New York, 2118

„Die raumhohen Fenster wirkten wie Vierecke aus samtener Dunkelheit, obwohl in der Ferne bereits langsam die Sonne aufging und die Skyline in ein ockerfarbenes, blassrosa leuchtendes und sanft schimmerndes Gold tauchte.“ (S. 7)IMG_3316.jpg

Wo einst der Central Park den Bewohnern von Manhattan einen grünen Rückzugsort bot, steht in der Zukunft der höchste Wolkenkratzer der Welt. Hier leben die Reichen oben und die Armen unten, während sich ein beinahe endloser Schatten über die einst angesagtesten Stadtteile von New York legt. Doch auch im inneren des Towers legt sich eine gewisse Dunkelheit aus Intrigen, Lügen und Geheimnissen über die Menschen…

Im Mittelpunkt der Handlung stehen fünf junge Menschen.

Avery. Ihr liegt im wahrsten Sinne des Wortes die Welt zu Füßen, denn sie wohnt im obersten Stockwerk des Towers. Ihr Leben könnte nicht perfekter sein, doch ihre Gefühle für ihren Stiefbruder drohen alles ins Wanken zu bringen.

Denn ihre beste Freundin Leda hat ebenfalls Gefühle für Averys Bruder (Atlas). Zwei beste Freundinnen, die in den gleichen Jungen verliebt sind bieten genügend Zündstoff für einen Roman, doch es kommt ebenfalls noch hinzu, dass Leda kein unbeschriebenes Blatt ist. Sie ist ehrgeizig, manipulativ und impulsiv. Für ihre Ziele nimmt sie alles in Kauf, selbst wenn sich dabei ihre beste Freundin in den Weg stellt.

Eris hingegen hat ganz andere Sorgen. Als ein Familiengeheimnis das Tageslicht erreicht, muss sie ein neues Leben in den untersten Stockwerken des Towers beginnen. Doch es ist gar nicht so leicht diese neue Situation vor ihren alten Freunden geheim zu halten. Erst recht nicht, als sich eine neue Freundin in ihre Leben schleicht und Eris sich selbst immer besser kennenlernt.

In den unteren Stockwerken leben aber auch noch zwei weitere spannende Charaktere.

Watt. Ein Nerd könnte man meinen, wenn man den genialen Hacker in ihm entdeckt. Doch er nutzt seinen Zugang zu verschlüsselten Informationen und versteckt sich keineswegs in einer dunklen Kammer. Als er in die Welt der Schönen und Reichen gezogen wird, muss er jedoch den Verlust seines Herzens in Kauf nehmen.

Und auch Rylin gerät in den Sog der Schönen und Reichen. Sie jobbt als Dienstmädchen auf den schillernden Partys der oberen Schicht. Doch als sie ihren Arbeitgeber (Cord) immer besser kennenlernt, holt ihre Vergangenheit – ihr Leben – sie ein und droht alles zu zerbrechen.

Und um was geht es jetzt genau?

Nun, in „Beautiful Liars“ geht es um genau diese oben aufgeführten Personen und ihr Leben im Tower. Das Besondere hierbei ist das unaufhaltsame Netz aus persönlichen Sorgen und Problemen, welches hier gestrickt wird und in Geheimnisse münden und zu Lügen verleiten, die die Charaktere bis zur letzten Seite verfolgen und zu Entscheidungen zwingen, die zu einem Ereignis in der Zukunft führen, welches ihr aller Leben verändern und vielleicht sogar zerstören wird.

Begleitet wird die spannende Handlung durch eine gelungene, eindringliche und bildhafte Sprache, die bei mir gleich zu Beginn eine sogartige Wirkung entfacht hat. Die Übersetzung fand ich gelungen, auch wenn ich die Originalausgabe nicht zum Vergleich herangezogen habe.

Zu Beginn konnte mich das Buch fesseln, auch wenn man direkt ins kalte Wasser – bestehend aus sehr vielen Informationen und Namen – geworfen wird. Ein fast schon melancholischer Prolog lässt schlimmes erahnen, bevor man in die Haupthandlung eintaucht.
Man beobachtet die Handlung aus der (Er-/Sie- Erzähler) Sicht der fünf oben erwähnten Personen. Die Kapitel sind relativ kurz gehalten und knüpfen aneinander an. Die Handlung wird nicht wiederholt, auch wenn zum Beispiel Leda und Avery aufeinandertreffen. Stattdessen erfährt man von ihren Eindrücken, persönlichen Meinungen zu den Personen, die Wirkung ihres Auftretens und kann dadurch auch die Reaktionen der Charaktere anders betrachten. Schließlich weiß man mehr als die Charaktere und kann die verschiedenen Absichten anders nachvollziehen.

Es war sehr spannend die Verknüpfung zwischen den Personen zu entdecken, denn dies ist eine der großen Besonderheiten in dem Buch. Alles und jeder ist irgendwie miteinander verbunden und das wirkt keineswegs erzwungen, sondern die Autorin hat hier ein realistisches Gewebe entstehen lassen.

Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat war der wirklich gelungene Ausbau der technisierten Welt. Der Central Park ist vollkommen verschwunden und im Tower selbst wird zwar von Apartments gesprochen, doch diese lassen sich nur im oberen Teil des Wolkenkratzers finden. Gleichzeitig gibt es große Straßen in dem Gebäude selbst, mit Parkanlagen etc.
Zu Anfang fand ich es noch schwer ein Gefühl für die Größe des Towers zu bekommen, doch es ist wirklich ein gelungener Schauplatz für die Handlung. Zu Anfang hatte ich sogar kurz das Gefühl die Autorin verliert sich in der imposanten Beschreibung der Umgebung, aber sie schafft es dann doch noch einen Umschwung zu erwirken.

Mikroantennen (Kopfhörer), Augmented-Reality Spiele in einer ARena, Drogen, die passend auf einen zugeschnitten werden, wenn man das passende Kleingeld besitzt oder auch Erfindungen unsere Gegenwart, wie z.B. der 3D- Drucker werden modifiziert. Die Autorin hat sich wirklich Gedanken gemacht, wozu man sie in der Zukunft benötigen könnte und dementsprechend eingesetzt. Ich fand es total faszinierend und raffiniert durchdacht. Außerdem hat sie Themen, wie Freizeit, Sport, Gesundheit und den Umgang der Menschen in der Gesellschaft miteinander (Kommunikation) an die Zukunft angepasst und man merkt einfach, wie viel Herzblut da verarbeitet wurde.

Auf mehr als fünfhundert Seiten wird hier eine wirklich interessante Zukunft gestaltet, die die Bühne für eine Handvoll junger Menschen eröffnet, deren Leben und Lügen miteinander verwoben sind. Sie selbst sind sich dessen gar nicht bewusst, während der Leser sie beobachtetet und über die Seiten hinweg nur erahnen kann, was am Ende passiert.
Die Autorin zeigt hier einen Freundeskreis, der wohl oberflächlicher nicht sein könnte und quasi zum scheitern verurteilt ist. Der Leser bekommt ein gelungenes Gewebe aufgezeigt, doch desto mehr Charaktere auftauchen, desto weniger Personen wünscht man sich für die Handlung, da es bei den Freundschaften zueinander an Tiefe fehlt. Es gibt zwar einen Zusammenhang, doch dieser ist labil dargestellt und die Charaktere agieren wenig miteinander. Stattdessen sind die einzelnen Charaktere Helden ihrer eigenen kleinen Welt und erst am Ende wird aus allem ein großes Ganzes. Schade, wie ich finde, denn dadurch erschien mir die Handlung manchmal zu steril und kalt. Dennoch erschien mir das Buch sehr gelungen konstruiert und die bildhafte Sprache hat mir einen gelungen Blick auf die Zukunft ermöglicht!

Ich freue mich nun auf den zweiten Teil (Erscheinungstermin: 01.07.2018), denn „Beautiful Liars – Verbotene Gefühle“ ist der Beginn einer Trilogie.

Von mir gibt es vier Papierblumen.NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Bonny
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Bekannte Märchen, neu erzählt

Die Märchen von Rotkäppchen und den sieben Geißlein kennt wohl fast jeder. Die beiden Märchenadapationen, die ich euch heute vorstellen möchte, kennen hingegen viele (noch) nicht …

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Beide Bilderbücher von Sebastian Meschenmoser haben eines gemeinsam: Der Ausgang der jeweiligen Geschichte hat mit der Originalversion nicht mehr viel zu tun. Während die altbekannten Versionen der GebrüderGrimm in der Person des Wolfs einen „Bösewicht“ als zentrale Figur haben, verwendet der Autor hier den Humor als Hauptzutat und ringt dem (Vor-)Leser mehr als einmal ein Schmunzeln oder lautes Lachen ab.

All jene „Märchenkritiker“, die ihren Kindern nur ungern die Geschichten von Rotkäppchen, Schneewittchen oder Rapunzel vorlesen, weil sie befürchten, der Wolf oder die Hexe könnte die kleinen Zuhörer verängstigen, können diese beiden Bilderbücher bedenkenlos einsetzen. Niemand wird vergiftet, getötet, gefressen … oder kommt sonstwie zu Schaden.

Als Märchenliebhaberin plädiere ich allerdings nicht dafür, diese Märchenadaptationen als Ersatz für die Originale einzusetzen, sonderm sie vielmehr als „Ergänzung“ zu betrachten, die vielleicht auch dazu anregen können, der Fantasie ihren freien Lauf zu lassen und andere Märchen umzuwandeln oder noch andere Versionen zu erfinden.

Da die beiden Werke von Sebastian Meschenmoser meiner Ansicht nach doch recht unterschiedlich sind, möchte ich hier einen kurzen Eindruck vermitteln:

  • Rotkäppchen hat keine Lust

Frühmorgens erwacht der Wolf mit knurrendem Magen in seiner Höhle. Er fühlt sich einsam und bitter. Und weil schon seine Großmutter immer gesagt hat: „Wenn du dich einmal bitter fühlst, friss ein süßes Kind. Das hilft immer!“, macht er sich kurzerhand auf den Weg in den Wald.

Lange muss er nicht warten, bis ihm das Rotkäppchen über den Weg läuft. Allerdings ist dessen Laune alles andere als gut: Das Mädchen soll zu seiner Großmutter, weil diese Geburtstag hat. Dabei würde es seinen Sonntag viel lieber anders verbringen, als der Großmutter ihre lustlos ausgewählten Geschenke zu bringen und sich langweilige Fotoalben ansehen zu müssen.

Der Wolf wittert seine Chance: Um einen Geburtstag zu feiern, braucht man einen Kuchen! Und Wein! Und einen Blumenstrauß! Und während der Wolf in den Vorbereitungen für den Besuch bei der Großmutter richtig aufblüht, wird Rotkäppchens Laune immer schlechter.

Auch der eigentliche Besuch bei der Großmutter verläuft ganz anders, als man es als Leser vermuten würde… Aber das soll jeder selbst entdecken! 😉

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  • Die verflixten sieben Geißlein

Auch in diesem Buch ist die Handlung zu Beginn an das Original angelehnt, weicht jedoch dann stark ab.

Der Plan des Wolfes ist es, sich als Ziegenmutter zu verkleiden, von den Geißlein ins Haus gelassen zu werden und dann eines nach dem anderen aufzufressen. Allerdings hat er die Rechnung ohne die Geißlein und deren Unordnung gemacht: Kaum hat der Wolf das Haus betreten, stolpert er über einen herumliegenden Ball, fällt hin und findet sich inmitten eines riesigen Chaos wieder.

Sebastian Meschenmoser zeigt uns diese gewaltige Unordnung auf einer Doppelseite (ohne Text), die jedes Wimmelbuch in den Schatten stellt. Überall liegen Dinge herum, sind Möbel umgefallen und stapelt sich Dreck. Und irgendwo in diesem ganzen Chaos verstecken sich die sieben Geißlein.

Schnell ist dem Wolf klar: hier muss für Ordnung gesorgt werden. Also macht er sich ans Aufräumen, denn wenn alles an seinem Platz liegt, gibt es keine Verstecke mehr für die Zicklein. Doch kaum ist das Wohnzimmer aufgeräumt, laufen die verflixten sieben Geißlein davon und verstecken sich … 

… in der Küche! Auch hier herrscht das Chaos. Überall liegen Essenreste rum und das schmutzige Geschirr stapelt sich. Es hilft alles nichts: auch hier muss aufgeräumt werden. Doch auch im ersten Stock gibt es noch Zimmer, die so manches Versteck bieten.

Als der Wolf dann endlich überall aufgeräumt hat und die Geißlein kein geeignetes Versteck mehr finden, geht die Tür auf, und die Ziegenmütter kommtmit ihren Einkäufen nach Hause, mit den Schweinen aus der Nachbarschaft im Schlepptau.

Welches Schicksal dem Wolf nun blüht, werde ich an dieser Stelle allerdings nicht verraten. 

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Erwähnenswert sind auch die Illustrationen in den beiden Büchern. Ich war anfangs echt skeptisch, da Aquarellzeichnung nur selten nach meinem Geschmack sind, allerdings machen diese in beiden Fällen das Buch zu einem Gesamtkunstwerk. Besonders die doppelseitigen Illustrationen im Buch der sieben Geißlein sind eine wahre Freude, da es hier unglaublich viel zu entdecken gibt und es einen Heidenspaß bereitet, die Zicklein in dem ganzen Durcheinander zu finden.

Es lohnt sich auch in beiden Büchern den Vorsatz etwas genauer zu betrachten… Auf diesen Seiten wird bereits zur eigenen Geschichte hingeleitet. Dies geschieht jedoch auf eine Art und Weise, die den Leser dazu veranlaßt, Vermutungen anzustellen, was wohl im Laufe der Handlung passieren könnte.

Beide Bücher sind für mich die Entdeckung meines Lesejahres in der Kategorie Bilderbuch und ich hoffe inständig, dass es weitere Märchenadaptationen von Sebastian Menschenmoser geben wird!

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Véro

Ich bin …

Ich bin ... Reihe

(Achtung! Diese Rezension umfasst die komplette Serie von Ethan Cross und kann demnach Spoiler enthalten.)

Agent Marcus Ackerman und sein Team jagen im Auftrag der strenggeheimen Shepard-Organisation die schlimmsten Bestien unserer Zeit: Serienmörder, Psychopathen und geisteskranke Gewalttäter. Ein nervenzehrender Job, der die Agenten mehr als einmal an ihre körperlichen und seelischen Grenzen treibt. Hinzu kommt noch der „außergewöhnliche“ Stammbaum von Marcus Ackerman. Denn ausgerechnet sein Vater ist ein schrecklicher Sadist und Serienmörder, der seinen Bruder solange folterte, bis auch dieser sich in eine mordende Bestie verwandelte…

Meine Meinung zu der Serie:

Ich entdeckte diese Serie mit Band 4 „Ich bin der Zorn“, also als Quereinsteiger. Dies störte mich keinesfalls, allerdings empfehle ich interessierten Lesern, mit Band 1 zu beginnen, da die Handlung sich im Laufe der Bücher immer weiter aufbaut.

Ethan Cross besticht durchgehend mit einem sehr angenehmen, spannenden Schreibstil, der den Leser sofort in seinen Bann zieht. Die Handlung wird rasant vorangetrieben und bringt den Leser dazu, die Bücher regelrecht zu verschlingen.

Die handelnden Ermittler werden sehr menschlich dargestellt, mit vielen Ecken und Kanten. Sie alle haben eine schwere Vergangenheit und haben sich dadurch für die Shepard-Organisation ausgezeichnet. Ihre erlebten Traumata haben sie stärker gemacht und führten dazu, dass sie im Leben nichts mehr zu verlieren haben. Das macht sie zu idealen Mitgliedern der Shepard-Organisation, jenem geheimen Organ des FBI, das sich über die Gesetze erheben darf, um Serienmörder ihrer Strafe zuzuführen. Besonders Marcus Ackerman kämpft gegen seine inneren Dämonen und scheint an der Last seiner Vergangenheit beinahe zu zerbrechen.

Ihr jeweiliger Gegenpart, allen voran der berüchtigte Serienmörder Francis Ackerman Jr., verlangt den Ermittlern alles ab. Er liebt es, Menschen Schmerz zu bereiten und daher sind die Bücher von Ethan Cross wirklich nichts für schwache Nerven. Dennoch schafft der Autor es, diesen so sadistisch veranlagten Mörder sympathisch erscheinen zu lassen. Die Rolle des Ackerman Junior finde ich persönlich sehr faszinierend, da ich mich immer wieder fragte, ob diese Bestie sich wirklich „zähmen“ lassen wird oder nur auf eigene Rechnung spielt. Schließlich ist er ein Meister der Täuschung und denkt wohl vor allem an sein eigenes Wohl. Die Einblicke in seine Psyche finde ich wirklich äußerst spannend, denn ich mag diesen psychologischen Aspekt sehr gerne bei Thrillern.

Ethan Cross schafft in jedem Band sehr starke Persönlichkeiten, die das Buch auf ihren Schultern tragen. Allerdings hoffe ich, dass der Autor sich in dem demnächst erscheinenden Buch „Ich bin der Hass“ von seinem Lieblingsfeindbild Francis Ackerman Jr. loslösen kann und uns einen Gegenspieler serviert, der nichts mit der Familie Ackerman zu tun hat. Zumindest endete Teil 4 in dieser Hinsicht sehr vielversprechend, denn scheinbar tun die beiden Brüder sich zusammen um eine Gruppe Mörder zu entlarven.

Ich bin sehr gespannt, wie es in Band 5 weitergehen wird und kann diese Reihe guten Gewissens weiterempfehlen. Sie ist vielleicht ein bisschen vergleichbar mit der „Post Mortem“ – Serie, nicht nur was den Stellenwert der Familie angeht, sondern auch die Schilderung der Gewalttaten betreffend.

Im Schnitt vergebe ich der Serie 4 Papierblumen! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

Praxis trifft auf Theorie

Tiefe NarbeSeit kurzem arbeitet der junge Ermittler Max Bischoff bei der Mordkommission in Düsseldorf. Sein Partner ist der wesentlich ältere Horst Böhmer, der Bischoffs fortschrittliche Ermittlungswege und seine Kenntnisse im Profiling äußerst kritisch beäugt. Doch als eines Tages ein blutverschmierter, verwirrter Journalist auf dem Revier auftaucht, stecken Böhmer und Bischoff schon nach kurzer Zeit Hals über Kopf in einem atemraubenden Fall! Also raufen die beiden Polizisten sich zusammen, schließlich müssen sie einem überaus grausamen Serienmörder das Handwerk legen. Wird es dem ungleichen Duo gelingen, gemeinsam den Täter zu stellen?

Da ich bisher noch nicht so viele Bücher von Arno Strobel gelesen habe, wusste ich nicht so genau, was mich erwarten würde. Schlussendlich kann ich sagen, dass «Tiefe Narbe» ein solider Krimi ist, der dem gängigen Schema folgt. Der Schreibstil des Autors ist angenehm zu lesen und hält die Spannung hoch. Die Kapitel waren überschaubar und endeten oft mit einem Cliffhanger, sodass ich das Buch kaum aus den Händen legen konnte.

Die Handlung ist fesselnd und zieht den Leser in ihren Bann. Das Buch lässt einen kaum zu Atem kommen. Den Kommissaren und dem Leser wird kein Moment der Ruhe gegönnt, denn der Täter scheint ihnen immer mindestens einen Schritt voraus zu sein! Der Autor versteht es, die Geschichte stetig voranzutreiben und verleitet immer wieder zu falschen Mutmaßungen und Schlüssen. Es gibt viele überraschende Wendungen und es gelingt Arno Strobel, das Rätselraten um die Identität des Mörders fast bis zum Schluss aufrecht zu halten.

Die handelnden Personen sind eher stereotypisch gezeichnet und bleiben leider recht oberflächlich. Das Buch lebt von dem diametralen Gegensatz der beiden Ermittler: Horst Böhmer ist der erfahrene, bodenständige Ermittler, der die Praxis über die Theorie stellt. Max Bischoff hingegen ist das genaue Gegenteil: jung, Überflieger an der Universität mit viel theoretischem Wissen, aber ohne wirkliche Berufserfahrung. Böhmer belächelt Bischoffs Täterprofil, letzterer wirkt auf mich teilweise aber auch recht besserwisserisch, fast schon überheblich. Die Darstellung von Horst Böhmer erschien mir sehr überspitzt, wurde er mir doch besonders zu Beginn zu sehr auf den etwas tölpelhaften, rückständigen Polizisten reduziert. Max Bischoff hingegen erschien anfangs zu glatt, im weiteren Verlauf des Buches verlor er jedoch mehr und mehr die Beherrschung. Die Mordermittlung und besonders Bischoffs private Verwicklung bringen das ungleiche Duo jedoch näher zusammen.

Die Einblicke in die Psyche des Täters sind sowohl abstoßend als auch faszinierend, zeigen sie doch in welchem Ausmaß der Täter die Brutalität und die Grausamkeit seiner Taten leugnet. Besonders zu seinem ersten Opfer baut er eine krankhafte Bindung auf und seine Schilderungen klingen eher wie Liebesbekundungen, wenn da nicht diese kleinen, grausamen Details wären.

«Du liegst in meinen Armen, so dicht an mir, dass unsere Haut sich überall berührt. Ich halte dich, drücke dich immer wieder an mich und wünschte, wir könnten bis in alle Ewigkeit so liegen bleiben.» (S.7)

Er ist überzeugt davon, dass die Frauen sein Empfinden mit ihm teilen, er deutet ihre Schmerzensschreie ja sogar als Ausdruck ihrer Erregtheit. In seinem Wahn glaubt er sogar, dass er für die Frauen sorgt, sich um sie kümmert und ihnen ein behagliches Zuhause einrichtet.

«Ich habe dir ein Bett besorgt, das Fenster von innen zugemauert und die Wände mit schallisolierendem Material verkleidet, damit du nicht durch Geräusche von außen gestört wirst». (S.359)

Die Handlung an sich ist teilweise recht brutal, denn die Verletzungen die den Opfern zugefügt wurden, sind nicht ohne. Der Autor spart nicht an grausigen Details, daher ist dieses Buch nichts für Einsteiger in das Genre Krimi & Thriller.

Alles in allem ist das Buch ein gelungener Auftakt einer neuen Trilogie und bietet eine packende Lektüre nach bewährtem Krimi-Prinzip!

Ich vergebe 4 Papierblumen! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

Duell der Genies!

Verdächtige GeliebteDramatische Ereignisse führen dazu, dass Yasuko ihren Ex-Ehemann tötet. Ihre Tochter hilft ihr mehr oder weniger aktiv bei der Tat und daher steht für die Mutter schnell fest, dass sie unmöglich die Polizei einschalten kann. Schließlich erhält sie Hilfe von unerwarteter Seite: Ihr Nachbar, seinerseits ein Genie auf dem Gebiet der Mathematik, verhilft ihr zu einem möglich perfekten Alibi und fingiert den Tathergang so, dass Yasuko schuldlos davonkommen sollte. Wird diese Verschleierungstaktik aufgehen oder kommt die Polizei doch noch auf die richtige Spur?

Der Schreibstil des Autors ist flüssig und leicht zu lesen, allerdings erscheint mir die Sprache an manchen Stellen etwas arm zu sein. Vielleicht liegt das aber auch an der Übersetzung, die möglicherweise nicht alle feinen Nuancen berücksichtigt. Der Einstieg in das Buch ist mir leichtgefallen und die japanischen Namen verwirrten mich nur kurz, da ich mich doch recht schnell daran gewöhnte. Die Handlung beginnt sofort sehr spannend, flachte dann jedoch zusehends ab und vor allem im Mittelteil gab es zu viele Wiederholungen. Erst gegen Ende konnte das Buch mich wieder fesseln und überraschen! Denn der Schluss hat es wirklich in sich!

Yasuko und ihre Tochter sind sehr sympathisch dargestellt und ich kann ihre Abscheu gegenüber des Toten zu jedem Moment nachvollziehen. Die Beobachtungsgabe des Mathematiklehrers ist zweifellos überragend und mich streifte am Anfang der Gedanke, ob er nicht vielleicht leicht autistische Züge aufweist. Er ist ein sehr analytischer Geist, versucht alles mit blanker Logik zu erklären und betrachtet den Mord als ein Problem, für das es eine Lösung gibt. Er scheint einen Plan zu haben und will diesen auch umsetzen.

Sein Gegenspieler auf Seiten der Polizei ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Physik und kann intellektuell mit Ishigami mithalten. So entsteht ein verbales Duell zwischen befreundeten Genies, bei dem jedes Wort eine besondere Intensität und Bedeutung erfährt. Diese Interaktionen stellen auch den Mittelpunkt des Buches dar, denn schnell wird klar, dass nur Yukawa die Fähigkeiten besitzt, den Plan des Lehrers zu entlarven.

Obwohl ihre Wortgefechte interessant waren, stellen sie für mich doch auch einen wesentlichen Kritikpunkt des Buches dar. Es gibt eine ganze Reihe Krimis, bei denen man als Leser sofort weiß, wer der Täter ist. Diese Idee ist also nicht neu und kann richtig umgesetzt genauso spannend sein wie das Szenario mit einem unbekannten Täter. Denn auch solche Bücher können immer noch die Kriterien eines Krimis erfüllen. Dies war hier in meinen Augen nicht der Fall. Denn die meisten typischen Krimielemente traten hier kaum oder nur sehr sporadisch zum Vorschein. Polizeiliche Ermittlungen gab es eigentlich gar nicht, denn der ganze Fall wurde durch die Denkspiele des Physikers vorangetrieben. Dies störte mich teilweise doch gewaltig, vor allem da die Geistesblitze des Physikers sehr oft auf der Luft gegriffen wirkten. So gab es bis zum Schluss einige Ungereimtheiten, die mir nicht ganz logisch erschienen.

Die Idee hinter dem Buch gefällt mir nach wie vor sehr gut, die Umsetzung konnte meine Erwartungen jedoch nicht erfüllen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich durch und durch Krimi-Leserin bin und ganz bestimmte Anforderungen an ein solches Buch stelle. Meiner Ansicht nach hat der Klappentext nicht zu viel verraten, sondern zu viel versprochen.
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Ich vergebe drei Papierblumen!

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Christine

Spannende und geistreiche Unterhaltung für junge Leser

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Zum Inhalt:

Lia ist bei ihrem Opa Theodorus Tempus auf dem Bauernhof zu Besuch. Sie verbringt dort jedes Wochenende und kommt auch in den Ferien regelmäßig vorbei. Auf dem Hof lebt außerdem die Schäferhund-Mischlingshündin Madame Curie, die von allen nur liebevoll „Curry“ genannt wird.

Lias Opa ist kein „gewöhnlicher“ Opa. Professor Tempus arbeitet nämlich in seiner Scheune an einer Zeitmaschine … allerdings will die noch nicht so recht funktionieren.

Doch plötzlich macht die Erfindung sich selbstständig, und als Lia, Curry und der Professor zur Scheune rennen, passiert etwas Unglaubliches: Aus der Zeitmaschine springen ein Schimmel, ein weißer Löwe, eine riesige Schildkröte, eine Katze, ein Esel, eine Schlange, … und sogar ein kleiner Dinosaurier.

Schnell ist klar, dass diese Tiere aus der Vergangenheit ins Jetzt befördert wurden. Professor Tempus, Lia und Curry müssen die Tiere schleunigst zurück nach Hause bringen, wenn sie verhindern wollen, dass die Weltgeschichte sich verändert.

Ihre erste Zeitreise führt sie ins alte Ägypten. Dorthin wollen sie das Kätzchen zurückbringen. Ihre Mission erweist sich allerdings alles andere als einfach. Denn die Pharaonin Kleopatra empfängt sie nicht ohne Weiteres!

Meine Meinung: 

Autor Michael Koglin legt mit diesem Band einen sehr gelungenen Auftakt zu einer neuen Kinderbuchreihe vor.

Er vereint in seinem Werk gleich mehrere Besonderheiten: Nicht nur wird das Erlebte aus der Sicht der Hündin Curry erzählt, vielmehr gelingt es dem Schriftsteller auch quasi nebenbei geschichtliches Wissen zu vermitteln. Als Leser fiebert man nicht nur mit Lia, Professor Tempus und Curry mit, was den Ausgang ihrer Mission betrifft. Vielmehr erfährt man auch einiges über die Sitten und Gebräuche im alten Ägypten. Auch der erwachsene Leser kann hier vermutlich noch einiges dazulernen. Die geschichtlichen Hintergründe sind gut recherchiert und nicht einfach frei erfunden, so dass man als Leser wirklich etwas über die jeweilige Epoche unserer Zeitgeschichte lernen kann.

Auch die Protagonisten sind sehr authentisch beschrieben, auch wenn dabei manch ein Klischee bedient wird: So hat beispielsweise Hündin Curry ständig Hunger und manchmal Mühe, ihr Ziel vor Auge (oder vor der Nase 😉) zu behalten. Lias Opa hingegen entspricht genau der Vorstellung, die wohl die meisten von uns von einem zerstreuten Professor haben. So kommt es denn auch, dass Lia und Curry, sowie Nefertari – die Tochter eines ägyptischen Baumeisters – ab und zu die Kohlen für den Professor aus dem Feuer holen müssen. Dies dürfte bei der jungen Leserschaft jedoch besonders gut ankommen, denn wer mag es als Kind nicht, wenn er einem Erwachsenen aus der Patsche helfen kann.

Bedingt durch den ungewohnten Handlungsort der Geschichte kommen natürlich auch einige unbekannte oder schwierigere Wörter im Buch vor. Allerdings hat der Autor auch hier Abhilfe geschaffen, indem er diese Begriffe in einem Glossar aufgreift und erklärt. Hier bedarf es allerdings vielleicht bei mancher Erklärung einer zusätzlichen Erläuterung durch einen Erwachsenen, da sie zuweilen etwas weniger kindgerecht formuliert sind.

Absolut erwähnenswert sind auch die Illustrationen des Zeichners Fréderic Bertrand. Es ist fast ein bisschen schade, dass nicht mehr Zeichnungen im Buch enthalten sind… manche Szenen hätten sich dafür herrlich geeignet.

Ganz sicher kann manch einer es kaum erwarten, den nächsten Band in den Händen zu halten… Im Oktober werden Lia, Curry und Professor Tempus versuchen, ein Pony zurück zu Richard Löwenherz zu bringen. Ob ihnen das gelingt, und welche Wichtigkeit das Pony im mittelalterlichen London hatte, werden wir spätestens in ein paar Monaten wissen. Und wir dürfen uns wohl auf einige weitere Abenteuer des ungewöhnlichen Trios freuen, da der Autor jedem Tier seinen eigenen Band widmet. Ein kluger Schachzug!

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Véro

Verstörend, perfide … aber absolut lesenswert!

fünf

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Zum Inhalt:

Die 4-jährige Manami, die Tochter der alleinerziehenden Lehrerin Yuko Moriguchi, ist im Schwimmbad der Schule, an der ihre Mutter unterrichtet, ertrunken. So scheint es zumindest…
Doch bald darauf kündigt Moriguchi ihre Stelle und teilt ihren Schülern mit, dass Manamis Tod kein tragischer Unfall war, sondern vielmehr ein von ihren Schülern verübter Mord. Sie weiß, wer die Schuldigen sind und sie möchte den Tod ihrer kleinen Tochter Manami rächen.
Mit ihrem Geständnis löst Yuko Moriguchi eine dramatische Kettenreaktion aus…

Meine Meinung:

Kanae Minatos Roman ist in mehrfacher Hinsicht ein ganz besonderes Werk.

Da wären in erster Linie der Schreibstil und die Aufteilung der Erzählung. Die Autorin hat ihren Roman in 6 Kapitel eingeteilt, in denen die Ereignisse jeweils aus der Sicht eines anderen Betroffenen oder einem Familienmitglied eines Beteilgten geschildert werden. Während im ersten und im letzten Kapitel die Lehrerin Yuko Moriguchi zu Wort kommt, lernen wir in den weiteren Kapiteln die Perspektiven einer Mitschülerin, der Mutter eines der beschuldigten Schüler und der beiden Schüler kennen, die von Moriguchi des Mordes bezichtigt werden.

Viele Einzelheiten werden aufgrund dieser Einteilung mehrfach geschildert und dennoch kommt keine Langweile auf, da es der Autorin perfekt gelungen ist, immer wieder weitere wichtige Details einzustreuen, die meist auch zu unerwarteten Wendungen führen. Nach und nach setzen sich auf diese Weise verschiedene Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammen.

Auch der Schreibstil variiert von einem Kapitel zum anderen, da die Autorin den jeweiligen Protagonisten unterschiedliche Adressaten zuteilt. Während Yuko Moriguchi sich im ersten Kapitel an alle ihre Schüler richtet, wendet sich die Schülerin Mizuki im folgenden Kapitel in einem Brief an ihre ehemalige Lehrerin, bevor der Leser im dritten Kapitel die Tagebucheinträge von Naokis Mutter lesen kann.

Im Laufe der Erzählung lernt der Leser die Beweggründe der einzelnen Protagonisten kennen und hier tun sich wahre menschliche Abgründe auf. Es geht um Rache, um fehlende Anerkennung, um Schuldfragen und um Gewalt. Auch dies macht den Roman zu etwas Besonderem.

Man kann dieses Buch nicht einfach nur lesen… vielmehr regt es zum Nachdenken an: über unsere Gesellschaft und deren Werte, über Gerechtigkeit und darüber, wie man sich selbst wohl an der Stelle eines der Protagonisten verhalten hätte.

Um es mit den Worten der Buchhändlerin zu sagen, bei der ich dieses Buch gekauft habe: „Da haben Sie sich zwei ganz besondere Bücher ausgesucht!“ Zumindest was dieses Werk angeht, sollte sie Recht behalten!  😉

In Japan ist das Buch übrigens schon 2008 erschienen und wurde mittlerweile auch verfilmt.

Ich vergebe fünf von fünf Papierblumen!
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Véro

Wenn die letzte Stunde schlägt…

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Zum Inhalt:

Detective William Oliver Layton Fawkes, genannt Wolf, ist einer der besten Mordermittler der Londoner Polizei. Er wird zu einem Tatort gerufen und dort auf brutale Art und Weise mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Ein kaltbültiger Killer hat Körperteile von 6 Mordopfern zu einer „Ragdoll“, einer Flickenpuppe, zusammengesetzt. Schnell zeigen sich Verbindungen zu einem alten Fall, der Wolf fast seinen Job gekostet hätte und auch einen entscheidenden Anteil daran hatte, dass Wolfs Ehe zu Bruch ging. Damals trieb einen Serienmörder sein Unwesen und wurde, sehr zu Wolfs Unmut, freigesprochen. Kurze Zeit später tötete der Freigesprochene ein weiteres unschuldiges Kind.
Doch irgendjemand scheint nicht vergessen zu haben, was damals passiert ist… Wolfs Ex-Frau, die Journalistin Andrea wird ein Umschlag mit Fotos des Tatortes zugespielt. Außerdem enthält dieser Umschlag eine Liste mit 6 weiteren Opfern sowie deren Todeszeitpunkt. Der letzte Name auf der Liste lautet: William Oliver Layton-Fawkes…
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt!

Meine Meinung:

Daniel Cole ist mit diesem Roman ein sehr vielversprechender und spannender Serienauftakt gelungen. Als Leser fiebert man mit und obwohl man eigentlich weiß, dass es im Laufe der Handlung viele Tote geben wird und auch der Ausgang klar zu sein scheint – immerhin handelt es sich um einen Serienauftakt – bleibt es sehr spannend zu erfahren, was die einzelnen Opfer miteinander verbindet und was vor vier Jahren wirklich geschah.

Gut gefallen haben mir auch die Protagonisten. Ich persönlich mag es, wenn die Ermittler „Ecken und Kanten“ haben und nicht nur mit Leidenschaft ihrer Arbeit nachgehen. Da wäre Wolf, der „damals“ fast einen Menschen getötet hätte und daraufhin suspendiert wurde. Seine Partnerin Baxter tut sich schwer damit, ihre Gefühle Wolf gegenüber zu deuten und löst ihre Probleme auf weniger kluge Art. Auch Wolfs Ex-Frau Andrea löst beim Leser Unbehagen aus. Die Journalistin stellt ihre eigene Karriere in den Mittelpunkt und geht dabei wortwörtlich über Leichen. Und dann wäre da noch Edmunds, der ehrgeizige, junge Polizist, dessen schwangere Ehefrau nur schwer akzeptieren kann, dass dieser Fall ihren Mann nicht loslassen will.

Die Zahl der handelnden Personen ist groß; dennoch fiel es mir nicht sehr schwer, mir einen Überblick zu verschaffen.

Trotzdem bekommt das Buch von mir nicht die volle Punktzahl. Das Ende konnte mich nicht wirklich zufriedenstellen… irgendwie schien mir das ein bisschen unrealistisch. Auch zwischendurch gab es kurze Momente, in denen ich dem Autor das Geschehen nicht voll und ganz abkaufen konnte. So beispielsweise als die Polizisten ein ausgeschaltetes Handy unterwegs einfach so wieder einschalten und die Anrufliste überprüfen … ganz ohne einen Code eingeben zu müssen…

Dann gab es im Buch noch einige wenige Rückblenden, die ich sehr interessant fand und die auch ihrem Platz in dem Geschehen habe. Hier hätte der Autor jedoch ein wenig ausbauen können.

Insgesamt ein spannender Einstieg in einer Thrillerserie mit einem Ermittlerteam, von dem ich durchaus gerne mehr lesen würde.

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Véro

Wenn ein ganzes Dorf schweigt…

Wer sich zur Zeit in der Krimi-Abteilung in Buchhandlungen umsieht, kommt an Monteperdido kaum vorbei. Grund genug, das Buch selbst zu lesen um sich einen Eindruck zu verschaffen…

Monteperdido

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Zum Inhalt:

Vor fünf Jahren sind die Freundinnen Ana und Lucía, zwei elfjährige Mädchen aus dem Pyrenäen-Dorf Monteperdido, spurlos verschwunden. Seitdem ist in dem beschaulichen Dorf nichts mehr wie es war … Es werden Mahnwachen abgehalten, Ehen gingen zu Bruch und Beschuldigungen werden ausgesprochen. Doch dann taucht eines Tages Ana wieder auf. Sie wurde Opfer eines Verkehrsunfalls, bei dem der Fahrer ums Leben kam. Handelt es sich hierbei um ihren Entführer? Und wo befindet sich Lucía?

Kommissarin Sara Campos  und ihr Vorgesetzter Santiago Baín reisen nach Monteperdido, um die Ermittlungen wieder aufzunehmen und auch Lucía lebend wiederzufinden. Doch dies stellt sich als wesentlich schwieriger heraus als erwartet. Schnell stellt sich heraus, dass vor fünf Jahren einige Fehler bei der Ermittlungsarbeit gemacht wurden. Ob es den beiden „fremden“ Polizisten wohl gelingen wird herauszufinden, was damals wirklich passiert ist?

Meine Meinung:

Die Idee, die diesem Kriminalroman zugrunde liegt, gefiel mir eigentlich sehr gut, doch gelang es dem Autor Agustín Martínez nicht, mich in den Bann der Geschichte zu ziehen. Zu zahlreich waren die Personen, zu schnell die Perspektivenwechsel, zu langatmig die Handlung, …

Besonders zu Beginn hatte ich aufgrund der vielen handelnden Personen (mit für uns teilweise ungewohnten Namen) Schwierigkeiten, den Überblick über das Geschehen und die zwischenmenschlichen Beziehungen zu behalten. Der Autor hat seinen Krimi in einem kleinen Bergdorf angesiedelt, in dem jeder jeden kennt, viele miteinander verwandt oder verschwägert sind und in dem der Zusammenhalt noch richtig groß geschrieben ist.

„Die Bewohner von Monteperdido waren alle auf die eine oder andere Weise miteinander verbunden. Taufpaten, Schulkameraden, Schwester oder Freundinnen, die zusammen ihre Kinder erzogen, gemeinsame Feste und die langen lichtlosen Winter, ringsum nur Berge und die Tiere, die dort lebten. … Tiere und Menschen, deren Leben eng miteinander verbunden war. Das war Monteperdido.“ (S. 148)

Eigentlich ist genau dies die Stärke des Buches, da es meist sehr gut nachvollziehbar ist, wie eng die Dorfbewohner miteinander verbunden sind und warum sie skeptisch gegenüber den „Eindringlingen“ aus der Stadt sind, die einen alten Fall neu aufrollen und ihre Nase in Dinge stecken, die mancher Dorfbewohner lieber verschweigen würde. So haben die beiden Ermittler dann auch Schwierigkeiten, das Vertrauen der Einwohner zu gewinnen:

„Wenn sie in diesem gottverdammten Kaff nicht wissen, wer dein Großvater war und wie er seinen Kaffee getrunken hat, dann bist du ein Fremder. Hier mag man Leute, die ihr Geld in Monteperdido lassen und dann wieder abhauen. Aber Leute die kommen und bleiben, mag man weniger.“ (S.146)

Dennoch war für mich manche Reaktion des einen oder anderen Dorfbewohners nur schwer nachvollziehbar und auch die Verbindung zwischen Sara Campos und ihrem Vorgesetzten gab mir lange Rätsel auf. Wohl klären sich die meisten Fragen im Laufe der Handlung, jedoch hätte ich mir beispielsweise gerade im Bezug auf Sara Campos Vergangenheit detaillierte Erläuterungen gewünscht.

Die vom Autor geschaffene Atmosphäre ist recht düster und verstörend. Sein Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, doch die Handlung geht nur schleppend voran und wirklich spannend wird es zu keinem Zeitpunkt. Manche Vorkommnisse klärt der Autor zu schnell auf und verhindert damit, dass Spannung aufkommen kann, andere Ereignisse wiederum – besonders die Aufklärung am Schluss – wirken etwas konstruiert.

Auch der Aufbau des Romans hat mir etwas zu schaffen gemacht. Das Buch ist in nur sieben Kapitel eingeteilt, die jedoch recht lang sind (teilweise mehr als 100 Seiten), innerhalb derer jedoch sehr schnelle Perspektivenwechsel erfolgen. Beides ist meiner Ansicht nach dem Lesefluss nicht sehr förderlich; vielmehr erschweren die raschen Wechsel zuweilen das Verständnis und die langen Kapitel verstärken den Eindruck, dass die Handlung sehr langatmig ist.

Mich konnte dieser Krimi leider nicht packen. Schade… denn der Plot hätte sehr viel Potential!

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Véro

Herrlich skurriler Krimispaß

Maurer

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Zum Inhalt:

Im idyllischen Kurort tagt der G7-Gipfel. Dementsprechend angespannt ist die Sicherheitslage und es wimmelt nicht nur von Securityleuten, auch die Demonstranten haben ihre Zelte aufgschlagen.

Und als wäre dies alles nicht schon genug, bekommt Kommissar Jennerwein es nun auch noch mit einem sehr persönlichen Fall zu tun. Irgendetwas kommt ihm bei der durchgeplanten Beerdigung seines Freundes Hansi komisch vor. Was ist hier wirklich passiert? Wer hat wen erschossen? Und was soll hier vertuscht werden?

Meine Meinung:

Wer die Alpenkrimis von Jörg Maurer kennt, der weiß dass er keinen herkömmlichen Krimi mit 08/15-Ermittlungen erwarten darf. Vielmehr wird der eigentlich Kriminalfall in den Werken des Autors teilweise komplett zur Nebensache und man erfreut sich als Leser an den skurrilen und manchmal fast absurden Einlagen.

Es tauchen viele altbekannte Gesichter auf und der Leser darf sich auf ein Wiedersehen mit den Spalanzanis, Karl Swoboda, den Graseggers, … freuen. Jörg Maurer gelingt es auch in diesem 9. Band wieder, unzählige, scheinbar unabhängige Erzählstränge miteinander zu verknüpfen, und obwohl man sich bei der Lektüre zwischendurch immer wieder fragt „Wie will er es schaffen, das jetzt sinnvoll in das Geschehen einzubinden?“, gelingt dieser Brückenbau (fast) immer.

Zu Beginn mag es etwas schwierig sein, sich einen Überblick zu verschaffen, da die eingeführten Personen sehr zahlreich sind und manches erst zu einem späteren Zeitpunkt im Buch erklärt wird. Jörg Maurer bedient sich diesmal einer – von ihm – ungewohnten Form. Er hat seinen Krimi in drei Teile unterteilt und arbeitet mit Rückblenden. Auch die kurzen, prägnanten Kapitelüberschriften kannte man bisher in dieser Art nicht von ihm.

Immer wieder streut er zudem vermeintliche Zitate ein, die zwar ganz echt wirken, es aber absolut nicht sind. So wird aus der Bibel zitiert und das Jägerjargon bemüht, man erhält einen Einblick in die Fußreflexzonen und auch die Geschichte des Türenknallens wird dem Leser näher gebracht.

Wer den Autoren, das Genre und sich selbst nicht zu ernst nimmt, der wird an diesem Krimi einen Heidenspaß haben.

Véro

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Wenn erwachsene Männer plötzlich leuchtende, rosarote Elefanten sehen…

Elefant

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Zum Inhalt:

Der Obdachlose Schoch entdeckt in seiner Höhle einen kleinen rosaroten Elefant, der in der Dunkelheit leuchtet. Anfangs glaubt er noch, dass diese Wahrnehmung nur seiner Fantasie und dem Alkoholgenuss entspringt, doch schnell stellt sich heraus, dass es dieses kleine, besondere Wesen wirklich gibt.

Während Schoch beschließt, sich um den kleinen Elefanten zu kümmern, sucht nicht nur dessen „Schöpfer“, der Genforscher Roux, mit allen Mitteln nach seiner Sensation. Auch der burmesische Elefantenflüsterer Kaung, der bei der Geburt des kleinen Elefanten dabei war, setzt alles daran, um das kleine Tier rechtzeitig zu finden und vor den Wissenschaftlern zu schützen.

Meine Meinung:

Martin Suters aktuelles Werk hat mir sehr gut gefallen. Der Autor schafft nicht nur sehr unterschiedliche Figuren in seinem Roman, sondern legt auch ganz verschiedene Schauplätze an, die zum Ort der Handlung werden. Durch das gesamte Buch zieht sich nicht nur ein ständiger Perspektivenwechsel; auch der Zeitraum der Handlung erstreckt sich über etwas mehr als fünf Jahre.

Als Leser erlebt man sowohl die Forschungsarbeiten im Genlabor mit, wie auch die Geburt des Elefanten im Zirkus. Dann wiederum folgt man Schoch bei seinen täglichen Streifzügen durch die Obdachlosenszene in Zürich.

Die Zeitensprünge und der ständige Wechsel der Erzählperspektive sorgen für zusätzliche Spannung. Mir hat besonders der Kontrast zwischen dem Obdachlosen Schoch und dem Genforscher Roux gut gefallen. Wohl sind beide Personen recht einseitig beschrieben, doch Suter stellt den beiden Protagonisten jeweils einen Tierarzt an die Seite (Reber, Valerie), welche meiner Ansicht nach dieses Schema Gut/Böse etwas aufheben und verwischen.

Der Autor schneidet in seinem Roman mehrere Themen an, die den Leser zum Nachdenken  anregen sollen. Da sind natürlich in erster Linie die Forschungsexperimente des Wissenschaftlers Roux, die die Frage aufwerfen, welche Möglichkeiten die Gentechnik mittlerweile bietet und inwiefern diese Möglichkeiten genutzt werden sollten oder vielleicht auch unterbunden werden müssten.

Auch Schochs Obdachlosigkeit und der spätere Alkoholentzug (der hier im Buch wohl etwas zu einfach vonstattengeht) sind Themen, die sicherlich Anregung für Diskussionen bieten.

Besonders die Thematik der Genforschung scheint sehr gut recherchiert und wird im Roman sehr detailliert beschrieben. Auch dies verdient meiner Ansicht nach Erwähnung.

Der Autor selbst hält sich mit einer Wertung eher zurück, auch wenn der Ausgang der Handlung wohl vermuten lässt, wie er selbst zu diesen Themen steht.

Für mich war dieser Roman ein wahres Lesevergnügen und ich kann ihn demzufolge nur wärmstens empfehlen.

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Véro

Eiskalt!

I- 18 Gradn Helsingborg rast ein Auto über die Brücke in das Hafenbecken. Der Fahrer des Autos hat keine Chance, aus dem Wasser zu entkommen. Sofort schaltet das Team um Fabian Risk sich ein und untersucht, wie es zu diesem Unfall kommen konnte. Doch spätestens als der Gerichtsmediziner seine Untersuchungsergebnisse präsentiert, wird allen klar, dass hier etwas nicht stimmen kann! Denn der Tote war ungefähr zwei Monate lang tiefgefroren … Wie konnte ein Toter Auto fahren? Die Ermittlungsgruppe steht vor einem Rätsel und schon bald wird ihnen klar, dass sie es dieses Mal mit einem schier übermächtigen Gegner zu tun haben!

Dies war mein erstes Buch von Stefan Ahnhem und somit habe ich auch die Serie um Fabian Risk nicht in chronologischer Reihenfolge begonnen. Dies empfand ich nicht als störend, da es fast keine Verweise auf frühere Fälle gab und somit die Spannung nicht getrübt wurde. Überhaupt versteht der Autor es, Cliffhanger gekonnt einzusetzen und das Buch durchweg fesselnd zu gestalten. Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm zu lesen. Der Spannungsbogen ist sehr gut aufgebaut und bringt den Leser dazu, immer tiefer in das Buch einzudringen.

Die Charaktere sind sehr interessant gezeichnet und haben reichlich Ecken und Kanten, was mir immer sehr gut gefällt. In dieser Hinsicht ist „Minus 18 Grad“ ein typischer Schweden-Krimi, denn die handelnden Personen sind keinesfalls idealisiert, sondern schleppen jeweils ihr Päckchen Ballast, Schuldgefühle und Versagensängste mit sich herum.

Die Handlung an sich ist gekonnt aufgebaut und die beiden parallel geführten Ermittlungsstränge treiben das Geschehen immer weiter voran. Beide Themen, Identitätsdiebstahl und «Happy Slapping» sind sehr interessant ausgeführt und besonders «Happy Slapping» machte mich fassungslos und wütend! Leider hege ich keinen Zweifel daran, dass es so etwas tatsächlich gibt und diese Vorstellung ist einfach nur grässlich.

Allerdings fragte ich mich gleich zu Beginn, warum dieser zweite Erzählstrang in das Buch mit eingebaut wurde. Ziemlich schnell wurde mir dann klar, dass dessen einzige Daseinsberechtigung darin besteht, dass es hierbei um das Privatleben des Ermittlers geht. Daher war ich nicht sonderlich überrascht, wie dieser Teil der Handlung sich entwickelt hat und ich gehe davon aus, dass Dunja alle Täter zur Rechenschaft ziehen möchte. Dieser Teil des Buches ist also noch nicht abgeschlossen, sondern wird wohl im folgenden Band weiter ausgebaut.

Störend empfand ich allerdings die vielen, teils abstrusen und unglaubwürdigen Identitätswechsel. Immer wieder wird betont, dass der Täter die Verbrechen nur ausüben konnte, da er sich so akribisch vorbereitete und seine Opfer bis ins letzte Detail imitieren konnte. Da frage ich mich doch, wie es ihm möglich war, so eine große Anzahl an Identitäten in derart kurzer Zeit zu stehlen. Auch fand ich es unverständlich, dass die Polizei den Täter während dessen Untersuchungshaft nicht als Doppelgänger enttarnen konnte. Schließlich wussten sie doch, dass er komplett kahlgeschoren war, Augenbrauen inklusive. Sie hätten doch nur prüfen müssen, ob die Haare des Täters echt sind um sich zu vergewissern, dass er auch wirklich die Person ist, für die er sich ausgibt. Irgendwie erschien mir dies nicht ganz logisch, sondern im wahrsten Sinn des Wortes an den Haaren herbeigezogen!

Insgesamt ist dieses Buch aber ein sehr gelungener Thriller, der aufgrund seines konsequenten Spannungsaufbaus so manchen Leser zu begeistern vermag. Fans von Schwedenkrimis kommen hierbei sicher auf ihre Kosten!

Ich vergebe 4 Papierblumen!NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

Tierischer Spielspaß

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In dieser Rezension geht es nicht um ein Buch, sondern um ein Gesellschaftsspiel, das ich kürzlich entdeckt habe. Während der letzten Abende saßen nun drei Generationen gemeinsam am Tisch und haben Tränen gelacht… deshalb komme ich nicht umhin, euch dieses Spiel hier vorzustellen.

Eigentlich handelt es sich um eine Spielidee, die jeder von euch kennen dürfte: ein Quartett. Doch Arthur Scholten legt uns hier eine Variante vor, die zum Brüllen komisch ist. Am Tisch sitzen nicht einfach nur verschiedene Spieler: jeder Mitspieler sucht sich aus sechs Tieren eines aus, welches er während des gesamten Spielverlaufs verkörpert. Und fortan hört er nicht mehr auf seinen Namen, sondern muss mit dem entsprechenden Tiergeräusch gerufen werden. Es darf also fleißig gewiehert, geheult, gezischt, … werden.

Selbstredend darf man seinen Mitspieler natürlich auch nicht nach einer „Hundekarte“ fragen. Vielmehr muss man auch hier der verschiedenen Tiersprachen mächtig sein und bellen, miauen, summen, brüllen, quaken, …. was das Zeug hält. Hat man Glück, muss der Mitspieler die gefragte Karte abgeben. Wenn er jedoch keine passende Karte in den Händen hält, muss er mit einem Pupsgeräusch antworten und dabei die Zunge rausstrecken. Frech sein, ohne dafür gescholten werden… das sorgt natürlich für zusätzlichen Spaß.

So einfach die Spielidee ist, so brilliant ist die Umsetzung. Abgerundet wird das Ganze von den tollen Illustrationen von Gabriela Silveira.

Wer also nach einem Spiel sucht, das Spaß für die gesamte Familie garantiert, wird hier sicher nicht enttäuscht.

NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITEVéro

Paper Princess – Ein Rückblick.

(Diese Rezension kann Spoiler enthalten!)

„Ich tue gern so, als wäre ich eine richtig toughe Nuss, und bis zu einem gewissen Punkt stimmt das ja auch. Ich bin arm und hungrig. Ich wurde von einer Stripperin großgezogen. Ich weiß, wie man jemandem eine verpasst, wenn es nötig ist. Aber ich bin trotzdem erst siebzehn! Manchmal kommt es mir so vor, als wäre ich ein bisschen zu jung für das Leben, das ich führe. Dann sehe ich mich um und denke: Ich gehöre hier nicht her.“ (S. 18)

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Ella Harper hat es wirklich nicht leicht. Seit dem Tod ihre Mutter schlägt sie sich alleine durch. Am Tag sitzt sie in der Schule, nachts arbeitet sie in einer Bar. Dann steht plötzlich der Multimillionär Callum Royal vor ihr und behauptet ihr Vormund zu sein. Plötzlich verändert sich alles. Er nimmt sie mit in seine Villa und sie kommt in eine Welt voller Luxus.
Doch schon bald merkt sie, dass hier etwas nicht stimmt. Callum Royals fünf Söhne begegnen ihr mit Feindseligkeit. Besonders einer von ihnen macht Ella das Leben schwer. Und trotzdem knistert es gewaltig zwischen ihnen…

Es ist nun schon einige Wochen her, seitdem ich diesen Roman von Erin Watt gelesen habe. Wer es noch nicht wissen sollte: „Erin Watt“ ist das Pseudonym des Autorenduos Jen Frederick und Elle Kennedy. Letztere konnte sich mit „The Deal“ in mein (New Adult – ) Leserherz schleichen und man kann damit wohl erahnen, dass meine Vorfreude groß war, als ich gehört habe, dass „Paper Princess“ auf dem deutschen Buchmarkt erscheint.

Doch während mich der erste Teil der „Off – Campus“ – Reihe mit seiner lockeren, natürlichen und unbeschwerten Handlung überzeugen konnte, wo – anders als in vergleichbaren Romanen in diesem Genre – mir die dramatische Entwicklung der Handlung nicht zu inszeniert erschien, war „Paper Princess“ dazu nicht in der Lage und konnte mich ebenfalls nicht in seinen Bann ziehen. Ich blieb eine Zuschauerin an der Seitenlinie, die sich in einigen Augenblicken sogar recht unwohl in ihrer Haut fühlte, sich dabei erwischte, wie sie die Augen verdrehte und doch bemerkte, wie die Seite nur so vorüberzogen. Letztlich ließ mich dieser Roman gespalten zurück.

Der einfache Einstieg in den Roman wird durch seinen leichten Schreibstil ermöglicht. Mir hat es gefallen, wie man zu Beginn der Handlung nicht mit Informationen erschlagen wird, sondern wie diese in den Erzählfluss eingebunden werden.
Etwas gewöhnungsbedürftig war hingegen die Ausdrucksweise. Doch den hier getroffene Ton habe ich keineswegs als negativ erachtet, sondern er passt zu dem Naturell der Protagonistin. Hier hätte ein höfliches Mädchen, welches sich zuvorkommend artikuliert nun wirklich nicht ins Gesamtbild gepasst.

Ella Harper ist ein spannender Charakter und unterscheidet sich von vergleichbaren Charakteren andere Romane in diesem Genre. Sie hat sich ein Lügengerüst aufgebaut, welches ihr dabei hilft ums tägliche Überleben zu kämpfen. Mit ihren siebzehn Jahren hat sie bereits derartig viele negative Erfahrungen gemacht, dass sie einen robusten Schutzpanzer besitzt. Sie sagt klar und deutlich, dass sie denkt und setzt sich ebenfalls durch. Ob sie dabei immer eine kluge Entscheidung trifft sei nun erstmal dahingestellt. Durch ihre dominante Art bringt sie älteren Personen wenig bis überhaupt keinen Respekt entgegen. Auch dieser Aspekt ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, andererseits passt es aber auch zu ihrem Charakterbild, denn sie ist eben auch die Tochter einer Stripperin und in diesen Kreisen aufgewachsen.
Nach dem Tod ihrer Mutter arbeitet sie weiterhin in einem Nachtclub und versucht am Tag ihren Schulabschluss zu erlangen, um aufs College zu gehen…

Doch wie bereits der Klappentext verrät, wird sie aus ihrer Situation gerettet, als Callum Royal plötzlich in ihrem Leben auftaucht. Damit hat sie nun einen Multimillionär als Vormund und ist eine „Prinzessin auf dem Papier“. Doch wird ihr Leben damit leichter? Keineswegs. Nun muss sie sich in einer luxuriösen Villa mit fünf (wobei man hier eigentlich von vier sprechen kann, da einer der Brüder bereits auf dem College ist) pubertierenden „Satansbraten“ herumschlagen, die wahnsinnig anstrengend sind und dies ist wahrscheinlich sogar noch freundlich ausgedrückt.

Ich werde nun natürlich nicht auf jeden der Brüder eingehen, dies ist jedem selbst überlassen. Zentral in der Handlung taucht jedoch immer wieder Reed Royal auf. Er ist eine Art Alphatier bei seinen Brüdern. Was er sagt, gilt. Und ausgerechnet ihm ist Ella ein Dorn im Auge und dies lässt er sie auch spüren.

Auf der einen Seite stehen also diese verwöhnten Typen, die alles haben, sich alles angeln und dabei keineswegs Rücksicht auf die Gefühle anderer nehmen. Natürlich hat dies auch einen Grund, aber ob man diesen Konfrontationskurs dadurch am Ende nachvollziehen kann ist eine andere Frage. Sie rebellieren, aber wie sie dabei mit einem Mädchen umgehen, welches sie überhaupt nicht kennen und welches bisher nur Leid erfahren musste, ging mir dann doch zu weit und Sympathie sucht man an dieser Stelle ebenfalls vergeblich.

Den Gegenpol bildet Ellas Charakter. Sie wirkt nach außen hart, doch der Leser bemerkt schnell, dass sie doch „nur“ ein siebzehnjähriges Mädchen ist, welches sich bereits darauf vorbereitet, dass die Seifenblase vor ihren Augen zerplatzt und sie damit wieder in ihre eigenen Realität zurückgeworfen wird.

Blickt man auf die aufkommenden romantischen Gefühle in diesem Erotik-/Liebesroman, dann kann man hier nicht wirklich von Romantik sprechen. Stattdessen schauen wir dabei zu, wie Ella ihren Körper an einen Typen verschenkt, der sie dermaßen abwertend behandelt, dass man sich allein beim lesen unwohl fühlt. ‚Was macht dieses Mädchen da nur?‘ wird sich hier der ein oder andere Leser sicherlich fragen. Sie lässt sich zu einem Objekt degradieren.
Ebenfalls wird hier das Thema der sexuellen Gewalt aufgegriffen, doch keineswegs diskutiert. Als ich am Ende des Buches angelangt bin, habe ich darüber nachgedacht und mich gefragt, ob es von dem Autorenduo richtig war diese Gewalt als ein Mittel zu benutzen, um einen Umschwung zu erwirken. Denn ab diesem Moment wird aus Ella die „Schwester“, die es zu beschützen gilt. Dabei haben die Royals sie vorher nicht anders behandelt. Betrachtet man die Konsequenz, dann blickt man auf eine pubertäre Rachehandlung, die mich keinesfalls amüsiert hat, sondern mich erneut unwohl zurückließ.

Ich muss zugeben, dass mich dieser Roman erst geblendet hat. Ich habe ihn gelesen und dabei nicht wirklich über die Handlung nachgedacht. Ich war in einer Art und Weise geblendet und hab in diesem Liebesroman nach Gefühlen zwischen den Charakteren gesucht, meinte für einen Bruchteil einer Sekunde sogar, dass ich diese gefunden habe. Doch nachdem ich den Roman beendet und die Handlung noch mal rekapituliert habe, wurde mir plötzlich bewusst, was da eigentlich passiert ist.
Ella Harper kommt aus einem schrecklichen Milieu, hat mit ihren siebzehn Jahren bereits als Stripperin gearbeitet und musste sich in ihrer Kindheit immer wieder mit den wechselnden Männern ihrer Mutter auseinandersetzen, die ebenso nicht davor zurückschreckten das kleine Mädchen anzufassen. Und als wäre dies noch nicht genug, kommt sie zu den Royals, muss sexuelle Belästigungen über sich ergehen lassen, wird in der Schule ebenfalls nicht mit Blumen begrüßt und erfährt auf einer Party dann auch noch sexuelle Gewalt. Betrachtet man all diese Punkte, dann wird Ella Harper von dem Autorenduo zu „normal“ gezeichnet. Keine Frau der Welt würde noch derartig aufrecht und gefasst auf dem Boden stehen, wie sie.

Und wenn ich mir all dies durch den Kopf gehen lasse, dann fällt es mir wirklich schwer eine Empfehlung für diesen Roman auszusprechen. Ich glaube, dass die Leser die sowieso manchmal in diesem Genre abtauchen sowieso zu diesem Roman greifen werden, doch ich ermahne ebenfalls, dass man sich nicht blenden lassen und am Schluss über den Ablauf der Handlung nachdenken sollte.
Die Handlung selbst ist ebenfalls vorhersehbar und Geheimnisse lassen sich schnell entschlüsseln. Spannend hingegen ist Ella Harpers Charakter. Ihre Schlagfertigkeit hat mich zum schmunzeln bringen können und auf den ersten Blick hat mich die Handlung gut unterhalten. Doch der zweite Blick ließ mich zusammenschrecken.

Ich vergebe daher 2,5 Papierblumen.

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Bonny

Bist du bereit?

„Bens Kopf fühlte sich an wie eine Piñata, gefüllt mit Gedanken statt mit Süßigkeiten, auf die nicht Kinder mit Stöcken, sondern Psychopathen mit Eisenstangen einprügelten.“ (S. 316)

AchtNachtEine interessante und gleichsam schockierende Thematik findet in diesem Thriller seine Bühne.
Stell dir vor, es gäbe eine Art „Todeslotterie“. Jeder hat die Chance den Namen eines ihm verhassten Menschen auf einer Internetseite in einen Lostopf zu werfen. Am 8.8. wird dann ein Name gezogen und der Auserwählte (AchtNächter) wird damit für eine gesamte AchtNacht vogelfrei erklärt. Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten und sollte es jemandem gelingen, winkt ein saftiges Kopfgeld von zehn Millionen Euro. Wie viele Menschen würden sich wohl einer solchen Jagd anschließen?

Vielleicht mag diese Thematik dem Ein oder Anderen bereits bekannt vorkommen. Sebastian Fitzek hat sich bei diesem Buch von der Verfilmung zu „The Purge“ (Die Säuberung“) inspirieren lassen. Ein schockierendes und gleichsam aufrüttelndes Szenario, in dem es darum geht, dass durch eine alljährlich stattfindende Nacht – in der alle Verbrechen legalisiert und Notfallsysteme deaktiviert werden – die Kriminalitätsrate gesenkt wird.
Dieses Thema bietet genügend Spannung, dies ist keine Frage. Aber Sebastian Fitzek hat mich mit seiner Umsetzung leider nicht vollkommen überzeugen können.

Dies mag zum einen sicherlich an dem Protagonisten dieses Thrillers liegen. Ben ist Musiker, Vater einer bereits zu einer jungen Frau herangewachsenen Tochter. Er sieht sich selbst als Versager und ist von tiefen Schuldgefühlen erfüllt, die der Leser durchaus nachvollziehen kann. Alles dreht sich um den einen Moment, in dem er die falsche Entscheidung getroffen hat. Dieser eine Moment hatte Auswirkung auf sein Leben, als auch auf die Zukunft seiner Tochter. Könnte man doch nur diesen einen Handlungsmoment rückgängig machen…
Ben schien mir jedoch machmal zu unscheinbar, zu sehr im Selbstmitleid versunken und blickt man auf den Verlauf der Handlung, so trifft er erneut falsche Entscheidungen, die mir als Leser manchmal die Spannung und viellicht auch die Glaubwürdigkeit genommen haben.

Doch wir sehen die hereinbrechenden Ereignisse auch mit den Augen von Arezu, die ihre eigene dunkle Vergangenheit besitzt und ebenso daran leidet. Schritt für Schritt kommt man dieser Dunkelheit auf die Spur und ebenso wird nach und nach offenbart, welche Rolle ihr Puzzlestück im Gesamtbild betrachtet spielt.

Den Aufbau von AchtNacht fand ich gelungen. Die Kapitel sind kurz und lassen sich schnell lesen, wobei sie immer den gleichen Aufbau besitzen und jeweils mit einem (Mini-)Cliffhanger schließen. Natürlich sollen diese für Spannung sorgen und zum weiterlesen verleiten. Ich fand es jedoch irgendwann ermüdend, denn jedes nachstehende Kapitel beginnt mit einer neuen „Anfahrt“, die mich als Leser Energie gekostet hat. Man könnte es wohl auch als Ungeduld meinerseits bezeichnen. Die meisten dieser Cliffhanger wurden dann ohne großes „Brimborium“ aufgelöst – ernüchternd.

Insgesamt betrachtet war die Jagd am Ende mehr eine aufregende Tour durch das nächtliche Berlin. Es fehlte mir an Wahnsinn, Verrücktheit und durchgeknallten Figuren, die aus dem Schatten treten und der Geschichte mehr Pep verliehen hätten. Man muss nur bedenken, dass die Namen zweier (ja soviel kann ich bereits verraten!) Personen gezogen werden. Sie werden zu Gejagten. Tausende Verrückte werden über die sozialen Medien über ihren Aufenthalt informiert. Doch wo sind sie in dieser Nacht?
Die AchtNacht wird mehr zu einem Erpressungsszenario mit zwei Jägern, die mit ihrer Videokamera das Fürchten lehren und ein paar betrunkenen Personen, die mit Müllbeuteln über ihren Köpfen hinterher marschieren.
Zusammenfassend ist Fitzek bei seiner Täterbeschreibung noch nett. Wo sind all die normalen Alltagspersonen, die plötzlich zu Mördern werden? Mir fehlte es an den verrückten Personen die plötzlich durchdrehen, keine Gesetze mehr wahrnehmen und die Idee einer derartigen Website als Schleichweg betrachten, illegal zu morden. Vielleicht suche ich aber auch in AchtNacht zu viele Aspekte aus „The Purge“?

Letztlich hat sich der Autor eben nur inspirieren lassen und dabei eine Möglichkeit gefunden, wie ein derartiges Szenario bereits in wenigen Stunden in unserer Gesellschaft bitterer Ernst werden könnte. Und auch während dem Lesen kam bei mir natürlich die Frage auf: „Aber ist dies wirklich möglich?“ und mir wurde ein durchaus glaubwürdiges „Ja.“ vermittelt.
Ein Mausklick und die Menschen drehen durch, dies wird uns schließlich bereits bei Facebook & Co. verdeutlicht. Fitzek zeigt einen realistischen Weg, wie die Möglichkeit besteht und Schattengestalten damit Profit machen wollen. Aber es ist auch ein Spiel mit dem Feuer.
Gelungen fand ich es ebenfalls, wie der Autor aktuelle Themen aufgreift, in dem er zeigt, wie viel Einfluss Hacker auf unser Leben haben oder wie uns soziale Medien beeinflussen können. Er zeigt vielleicht sogar einen Weg, wie sich Shitstorms oder Fake News in das Real Life verlagern lassen und eine wütende Masse zu Mördern wird. Sogar eine stille Kritik am Städtebau von Berlin konnte ich herauslesen.

Zusammenfassend betrachtet hat sich der Autor in seinem Buch einem spannenden Thema zugewandt und ebenfalls aktuelle Themen miteingebunden, so dass dem Leser eine solche AchtNacht durchaus realistisch und möglich erscheint. Dieser Punkt sorgt wohl für den größten Schockmoment.
Die Personen, als auch bestimmte Ereignisse im Handlungsverlauf konnten mich leider weniger begeistern und mir fehlte es an einer Prise Verrücktheit. Daher vergebe ich insgesamt 3 Papierblumen und kann dennoch bereits sagen, dass dieser Thriller sicherlich nicht mein letzter Fitzek war! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Bonny