Ein verrücktes, skurriles und aufregendes Abenteuer

„Am nächsten Morgen bringt Whitney Houston das Fass zum Überlaufen. Es reicht ihr nicht, sich ihr eigenes Leben mit Crack zu versauen, nein, mit einem emotionalen Vorschlaghammer wie „I Will Always Love You“ muss sie meins auch noch kaputtmachen.“ (S. 70)

IMG_2991.jpgEigentlich läuft für den 16-jährigen Baxter gerade alles rund. Sein kleines Pornobusiness an der Highschool boomt, die Eltern lassen ihn in Frieden, und er ist über beide Ohren in die zauberhafte Kleptomanin Esmé verliebt. Doch als diese von einem wahnsinnigen Serienmörder entführt wird, laufen die Dinge aus dem Ruder. Zusammen mit dem Kopfgeldjäger Jackie Ronin macht Baxter sich auf die Suche nach ihr und entdeckt hinter dem gewöhnlichen Alltag von Kapstadt eine Schattenwelt der Ungeheuer (Zombie-Spinnen, Riesenkrähen, Zwergensöldner u.a.) und Magie.

Dieser Roman unterliegt dem Urban-Fantasy Genre. Vorweg muss ich euch darüber informieren, dass ich mit diesem verrückten und zugleich skurrilen Buch absolutes Neuland betreten habe.
Ein Vergleich zu anderen Büchern aus diesem Genre fällt mir daher nicht leicht und ich kann ebenso nicht eindeutig sagen, ob der Autor sich bei der Gestaltung der Ungeheuer etc. bei bereits vorhandenen Bildern anderer Autoren bedient hat. Für mich persönlich erschien alles in Charlie Humans erschaffenen Unterwelt neu, fremd und eigenartig, sowie super kreativ.

Kommen wir aber erst einmal zum Aufbau von „Apocalypse Now Now – Schatten über Cape Town“, welcher sich sehr vielschichtig und gerade zu Anfang ein wenig unübersichtlich gestaltet.
Zum einen gibt es natürlich die zentrale Handlung um Baxter Zevcenko, der nicht selten zur Selbstüberhöhung neigt und definitiv nicht auf den Mund gefallen ist. Er ist schlau, verrückt, gemein, brutal und zynisch. Unsympathisch könnte man meinen, aber irgendwie schafft es der Autor, dass man ihn trotzdem mag und es genießt gemeinsam ironisches Gedankenkarussell zu fahren.
Eingeleitet wird die Haupthandlung durch eine jeweilige passende Kapitelüberschrift, die bereits alleinstehenden Unterhaltungswert besitzt, wie u.a. folgende Exemplare: „Von der unerträglichen Zumutung, ein Herz zu haben“ oder „Einmal Hirnshake, bitte“. Bereits diese Überschriften geben einen Einblick auf die zu erwartende Sprache.

Manchmal gibt es zu Beginn dieser Kapitel einen kurzen Text, der kursiv gekennzeichnet ist. Am Anfang fragt man sich als Leser natürlich, in welche Gedankenwelt und in welche Erfahrungen wir hier abtauchen dürfen und hier sei gesagt, dass sich dieser Erzählstrang am Ende entschlüsseln wird und sicherlich auch eine Überraschung bereithält.

Des Weiteren gibt es zwischen den einzelnen Kapiteln kleine Texte. Diese sind u.a. Zeitungsartikel oder Auszüge aus einer Patientenakte, die ebenfalls später gewitzt in die Handlung eingebunden werden, so dass diese am Ende (jedenfalls teilweise) einen Sinn ergeben. Man kann sie als Hintergrundinformationen ansehen.
Und auch wenn mir einige dieser Texte noch jetzt ein Rätsel sind, so kann man sagen, dass darin sehr viel Kreativität und Einfallsreichtum Seitens des Autors steckt, der sich hier zu einhundert Prozent ausgetobt hat!

Vielschichtig oder auch das Adjektiv „vollgestopft“ trifft es ganz gut, wenn man diesen Roman in nur einem Wort zusammenfassen möchte. Der Inhalt, als auch der Schreibstil selbst sind so komplex, verrückt und voller Fantasie, dass ich am Ende erstmal meinen Drehwurm auskurieren musste.
Den Schreibstil fand ich absolut genial. Die Umschreibungen, Metaphern und ironischen Bemerkungen des Protagonisten sind zum niederknien und super unterhaltsam. Man hat das Gefühl (gerade zu Beginn) in jedem neuen Satz etwas neues zu entdecken, wenn es auch noch so nebensächlich erscheint. Dadurch entsteht aber auch der Eindruck einer überladenen Handlung, die die absolute Aufmerksamkeit seines Lesers einfordert.

„Und an diesem Montagmorgen gehen wichtige Dinge vor. Ein Wunder, dass die Eltern nicht spüren, wie die Kraftlinien, die hier kreuz und quer über den Schulhof laufen, vor Energie knistern. Es ist beinahe rührend anzusehen, wie die lächelnden Elternbots ihre Kinder in diesem wütenden Ozean von Chaos und Tobsucht aussetzen, mit seliger Blindheit geschlagen und leicht euphorisiert von teurem italienischen Espresso.“ (S. 19)

Der Schreibstil gestattet einem einen gewissen Leseflow, der unterhaltsam ist. Gleichzeitig haben mich aber auch die vielen Namen, Abkürzungen von Personen und Gruppen in Baxters Umfeld leicht überfordert.
Ebenfalls sei hier auch gesagt, dass es hier keinen blumigen Inhalt gibt. Es geht teilweise brutal, dreckig und eklig zu. Hierbei unterstützt der Autor die Fantasie des Lesers, in dem er die Kulisse in der sich die Handlung abspielt sehr gut beschreibt. Diese Beschreibungen ufern jedoch nicht aus, sondern sind aufregend und spannend zu verfolgen.
So gibt es Sangoma, Elementargeister, Sprites und andere merkwürdige Kreaturen, denen man ich realen Leben lieber nicht begegnen möchte.

Auf die Handlung möchte ich kaum bis gar nicht eingehen, um hier nicht zu viel Vorweg zu nehmen. Ich finde der Klappentext ist hier durchaus gelungen und sagt genug über die Handlung des Buches aus.
Man erfährt zu Beginn von den Strukturen, in denen sich Baxter in der Highschool wiederfindet und wie er sein eigenes Netz gesponnen und sich mit dem Handel von Pornos einen Namen gemacht hat. Charlie Human gibt dem Leser damit genug Zeit in den Roman einzusteigen.
Die eigentliche (aufregende) Handlung setzt mit dem Verschwinden von Esmé ein. Baxter begibt sich auf die Suche nach ihr und der einzige, der ihm dabei helfen kann ist der paranormale Kopfgeldjäger Ronin. Plötzlich verändert sich alles…
Baxter, Kyle (sein bester Freund), Esmé, Ronin und viele andere Charaktere sind alle irgendwie verrückt, düster und alles andere als soziale Menschen, doch man findet sie dennoch irgendwie sympathisch.

Ich habe mich dazu entschieden diesem Urban-Fantasy Roman vier Papierblumen zu geben. Mir viel die Bewertung nicht ganz leicht, da ich hier keinen Vergleich ziehen kann. Ich fand den Roman aber gelungen, verrückt und super unterhaltsam. Ein Roman, dessen Sountrack von Die Antwoord stammen könnte. (Zumindestens fragt man sich teilweise, ob der Autor nicht sogar die Musik im Hintergrund hat laufen lassen, als er diese Story niedergeschrieben hat.🤔)
Gerade Leser, die mit dem Genre vertraut sind werden sicherlich an „Apocalypse Now Now“ gefallen finden. Aber auch Neueinsteiger erwartet hier ein unterhaltsames Debüt, welches zwar vielschichtig und manchmal überladen wirkt, so dass es leicht verwirrend ist, aber man merkt dennoch, dass der Autor die Handlung bis ins kleinste Detail durchdacht hat und die begeistert bis zur letzten Seite. Klare Leseempfehlung für diesen verrückten Roman!

Nebeninformation:

  • „Apocalypse Now Now – Schatten über Cape Town“ kann als Einzelband gelesen werden. Die Handlung ist abgeschlossen.
  • Am 24 Mai 2017 erscheint jedoch „Kill Baxter. Showdown in Cape Town“ und ist der zweite Teil im Baxter-Universum. 

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Bonny

 

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Lust auf einen Snack?

Ich habe im Laufe des Jahres einige Bücher des Verlages Digital-Publishers gelesen und bin auf diesem Wege auf die Booksnacks aufmerksam geworden. Dabei handelt es sich um „Kurzgeschichten to go“, also kleine Geschichten, die genau die richtige Länge haben, um sie bei einer Tasse Kaffee, im Wartesall oder im Bus zu lesen.

Der Verlag verschickt wöchentlich eine Newsletter, in dem auch jedes Mal eine dieser Kurzgeschichten gratis zum Download bereitgestellt wird. Alle anderen Booksnacks kann man auf der Verlagsseite für 1,49 Euro erwerben.

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Ich möchte euch in diesem Beitrag drei ganz unterschiedliche Booksnacks vorstellen, die ich in den letzten Tagen gelesen habe:

  • Weihnachtsüberraschung mit Hindernissen von Bettina Wagner

Zum Inhalt:

Anja mistet auf dem Dachboden aus und gibt alles auf den Sperrmüll, was sie nicht gebrauchen kann. Dieser Entrümpelungsaktion fällt jedoch auch das Geschenk zum Opfer, dass ihr neunjähriger Sohn für sie gebastelt hatte.
Als Anja das durch Zufall erfährt, setzt sie alles daran, um das Geschenk rechtzeitig wiederzufinden und die Bescherung zu retten.

Meine Meinung:

Dieser Booksnack liest sich sehr gut, könnte allerdings durchaus ein wenig mehr Tiefe und Weihnachtsstimmung vertragen. Die Handlung ist recht vorhersehbar, was mich allerdings nicht weiter gestört hat. Dennoch hat man das Gefühl, dass die sich anbahnende Liebesbeziehung mehr im Vordergrund steht, als das Weihnachtsfest und diese Tatsache ist ein wenig schade.

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  • Der Weihnachtsapfel von Nadin Hardwiger

Zum Inhalt:

Ein arme Familie lebt am Rande des Waldes in einer Holzhütte. Tagsüber hackt der Vater Holz im Wald, um es dann für ein paar Groschen zu verkaufen. Die Mutter flickt die Kleider der Dorfbewohner und erhält als Dank dafür ein bisschen Mehl. Und die Tochter kümmert sich um den Haushalt.

Eines Abends steht dann ein alter Mann mit weißem Bart und rotem Gewand vor der Tür und bittet darum, sich ein wenig aufwärmen zu dürfen. Die Familie teilt einen Apfel mit ihrem Gast und überlässt ihm dabei das größte Stück.

In der Nacht sieht die Tochter die Wunschträume der Familie in den Himmel steigen …

Meine Meinung:

Nadin Hardwiger trifft mit ihrer Kurzgeschichte genau den Nerv der Weihnachtszeit. Die zugegebenermaßen sehr kurze Geschichte erinnert an ein klassisches Märchen und ist sehr poetisch geschrieben.

Große Überraschungen hält das Weihnachtsmärchen nicht bereit: aufgrund der beschriebenen Kleidung ist dem Leser sofort klar, wer da spät abends an die Tür klopft. Auch die erfüllten Wünsche sind sehr vohersehbar aber dies mindert das Lesevergnügen nicht.

Gut gefällt mir auch das angehängte Rezept für Apfelbrot. Es passt sehr gut zu der erzählten Geschichte und klingt zudem sehr lecker. Ich werde es mit Sicherheit ausprobieren.

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  • Langsam, ganz langsam von Linda Cuir

Zum Inhalt:

Hermann hat seiner Frau Elsa versprochen, den Tod ihrer kleinen Tochter Judith zu rächen. Langsam, ganz langsam soll der Mörder sterben. Also macht Hermann sich mitten in der Nacht durch den tiefen Schnee auf, um sein Versprechen in die Tat umzusetzen…

Meine Meinung:

Bei diesem kurzen Krimi passt einfach alles: die Spannung steigt stetig an und man fiebert als Leser richtig mit, ob und wie es Hermann gelingen wird, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Im Laufe der Erzählung eröffnet sich dem Leser jedoch auch, was damals wirklich geschah und plötzlich kann man als Leser genau nachfühlen, was in Hermann und seiner Frau Else vorgehen muss.

Die Atmosphäre der verschneiten Winternacht passt perfekt zum eigentlichen Inhalt des Kurzkrimis.

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Véro

Adventskalender – Türchen 3

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Heute geht es in unserem Adventskalender etwas weniger besinnlich zu. Zwar werde ich euch auch heute kein Buch vorstellen, dennoch kommen die Krimifans unter euch bestimmt auf ihre Kosten… und  können ihren kriminalistischen Spürsinn unter Beweis stellen.

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Die „black stories“ sind vielleicht manch einem unter euch ein Begriff. In der „Christmas Edition“ dreht sich in 50 Rätseln alles um das Fest der Liebe. Allerdings geht es hier nicht sehr besinnlich zu: es werden Menschen verhaftet, es kommt zu skurrilen Verletzungen, zu Scheidungen und vielen Todesfällen.

Zuweilen sind die Geschichten recht makaber, allerdings gibt es auch andere Geschichten, die glimpflicher enden.

Die Spielregeln sind sehr einfach: Anhand von Fragen, die nur mit ja oder nein beantwortet werden dürfen, müssen die Spieler das Geschehen erraten, welches auf der Vorderseite mit einer kurzen Geschichte eingeleitet wird.

Um „black stories – Christmas Edition“ spielen zu können, benötigt man mindestens zwei Spieler, ein wenig Fantasie und eine große Portion schwarzen Humor.

Inzwischen gibt es auch die „black stories – Christmas Edition 2„. Spielspaß garantiert!

Altersempfehlung: 12-99 Jahre, Spieldauer: 2 – 222 Minuten

Véro

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Der heutige Hinweis passt zu Mitchs Wunsch:

Mitch mag es heldenhaft.

Wenn ihr glaubt unsere Wünsche zu kennen, dann schickt eure Lösung an:
nureinbuch@t-online.de

Hier gibt es Infos zum Gewinnspiel