Ich bin …

Ich bin ... Reihe

(Achtung! Diese Rezension umfasst die komplette Serie von Ethan Cross und kann demnach Spoiler enthalten.)

Agent Marcus Ackerman und sein Team jagen im Auftrag der strenggeheimen Shepard-Organisation die schlimmsten Bestien unserer Zeit: Serienmörder, Psychopathen und geisteskranke Gewalttäter. Ein nervenzehrender Job, der die Agenten mehr als einmal an ihre körperlichen und seelischen Grenzen treibt. Hinzu kommt noch der „außergewöhnliche“ Stammbaum von Marcus Ackerman. Denn ausgerechnet sein Vater ist ein schrecklicher Sadist und Serienmörder, der seinen Bruder solange folterte, bis auch dieser sich in eine mordende Bestie verwandelte…

Meine Meinung zu der Serie:

Ich entdeckte diese Serie mit Band 4 „Ich bin der Zorn“, also als Quereinsteiger. Dies störte mich keinesfalls, allerdings empfehle ich interessierten Lesern, mit Band 1 zu beginnen, da die Handlung sich im Laufe der Bücher immer weiter aufbaut.

Ethan Cross besticht durchgehend mit einem sehr angenehmen, spannenden Schreibstil, der den Leser sofort in seinen Bann zieht. Die Handlung wird rasant vorangetrieben und bringt den Leser dazu, die Bücher regelrecht zu verschlingen.

Die handelnden Ermittler werden sehr menschlich dargestellt, mit vielen Ecken und Kanten. Sie alle haben eine schwere Vergangenheit und haben sich dadurch für die Shepard-Organisation ausgezeichnet. Ihre erlebten Traumata haben sie stärker gemacht und führten dazu, dass sie im Leben nichts mehr zu verlieren haben. Das macht sie zu idealen Mitgliedern der Shepard-Organisation, jenem geheimen Organ des FBI, das sich über die Gesetze erheben darf, um Serienmörder ihrer Strafe zuzuführen. Besonders Marcus Ackerman kämpft gegen seine inneren Dämonen und scheint an der Last seiner Vergangenheit beinahe zu zerbrechen.

Ihr jeweiliger Gegenpart, allen voran der berüchtigte Serienmörder Francis Ackerman Jr., verlangt den Ermittlern alles ab. Er liebt es, Menschen Schmerz zu bereiten und daher sind die Bücher von Ethan Cross wirklich nichts für schwache Nerven. Dennoch schafft der Autor es, diesen so sadistisch veranlagten Mörder sympathisch erscheinen zu lassen. Die Rolle des Ackerman Junior finde ich persönlich sehr faszinierend, da ich mich immer wieder fragte, ob diese Bestie sich wirklich „zähmen“ lassen wird oder nur auf eigene Rechnung spielt. Schließlich ist er ein Meister der Täuschung und denkt wohl vor allem an sein eigenes Wohl. Die Einblicke in seine Psyche finde ich wirklich äußerst spannend, denn ich mag diesen psychologischen Aspekt sehr gerne bei Thrillern.

Ethan Cross schafft in jedem Band sehr starke Persönlichkeiten, die das Buch auf ihren Schultern tragen. Allerdings hoffe ich, dass der Autor sich in dem demnächst erscheinenden Buch „Ich bin der Hass“ von seinem Lieblingsfeindbild Francis Ackerman Jr. loslösen kann und uns einen Gegenspieler serviert, der nichts mit der Familie Ackerman zu tun hat. Zumindest endete Teil 4 in dieser Hinsicht sehr vielversprechend, denn scheinbar tun die beiden Brüder sich zusammen um eine Gruppe Mörder zu entlarven.

Ich bin sehr gespannt, wie es in Band 5 weitergehen wird und kann diese Reihe guten Gewissens weiterempfehlen. Sie ist vielleicht ein bisschen vergleichbar mit der „Post Mortem“ – Serie, nicht nur was den Stellenwert der Familie angeht, sondern auch die Schilderung der Gewalttaten betreffend.

Im Schnitt vergebe ich der Serie 4 Papierblumen! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine
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Praxis trifft auf Theorie

Tiefe NarbeSeit kurzem arbeitet der junge Ermittler Max Bischoff bei der Mordkommission in Düsseldorf. Sein Partner ist der wesentlich ältere Horst Böhmer, der Bischoffs fortschrittliche Ermittlungswege und seine Kenntnisse im Profiling äußerst kritisch beäugt. Doch als eines Tages ein blutverschmierter, verwirrter Journalist auf dem Revier auftaucht, stecken Böhmer und Bischoff schon nach kurzer Zeit Hals über Kopf in einem atemraubenden Fall! Also raufen die beiden Polizisten sich zusammen, schließlich müssen sie einem überaus grausamen Serienmörder das Handwerk legen. Wird es dem ungleichen Duo gelingen, gemeinsam den Täter zu stellen?

Da ich bisher noch nicht so viele Bücher von Arno Strobel gelesen habe, wusste ich nicht so genau, was mich erwarten würde. Schlussendlich kann ich sagen, dass «Tiefe Narbe» ein solider Krimi ist, der dem gängigen Schema folgt. Der Schreibstil des Autors ist angenehm zu lesen und hält die Spannung hoch. Die Kapitel waren überschaubar und endeten oft mit einem Cliffhanger, sodass ich das Buch kaum aus den Händen legen konnte.

Die Handlung ist fesselnd und zieht den Leser in ihren Bann. Das Buch lässt einen kaum zu Atem kommen. Den Kommissaren und dem Leser wird kein Moment der Ruhe gegönnt, denn der Täter scheint ihnen immer mindestens einen Schritt voraus zu sein! Der Autor versteht es, die Geschichte stetig voranzutreiben und verleitet immer wieder zu falschen Mutmaßungen und Schlüssen. Es gibt viele überraschende Wendungen und es gelingt Arno Strobel, das Rätselraten um die Identität des Mörders fast bis zum Schluss aufrecht zu halten.

Die handelnden Personen sind eher stereotypisch gezeichnet und bleiben leider recht oberflächlich. Das Buch lebt von dem diametralen Gegensatz der beiden Ermittler: Horst Böhmer ist der erfahrene, bodenständige Ermittler, der die Praxis über die Theorie stellt. Max Bischoff hingegen ist das genaue Gegenteil: jung, Überflieger an der Universität mit viel theoretischem Wissen, aber ohne wirkliche Berufserfahrung. Böhmer belächelt Bischoffs Täterprofil, letzterer wirkt auf mich teilweise aber auch recht besserwisserisch, fast schon überheblich. Die Darstellung von Horst Böhmer erschien mir sehr überspitzt, wurde er mir doch besonders zu Beginn zu sehr auf den etwas tölpelhaften, rückständigen Polizisten reduziert. Max Bischoff hingegen erschien anfangs zu glatt, im weiteren Verlauf des Buches verlor er jedoch mehr und mehr die Beherrschung. Die Mordermittlung und besonders Bischoffs private Verwicklung bringen das ungleiche Duo jedoch näher zusammen.

Die Einblicke in die Psyche des Täters sind sowohl abstoßend als auch faszinierend, zeigen sie doch in welchem Ausmaß der Täter die Brutalität und die Grausamkeit seiner Taten leugnet. Besonders zu seinem ersten Opfer baut er eine krankhafte Bindung auf und seine Schilderungen klingen eher wie Liebesbekundungen, wenn da nicht diese kleinen, grausamen Details wären.

«Du liegst in meinen Armen, so dicht an mir, dass unsere Haut sich überall berührt. Ich halte dich, drücke dich immer wieder an mich und wünschte, wir könnten bis in alle Ewigkeit so liegen bleiben.» (S.7)

Er ist überzeugt davon, dass die Frauen sein Empfinden mit ihm teilen, er deutet ihre Schmerzensschreie ja sogar als Ausdruck ihrer Erregtheit. In seinem Wahn glaubt er sogar, dass er für die Frauen sorgt, sich um sie kümmert und ihnen ein behagliches Zuhause einrichtet.

«Ich habe dir ein Bett besorgt, das Fenster von innen zugemauert und die Wände mit schallisolierendem Material verkleidet, damit du nicht durch Geräusche von außen gestört wirst». (S.359)

Die Handlung an sich ist teilweise recht brutal, denn die Verletzungen die den Opfern zugefügt wurden, sind nicht ohne. Der Autor spart nicht an grausigen Details, daher ist dieses Buch nichts für Einsteiger in das Genre Krimi & Thriller.

Alles in allem ist das Buch ein gelungener Auftakt einer neuen Trilogie und bietet eine packende Lektüre nach bewährtem Krimi-Prinzip!

Ich vergebe 4 Papierblumen! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

Duell der Genies!

Verdächtige GeliebteDramatische Ereignisse führen dazu, dass Yasuko ihren Ex-Ehemann tötet. Ihre Tochter hilft ihr mehr oder weniger aktiv bei der Tat und daher steht für die Mutter schnell fest, dass sie unmöglich die Polizei einschalten kann. Schließlich erhält sie Hilfe von unerwarteter Seite: Ihr Nachbar, seinerseits ein Genie auf dem Gebiet der Mathematik, verhilft ihr zu einem möglich perfekten Alibi und fingiert den Tathergang so, dass Yasuko schuldlos davonkommen sollte. Wird diese Verschleierungstaktik aufgehen oder kommt die Polizei doch noch auf die richtige Spur?

Der Schreibstil des Autors ist flüssig und leicht zu lesen, allerdings erscheint mir die Sprache an manchen Stellen etwas arm zu sein. Vielleicht liegt das aber auch an der Übersetzung, die möglicherweise nicht alle feinen Nuancen berücksichtigt. Der Einstieg in das Buch ist mir leichtgefallen und die japanischen Namen verwirrten mich nur kurz, da ich mich doch recht schnell daran gewöhnte. Die Handlung beginnt sofort sehr spannend, flachte dann jedoch zusehends ab und vor allem im Mittelteil gab es zu viele Wiederholungen. Erst gegen Ende konnte das Buch mich wieder fesseln und überraschen! Denn der Schluss hat es wirklich in sich!

Yasuko und ihre Tochter sind sehr sympathisch dargestellt und ich kann ihre Abscheu gegenüber des Toten zu jedem Moment nachvollziehen. Die Beobachtungsgabe des Mathematiklehrers ist zweifellos überragend und mich streifte am Anfang der Gedanke, ob er nicht vielleicht leicht autistische Züge aufweist. Er ist ein sehr analytischer Geist, versucht alles mit blanker Logik zu erklären und betrachtet den Mord als ein Problem, für das es eine Lösung gibt. Er scheint einen Plan zu haben und will diesen auch umsetzen.

Sein Gegenspieler auf Seiten der Polizei ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Physik und kann intellektuell mit Ishigami mithalten. So entsteht ein verbales Duell zwischen befreundeten Genies, bei dem jedes Wort eine besondere Intensität und Bedeutung erfährt. Diese Interaktionen stellen auch den Mittelpunkt des Buches dar, denn schnell wird klar, dass nur Yukawa die Fähigkeiten besitzt, den Plan des Lehrers zu entlarven.

Obwohl ihre Wortgefechte interessant waren, stellen sie für mich doch auch einen wesentlichen Kritikpunkt des Buches dar. Es gibt eine ganze Reihe Krimis, bei denen man als Leser sofort weiß, wer der Täter ist. Diese Idee ist also nicht neu und kann richtig umgesetzt genauso spannend sein wie das Szenario mit einem unbekannten Täter. Denn auch solche Bücher können immer noch die Kriterien eines Krimis erfüllen. Dies war hier in meinen Augen nicht der Fall. Denn die meisten typischen Krimielemente traten hier kaum oder nur sehr sporadisch zum Vorschein. Polizeiliche Ermittlungen gab es eigentlich gar nicht, denn der ganze Fall wurde durch die Denkspiele des Physikers vorangetrieben. Dies störte mich teilweise doch gewaltig, vor allem da die Geistesblitze des Physikers sehr oft auf der Luft gegriffen wirkten. So gab es bis zum Schluss einige Ungereimtheiten, die mir nicht ganz logisch erschienen.

Die Idee hinter dem Buch gefällt mir nach wie vor sehr gut, die Umsetzung konnte meine Erwartungen jedoch nicht erfüllen. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich durch und durch Krimi-Leserin bin und ganz bestimmte Anforderungen an ein solches Buch stelle. Meiner Ansicht nach hat der Klappentext nicht zu viel verraten, sondern zu viel versprochen.
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Ich vergebe drei Papierblumen!

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Christine

Eiskalt!

I- 18 Gradn Helsingborg rast ein Auto über die Brücke in das Hafenbecken. Der Fahrer des Autos hat keine Chance, aus dem Wasser zu entkommen. Sofort schaltet das Team um Fabian Risk sich ein und untersucht, wie es zu diesem Unfall kommen konnte. Doch spätestens als der Gerichtsmediziner seine Untersuchungsergebnisse präsentiert, wird allen klar, dass hier etwas nicht stimmen kann! Denn der Tote war ungefähr zwei Monate lang tiefgefroren … Wie konnte ein Toter Auto fahren? Die Ermittlungsgruppe steht vor einem Rätsel und schon bald wird ihnen klar, dass sie es dieses Mal mit einem schier übermächtigen Gegner zu tun haben!

Dies war mein erstes Buch von Stefan Ahnhem und somit habe ich auch die Serie um Fabian Risk nicht in chronologischer Reihenfolge begonnen. Dies empfand ich nicht als störend, da es fast keine Verweise auf frühere Fälle gab und somit die Spannung nicht getrübt wurde. Überhaupt versteht der Autor es, Cliffhanger gekonnt einzusetzen und das Buch durchweg fesselnd zu gestalten. Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm zu lesen. Der Spannungsbogen ist sehr gut aufgebaut und bringt den Leser dazu, immer tiefer in das Buch einzudringen.

Die Charaktere sind sehr interessant gezeichnet und haben reichlich Ecken und Kanten, was mir immer sehr gut gefällt. In dieser Hinsicht ist „Minus 18 Grad“ ein typischer Schweden-Krimi, denn die handelnden Personen sind keinesfalls idealisiert, sondern schleppen jeweils ihr Päckchen Ballast, Schuldgefühle und Versagensängste mit sich herum.

Die Handlung an sich ist gekonnt aufgebaut und die beiden parallel geführten Ermittlungsstränge treiben das Geschehen immer weiter voran. Beide Themen, Identitätsdiebstahl und «Happy Slapping» sind sehr interessant ausgeführt und besonders «Happy Slapping» machte mich fassungslos und wütend! Leider hege ich keinen Zweifel daran, dass es so etwas tatsächlich gibt und diese Vorstellung ist einfach nur grässlich.

Allerdings fragte ich mich gleich zu Beginn, warum dieser zweite Erzählstrang in das Buch mit eingebaut wurde. Ziemlich schnell wurde mir dann klar, dass dessen einzige Daseinsberechtigung darin besteht, dass es hierbei um das Privatleben des Ermittlers geht. Daher war ich nicht sonderlich überrascht, wie dieser Teil der Handlung sich entwickelt hat und ich gehe davon aus, dass Dunja alle Täter zur Rechenschaft ziehen möchte. Dieser Teil des Buches ist also noch nicht abgeschlossen, sondern wird wohl im folgenden Band weiter ausgebaut.

Störend empfand ich allerdings die vielen, teils abstrusen und unglaubwürdigen Identitätswechsel. Immer wieder wird betont, dass der Täter die Verbrechen nur ausüben konnte, da er sich so akribisch vorbereitete und seine Opfer bis ins letzte Detail imitieren konnte. Da frage ich mich doch, wie es ihm möglich war, so eine große Anzahl an Identitäten in derart kurzer Zeit zu stehlen. Auch fand ich es unverständlich, dass die Polizei den Täter während dessen Untersuchungshaft nicht als Doppelgänger enttarnen konnte. Schließlich wussten sie doch, dass er komplett kahlgeschoren war, Augenbrauen inklusive. Sie hätten doch nur prüfen müssen, ob die Haare des Täters echt sind um sich zu vergewissern, dass er auch wirklich die Person ist, für die er sich ausgibt. Irgendwie erschien mir dies nicht ganz logisch, sondern im wahrsten Sinn des Wortes an den Haaren herbeigezogen!

Insgesamt ist dieses Buch aber ein sehr gelungener Thriller, der aufgrund seines konsequenten Spannungsaufbaus so manchen Leser zu begeistern vermag. Fans von Schwedenkrimis kommen hierbei sicher auf ihre Kosten!

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Christine

Wahn oder Wirklichkeit? Ein spannendes Debüt!

Die TherapieWo ist Josy? Vier Jahre ist es nun her, dass die Tochter des Starpsychiaters Viktor Larenz spurlos verschwand und seither durchlebt der verzweifelte Vater unvorstellbare Qualen. Doch eines Tages taucht eine seltsame Unbekannte in seinem abgelegenen Ferienhaus auf und schon bald wird Larenz klar, dass er der Wahrheit über das Schicksal Schritt für Schritt näher kommt!

Sebastian Fitzeks Schreibstil ist wie immer spannend und schnörkellos. Er kommt zum Punkt, schafft es aber dennoch eine verwirrende und aufgeladene Atmosphäre darzustellen. Man taucht in diese seltsame Mischung aus Wahn und Wirklichkeit ein und weiß zum Schluss nicht mehr, was man noch glauben kann. Vom Aufbau her erinnerte dieses Buch mich ein bisschen an «Das Paket», es hat mir aber wesentlich besser gefallen, da es stimmiger und logischer aufgebaut ist.

Was mich allerdings ein bisschen störte, waren Kapitelüberschriften wie «Drei Tage vor der Wahrheit». Hier erscheint mir der Spannungsbogen doch ein bisschen plump aufgebaut zu sein. Da es sich aber um das Debüt des Autors handelt, will ich da mal nicht so streng sein! 😉

Die Erzählperspektive ist einseitig auf den Psychiater fixiert, was Sinn macht und dem Buch seinen Charme verleiht. Dieser Plot ließ gar keine andere Möglichkeit zu, denn jede weitere Informationsquelle hätte die Verwirrung und diese unsichere Stimmung zerstört.

Die Auflösung an sich ist schlüssig und wirkt nicht zu aufgesetzt oder übertrieben. Zwar kam ein gewisser Verdacht, der sich im Nachhinein auch bestätigte, recht früh in mir auf, dennoch hatte ich die Wendung am Schluss so nicht erwartet. In diesem Roman beweist Fitzek, dass er ein Meister der Täuschung sein kann. Denn während der Handlung tauchen sehr viele, neue Informationen auf, doch man merkt sofort, dass man den Eindrücken des Psychiaters nicht immer trauen kann. Denn eigentlich wird einem sehr schnell klar, dass diese Situation nicht mehr auf normalem Wege zu erklären ist. Wie es sein kann, dass diese Krankheit so lange unerkannt blieb, kann ich mir jedoch nicht erklären und dies lässt die Handlung an Glaubwürdigkeit einbüßen.

Viktor Larenz ist eine sehr ambivalente Persönlichkeit. Es gelang mir während der gesamten Lektüre nicht, ein Verhältnis zu ihm aufzubauen. Seine Gedanken waren sehr wirr und der Leser merkte schnell, dass da etwas nicht stimmt. Dies verhindert, dass man sich wirklich in ihn hineinversetzen kann, erhöht gleichfalls aber die Spannung, da man wissen möchte, wie alles zusammenhängt.

Insgesamt ist «Die Therapie» eine fesselnde Lektüre und gehört meiner Ansicht nach zu den besseren Fitzeks! Ich vergebe 4 Papierblumen!NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

Wenn der Postbote dreimal klingelt …

das-paketEmma Stein wird in ihrem Hotelzimmer vergewaltigt und skalpiert. Ist sie das neuste Opfer des Serienmörders «Friseur»? Niemand will ihr glauben, da der Friseur seine Opfer bisher immer getötet hat und Emma die Beweise fehlen. Verstört zieht Emma sich zurück, bis das Grauen in Form eines Pakets bei ihr zu Hause ankommt …

Sebastian Fitzek schafft es auch in seinem Thriller «Das Paket» die Spannung hochzuhalten und den Leser ans Buch zu fesseln. Sein Schreibstil ist fließend und sehr angenehm zu lesen. Cliffhanger am Ende der Kapitel halten die Spannung hoch und verhindern, dass der Leser das Buch aus der Hand legt. Sebastian Fitzek versteht ohne Zweifel sein Handwerk und verfügt über das nötige Feingefühl die Handlung zu den richtigen Momenten voranzutreiben.

Allerdings hat «Das Paket» mich inhaltlich nicht so wirklich von den Socken gehauen. Emma empfand ich zunehmend als nervtötend und als eher unsympathisch. Wieso sie in Bezug auf das Stromexperiment log ist mir bis jetzt nicht klar und auch sonst waren ihre Reaktionen teils sehr überzogen.

Das Buch basiert darauf, dass man als Leser nicht weiß, was Realität und was Wahn ist. Diese Idee ist allerdings nicht besonders originell und das Spiel ziemlich leicht zu durchschauen. Leider war ich mir sehr schnell sicher, wie ich die verschiedenen Zwischenfälle in Emmas Leben einschätzen soll und ich behielt mit fast allem recht. Das wunderte mich sehr, da man gerade bei einem Autor wie Sebastian Fitzek glaubt, dass eine unvorhergesehene Wendung am Schluss alles noch einmal umkrempelt. Dies blieb hier jedoch aus. Man merkt nämlich recht schnell, dass der Täter Emma persönlich kennen muss und ihr ziemlich nah steht. Das engt den Kreis der Verdächtigen schnell ein und per Ausschlussverfahren war es nicht mehr schwer, sich den Rest zusammenzureimen.

Vielmehr empfand ich den Schluss als sehr schwach. Übertrieben in der Darstellung, doch eigentlich ohne wirkliche Überraschung und ziemlich vorhersehbar. Die Erklärung was mit Samson passierte, fand ich echt fantasielos, unglaubwürdig und nicht bis zum Ende durchdacht. Dies war in meinen Augen der Knackpunkt des Buches, danach ging es bergab.

Es tut mir sehr leid, dass meine Meinung zu diesem Buch, auf das ich mich so gefreut habe, nun recht negativ fällt. Aber gerade nachdem ich zuvor «Passagier 23» gelesen hatte, habe ich mir einfach mehr von diesem Buch erhofft. Wer einen unterhaltsamen Thriller sucht, wird hier trotzdem fündig. Denn das Buch ist ohne Zweifel spannend und liest sich sehr gut, auch wenn ich es inhaltlich etwas an den Haaren herbeigezogen fand.

Ich vergebe 3 Papierblumen! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

 

So werfe den ersten Stein …

denn-keiner-ist-ohne-schuldDeborah und Simon St. James wollten eigentlich einen gemütlichen Urlaub in dem recht einsamen Lancashire verbringen. Doch dann stellen sie fest, dass der Dorfpfarrer vor kurzem auf sehr verdächtige Art und Weise starb. St. James, der sofort ein Verbrechen wittert, zögert nicht lange und bittet seinen Freund Thomas Lynley zu Hilfe. Gemeinsam tauchen die beiden Freunde tief in das Leben der Dorfgemeinschaft ein und decken dabei so manches Geheimnis auf.

Der 6. Band der Inspector Lynley Reihe von Elizabeth George hat mir bisher am besten gefallen. Der sonst so ausufernde Schreibstil der Autorin kam mir hier regelrecht gezügelt vor, da sie sich weniger in Details verlor als in manchem Vorgängerbuch. In gewohnt ruhiger Manier schildert sie den Tathergang und schafft es, den Leser zweifeln zu lassen. Natürlich sind ihre Beschreibungen des Dorfes, dessen Einwohner und dessen Geschichte nach wie vor sehr ausführlich, doch ich empfand es nicht als übertrieben oder langatmig.

Das Privatleben der Ermittler wie immer eine wichtige Rolle. Vor allem mit Barbara Havers leide ich immer richtig mit. Deborah und Helen wirken manchmal doch sehr divenhaft und neigen dazu, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Dennoch versprüht vor allem die wilde, kaum zu bändigende Helen manchmal einen Jungmädchen-Charme, der sie sofort wieder sympathisch macht.

Ab und zu muss ich schmunzeln über die Art und Weise, wie Lynley und St. James mit Frauen umgehen. Diese stocksteife Art und die Fixierung Lynleys auf eine Hochzeit sind doch ziemlich veraltet und verraten das wahre Alter dieser Bücher. Dies tut der Spannung keinen Abbruch, doch oft leide ich mit Helen und schüttle innerlich den Kopf, wenn Lynley wieder mit diesem Thema anfängt!

Der Tathergang an sich ist, wie immer bei Elizabeth George, sehr logisch aufgebaut und fügt sich am Ende zu einer glaubwürdigen Aufklärung des Falles. Schien der Täter auch von Anfang an klar zu sein, so rätselte ich doch unentwegt welches Motiv der Tat zu Grunde lag. Am Ende wurde ich überrascht und ich konnte den Täter erschreckenderweise sehr gut verstehen. Denn es gab zum Schluss nur Verlierer.

Wer die Inspector Lynley Romane lesen möchte, sollte sie unbedingt in chronologischer Reihenfolge lesen, da das Privatleben der Protagonisten eine sehr große Rolle spielt und man sonst nicht alle Zusammenhänge verstehen kann.

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Christine

Was wäre wenn … teuflisches Spiel mit den Ängsten der Menschen

18-das-vermachtnisBei einem Tauchgang entdeckt Mitch ein versunkenes, bisher noch unentdecktes U-Boot. Natürlich kann er seine Neugier nicht zügeln und erkundet das Wrack. Was er dort entdeckt, verschlägt ihm schier den Atem: Nazi-Gold und eine Metall-Box mit brisanten Dokumenten! Doch Mitch und sein Team können ihren Fund weder genießen, noch in aller Ruhe analysieren. Denn sie haben in ein Wespennest gestochen und nun werden sie gnadenlos von äußerst brutalen Nazis gejagt. Welchem Geheimnis sind sie auf der Spur?

Dies ist mein erstes Buch des Autors Gerhard Wegner, aber der Einstieg in das Geschehen fiel mir dennoch sehr leicht. Die Charaktere werden anschaulich beschrieben und besitzen ihre eigene Persönlichkeit. Ich fand mich sehr schnell zurecht und das finde ich immer wichtig, wenn man als Quereinsteiger in eine Bücherreihe einsteigt.

Ich finde es ja immer sehr interessant, wenn ein Buch mit einem historischen Kontext verknüpft ist und gerade um Hitlers Tod ranken sich ja viele Verschwörungen. Daher war ich sehr gespannt, wie der Autor mit diesem Thema umgehen wird!

Das gesamte Team wirkt sehr sympathisch und überaus kompetent. Die Bösewichte scheinen auch überall ihre Finger im Spiel zu haben und scheuen nicht vor brutalster Gewalt zurück. Leider wurde bereits am Anfang der Handlung verraten, dass Gilles ein doppeltes Spiel spielt. Das finde ich etwas schade, da es verhindert, dass man sich selbst Gedanken über einen eventuellen Maulwurf macht.

Des Weiteren wirkt das Buch durch die rasante Handlung manchmal etwas oberflächlich und einzelne Bereiche werden sehr schnell abgefertigt. Aber dies ist vielleicht auch nur mein Eindruck und tut der Spannung und dem Lesefluss absolut keinen Abbruch!

Die Attentate sind leider sehr aktuell und verankern das Buch noch tiefer im Zeitgeschehen, denn diese Gefahr ist sehr real und bedroht unsere Werte. Auch die anvisierten Ziele passen zu dem Schema von solch terroristischen Organisationen. Die zunehmenden rechtsradikalen Kräfte stellen unsere Gesellschaft vor gravierende Probleme und müssen dringend unterbunden werden. Rechtsradikale Bürgerwehren werden im Buch salonfähig und kennen einen regen Zulauf! Doch nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa steht vor einer schweren Prüfung, da diese fremdenfeindlichen Bewegungen die Bevölkerung vor eine Zerreißprobe stellen… Leider droht dies Wirklichkeit zu werden …

Die Anziehungskraft und die Manipulationsfähigkeit der Nazis sind erschreckend und leider scheinen auch in der Realität immer mehr Leute sich von rechtsradikalen Parteien blenden zu lassen. Diese Gefahr wird meiner Meinung nach von der breiten Masse unterschätzt, denn sonst müsste die Wahlbeteiligung viel höher liegen. Viele gemäßigte Bürger gehen überhaupt nicht wählen, was den radikalen Parteien natürlich zu Gute kommt, da deren Wähler eher mobilisiert werden können. Die Gefahr, dass eine solche Partei in einem europäischen Land das Ruder übernimmt, ist leider sehr real und wäre ein interkulturelles Fiasko!

Der Schluss dieses Thrillers hat es wirklich in sich! Schlag auf Schlag wird die Handlung vorangetrieben und die Spannung ist fast mit Händen zu greifen. Nur mit viel Glück entkommen Mitch, Claire, Johanna und Thomas den Nazis und decken dabei eine erschreckende Wahrheit auf!

Dieses Buch ist ein politisch in der Zeitgeschichte verankertes Buch, das meiner Ansicht nach allerdings manchmal ein bisschen schnell über einige Themen hinweggeht. Ich finde, dass es sehr viel Inhalt auf „nur“ 340 Seiten bietet und daher bleibt es manchmal etwas oberflächlich. Für meinen Geschmack hätte es etwas detaillierter, etwas ausgebauter sein können. Aber das ist nur meine persönliche Meinung

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Christine

 

Wo ist Kadir?!

kadir-der-krieg-und-die-katze-des-prophetenKadir und Mark sind das Dreamteam im Sturm des örtlichen Fußballvereins und auch außerhalb des Rasens sind die besten Freunde unzertrennlich. Bis Kadir eines Tages spurlos verschwindet! Alarmiert versuchen Mark und Kadirs Schwester Meral den Aufenthaltsort des vermissten Jugendlichen aufzuspüren. Doch schnell hegen die beiden einen grausamen Verdacht: Hat Kadir sich radikalisiert und ist für den IS in den Heiligen Krieg gezogen?

Benno Köpfer und Peter Mathews haben mit Kadir, der Krieg und die Katze des Propheten ein wichtiges Buch veröffentlicht, das sehr authentisch die Geschichte eines radikalisierten Jugendlichen erzählt. Interessanterweise wird die gesamte Handlung aus Marks Sicht erzählt, Kadirs bestem Freund und einzigem Vertrauten in Deutschland. Denn nach seiner Rückkehr aus Syrien zieht Kadir seinen Freund ins Vertrauen und erzählt ihm die Wahrheit.

Dies ist aus Sicht der Autoren nur logisch, da Mark die Handlung in Deutschland vorantreibt. Er macht sich große Sorgen um seinen Freund und will ihn unbedingt aufspüren. Daher wendet er sich auch umgehend an Kadirs Familie, wird dort allerdings nur von Kadirs Schwester Meral unterstützt. Kadirs Onkel, der seit dem Abgang von dessen Vater das Oberhaupt der Familie ist, will vom IS und den Salafisten nichts hören und verschließt die Augen vor der Wahrheit:

„Dschihad. Meinst du die Idioten in Syrien? Ich werde ihm beide Beine brechen, wenn er diesen Verrückten hinterherläuft!“ (S.33)

„Damit haben wir (Moslems) nichts zu tun. Das liegt an den Computern, auf denen ihr ständig spielt. Da schießen sie alle tot und klauen Autos. Das kommt aus Amerika, das ist Teufelszeug. Ich sage euch, das sind die wahren Teufel und Verführer.“ (S.33)

Der Onkel verabscheut die Salafisten, nimmt die Gefahr aber nicht ernst. Er weiß sehr wohl, dass in ihrer Moschee eine radikalere Gebetsgruppe ansässig ist und dass Kadir sich ihnen angeschlossen hat, doch er spielt dies herunter.

„Kadir ist bei denen da gelandet. Das sind Delikanli, junge Leute mit wildem Blut“, sagte der Onkel und deutete an, dass die am anderen Tisch verwirrt seien.“ (S. 38)

Kadirs familiäre Situation spielt eine besonders wichtige Rolle in diesem Buch. Der Vater hat sich aus dem Staub gemacht und ist ohne die Familie in die Türkei zurückgekehrt. Die jüngere Schwester ist dem Islam auch sehr verbunden und droht ebenfalls in die Salafisten-Szene abzurutschen. Einzig Meral, Kadirs ältere Schwester, steht fest im Leben und tut was sie kann, um ihren Bruder zu finden. Mit der Hilfe ihrer Mutter kann sie dabei nicht rechnen, denn diese ist sehr unselbständig und würde sich außerhalb der eigenen vier Wände überhaupt nicht zurechtfinden.

„Sie war in den zwanzig Jahren Deutschland aus ihrer Küche, also im Prinzip aus dem Stadtteil Kadiköy in Istanbul, besser: ihrem Dorf in Anatolien, nicht rausgekommen.“ (S.61)

Immer wieder werden Verse aus dem Koran zitiert und einzelne Sure dargelegt. Diese etwas theoretischen Stellen dürfen natürlich in einem solchen Buch nicht fehlen, da dieses Buch für Jugendliche gedacht ist und diese nicht unbedingt das nötige Vorwissen mitbringen. Die Autoren wollen erklären und zeigen immer wieder die Unterschiede zwischen den Moslems und den Salafisten auf, genauso wie sie auf andere, große Weltreligionen anspielen.

„Bei den Christen hat sich inzwischen durchgesetzt, dass man das (die Bibel) als historische Geschichte lesen sollte.“ (S.54)

„Die Salafisten zum Beispiel nehmen den Koran wörtlich und wollen alles so machen, wie es die Alten, As-Salaf-as-salih, die ehrbaren Prophetengefährten gemacht haben.“ (S.54)

Auch Kadirs Aufenthalt in Syrien, der einen großen Teil des Buches einnimmt, wird sehr ausführlich beschrieben. In diesen Momenten zeigen die Autoren, dass sie sich sehr viel Wissen über dieses Phänomen angeeignet haben und sie versuchen auf ihre Art, die Jugendlichen wachzurütteln. Denn es sollte doch jedem zu denken geben, dass das Leben eines Kätzchens, so niedlich es auch sein mag, wertvoller zu sein scheint als das Leben eines „ungläubigen“ Menschen!

Dieses Buch ist, genau wie andere Jugendbücher dieser Thematik, sehr wichtig und wertvoll, weil es vielleicht helfen kann, gefährdete Jugendliche aufzuklären und ihnen die Realität vor Augen zu führen. In der heutigen Zeit sollten solche Bücher und die ehrliche, freundliche und objektive Auseinandersetzung mit dem Thema zu jedem Lehrplan gehören. Denn jeder Jugendliche, der sich, von welcher Ideologie auch immer, instrumentalisieren lässt und sein Leben riskiert, ist ein Jugendlicher zu viel!

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Christine

 

 

Mörder im Gepäck!

schnick-schnack-totKiki, das vermeintlich beliebteste Mädchen der Schule wird während der Klassenfahrt an die Nordsee tot aufgefunden. Schnell steht fest, dass ein Mörder hier sein Unwesen treibt! Leider sitzen die Schüler und die Lehrer nun auf der Insel fest und müssen warten, bis das Wetter sich beruhigt hat um wieder nach Amsterdam zurückkehren zu können … Doch auch der Mörder befindet sich unter ihnen und ist bereit, über Leichen zu gehen um seine Identität zu schützen! Wird es weitere Opfer geben?

Mel Wallis de Vries hat mit diesem Buch einen durchaus spannenden Krimi für Jugendliche geschrieben, auch wenn er für mich als Erwachsene etwas zu seicht war. Ihr Schreibstil ist angenehm zu lesen und sprachlich an die Zielgruppe angepasst. Auch der Aufbau des Buches ist sehr gut für junge Leser geeignet, da er eine starke Struktur vorgibt und somit die Handlung fest verankert. Nur die Wahl des Titels kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen, da ich den Bezug zum Inhalt nicht erkennen kann.

Die Insel Vlieland wird sehr anschaulich beschrieben, so dass man das Gefühl hat, sich mitten auf der Insel zu befinden. Auch die einzelnen Charaktere sind schön herausgearbeitet und man lernt vereinzelte Schüler recht gut kennen.

Die Handlung wird aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt und schon bald wird klar, dass eigentlich ziemlich viele Personen als verdächtig eingestuft werden müssen. Denn Kiki war im Endeffekt eher gefürchtet als beliebt und hat sehr viele Leute mit ihrer Art und Weise vor den Kopf gestoßen. So finden sich sehr viele Tatmotive und der ermittelnde Polizist droht auf den Holzweg zu geraten. Diese wechselnden Erzählperspektiven haben den Nebeneffekt, dass man sich leider nicht wirklich mit einer Person identifizieren kann, es gibt keinen richtigen Protagonisten, sondern eher mehrere, gleichgestellte Nebenfiguren die die Handlung gemeinschaftlich vorantreiben.

Bis zum Schluss wusste ich nicht, wer der Täter sein könnte, denn es gab einfach zu viele Möglichkeiten. Dies hält natürlich die Spannung hoch und lässt dem Leser die Möglichkeit, mitzufiebern. Dennoch ist die Auflösung logisch und in sich abgeschlossen.

Insgesamt ist dies ein toller Einsteiger-Krimi für Jugendliche, die dieses Genre einmal ausprobieren wollen. Das Buch ist spannend und angenehm geschrieben, bleibt aber inhaltlich jugendgerecht.

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Christine

 

Die Stille vor dem Tod – zu still!

die-stille-vor-dem-todSmoky Barrett und ihr Team werden nach Denver, Colorado beordert, da ein grausamer Mörder dort sein Unwesen treibt. Drei Familien wurden bestialisch ausgelöscht und Smoky soll dieses Rätsel nun mithilfe ihrer Kollegen aufdecken. Doch kaum am Tatort angelangt überschlagen sich die Ereignisse und die Ermittlergruppe wird an ihre Grenzen gebracht …

Cody McFadyen ist bekannt für seine Smoky Barrett-Reihe, allerdings muss ich gleich zu Beginn sagen, dass dies mein erstes Buch des Autors war. Ich kenne demnach weder Smoky selbst, noch ihre Vorgeschichte aus den vorherigen Büchern.

„Die Stille vor dem Tod“ beginnt sehr spannend und rasant, allerdings empfinde ich die vielen verschiedenen Elemente als eher übertrieben und unrealistisch. Dass Cody sich hochschwanger auf eine solche Ermittlung einlässt, finde ich sehr unglaubwürdig, vor allem da ich in anderen Büchern schon gelesen habe, dass schwangere Beamtinnen sehr früh in den Innendienst versetzt werden …

Leider hielt sich die Spannung nur auf den 100 ersten Seiten, danach wurde das Buch für mich zu einem zähen, langatmigen Kampf! Die Grundideen des Buches, die durchaus viel Potential zu bieten hätten, werden durch Privatkram, der immer wieder wiederholt wird, erdrückt. Ich musste mich wirklich zwingen, weiterzulesen und das passiert mir nicht sehr oft! Die Spannung verliert sich in zu vielen kleinen, uninteressanten Details! Dieses ganze Gerede um die verschiedenen Theorien war einfach nur ermüdend und sehr in die Länge gezogen.

Dabei ist das Buch ziemlich brutal, der Autor schreckt nicht vor Gewalt und Blut zurück. Doch wenn ich mir einen Thriller kaufe, will ich nicht eine Grausamkeit nach der anderen aufgezählt bekommen. Vielmehr geht es doch darum, von einer packenden Handlung in den Bann gezogen zu werden und mit den Ermittlern mitzufiebern. Das ist dem Autor meiner Meinung nach nicht gelungen, da die Ermittlungen zweit – wenn nicht sogar drittrangig waren.

Denn die Art und Weise, wie eines der Monster am Ende entlarvt wird, ist an Banalität kaum zu überbieten … Das Buch ist sehr in die Länge gezogen, aber der in meinen Augen wichtigste Punkt, nämlich die Enttarnung des Täters, wird in Rekordzeit abgearbeitet. Das finde ich sehr deprimierend, vor allem da die Erklärung an den Haaren herbeigezogen wird und eigentlich nur auf Vermutungen beruht! Da hätte ich mir wesentlich mehr erhofft, vor allem da ich mich bereits durch die vorherigen Kapitel mehr oder weniger quälen musste.

Aber der Autor bleibt sich treu und somit ist auch das letzte Verhör sehr langatmig, vor allem in Anbetracht der spärlichen Informationen, die daraus resultieren. Denn das Ende ist eigentlich keins, die Ermittlungen finden kaum statt und die Aufklärung wird auf das nächste Buch verschoben … Die vielen verschiedenen Handlungsstränge, die das Buch zu Beginn so spannend machten, wurden irgendwie vergessen und nicht richtig aufgeklärt.  Anstatt diese vielen Ideen zu einer logischen, handfesten Aufklärung zu verknüpfen, serviert der Autor den Ermittlern einen kleinen Fisch auf dem Silbertablett, damit er das Buch irgendwie beenden kann … Schwach!

Wer eine komplexe Erklärung für das Geschehene erwartet, wird bitter enttäuscht und muss wohl auf die unausweichlichen Fortsetzungsbände warten… Leider fand ich den Aufbau so langweilig, dass ich sicherlich kein weiteres Buch dieser Reihe mehr lesen werde!

Wie gesagt soll sich niemand durch meine Meinung angegriffen fühlen! Gott sei Dank findet auch dieses Buch genug Fans, die es gerne lesen und geradezu verschlingen. Es ist halt nur nicht mein Fall, was mich aber nicht davon abhält euch noch viel Spaß mit den Büchern rund um Smoky zu wünschen! 🙂

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Christine

 

Die Macht der Anonymität

anonymNina Salomon und Daniel Buchholz ermitteln in ihrem ersten gemeinsamen Fall! Ein gefährlicher Psychopath lähmt ganz Hamburg, denn er lässt Menschen anonym über den Tod eines anderen, nominierten Menschen abstimmen. Jeder darf einen Mitmenschen, dem er den Tod wünscht, auf die Kandidatenliste setzen lassen und die Internetuser stimmen dann anonym ab, welches der vier Opfer der aktuellen Liste dem Tode geweiht ist. Anschließend vollzieht der Mörder das Urteil. Es ist ein perfides Katz-und-Maus-Spiel, das die beiden Ermittler an den Rand ihrer Fähigkeiten bringt. Wird es ihnen gelingen, den Wahnsinn zu stoppen?

Meine Erwartungen an ein gemeinsames Buch des Autorenduos Poznanski und Strobel waren immens hoch, da ich die beiden Autoren sehr mag. Und sie wurden alle erfüllt! Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und sehr spannend. Die beiden Autoren bringen die Dinge auf den Punkt und treiben die Handlung stetig voran. Der Spannungsbogen lässt zu keinem Zeitpunkt nach und ich wollte das Buch nicht aus der Hand legen.

Die abwechselnden Perspektiven, aus denen das Buch erzählt wird, tragen dazu bei, dass man die teils sehr komplexen Charaktere besser verstehen kann. Denn die Kapitel werden größtenteils aus der Sicht von Daniel Buchholz und Nina Salomon erzählt, gelegentlich ergänzt durch ein kurzes Kapitel aus der Sicht des Täters.

Die Charaktere sind glücklicherweise absolut keine perfekten Ermittler, sondern tragen alle beide ihr Päckchen und versuchen einfach nur, gute Polizisten zu sein. Ihr persönlicher Hintergrund trägt anfangs dazu bei, dass es Spannungen in ihrem Team gibt, doch im Verlauf der Handlung gewöhnen sie sich immer besser aneinander und lernen sich auch schätzen. Insbesondere Nina kämpft mit persönlichen Problemen und benimmt sich oft sehr voreingenommen oder stempelt Menschen vorschnell ab. Sie ist eher aufbrausend, hat sich und ihr Temperament nicht immer ganz im Griff und verachtet Paragraphenreiter. Sie will ihr Ding durchziehen und den Täter schnappen, koste es, was es wolle. Sie engagiert sich daher sehr schnell sehr persönlich in dem Fall und übertritt so manche Grenze. Ihr Partner Daniel Buchholz ist hingegen sehr pedantisch und hat eine fast schon krankhafte Einstellung gegenüber Schmutz und Bakterien, denn bei ihm muss immer alles penibel sauber sein! Eine interessante Konstellation die viel Potential bietet!

Die Handlung an sich ist genial und passt perfekt in den heutigen Zeitgeist. Denn die Anonymität des Internet ermöglicht es vielen Menschen, die bürgerliche Maske abzulegen und ihre hässliche Seite zu zeigen. Immer häufiger machen Hasskommentare die Runde und die Hemmungen im Internet sind dabei wesentlich geringer als im realen Leben. Es findet eine Verrohung der Gesellschaft statt, eine Tatsache, die dieses Buch auf die Spitze treibt und uns allen eine Warnung sein sollte. Denn auch wenn in diesem Buch reale Morde aufgrund des virtuellen Treibens geschehen, ist der Ton heutzutage in manchen Internetforen nicht unbedingt gemäßigter. Die User verstecken sich hinter der Tiefe und der Anonymität des Internet und vergessen dabei manchmal ihre Menschlichkeit und ihre guten Manieren. Dieses Buch sollte ein Weckruf sein!

„Die Morde, die geschehen sind, gehen auf unser gemeinsames Konto. Ich habe nicht allein getötet, das waren wir gemeinsam […] Ihr wart die Ankläger und die Richter, ich der Henker. Ihr habt die Todesurteile gefällt.“ (S.369)

Insgesamt ist Anonym ein sehr fesselndes, tolles Buch das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann!

Ich vergebe 5 Papierblumen! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine

 

In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft …

kein-weg-zu-weitAzmera lebt einigermaßen glücklich mit ihrer Familie in Eritrea, bis ihr Vater eines Tages inhaftiert und gefoltert wird. Denn er wurde zu einem Gegner des Regimes erklärt und von nun an ändert sich das Leben der Familie von Grund auf! Als ihr Vater aus der Haft entlassen wird, muss er Hals über Kopf aus dem Land flüchten und erhält schließlich Asyl in Schweden. Doch Azmeras Familie bleibt weiterhin im Visier des Militärs und so entschließt die Siebzehnjährige sich schließlich zu einem sehr gewagten Schritt: Sie will die Flucht nach Europa wagen, um dort mit ihrem Vater leben zu können. Ganz alleine tritt das junge Mädchen also nun diese gefährliche Reise an …

Brigitte Blobel befasst sich in ihrem Jugendbuch „Kein Weg zu weit“ mit einem sehr aktuellen Thema und erzählt die Geschichte ausschließlich aus Sicht der jungen Azmera. Dieses Buch hat mich sehr bewegt und zeigt, welche Gefahren manche Menschen auf sich nehmen müssen, nur um in Frieden zu leben. Korrupte politische Systeme, Armut und willkürliche Gewalt gegen Oppositionelle und Kritiker sind die wohl häufigsten Ursachen, die Menschen zwingen, ihre geliebte Heimat zu verlassen.

„Ich habe gehört, die Gefängnisse sind alle voll“, sagt ein anderer. „Sie heben jetzt in der Wüste einfach Gruben aus und legen sie da rein.“

„Lebendig?“ fragt Assoud. Er wendet den Blick nicht von der Straße ab, aber Azmera sieht aus den Augenwinkeln, dass er sehr blass geworden ist.

„Ja, am Anfang schon, aber das dauert nicht lang.“ (S.20)

Diese an sich schon gefährliche Reise ist für Azmera umso brenzliger, da sie als Frau alleine reist. Denn die Stellung der Frau ist in Eritrea und in dessen Nachbarländern nicht besonders hoch angesehen und so muss sie sich auch an dieser Front durchsetzen.

„Die Männer denken, dass sie etwas Besseres sind und dass wir Frauen nur existieren, um ihnen zu dienen.“ (S.36)

Doch Azmera hat Glück im Unglück, denn immer wieder begegnet sie Menschen, die ihr helfen und sie beschützen so gut es geht. In Libyen gewährt eine muslimische Familie Azmera Unterschlupf und hilft ihr nach längerer Krankheit wieder auf die Beine. Die Gastfreundschaft und die Offenheit dieser Familie hat mich sehr beeindruckt und zeigt, dass die politischen und religiösen Probleme meistens nicht die gesamte Gesellschaft betreffen, sondern von Randgruppen aufgebauscht werden.

„Deine Sachen habe ich gewaschen und gebügelt“, sagt Fatima. „Keine Sorge, alles ist noch da. Du musst keine Angst haben. Bei uns bist du sicher. Wir sind Muslime. Wir tun nichts Böses.“ (S.56)

„Fatima ist voller Güte und so großzügig, obwohl sie selbst nicht viel hat. Sie sagt, der Koran verlange, dass man Bedürftigen hilft und die Kranken pflegt.“ (S. 60)

Die verschiedenen Schlepper sind mehr oder weniger menschlich dargestellt, mal abgesehen von jenem, der die Überfahrt über das Mittelmeer organisieren sollte. Dennoch gibt es so manche gefährlichen Momente auf der Reise, die unter anderem auf das Konto irgendwelcher Touareg, Rebellen oder Militärs gehen. Unterwegs muss Azmera aus organisatorischen Gründen eine neue Identität annehmen und wird zur Schwester eines anderen Flüchtlings. Dieser soll sie beschützen und ihr helfen, nach Europa zu kommen. Diese neue Identität trägt dazu bei, dass Azmera immer mehr das Gefühl hat, sich zu verlieren.

„Aber sie ist ja nicht mehr Azmera. Ihre eigene Geschichte gibt es nicht mehr.“ (S. 200)

 Immer wieder kommen Azmera Zweifel an ihrem Unterfangen, doch für ihre Familie möchte sie stark sein. Auf ihrer Reise begegnet sie sehr vielen, verschiedenen Menschen die alle nur ein Ziel haben: Raus aus ihrer Heimat in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die meisten von ihnen wollen nach Europa…

Der alte Mann, der ihr gegenübersitzt, lacht auf. „Alle wollen nach Europa. Glaubst du Europa will dich auch?“ (S.73)

„Europa scheißt auf euch. Weißt du das nicht? Europa macht seine Grenzen dicht, sie lassen keine Flüchtlinge mehr durch. Wenn sie euch erwischen, schicken sie euch sofort wieder zurück.“ (S.100)

„In Europa braucht ihr auch keine Angst mehr vor den Polizisten zu haben. Alle werden euch helfen, niemand wird für seine Hilfe ein Bakschisch von euch erwarten. Sogar die Fischer werfen lieber ihren Fang über Bord, als euch ertrinken zu lassen. Ich habe es mit eigenen Augen im Fernsehen gesehen.“ (S. 206)

Wie groß muss die Ernüchterung jener Menschen sein, wenn sie nach dieser so riskanten Flucht in Europa ankommen und merken, dass sie leider noch lange nicht überall mit offenen Armen empfangen werden? Dass man sie als Problem empfindet, das man irgendwie lösen muss? Dass man sie wieder nicht als gleichwertige Menschen ansieht, sondern ihnen schon vor ihrer Einreise einen Stempel aufdrückt?

Dieses Buch ist ein Plädoyer für Offenheit, Toleranz und Menschlichkeit. Niemand hat Einfluss darauf, wo er geboren wird, die Herkunft macht keinen Menschen zu etwas Besserem oder etwas „Schlechterem“. Leider gibt es verstärkt Kräfte, die sehr gefährliche Parolen in die Welt setzen und die Menschen in Europa gegen die Flüchtlinge aufhetzen wollen. Unglücklicherweise sind sie dabei zum Teil erfolgreich …

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Christine

 

 

Wie man unsterblich wird …

wie-man-unsterblich-wirdFünf Tatsachen über mich:

  1. Ich heiße Sam.
  2. Ich bin elf Jahre alt.
  3. Ich sammle Geschichten und interessante Tatsachen.
  4. Ich habe Leukämie.
  5. Wenn du das hier liest, bin ich wahrscheinlich tot. (S.11)

Sam weiß, dass er bald sterben wird. Denn der Elfjährige leidet unter Leukämie und für ihn besteht keine Hoffnung mehr. Gemeinsam mit seinem besten Freund und Leidensgenossen Felix versucht er, trotz seines schrecklichen Schicksals eine gewisse Form des Alltags zu wahren und dem Leben so viele positive Momente wie möglich abzuluchsen. Sams Zeit auf Erden ist stark begrenzt, doch er versucht, sie so gut wie möglich zu nutzen.

„Ein ganzes Jahr oder auch länger können Menschen damit leben. Bei mir sind es schon vier Monate. Ein Jahr ist eine lange Zeit. In einem Jahr kann wer weiß was passieren.“ (S.64)

Gemeinsam erhalten die beiden Jungs Hausunterricht und sie stellen so manchen Unfug an. Zudem hat Sam begonnen, an einem Buch über sein Leben zu schreiben, unter anderem in Form von Listen. Denn trotz seiner Krankheit, will der tapfere Junge sein Leben genießen …

Sally Nicholls hat mich mit ihrer Erzählung tief berührt. Ich mag es mir gar nicht vorstellen, dass derart junge Kinder sich so intensiv mit dem Thema Sterben auseinandersetzen müssen. Das todtraurige Buch hinterlässt wohl bei jedem Leser tiefe Spuren und dennoch vermittelt es eine sehr intensive Lebensfreude und viel Energie. Dies wird noch dadurch unterstützt, dass Sam seine Leser direkt anspricht. Daher fühlt man sich ihm sehr verbunden und wird noch enger in das Geschehen mit eingebunden.

Der Umgang in der Familie ist liebvoll, doch jeder leidet unter Sams Krankheit, nicht nur der Patient selbst.

„Ich hasse es“, sagte ich. Ganz hoch und dünn kamen die Worte heraus und die Schluchzer schüttelten mich. „Ich hasse es, ich hasse es.“
Mum nickte. Ihr Gesicht glänzte von den Tränen. „Ich auch“, sagte sie. „Ach, mein Herz, ich auch.“ (S.119)

„Du musst tun, was ich will“, sagte ich wütend. „Alle müsst ihr das. Weil ich nämlich sterbe, und dann tut es euch leid.“ Mum saß völlig still und presste die Lippen zusammen. Einen Augenblick lang rührte sich keiner von uns. Dann wandte sie sich ab und rannte aus dem Zimmer. „(S.125)

Natürlich weiß Sam, wie unfair solche Aussagen sind. Doch er trifft damit voll ins Schwarze und es ist verständlich, dass ein Kind in seiner Lage auch einmal die Nerven verliert. Dass dies für die ganze Familie eine sehr schwierige Situation ist, steht außer Frage, und nicht jeder kann damit umgehen. Sams Vater versucht sich vollkommen abzuschotten und ist sehr still, dennoch tut er alles um seinem todgeweihten Sohn seine letzten Wünsche zu erfüllen.

Sam ist ein sehr sensibler Junge und macht sich Gedanken darüber, welche Spuren er bei seinen engsten Freunden hinterlässt. Er will nicht, dass sie nach seinem Tod leiden, sondern möchte, dass sie sich mit viel Freude an ihn erinnern. Daher plant er auch eine Überraschung …

„Ich wollte Geschenke für sie haben, die sie immer an mich erinnern würden. Ich meine, Granny hat viele Fotos von mir, das weiß ich, aber Annie und Mrs. Willis haben ja keine.“ (S.186)

„Ich finde eine Beerdigung sollte lustig sein. Keiner soll schwarz tragen. Ihr sollt lustige Geschichten von mir erzählen, keine traurigen.“ (S.196)

„Ihr dürft traurig sein, aber nicht zu traurig. Wenn ihr immer traurig seid, wenn ihr an mich denkt, wie könnt ihr euch dann an mich erinnern?“ (S.196)

Ich glaube, diese Worte sprechen für sich.NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

Ich vergebe 5 Papierblumen.

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Christine

Übrigens:

Unter der Regie des Spaniers Gustavo Ron wurde „Wie man unsterblich wird“ verfilmt. Die Rolle des kranken Sam spielt der britische Nachwuchsschauspieler Robbie Kay. Die offizielle Premiere des Filmes, der auf Deutsch unter dem Titel „Ways to live Forever – Die Seele stirbt nie“ läuft,  fand 2010 auf dem Filmfestival in Cannes statt.

Unerwartet dramatisch!

cacheLeyla und Max sind ein Vorzeigepaar … eigentlich! Denn Leyla fühlt sich vernachlässigt und distanziert sich zusehends von Max. Diese Entwicklung wird vor allem durch RED beschleunigt, der Abenteuer und Nervenkitzel in Leylas Leben bringt. Denn RED liebt die aufregendsten Caches und führt Leyla und Max in diese Welt ein. Dabei flirtet er sehr offensiv mit Leyla, die schon bald zwischen den Stühlen steht … Wie wird sie sich entscheiden?

Cache gehört eigentlich so gar nicht zu dem Genre Buch, das ich gerne lese. Da mir das Buch aber empfohlen wurde, habe ich es dennoch gelesen und ich bin sehr positiv überrascht. Denn Marlene Röder treibt die Handlung in einer gekonnten, leichten Sprache voran und driftet auch nicht zu sehr in das Schnulzige ab. Ihre teils metaphorische Sprache passte ausgezeichnet zu der Handlung und so ist ihr ein spannender Jugendroman gelungen.

Das Thema Geocaching wird sehr anschaulich beschrieben und auch für Laien erklärt, sodass man sich sehr leicht mit den verschiedenen Begriffen zurechtfindet. Wieder einmal habe ich beschlossen, dass ich unbedingt so ein GPS-Gerät brauche um auch Caches bestreiten zu können. Denn eine Schnitzeljagd für Erwachsene würde mir sicherlich einen Riesenspaß bereiten!

Die Personen sind sehr ambivalent gezeichnet und nicht immer sympathisch. Vor allem Leyla erschien mir sehr naiv, da sie sich von Anfang an von RED hat einlullen lassen. Sie fühlte sich vom Abenteuer, von dem Neuen angezogen und vernachlässigte dafür das Gewohnte. Auch Max, der ein bisschen steif ist und seine Gefühle so schlecht ausdrücken kann, handelt nicht immer sympathisch, doch stets nachvollziehbar. Obwohl die beiden sicherlich niemanden bewusst verletzen wollen, stehen sie am Ende beide als Verlierer da und tun mir ehrlich leid.

Etwas anders stehe ich zu RED. Ich fand ihn von Anfang an sehr überdreht und unbeständig, keines Falls also eine Person, der man Vertrauen schenkt. Natürlich ist er mysteriös und verspricht ein Abenteuer nach dem nächsten, doch seine Geheimnistuerei war mir sofort suspekt. Er war mir also schon zu Beginn unsympathisch und dies änderte sich nicht. Ich will hier aber nicht zu viel verraten, daher halte ich mich bei RED lieber zurück…

Die Handlung an sich war gut durchdacht und wird abwechselnd aus Leylas und aus Max‘ Perspektive erzählt. Zeitsprünge treiben das Geschehen voran, liefern Erklärungen und erhöhen die Spannung. Dennoch war ich auf den Schluss nicht vorbereitet und daher hat das Ende mich wirklich aus den Socken gehauen. Das hätte ich so nicht erwartet und ich bin immer noch fassungslos und erstaunt zugleich.

Cache ist ein spannendes Jugendbuch rund um die Themen Liebe und Herzschmerz, aufgrund des Schlusses allerdings auch ziemlich dramatisch.

Ich vergebe 4 Papierblumen! NurEinBuchIButtonVERLAGSSEITE

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Christine