohl im folgenden Band weiter ausgebaut.

Störend empfand ich allerdings die vielen, teils abstrusen und unglaubwürdigen Identitätswechsel. Immer wieder wird betont, dass der Täter die Verbrechen nur ausüben konnte, da er sich so akribisch vorbereitete und seine Opfer bis ins letzte Detail imitieren konnte. Da frage ich mich doch, wie es ihm möglich war, so eine große Anzahl an Identitäten in derart kurzer Zeit zu stehlen. Auch fand ich es unverständlich, dass die Polizei den Täter während dessen Untersuchungshaft nicht als Doppelgänger enttarnen konnte. Schließlich wussten sie doch, dass er komplett kahlgeschoren war, Augenbrauen inklusive. Sie hätten doch nur prüfen müssen, ob die Haare des Täters echt sind um sich zu vergewissern, dass er auch wirklich die Person ist, für die er sich ausgibt. Irgendwie erschien mir dies nicht ganz logisch, sondern im wahrsten Sinn des Wortes an den Haaren herbeigezogen!

Insgesamt ist dieses Buch aber ein sehr gelungener Thriller, der aufgrund seines konsequenten Spannungsaufbaus so manchen Leser zu begeistern vermag. Fans von Schwedenkrimis kommen hierbei sicher auf ihre Kosten!

Ich vergebe 4 Papierblumen!NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

Tierischer Spielspaß

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In dieser Rezension geht es nicht um ein Buch, sondern um ein Gesellschaftsspiel, das ich kürzlich entdeckt habe. Während der letzten Abende saßen nun drei Generationen gemeinsam am Tisch und haben Tränen gelacht… deshalb komme ich nicht umhin, euch dieses Spiel hier vorzustellen.

Eigentlich handelt es sich um eine Spielidee, die jeder von euch kennen dürfte: ein Quartett. Doch Arthur Scholten legt uns hier eine Variante vor, die zum Brüllen komisch ist. Am Tisch sitzen nicht einfach nur verschiedene Spieler: jeder Mitspieler sucht sich aus sechs Tieren eines aus, welches er während des gesamten Spielverlaufs verkörpert. Und fortan hört er nicht mehr auf seinen Namen, sondern muss mit dem entsprechenden Tiergeräusch gerufen werden. Es darf also fleißig gewiehert, geheult, gezischt, … werden.

Selbstredend darf man seinen Mitspieler natürlich auch nicht nach einer „Hundekarte“ fragen. Vielmehr muss man auch hier der verschiedenen Tiersprachen mächtig sein und bellen, miauen, summen, brüllen, quaken, …. was das Zeug hält. Hat man Glück, muss der Mitspieler die gefragte Karte abgeben. Wenn er jedoch keine passende Karte in den Händen hält, muss er mit einem Pupsgeräusch antworten und dabei die Zunge rausstrecken. Frech sein, ohne dafür gescholten werden… das sorgt natürlich für zusätzlichen Spaß.

So einfach die Spielidee ist, so brilliant ist die Umsetzung. Abgerundet wird das Ganze von den tollen Illustrationen von Gabriela Silveira.

Wer also nach einem Spiel sucht, das Spaß für die gesamte Familie garantiert, wird hier sicher nicht enttäuscht.

NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITEVéro

Paper Princess – Ein Rückblick.

(Diese Rezension kann Spoiler enthalten!)

„Ich tue gern so, als wäre ich eine richtig toughe Nuss, und bis zu einem gewissen Punkt stimmt das ja auch. Ich bin arm und hungrig. Ich wurde von einer Stripperin großgezogen. Ich weiß, wie man jemandem eine verpasst, wenn es nötig ist. Aber ich bin trotzdem erst siebzehn! Manchmal kommt es mir so vor, als wäre ich ein bisschen zu jung für das Leben, das ich führe. Dann sehe ich mich um und denke: Ich gehöre hier nicht her.“ (S. 18)

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Ella Harper hat es wirklich nicht leicht. Seit dem Tod ihre Mutter schlägt sie sich alleine durch. Am Tag sitzt sie in der Schule, nachts arbeitet sie in einer Bar. Dann steht plötzlich der Multimillionär Callum Royal vor ihr und behauptet ihr Vormund zu sein. Plötzlich verändert sich alles. Er nimmt sie mit in seine Villa und sie kommt in eine Welt voller Luxus.
Doch schon bald merkt sie, dass hier etwas nicht stimmt. Callum Royals fünf Söhne begegnen ihr mit Feindseligkeit. Besonders einer von ihnen macht Ella das Leben schwer. Und trotzdem knistert es gewaltig zwischen ihnen…

Es ist nun schon einige Wochen her, seitdem ich diesen Roman von Erin Watt gelesen habe. Wer es noch nicht wissen sollte: „Erin Watt“ ist das Pseudonym des Autorenduos Jen Frederick und Elle Kennedy. Letztere konnte sich mit „The Deal“ in mein (New Adult – ) Leserherz schleichen und man kann damit wohl erahnen, dass meine Vorfreude groß war, als ich gehört habe, dass „Paper Princess“ auf dem deutschen Buchmarkt erscheint.

Doch während mich der erste Teil der „Off – Campus“ – Reihe mit seiner lockeren, natürlichen und unbeschwerten Handlung überzeugen konnte, wo – anders als in vergleichbaren Romanen in diesem Genre – mir die dramatische Entwicklung der Handlung nicht zu inszeniert erschien, war „Paper Princess“ dazu nicht in der Lage und konnte mich ebenfalls nicht in seinen Bann ziehen. Ich blieb eine Zuschauerin an der Seitenlinie, die sich in einigen Augenblicken sogar recht unwohl in ihrer Haut fühlte, sich dabei erwischte, wie sie die Augen verdrehte und doch bemerkte, wie die Seite nur so vorüberzogen. Letztlich ließ mich dieser Roman gespalten zurück.

Der einfache Einstieg in den Roman wird durch seinen leichten Schreibstil ermöglicht. Mir hat es gefallen, wie man zu Beginn der Handlung nicht mit Informationen erschlagen wird, sondern wie diese in den Erzählfluss eingebunden werden.
Etwas gewöhnungsbedürftig war hingegen die Ausdrucksweise. Doch den hier getroffene Ton habe ich keineswegs als negativ erachtet, sondern er passt zu dem Naturell der Protagonistin. Hier hätte ein höfliches Mädchen, welches sich zuvorkommend artikuliert nun wirklich nicht ins Gesamtbild gepasst.

Ella Harper ist ein spannender Charakter und unterscheidet sich von vergleichbaren Charakteren andere Romane in diesem Genre. Sie hat sich ein Lügengerüst aufgebaut, welches ihr dabei hilft ums tägliche Überleben zu kämpfen. Mit ihren siebzehn Jahren hat sie bereits derartig viele negative Erfahrungen gemacht, dass sie einen robusten Schutzpanzer besitzt. Sie sagt klar und deutlich, dass sie denkt und setzt sich ebenfalls durch. Ob sie dabei immer eine kluge Entscheidung trifft sei nun erstmal dahingestellt. Durch ihre dominante Art bringt sie älteren Personen wenig bis überhaupt keinen Respekt entgegen. Auch dieser Aspekt ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, andererseits passt es aber auch zu ihrem Charakterbild, denn sie ist eben auch die Tochter einer Stripperin und in diesen Kreisen aufgewachsen.
Nach dem Tod ihrer Mutter arbeitet sie weiterhin in einem Nachtclub und versucht am Tag ihren Schulabschluss zu erlangen, um aufs College zu gehen…

Doch wie bereits der Klappentext verrät, wird sie aus ihrer Situation gerettet, als Callum Royal plötzlich in ihrem Leben auftaucht. Damit hat sie nun einen Multimillionär als Vormund und ist eine „Prinzessin auf dem Papier“. Doch wird ihr Leben damit leichter? Keineswegs. Nun muss sie sich in einer luxuriösen Villa mit fünf (wobei man hier eigentlich von vier sprechen kann, da einer der Brüder bereits auf dem College ist) pubertierenden „Satansbraten“ herumschlagen, die wahnsinnig anstrengend sind und dies ist wahrscheinlich sogar noch freundlich ausgedrückt.

Ich werde nun natürlich nicht auf jeden der Brüder eingehen, dies ist jedem selbst überlassen. Zentral in der Handlung taucht jedoch immer wieder Reed Royal auf. Er ist eine Art Alphatier bei seinen Brüdern. Was er sagt, gilt. Und ausgerechnet ihm ist Ella ein Dorn im Auge und dies lässt er sie auch spüren.

Auf der einen Seite stehen also diese verwöhnten Typen, die alles haben, sich alles angeln und dabei keineswegs Rücksicht auf die Gefühle anderer nehmen. Natürlich hat dies auch einen Grund, aber ob man diesen Konfrontationskurs dadurch am Ende nachvollziehen kann ist eine andere Frage. Sie rebellieren, aber wie sie dabei mit einem Mädchen umgehen, welches sie überhaupt nicht kennen und welches bisher nur Leid erfahren musste, ging mir dann doch zu weit und Sympathie sucht man an dieser Stelle ebenfalls vergeblich.

Den Gegenpol bildet Ellas Charakter. Sie wirkt nach außen hart, doch der Leser bemerkt schnell, dass sie doch „nur“ ein siebzehnjähriges Mädchen ist, welches sich bereits darauf vorbereitet, dass die Seifenblase vor ihren Augen zerplatzt und sie damit wieder in ihre eigenen Realität zurückgeworfen wird.

Blickt man auf die aufkommenden romantischen Gefühle in diesem Erotik-/Liebesroman, dann kann man hier nicht wirklich von Romantik sprechen. Stattdessen schauen wir dabei zu, wie Ella ihren Körper an einen Typen verschenkt, der sie dermaßen abwertend behandelt, dass man sich allein beim lesen unwohl fühlt. ‚Was macht dieses Mädchen da nur?‘ wird sich hier der ein oder andere Leser sicherlich fragen. Sie lässt sich zu einem Objekt degradieren.
Ebenfalls wird hier das Thema der sexuellen Gewalt aufgegriffen, doch keineswegs diskutiert. Als ich am Ende des Buches angelangt bin, habe ich darüber nachgedacht und mich gefragt, ob es von dem Autorenduo richtig war diese Gewalt als ein Mittel zu benutzen, um einen Umschwung zu erwirken. Denn ab diesem Moment wird aus Ella die „Schwester“, die es zu beschützen gilt. Dabei haben die Royals sie vorher nicht anders behandelt. Betrachtet man die Konsequenz, dann blickt man auf eine pubertäre Rachehandlung, die mich keinesfalls amüsiert hat, sondern mich erneut unwohl zurückließ.

Ich muss zugeben, dass mich dieser Roman erst geblendet hat. Ich habe ihn gelesen und dabei nicht wirklich über die Handlung nachgedacht. Ich war in einer Art und Weise geblendet und hab in diesem Liebesroman nach Gefühlen zwischen den Charakteren gesucht, meinte für einen Bruchteil einer Sekunde sogar, dass ich diese gefunden habe. Doch nachdem ich den Roman beendet und die Handlung noch mal rekapituliert habe, wurde mir plötzlich bewusst, was da eigentlich passiert ist.
Ella Harper kommt aus einem schrecklichen Milieu, hat mit ihren siebzehn Jahren bereits als Stripperin gearbeitet und musste sich in ihrer Kindheit immer wieder mit den wechselnden Männern ihrer Mutter auseinandersetzen, die ebenso nicht davor zurückschreckten das kleine Mädchen anzufassen. Und als wäre dies noch nicht genug, kommt sie zu den Royals, muss sexuelle Belästigungen über sich ergehen lassen, wird in der Schule ebenfalls nicht mit Blumen begrüßt und erfährt auf einer Party dann auch noch sexuelle Gewalt. Betrachtet man all diese Punkte, dann wird Ella Harper von dem Autorenduo zu „normal“ gezeichnet. Keine Frau der Welt würde noch derartig aufrecht und gefasst auf dem Boden stehen, wie sie.

Und wenn ich mir all dies durch den Kopf gehen lasse, dann fällt es mir wirklich schwer eine Empfehlung für diesen Roman auszusprechen. Ich glaube, dass die Leser die sowieso manchmal in diesem Genre abtauchen sowieso zu diesem Roman greifen werden, doch ich ermahne ebenfalls, dass man sich nicht blenden lassen und am Schluss über den Ablauf der Handlung nachdenken sollte.
Die Handlung selbst ist ebenfalls vorhersehbar und Geheimnisse lassen sich schnell entschlüsseln. Spannend hingegen ist Ella Harpers Charakter. Ihre Schlagfertigkeit hat mich zum schmunzeln bringen können und auf den ersten Blick hat mich die Handlung gut unterhalten. Doch der zweite Blick ließ mich zusammenschrecken.

Ich vergebe daher 2,5 Papierblumen.

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Bonny

Bist du bereit?

„Bens Kopf fühlte sich an wie eine Piñata, gefüllt mit Gedanken statt mit Süßigkeiten, auf die nicht Kinder mit Stöcken, sondern Psychopathen mit Eisenstangen einprügelten.“ (S. 316)

AchtNachtEine interessante und gleichsam schockierende Thematik findet in diesem Thriller seine Bühne.
Stell dir vor, es gäbe eine Art „Todeslotterie“. Jeder hat die Chance den Namen eines ihm verhassten Menschen auf einer Internetseite in einen Lostopf zu werfen. Am 8.8. wird dann ein Name gezogen und der Auserwählte (AchtNächter) wird damit für eine gesamte AchtNacht vogelfrei erklärt. Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten und sollte es jemandem gelingen, winkt ein saftiges Kopfgeld von zehn Millionen Euro. Wie viele Menschen würden sich wohl einer solchen Jagd anschließen?

Vielleicht mag diese Thematik dem Ein oder Anderen bereits bekannt vorkommen. Sebastian Fitzek hat sich bei diesem Buch von der Verfilmung zu „The Purge“ (Die Säuberung“) inspirieren lassen. Ein schockierendes und gleichsam aufrüttelndes Szenario, in dem es darum geht, dass durch eine alljährlich stattfindende Nacht – in der alle Verbrechen legalisiert und Notfallsysteme deaktiviert werden – die Kriminalitätsrate gesenkt wird.
Dieses Thema bietet genügend Spannung, dies ist keine Frage. Aber Sebastian Fitzek hat mich mit seiner Umsetzung leider nicht vollkommen überzeugen können.

Dies mag zum einen sicherlich an dem Protagonisten dieses Thrillers liegen. Ben ist Musiker, Vater einer bereits zu einer jungen Frau herangewachsenen Tochter. Er sieht sich selbst als Versager und ist von tiefen Schuldgefühlen erfüllt, die der Leser durchaus nachvollziehen kann. Alles dreht sich um den einen Moment, in dem er die falsche Entscheidung getroffen hat. Dieser eine Moment hatte Auswirkung auf sein Leben, als auch auf die Zukunft seiner Tochter. Könnte man doch nur diesen einen Handlungsmoment rückgängig machen…
Ben schien mir jedoch machmal zu unscheinbar, zu sehr im Selbstmitleid versunken und blickt man auf den Verlauf der Handlung, so trifft er erneut falsche Entscheidungen, die mir als Leser manchmal die Spannung und viellicht auch die Glaubwürdigkeit genommen haben.

Doch wir sehen die hereinbrechenden Ereignisse auch mit den Augen von Arezu, die ihre eigene dunkle Vergangenheit besitzt und ebenso daran leidet. Schritt für Schritt kommt man dieser Dunkelheit auf die Spur und ebenso wird nach und nach offenbart, welche Rolle ihr Puzzlestück im Gesamtbild betrachtet spielt.

Den Aufbau von AchtNacht fand ich gelungen. Die Kapitel sind kurz und lassen sich schnell lesen, wobei sie immer den gleichen Aufbau besitzen und jeweils mit einem (Mini-)Cliffhanger schließen. Natürlich sollen diese für Spannung sorgen und zum weiterlesen verleiten. Ich fand es jedoch irgendwann ermüdend, denn jedes nachstehende Kapitel beginnt mit einer neuen „Anfahrt“, die mich als Leser Energie gekostet hat. Man könnte es wohl auch als Ungeduld meinerseits bezeichnen. Die meisten dieser Cliffhanger wurden dann ohne großes „Brimborium“ aufgelöst – ernüchternd.

Insgesamt betrachtet war die Jagd am Ende mehr eine aufregende Tour durch das nächtliche Berlin. Es fehlte mir an Wahnsinn, Verrücktheit und durchgeknallten Figuren, die aus dem Schatten treten und der Geschichte mehr Pep verliehen hätten. Man muss nur bedenken, dass die Namen zweier (ja soviel kann ich bereits verraten!) Personen gezogen werden. Sie werden zu Gejagten. Tausende Verrückte werden über die sozialen Medien über ihren Aufenthalt informiert. Doch wo sind sie in dieser Nacht?
Die AchtNacht wird mehr zu einem Erpressungsszenario mit zwei Jägern, die mit ihrer Videokamera das Fürchten lehren und ein paar betrunkenen Personen, die mit Müllbeuteln über ihren Köpfen hinterher marschieren.
Zusammenfassend ist Fitzek bei seiner Täterbeschreibung noch nett. Wo sind all die normalen Alltagspersonen, die plötzlich zu Mördern werden? Mir fehlte es an den verrückten Personen die plötzlich durchdrehen, keine Gesetze mehr wahrnehmen und die Idee einer derartigen Website als Schleichweg betrachten, illegal zu morden. Vielleicht suche ich aber auch in AchtNacht zu viele Aspekte aus „The Purge“?

Letztlich hat sich der Autor eben nur inspirieren lassen und dabei eine Möglichkeit gefunden, wie ein derartiges Szenario bereits in wenigen Stunden in unserer Gesellschaft bitterer Ernst werden könnte. Und auch während dem Lesen kam bei mir natürlich die Frage auf: „Aber ist dies wirklich möglich?“ und mir wurde ein durchaus glaubwürdiges „Ja.“ vermittelt.
Ein Mausklick und die Menschen drehen durch, dies wird uns schließlich bereits bei Facebook & Co. verdeutlicht. Fitzek zeigt einen realistischen Weg, wie die Möglichkeit besteht und Schattengestalten damit Profit machen wollen. Aber es ist auch ein Spiel mit dem Feuer.
Gelungen fand ich es ebenfalls, wie der Autor aktuelle Themen aufgreift, in dem er zeigt, wie viel Einfluss Hacker auf unser Leben haben oder wie uns soziale Medien beeinflussen können. Er zeigt vielleicht sogar einen Weg, wie sich Shitstorms oder Fake News in das Real Life verlagern lassen und eine wütende Masse zu Mördern wird. Sogar eine stille Kritik am Städtebau von Berlin konnte ich herauslesen.

Zusammenfassend betrachtet hat sich der Autor in seinem Buch einem spannenden Thema zugewandt und ebenfalls aktuelle Themen miteingebunden, so dass dem Leser eine solche AchtNacht durchaus realistisch und möglich erscheint. Dieser Punkt sorgt wohl für den größten Schockmoment.
Die Personen, als auch bestimmte Ereignisse im Handlungsverlauf konnten mich leider weniger begeistern und mir fehlte es an einer Prise Verrücktheit. Daher vergebe ich insgesamt 3 Papierblumen und kann dennoch bereits sagen, dass dieser Thriller sicherlich nicht mein letzter Fitzek war! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Bonny

Wahn oder Wirklichkeit? Ein spannendes Debüt!

Die TherapieWo ist Josy? Vier Jahre ist es nun her, dass die Tochter des Starpsychiaters Viktor Larenz spurlos verschwand und seither durchlebt der verzweifelte Vater unvorstellbare Qualen. Doch eines Tages taucht eine seltsame Unbekannte in seinem abgelegenen Ferienhaus auf und schon bald wird Larenz klar, dass er der Wahrheit über das Schicksal Schritt für Schritt näher kommt!

Sebastian Fitzeks Schreibstil ist wie immer spannend und schnörkellos. Er kommt zum Punkt, schafft es aber dennoch eine verwirrende und aufgeladene Atmosphäre darzustellen. Man taucht in diese seltsame Mischung aus Wahn und Wirklichkeit ein und weiß zum Schluss nicht mehr, was man noch glauben kann. Vom Aufbau her erinnerte dieses Buch mich ein bisschen an «Das Paket», es hat mir aber wesentlich besser gefallen, da es stimmiger und logischer aufgebaut ist.

Was mich allerdings ein bisschen störte, waren Kapitelüberschriften wie «Drei Tage vor der Wahrheit». Hier erscheint mir der Spannungsbogen doch ein bisschen plump aufgebaut zu sein. Da es sich aber um das Debüt des Autors handelt, will ich da mal nicht so streng sein! 😉

Die Erzählperspektive ist einseitig auf den Psychiater fixiert, was Sinn macht und dem Buch seinen Charme verleiht. Dieser Plot ließ gar keine andere Möglichkeit zu, denn jede weitere Informationsquelle hätte die Verwirrung und diese unsichere Stimmung zerstört.

Die Auflösung an sich ist schlüssig und wirkt nicht zu aufgesetzt oder übertrieben. Zwar kam ein gewisser Verdacht, der sich im Nachhinein auch bestätigte, recht früh in mir auf, dennoch hatte ich die Wendung am Schluss so nicht erwartet. In diesem Roman beweist Fitzek, dass er ein Meister der Täuschung sein kann. Denn während der Handlung tauchen sehr viele, neue Informationen auf, doch man merkt sofort, dass man den Eindrücken des Psychiaters nicht immer trauen kann. Denn eigentlich wird einem sehr schnell klar, dass diese Situation nicht mehr auf normalem Wege zu erklären ist. Wie es sein kann, dass diese Krankheit so lange unerkannt blieb, kann ich mir jedoch nicht erklären und dies lässt die Handlung an Glaubwürdigkeit einbüßen.

Viktor Larenz ist eine sehr ambivalente Persönlichkeit. Es gelang mir während der gesamten Lektüre nicht, ein Verhältnis zu ihm aufzubauen. Seine Gedanken waren sehr wirr und der Leser merkte schnell, dass da etwas nicht stimmt. Dies verhindert, dass man sich wirklich in ihn hineinversetzen kann, erhöht gleichfalls aber die Spannung, da man wissen möchte, wie alles zusammenhängt.

Insgesamt ist «Die Therapie» eine fesselnde Lektüre und gehört meiner Ansicht nach zu den besseren Fitzeks! Ich vergebe 4 Papierblumen!NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

Leichte Kost für zwischendurch

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Zum Inhalt:

Der 33-jährige Christoph hat bei Frauen wenig Erfolg, obwohl er ein guter Zuhörer ist, nicht raucht und sowohl kinderlieb als auch treu ist. Aber dies ändert nichts daran, dass seine Freundin Inga mit einem anderen anbandelt und Christoph das Nachsehen hat.
Auf der Hochzeit seines Freundes Hendrik findet dann Zwenn, der Dritte im Bunde, die Liebe seines Lebens und Christoph erkennt, dass sich in seinem Leben etwas ändern muss, wenn er seine Traumfrau finden will.

In dieser Situation klingelt Christophs Nachbarin Juli an seiner Tür und fragt, ob er den 11-jährigen Emil hüten kann, da sie im Krankenhaus operiert werden muss.

Emil erweist sich als Flirt-Experte, immerhin arbeitet sein Vater als Flirtcoach. Ob er Christoph dabei helfen kann, die hübsche Zahnärztin Pandora zu einem Date zu überzeugen … ?

Meine Meinung:

Bei diesem Buch handelt es sich um einen ganz unterhaltsamen Roman für zwischendurch, allerdings zeigt er auch leider einige Schwächen.

Zu Beginn hat mich der humorvolle Schreibtstil sehr überzeugt. Allerdings wirkte das Geschehen sehr schnell zu überspitzt: Christophs Freund Hendrik läuft mit einem Stillimitat umher, das unerzogene Kind in der Kita hat einen Doppelnamen und darf schon Kaffee trinken, Christophs Chefin raucht, ist dick und arbeitet kaum, … Anfangs musste ich über diese Begebenheiten noch schmunzeln doch recht schnell wurde es mir dann doch zu viel, und ich hatte das Gefühl, dass kein Klischee ausgelassen wurde.

Der Ausgang des Romans ist außerdem schon recht früh vorhersehbar, was ich ebenfalls etwas schade fand.

Dennoch konnte der Autor mit Wortwitz und sympathischen Protagonisten punkten; besonders der kleine Emil wächst einem schnell ans Herz und man fühlt richtig mit dem Jungen mit.

Fazit:

Das Buch eignet sich gut als kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch, allerdings darf man sich nicht zu viel Tiefgang erwarten.

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Véro

Wenn Eulen (fast) zu Fledermäusen werden…

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Zum Inhalt:

Eine Eulenfamilie sitzt gemütlich auf einem Ast als eine Fledermausfamilie angeflogen kommt. Die Eulenfamilie – allen voran die Eulenmama – beäugt die neuen Nachbarn kritisch, immerhin sind die ganz anders.

Nur die jüngste Eule würde eigentlich ganz gerne mit dem Fledermausjüngsten spielen, trotz des Verbots der Erwachsenen.

Doch dann kommt ein heftiger Sturm aus, der manches verändert…

Meine Meinung:

Marie-Louise Fitzpatrick erzählt in diesem tollen Bilderbuch eine Geschichte vom Anderssein, von Toleranz und von Freundschaft und Hilfsbereitschaft.

Die Bilder kommen mit wenigen Farben aus und sind sehr schlicht gezeichnet. Außerdem verzichtet die Autorin komplett auf jeglichen Text. Dieser ist jedoch auch nicht nötig da die Handlung nicht komplex ist und sich die Gefühle und Gedanken der Eulen und Fledermäuse sehr gut in der Mimik der Tiere erkennen lassen. (Hier schlägt auch mein Lehrerinnenherz sehr hoch! 😍)

Das Buch lädt dazu ein die jungen Betrachter selbst erzählen zu lassen, was wohl in den Eulen und Fledermäusen vorgeht und wie die Geschichte weitergehen könnte.

Zudem zeigt die Geschichte auf ganz einfache Art und Weise, dass es nicht darauf ankommt, wie man aussieht und welche Gewohnheiten man vielleicht hat, sondern dass man in schwierigen Situationen aufeinander zählen kann.

Ein absolut empfehlenswertes Bilderbuch für Klein und Groß!

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Véro

 

Ein gruseliges Erbe

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Zum Inhalt:

Die zwölfjährige Melli zieht mit ihrer Familie von New York in das kleine Nest Kohlfincken um, um dort das Erbe ihrer Urgroßschwiegercoursine Emilie anzutreten.

Die Freudensprünge bleiben jedoch aus, denn das windschiefe Haus von Emilie Bauerfeind macht alles andere als einen vertrauenserweckenden Eindruck. Melli würde am liebsten auf der Stelle zurück nach New York ziehen, doch die finanzielle Lage ihrer Eltern lässt dies nicht zu.

Schnell stellt sich heraus, dass nicht nur bloß ein Teil des geerbten Hauses bewohnbar ist. Überall kracht und knirscht es im Gebälk und die komischen Geräusche, die immer wieder zu hören sind, lassen darauf schließen, dass es in dem alten Haus spukt. Zudem scheint die verstorbene Emilie bei allen Läden im Dorf anschreiben gelassen zu haben und auch beim Notar ist noch eine dicke Rechnung offen.

Und als wäre das alles nicht schon genug, scheint Urgroßschwiegercousine Emilie ein gut gehütetes Geheimnis zu haben… es ist die Rede von einer Pforte und einem italienischen Mädchen, in der Bibliothek stehen seltsame alte Bücher über Spukerscheinungen und überall tauchen Schmetterlingsmotive auf.

Gemeinsam mit dem Nachbarsjungen Hotte macht Melli sich daran, dem Geheimnis von Emilie Bauerfeind auf die Schliche zu kommen.

Meine Meinung:

Schon das Cover hat mir bei diesem Buch außerordentlich gut gefallen. Farb- und Schriftwahl passen hervorragend zu einem Buch, in dem es um Geister, gruselige Geräusche und angsteinflößende Erscheinungen geht. Auch die Protagonisten werden hier sehr gut dargestellt und als Leser freut man sich besonders darauf, den Nachbarjungen Hotte kennenzulernen und zu erfahren, was es mit seiner Ausrüstung auf sich hat.

Der Schreibstil ist recht anspruchsvoll und es werden viele Fachbegriffe benutzt, allerdings liefert der Autor auch zahlreiche Erklärungen, so dass auch die jungen Leser die Handlung und die Hintergründe durchaus verstehen. Zuweilen mögen die Erklärungen bezüglich der paranormalen Geschehnisse vielleicht zu viel Raum einzunehmen, allerdings fand ich gerade diese Erläuterungen sehr interessant und sie liefern wichtige Hinweise für die weitere Handlung.

Die Dialoge sind sehr humorvoll geschrieben und ich musste mehrmals schmunzeln, als ich den einen oder anderen Vergleich oder ein Gespräch zwischen Melli und ihrer Mutter gelesen habe.

Während der Großteil der Handlung aus der Sicht von Meli erzählt wird, schiebt der Autor zwischendurch immer wieder kurze Kapitel ein, die aus der Sicht des Geistermädchens Aurora geschildert werden. Auf dieser Ebene wird eine zusätzliche Spannung aufgebaut, da man als Leser wohl schnell erkennt, dass Aurora die Hilfe von Melli zu benötigen scheint, jedoch weiß man nicht, was es genau mit diesem Geistermädchen auf sich hat.

Der Gruselfaktor in diesem Buch geht hauptsächlich von einer Figur aus, dem „Einäugigen“. Auch hier bleiben die Beweggründe des angsteinflößenden Charakters sehr lange verborgen, allerdings wird sehr schnell deutlich, dass dieses Wesen große Kräfte besitzt und für Melli zu einer echten Gefahr werden kann.

Fran M. Reifenberg versteht es, seine Leser zu fesseln und eine sehr authentische und gruselige Atmosphäre zu schaffen, ohne jedoch zu sehr Angst zu machen. Der Cliffhanger am Ende des Buches und ein Ausblick in die Zukunft von Melli und Hotte schüren zudem die Vorfreude auf den zweiten Band.

Auch die Illustrationen von Fréderic Bertrang sind sehr gelungen. Hierbei handelt es sich um kleine Vignetten am Anfang eines jeden Kapitels. Diese Vignetten sind jedoch sehr gut gewählt und stellen immer einen wichtigen Gegenstand oder Charakter aus dem jeweiligen Kapitel dar.

Mich konnte dieser erste Band der „House of Ghosts“-Reihe überzeugen und ich freue mich bereist auf die Fortsetzung.Wer allerdings einen actiongeladenen Gruselroman erwartet, der wird hier enttäuscht werden.

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Véro

 

Ein Muss für Potter-Fans?

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Zum Inhalt:

19 Jahre sind vergangen … Harry Potter ist inzwischen mit Ginny Weasley verheiratet, Vater von drei Kindern und Angestellter des Zaubereiministeriums. Das mag sich anhören, als sei Ruhe in sein Leben gekehrt, aber dieser Eindruck täuscht.

Während Harrys Narbe wieder zu schmerzen beginnt und seine Vergangenheit ihn einzuholen droht, hat sein Sohn Albus mit der Last zu kämpfen, ein Potter zu sein.

Als die dunklen Schatten der Vergangenheit Harry, seine Familie und seine Freunde dann wirklich einzuholen scheinen, wird deutlich, dass das Böse oft an ganz anderen Orten lauert, als man es vermutet hat.

Meine Meinung:

Ich bin mit sehr gemischten Gefühlen an die Lektüre dieses Buches herangegangen: Vorfreude auf ein Wiedersehen mit den Figuren aus den ersten Harry Potter – Bänden, Neugierde wegen des Schreibstils und Skepsis aufgrund der sehr geteilten Reaktionen, …

Anfangs tat ich mich ein bisschen schwer weil es nun doch schon einige Jahre her ist, seit ich den siebten Band gelesen habe. Der Schreibstil in Form eines Skripts war anfangs doch sehr ungewohnt und ich hatte zudem das Gefühl, dass die Wechsel zwischen den einzelnen Szenen nicht genügend aufeinander abgestimmt waren. Dieses Gefühl legte sich jedoch im Laufe der Lektüre.

Inhaltlich konnte die Geschichte mich überzeugen. Die Handlung ist glaubwürdig und spannend, auch wenn dieser achte Band mit Sicherheit nicht in allen Hinsichten an die Vorgängerbände anknüpfen kann. Dies erklärt sich aber mit Sicherheit schon teilweise durch die Tatsache, dass das Buch als Theaterskript verfasst wurde und auch dadurch, dass die Beschreibungen weitaus weniger detailliert sind.

Die einzelnen Charaktere aus dem Buch haben sich in den vergangenen Jahren natürlich weiterentwickelt. Manche davon vielleicht in eine Richtung, die man so nicht unbedingt erwartet hätte, aber ich fand es eigentlich ganz spannend, diese Entwicklungen zu beobachten und teilweise überrascht zu werden.

Für ein kleines „Plus“ an Magie sorgte bei mir jedoch die Tatsache, dass ich mich beim Lesen sehr oft gefragt habe, wie das alles auf der Bühne umgesetzt wurde und ich werde mir das wohl auch, wenn sich die Gelegenheit irgendwann bieten sollte, selbst ansehen.

Fazit:

Dieser achte Band reiht sich nicht nahtlos in die Reihe der bisherigen sieben Bände ein. Dessen muss man sich bewusst sein, wenn man dieses Buch zur Hand nimmt. Wer sich dann darauf einlässt, wird jedoch gut unterhalten und darf sich auf ein Wiedersehen mit Altbekannten freuen.

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Véro

Tom Hillenbrand lädt zu Tisch

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Zum Inhalt:

Xavier Kieffers Lebensgefährtin Valérie Gabin hat alles, was Rang und Namen hat, zu der Einweihung des neuen Firmensitzes des bekannten „Guide Gabin“ eingeladen. Ein exquisites Menü, ein prominenter Überraschungsgast und eine Ausstellung mit seltenen Ausgaben des Guide Gabin als Exponat: alles ist perfekt vorbereitet. Dennoch kommt es während der Feier zu einem größeren Zwischenfall und bald muss Valérie feststellen, dass die Ausgabe des Guide Gabin von 1939 gestohlen wurde.

Der Luxemburger Koch Xavier Kieffer, der auch zu den geladenen Gästen zählte, stellt Nachforschungen an und es dauert nicht lange, bis das erste Todesopfer zu beklagen ist. Xavier Kieffer lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken und versucht mit allen Mitteln in Erfahrung zu bringen, welches Geheimnis der alte Guide Gabin birgt.

Meine Meinung:

Tom Hillenbrand verbindet in diesem fünften Band seiner Serie um den sympathischen Koch aus Luxemburg Altbewährtes mit neuen Elementen. Während auch in diesem Krimi wieder Kulinarik, Lokalgeschichte und Krimi zu einem spannenden Roman vermischt werden, erzählt der Autor in diesem Band zum ersten mal auf zwei zeitlichen Ebenen. Abwechselnd werden Kieffers Ermittlungen und die Erlebnisse des amerikanischen Soldaten Fisher während des Zweiten Weltkriegs erzählt. Tom Hillenbrand gelingt es, diese beiden Ebenen sehr gekonnt zu verbinden und daraus eine spannende und glaubwürdige Handlung zu stricken.

Leser der ersten vier Bände dürfen sich auch auf ein Wiedersehen mit alten Bekannten freuen: Valérie Gabin, Esteban, Claudine, Pekka Vatanen, François Allégret und auch die Kommissarin Lobato sind auch in diesem Band wieder mit von der Partie. Besonders die Episoden, in denen der selbsternannte Sternekoch Esteban im Mittelpunkt steht, sind Garant für ein vergnügliches Leseerlebnis.

Als Luxemburger kann man sich zudem an den detaillierten Beschreibungen von Land, Leuten und Gerichten erfreuen. Tom Hillenbrand beschreibt mit viel Humor die Eigenarten von Xavier Kieffer und seinen Landsleuten.

Besondere Erwähnung verdient auch die detaillierte Recherchearbeit bezüglich der historischen Ereignisse. Tom Hillenbrand verarbeitet in seinem Roman einen vielleicht weniger thematisierten Aspekt des Zweiten Weltkriegs, der jedoch durchaus interessant ist und Beachtung verdient.

Auch wenn meiner Ansicht nach am Schluss des Romans ein paar kleine Fragen nicht (explizit) beantwortet werden, so verdient dieser kulinarische Krimi dennoch die volle Punktzahl.

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Véro

Thriller mit Gänsehaut-Garantie

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Zum Inhalt:

In Berlin wird eine weibliche Leiche aus der Spree geborgen. Makaberes Detail: der Leiche fehlen die Lippen! Als Albert, der Lebensgefährte der TV-Journalistin Christine Lenève, seine Freundin am Flughafen abholt, erkennt er das Opfer des grausamen Mordes auf den Titelseiten der Zeitungen. Nana, seine ehemalige Hacker-Kollegin, ist tot!

Sofort beginnt Christine, gemeinsam mit Albert, auf eigene Faust zu ermitteln. Schnell ist klar, dass Nana nicht das einzige Opfer des Eismanns ist und dass wohl weitere Opfer zu befürchten sind. Denn der Eismann hat einen Plan, und davon lässt er sich nicht abbringen.

Meine Meinung:

„Das Hospital“ ist der zweite Band aus der Reihe um die Journalistin Christine Lenève. Entgegen meiner Angewohnheit habe ich diesen Thriller gelesen, ohne den ersten Band zu kennen, doch das hat das Lesevergnügen nicht geschmälert.

Oliver Ménard ist ein sehr spannender Thriller gelungen, der einem mehrmals Gänsehautmomente beschert … und die sind nicht nur darauf zurückzuführen, dass wir es hier mit einem Killer zu tun haben, der seine Opfer kühlt, um seinen Plan zu verwirklichen.

Das Motiv des Killers mag einige Klischees bedienen, aber es die gesamte Handlung wirkt in keinster Weise konstruiert oder übertrieben, sondern stets sehr authentisch.

Mit Christine Lenève hat der Autor eine ungewöhnliche Ermittlerin geschaffen, die der Polizei die Stirn bietet und zugleich davon profitiert, dass der Kommissar sich von ihren Recherchen neue Erkenntnisse erhofft. Die toughe Journalistin kennt keine Angst und bringt sich selbst mehrmals in Gefahr. Dennoch ist sie nicht davon abzubringen, den Eismann selbst zu überführen und dessen Plan zu vereiteln.

Mit Albert stellt Oliver Ménard seiner Protagonisten den idealen Partner an die Seite. Obwohl der Mord an Nana ihn persönlich deutlich mehr betrifft, ist er viel besonnener und gelassener und sorgt so für das Gleichgewicht in seiner Beziehung mit der resoluten Journalistin.

Ein weiteres Plus dieses Thrillers ist die Tatsache, dass man immer wieder erkennt wie akribisch der Autor bei seiner Recherchearbeit vorgegangen ist. Jedes einzelne Element passt, so haarsträubend oder abstoßend es auch sein mag.

Auch die ständig wechselnden Perspektiven und der tolle Schreibstil sorgen dafür, dass die Spannung aufrecht erhalten bleibt. Die gesamte Handlung ist sehr geschickt aufgebaut und die Identität des Mörder bleibt wohl den meisten Lesern bis ganz zum Schluss verborgen.

Oliver Ménard gehört fortan definitiv zu den Autoren, bei denen ich sehnsüchtig auf das Erscheinen des nächsten Buchs warten werde.

Von mir gibt es 5 Papierblumen und eine absolute Leseempfehlung!

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Véro

Umwoben von der Vergangenheit

Zu lieben bedeutet zu fürchten. Du ängstigst dich, bist starr vor Sorgen, dass denen, die du liebst, etwas zustoßen könnte. Denk nur an die Möglichkeiten. Zieht sich dein Herz mit jedem Schlag zusammen? Das, mein Freund, ist Liebe. Sie macht uns alle zu Sklaven, denn es gibt keine Liebe ohne Furcht. – Private Ansichten über die Liebschaften dreier Könige von Baronin Sammarco“ (S.295)

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Vor einigen Jahren brach eine schreckliche Krankheit aus. Viele der Kinder, die die Krankheit überlebten, sind für ihr Leben gezeichnet und werden von der Gesellschaft verstoßen.
Auch das schwarze Haar von Adelina Amouteru, der Tochter eines reichen Kaufmanns, verfärbt sich in der Nacht plötzlich silbern. Und so ist auch sie gezeichnet.
Aber das Blutfieber hat ihr nicht nur eine strahlende Zukunft genommen, sondern auch übernatürliche Kräfte verliehen. Und Adelina ist nicht die Einzige.
Die Gemeinschaft der Dolche wird vom König gejagt und gefürchtet, denn mit ihren unerklärlichen Fähigkeiten sind sie imstande, ihn vom Thron zu stürzen. Doch dazu benötigen sie Adelinas Hilfe…

Mit Spannung habe ich auf die neue Reihe von Marie Lu („Legend“-Trilogie) gewartet und wurde nicht enttäuscht. Wenn man in „Young Elites – Die Gemeinschaft der Dolche“ etwas findet, dann ist das auf jeden Fall Spannung, verbunden mit einem ereignisreichen Handlungsverlauf, der einen in den richtigen Momenten fesselt, schockiert, aber auch gleichzeitig verärgert, da man durchaus in einigen Lesemomenten die Entscheidungen der Protagonistin kritisieren möchte.

Insbesondere die ersten hundert Seiten konnten mich begeistern. In einem mitreißendem Handlungsaufbau erfahren wir einiges von Adelina Amouteru, der Protagonistin dieses (Fantasie-) Jugendromans. Aber der Leser erhält nicht nur Informationen über ihre persönliche Vergangenheit, sondern ebenso einen Zugang zu der hier von Marie Lu neu konstruierten Welt.
Zusammen mit Adelina befindet man sich in den Seelanden, im Südosten von Kenettra. Visuell unterstützt wird dies durch eine im Buch enthaltende geografische Karte, die ich für die Verortung der Handlung durchaus hilfreich empfand.

Adelina Amouteru ist eine ungeschliffene Protagonistin, die sowohl äußerlich, als auch innerlich „gezeichnet“ ist. Sie und ihre Schwester erkrankten einst am Blutfieber, welches nur Kinder überlebten. Während ihre Schwester unbeschadet genesen konnte, verfärbte sich Adelinas Haar über Nacht. Ein Zeichen, welches für jeden sichtbar ist und durch welches sie von der Gesellschaft abwertend behandelt wird.
Ihre Schwester ist ihr der wohl wichtigste Mensch, doch ebenso ist Adelina von Neid und Eifersucht befallen, wenn sie diese im Umgang mit ihrem Vater betrachtet. Während sie auf Händen getragen wird, schlägt Adelina der tägliche Hass ihres Vaters entgegen.
Für das Verständnis von ihrem Charakter ist dieser Blick auf die Ereignisse der Vergangenheit gelungen und keineswegs langatmig, sondern Marie Lu hat diese Rückblicke interessant in den Handlungsverlauf eingeflochten.

Ebenso spannend gestaltet sich die Entdeckung der Strukturen in der Gemeinschaft der Dolche. Wie bereits erwähnt sind einige der Kinder, die das Blutfieber überlebten gezeichnet und werden als „Malfettos“ bezeichnet. Einige von ihnen besitzen darüber hinaus aber auch übernatürliche Fähigkeiten und haben sich zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen, die ein bestimmtes Ziel verfolgt.

„Die Dolche hatten nach dem Blutfieber weitaus tiefere Narben davongetragen als ich – furchterregende Kräfte, die nicht von dieser Welt waren. […] Es hieß, dass sie aus dem Nichts Feuer heraufbeschwören konnten. Den Wind beherrschen. Wilde Tiere zähmen. Unsichtbar werden. Mit einem einzigen Blick töten.“ (S. 16)

Allen voran Enzo und Raffaele. Beide ebenso interessante Charaktere, mit unterschiedlichen Geschichten, die ebenfalls genügend Zündstoff für den Handlungsverlauf liefern. Einige Kapitel sind sowohl aus Adelinas, als auch aus Enzos und Raffaeles Sicht geschrieben. Es taucht aber auch noch ein vierter Charakter auf: Teren Santoro. Er ist der Anführer der Inquisition des Königs, die aktiv gegen die Dolche vorgeht.
Diese verschiedenen Perspektiven ergänzen sich gegenseitig und liefern einen guten Rundblick auf die Handlung. Ebenso gerät der Leser hierdurch in eine verzwickte Lage. Man kann sich nicht sicher sein: Wer verfolgt hier gute Absichten und wer agiert böse? Wem kann Adelina vertrauen? Die Grenzen verschwimmen und Marie Lu spielt hier gelungen mit diesem Muster.

Der Schreibstil der Autorin hat mir erneut gut gefallen. Zu Anfang war er mir persönlich noch etwas verschnörkelt…

„Der Duft der Blumen erfüllt meine Gedanken mit seiner schweren Süße.“ (S.54)

doch derartige Stellen verlieren sich über die Seiten hinweg und erdrücken keinesfalls den Lesegenuss.

Ebenfalls beschreibt sie zu Beginn der Handlung die Welt in der sich Adelina bewegt wirklich gut. Aber diesen Punkt verliert Marie Lu irgendwann aus den Augen.
Die Handlung, um Adelina und die Dolche, steht dominant im Vordergrund (was natürlich nicht unbedingt schlecht ist), so dass die hier entworfene Welt nur noch als ein Schatten wahrgenommen wird. Dennoch hat mir die Atmosphäre und die Schauplätze – welche an ein Italien zur Zeit der Renaissance erinnern – gut gefallen. Aber die Autorin verschenkt hier ebenso Potenzial.

Eine besonders wichtige Rolle spielt in diesem Buch die Gefühlswelt der Protagonistin. Wie sieht es in ihrem Verstand aus? Um Adelina und ihre Handlungen nachzuvollziehen hat Marie Lu sich daher an einer personalen Ich-Erzählerstimme bedient.

„Mein Stolz beginnt sich zu regen, verdrängt meine Trauer, verschmilzt mit meiner Wut, meinem Hass und meiner Angst, meiner Leidenschaft und meiner Neugier. Die flüsternden Stimmen, die knapp außerhalb meiner Reichweite lauern, schlängeln sich an die Oberfläche und recken ihre langen, knochigen Finger gierig nach der Freiheit […].“ (S. 390)

Der Leser taucht hierdurch tief in ihre emotionale Welt ein und versucht dadurch ihre Handlungen nachzuvollziehen. Was nicht immer gelingt…
Zwischendurch flackern ebenso Beschreibungen von ihrem Vater auf und dieser Punkt hat mich persönlich irgendwann gestört. Zwar ist das einweben der Ereignisse aus der Vergangenheit durchaus gelungen, doch ein aus dem nichts aufflackernder Vater in ihrer Gedankenwelt hat mich zunehmend irritiert und an meiner Konzentration genagt. Irgendwann wurde es mir zu viel und ich war genervt von dieser Überlagerung.

Wer ist Freund? Wer ist der Feind? Welchen Charakteren kann man trauen?
Mit diesen Fragen spielt Marie Lu gekonnt und ebenso entdeckt man in der Protagonistin bösartige Züge und misstraut auch ihr. Einige ihrer Entscheidungen lassen sich diskutieren und wühlen den Leser durchaus auch auf. Dies trägt aber auch zu einem spannenden Handlungsverlauf bei, der gerade zu Beginn eine Hochphase erlebt, sich dann jedoch ein wenig verläuft. Die Handlung kommt dennoch nicht entgültig zum Stillstand, sondern auf den letzen Seiten wird man erneut gepackt und dabei kräftig durchgeschüttelt.
Doch weil ich mich mit einigen Punkten in dem Buch nicht anfreunden konnte und einige Schwachstellen entdeckt habe, bekommt „Young Elites – Die Gemeinschaft der Dolche“ von mir 3,5 Papierblumen.  NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Bonny

Hinter den Bergen …

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Zum Inhalt:

Die beiden Riesen Pelinka und Satlasch sind die beiden letzten ihrer Art und leben in den Prikopa-Bergen in einer einsamen Hütte.
Einige Täler weiter leben die beiden Riesinnen Ariane und Amanda – ebenfalls die letzten ihrer Art.

Pelinka und Satlasch träumen schon lange davon, die beiden Riesinnen zu besuchen und sich zu verlieben.

Als sie schlussendlich genügend Geld zusammenhaben, um sich ein Moped anfertigen zu lassen, kann sie nichts mehr halten und sie machen sich auf den Weg in den „Hintersten Winkel“.

Allerdings verläuft diese Reise etwas anders als geplant.

Meine Meinung:

Ich hatte mir dieses Buch wesentlich harmonischer vorgestellt, da ich davon ausging, dass die „Liebesgeschichte“ und die Gefühle der beiden Riesen im Mittelpunkt stehen würden.

Dem ist jedoch nicht so, da viel mehr der Weg zu den beiden Riesinnen im Mittelpunkt steht und der erweist sich als recht beschwerlich: Benzin wird geklaut, Zwerge werden „gequält“ und es kommt zu handfesten Prügeleien.

Die Autorin schafft es wohl, die negativen Charakterzüge ein wenig zu relativieren indem sie dem teilweise recht brutal daherkommenden Satlasch den wesentlich liebenswürdigeren Pelinka zur Seite stellt. Dennoch wird das negative Verhalten des Riesen Satlasch nicht geahndet und auch nur ansatzweise in Frage gestellt. Denn obschon Pelinka nicht mit jeder Entscheidung Satlasch einverstanden ist und Satlasch Pelinka zuweilen regelrecht hinters Licht führt, schafft Stalasch es dennoch immer wieder seinen Willen durchzusetzen, um ans Ziel zu kommen.

Auch der Racheplan der Zwerge kommt nicht ganz ohne „illegale Machenschaften“ aus, was ich dann doch sehr schade finde.

Ich hätte mir insgesamt etwas mehr Harmonie gewünscht: vielleicht wären die Zwerge bereit gewesen, den Riesen zu helfen, wenn die beiden versucht hätten das Zwergenvolk zu überreden. Vielleicht hätte es Pelinka und Satlasch auch gelingen können, den Menschen die Angst vor ihnen zu nehmen und auf diese Weise Hilfe zu erhalten.

Schlussendlich hätte ich mir auch gewünscht, dass der Schluss etwas mehr ausgebaut wird.

Fazit: Das Buch hat sich sehr gut gelesen, jedoch wird es wohl für manch jungen Leser wichtig sein, das Gelesene anschließend zu thematisieren und zu reflektieren.

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Véro